Home / Forum / Liebe & Beziehung / Zusammenziehen nach schlechtem Ereignis?

Zusammenziehen nach schlechtem Ereignis?

17. Dezember 2018 um 16:42

Hallo,

ich bin 23 Jahre alt und jetzt seit fast 3 Jahren mit meinem Freund (26) zusammen. Für uns beide ist es jeweils die erste richtige Beziehung. Und eigentlich läuft es perfekt zwischen uns: Wir haben viele Gemeinsamkeiten, die gleichen Ziele im Leben, lassen uns genügend Freiraum, ... Wir wohnen circa 10 Minuten voneinander entfernt und haben uns die letzten 2,5 Jahre jede Woche meistens Dienstagabend zum Kochen und an den Wochenenden (oft auch durchgängig von Freitagnachmittag bis Sonntagabend, je nachdem was so geplant war) getroffen. Aber ich glaube, ich muss jetzt ein bisschen weiter ausholen:

Bereits vor einem Jahr haben wir immer wieder darüber gesprochen, wie es wäre zusammenzuziehen. Aber da ich noch in meiner Ausbildung war (und deshalb kaum Geld verdiente), beschloss mein Freund, dass wir uns noch ein halbes Jahr (bis zum Ausbildungsende) Zeit lassen und dann nochmal über das Thema sprechen. Klang vernünftig. Also beendete ich meine Ausbildung, suchte mir einen Job in meiner bisherigen Firma (5 Minuten weg von seiner Wohnung) und hoffte darauf, dass nun endlich der Zeitpunkt gekommen ist, dass wir zusammenziehen würden. Doch er wollte nicht mehr.

Ich verstand für diesen Moment die Welt nicht mehr. Ist in letzter Zeit etwa irgendetwas schief gelaufen? Nein. Eigentlich nicht. Ich stellte ihn daraufhin zur Rede und fand heraus, dass er nicht mit mir zusammenziehen wollte, weil ich noch bei meinen Eltern lebe und er erst mit mir zusammen ziehen wollen würde, wenn ich 1 oder 2 Jahre allein gelebt habe und mich um meine eigenen Sachen (Wäsche waschen, kochen, Rechnungen bezahlen) gekümmert habe. Freunde gaben mir den Tipp, dass ich mir wirklich eine Wohnung suchen sollte. Mein Freund würde es sich bestimmt auch anders überlegen, wenn er sieht wie gut ich das alles mit System anpacke. Doch es kam nicht so. Und irgendwann kam ich aus der Sache nicht mehr raus. Wohnung war gefunden, Eltern eingeweiht und so zog ich aus. In meine erste eigenen Wohnung. Und das war einer der größten Fehler meines Lebens.

Ich fühle mich einfach nicht wohl. Und das liegt nicht an der Wohnung. Die Wohnung ist schön. Sehr schön sogar. Ich denke, dass es an der „Abfuhr“ von meinem Freund liegt. Weil ich eigentlich nie direkt allein wohnen wollte. Weil ich mich irgendwie dazu gedrängt gefühlt habe. Ich verbrachte zwar kaum Zeit allein in meiner Wohnung, aber ich war einsam. Und so überlegte ich, doch wieder zu meinen Eltern zurückzuziehen. Aber dann kam der nächste Schock dieses Jahr:

Mein Vater bekam eine Hirnblutung. Seit 6 Wochen liegt er auf der Intensivstation und hat schon einige Sachen erleben müssen: Krankenhauskeim, Lungenentzündung, Bakterienfund in Gehirnflüssigkeit usw. Aber es schien so, dass er wieder auf die Beine kommt. Doch dann kam die 2. Hirnblutung, die sein dreiviertels Gehirn zerstörte. Es wird angenommen, dass er leider nie wieder aufwachen und uns auch nie wieder registrieren wird. Also er ist noch am Leben. Aber eigentlich ist er schon weg...

Wegen dieser schweren Zeit bin ich jetzt erstmal die letzten 6 Wochen bei meinem Freund „eingezogen“. Er wollte mich nicht allein lassen. Und dafür bin ich echt dankbar. Es hilft mir meine Trauer durchzustehen. Aber wie ich die letzten Wochen gelernt habe: Alles hat irgendwann ein Ende. Ich kann ihn nicht zu lange in seiner Wohnung auf die Nerven gehen. Am Wochenende schien es mir ein guter Zeitpunkt über den Tag meines „Ausziehens“ zu sprechen. Mein Freund konnte das aber gar nicht nachvollziehen. - Ich kann doch bleiben. Es klappt doch. Hat man doch die letzten Wochen gesehen. - Und hat mich gebeten bei ihm richtig einzuziehen.

Ich wusste nicht was ich sagen soll. Ich bin so durcheinander. Jetzt würde mein Wunsch von den letzten Monaten/vom letzten Jahr wahr werden, aber es ist so viel passiert. Einerseits will ich immer noch gerne mit ihm zusammenziehen. Andererseits habe ich Angst. Zieht er vielleicht nur mit mir zusammen, weil er mich nicht allein lassen will? Zuviele Gedanken. Ich hab ja auch erst im August meine Wohnung neu eingerichtet, musste extrem viele Sachen neu kaufen (die wir dann doppelt hätten), Verträge auf 2 Jahre abschließen, ... Aber das Problem hätten wir in einem Jahr wahrscheinlich auch noch.

Ich weiß einfach nicht weiter. Einerseits möchte ich ihn keine Abfuhr geben, weil ich das doch irgendwie möchte (und weiß wie ich mich nach seiner Abfuhr gefühlt habe..), andererseits fühlt sich meine Welt zurzeit so unwirklich und verwirrt an. Seit 27. November sagen die Ärzte, dass mein Vater jeden Tag/jede Stunde sterben könnte. Ich kann nie komplett abschalten. Es ist so als würde ich die ganze Zeit nur in einen (Alp-)Traum festsitzen. Es wird mir alles zuviel. Aber zu ewig will ich in diesem Stadium (halb eingezogen/halb nicht) auch nicht bei meinem Freund fest sitzen. Ich habe jetzt die letzten 2 Monate schon 1.000 Euro Miete bezahlt, für das, dass ich 2 Nächte bei mir übernachtet habe. Und je länger ich hier unentschieden dasitze, desto mehr "verschwendetes Geld" wird es. (Zumindest, wenn ich es zum Monatsende immer noch nicht weiß. Kündigungsfrist von 3 Monaten hab ich eh noch.. )

Was würdet ihr an meiner Stelle machen?


Mehr lesen

17. Dezember 2018 um 17:14

Hallo liebe Muffin Love,

du versuchst alles auf einmal zu lösen und das geht nicht. Erstmal auch mein Mitgefühl für die Situation mit deinem Papi. Das wäre auch für ältere Erwachsene mit beiden Beinen im Leben stehend und ohne sonstige Probleme ein wahnsinnig schwere Zeit.
Nicht nur, weil alles irgendwie vage und ungewiss ist, sondern weil man gar keinen Einfluss darauf hat. Du kannst nichts machen, bist zum passiven Beobachter, Schmerzerleider degradiert.
Und in Bezug auf deinen Freund ist es dann wieder ganz anders. Da soll auf einmal eine wichtige Entscheidung her, von dir, aber eigentlich hat er die getroffen und zwar jedes Mal. Als du nicht einziehen sondern eine eigene Wohnung nehmen solltest, hat er das entschieden und nun entscheidet er, dass du einziehen kannst. Deine Gefühle sind absolut nachvollziehbar. Ich hätte an deiner Stelle auch keine "Lust" mehr dazu und zum anderen bist du emotional gerade in tiefer Trauer. Unter solchen Umständen würde ich den Knochen des Freundes auch nicht fressen wollen.
Einerseits kann ich deinen Freund verstehen, er hat sehr rational gehandelt, als er von dir im Prinzip verlangte, dir erst mal eine Wohnung zu nehmen. Glaube mir, im Nachhinein denke ich mir, dass ich das bei meiner großen Lieben auch hätte tun sollen...dann wäre vieles anders gelaufen, aber: es gibt kein Patentrezept fürs Leben. Es hätte auch direkt, so wie es jetzt eben auch von alleine läuft, direkt super klappen können. Aber diese gemeinsame Tür in die Zukunft hat er für euch zugemacht. Komm du mal klar, dann vielleicht...unschön. Ich hätte mich auch vor den Kopf gestoßen gefühlt, denn offenbar wiegt seine Sicht der Dinge irgendwie mehr als deine und DAS geht auf Dauer nicht gut. Sei es jetzt die Wohnung, in Zukunft wird es dann was anderes sein: das gemeinsame Auto, die richtige Kita usw. usf...das entscheidet man zusammen und nicht besserwisserisch alleine, auch wenn es gut gemeint ist. Es hält ja den Verfall einer Beziehung genauso wenig auf, wie es zusätzlich zusammenschweißen würde.
Er hat euch also schon auch einen großen Teil des zuammen erkundens genommen und das kann man auch nicht wirklich nachholen. Du bist ja kein unreifer Mensch, nur weil du von zu Hause mit deinem Freund zusammen gezogen wärst. Hier scheint seinerseits noch etwas anderes mitzuschwingen...(ist sie die richtige, will ich das wirklich? etc.pp)
Mein Tipp, nur als Vorschlag: bleib in deiner Wohnung. Nun ist alles gekauft und eingerichtet, jetzt ist es wirklich quatsch, zu ihm zu ziehen (und du wirst irgendwann dankbar dafür sein, denn...jetzt wirds bitter...keine Liebe hält für den Rest des Lebens, besonders nicht die Erste...).
Du bist emotional derzeit komplett auf deinen Vater eingestellt und das ist nur logisch. Und mal ehrlich: Während dein Vater jeden Tag sterben könnte, willst du doch nicht wirklich auch noch einen Umzug stemmen? Das klingt gar nicht gesund...daran kann auch eine Beziehung zerbrechen, denn der Zweifel wird an die Nagen (hat er es nur aus Mitleid angeboten? Liebt er nicht vielleicht gar nicht mehr? usw...). Bleib in deinen eigenen vier Wänden, bis du emotional wieder stabil sein kannst.
Von Herzen alles gute für dich!

1 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. Dezember 2018 um 20:56

Erstmal mein Beileid zu der Geschichte mit deinem Vater.
Zum anderen Thema: Ich an deiner Stelle würde erstmal in deiner Wohnung bleiben. Klar ist das viel Geld momentan, aber dann hast du noch einen Rückzugsort. Desweiteren würde ich ihm diesmal eine Entscheidung sagen: Ich behalte meine Wohnung bis die Sache mit meinem Vater durchgestanden ist. Wenn er halbwegs i.O. ist sieht er ein das nur fair wäre das dieses Mal du die Bedingung stellst. Abgesehen das du natürlich ganz andee Sachen um die Ohren hast.

2 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. Dezember 2018 um 21:29

Das dir dein Freund vorgeschlagen hat erstmal in eine eigene Wohnung zu ziehen halte ich für sehr erwachsen.
Ich bin damals von meinen Eltern sofort zu meinem Exfreund gezogen (hatte aber auch seine Gründe), das ging 4 Jahre "gut" bis es richtig geknallt hat, dann zog ich in meine eigene Wohnung. Am Anfang war das sehr ungewohnt aber ich lebte mich schnell ein und es war eine verdammt gute Entscheidung bzw. gut das es bei uns so geknallt hat.
Die Erfahrung einer eigenen Wohnung sollte jeder machen, wie ich finde, so lernt man auch sehr viel, vorallem Selbstständigkeit und darum geht es auch deinem Freund.
Sobald man zusammenzieht sollte man sich auch eine gemeinsame Wohnung suchen und nicht jeweils bei dem anderen einziehen, das führt in den meisten Fällen zu Streit, da der bereits dort wohnhafte in vielen Fällen nicht in der Lage ist seine Wohnung nun vernünftig zu teilen.

Sag deinem Freund das du derzeit in einer Ausnahmesituation lebst, aufgrund deines Vaters und man erst über das Zusammenleben reden sollte sobald diese schwere Zeit überstanden/verarbeitet ist. Er denkt jetzt aufgrund deiner Anwesenheit, dass es wohl laufen wird aber das ist ein Trugschluss, da du dich ja nicht in deinem eigentlichen Zustand befindest, man somit gar nicht ordentlich das Zusammenleben beurteilen kann. Hinzukommt, dass du erst seit kurzem allein wohnst .

Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit.

1 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen