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Zukunft trotz Schuldgefühlen?

5. September 2008 um 13:47

Hallo Ihr Lieben.

Auch wenn die folgende Geschichte vor Chaos nur so versinken wird, wende ich mich damit trotz allem einfach mal an Euch, da ich selbst beginne an diesen Verwirrungen zu zerbrechen.

Vor zwei Jahren lernte ich D., den besten Freund meines (damaligen) Freundes kennen - und ich fand ihn furchtbar. Seine Direktheit und diese ganz andere Art mit Menschen umzugehen (soviel Offenheit bei Jemandem hatte ich noch nie erlebt) schreckten mich unbeschreiblich ab. Zumal er mit seinen Anfang 30 und der Tatsache Frau und Kinder zu haben für mich mit meinen damals 18 Jahren in einer ganz anderen Hemisphäre schwebte. Ich glaubte zumindest, dass er das tat.

Natürlich begegnete man sich, wenn ich bei meinem Freund war und auch er zu Besuch kam. Und ganz plötzlich, irgendwann, begann er doch mein Interesse zu wecken. Ich kann das sehr schwer beschreiben ... ich bin eher ein Typ Mensch, der andere lange beobachtet und erst dann vorsichtig mit einer Kontaktaufnahme beginnt. Er - wie oben schon angedeutet - ist das genaue Gegenteil.
Und gerade dieser Widerspruch unserer Charaktere sorgte dafür, dass wir neben unseren messerscharfen Wortwechseln im Haus meines Freundes anfingen auch via Internet zu schreiben.

Irgendwann begannen wir gemeinsam Dinge zu unternehmen und bemerkten auch dabei recht schnell, dass wir uns ergänzten, dass wir aber doch gleichzeitig nicht so unterschiedlich waren, dass wir nur am Streiten gewesen wären. Er sah die Dinge genau wie ich. Er ging anders damit um zwar, aber ... naja, die typisch-klassische Wellenlänge, die stimmte einfach.
Die gleiche Art von Humor, sein unfassbar ehrlich Charakter, sein Reife (man merkt dann eben doch die paar Jahre mehr), sein Bemühen um mich. All das tat so gut.

Die ersten Skandale brachen herein.
Seine Frau begann in Eifersucht zu zerfließen. Er versicherte ihr jederzeit seine rein platonischen Absichten, aber ihr Vertrauen kannte da keine Gnade. Mein Freund im Gegenzug fand unsere Freundschaft okay. Eigentlich nahm er es sogar (zu) gleichgültig auf.
Aber er konnte mir Vertrauen.
D. und ich waren wirklich nur sehr, sehr gute Freunde. Aber sowohl der Altersunterschied (14 Jahre) als auch dieses "Harry & Sally"-behaftete Klischee von nichtfunktionierenden Mann-Frau-Freundschaften sorgte für Skepsis von allen. In unserem Ort, einem klassichen Dorf, wurden wir von Anfang an misstrauisch beäugt.
Als die Probleme in seiner Ehe überhand nahmen, spielte ich märtyrerhaft die Selbstlose und meinte, es wäre in beiderlei Interesse, wenn wir unseren engen Kontakt vorerst abbrechen. Er wollte nicht. Ich eigentlich auch nicht. Aber er akzeptierte.

Ich gestehe ehrlich - die darauffolgende Zeit war die absolute Hölle. Ich vermisste ihn so sehr. Wahrscheinlich hätte ich mir schon zu diesem Zeitpunkt Gedanken über meine Gefühlswelt machen sollen. ...

Mit meinem Freund war ich zu diesem Zeitpunkt auch weiterhin zusammen, während er und ich uns immer mehr stritten. Dazu sagen muss ich auch, dass mich mein Freund nicht immer unbedingt liebevoll behandelte. Er kümmerte sich mitunter einen feuchten Dreck um mich und hatte allenfalls nichts besseres zu tun, als mir aufzutragen dies oder jenes vorbeizubringen und abends dann bei ihm zu erscheinen (wozu muss ich sicherlich nicht extra erwähnen). Etwas unternehmen wollte er selten mit mir - Couchpotato. Obwohl ich das Wort nicht mag: Es trifft auf ihn zu wie auf keinen anderen.
Bei D. suchte ich mir also das, was ich bei meinem Freund nicht bekam. D. nämlich unternahm etwas mit mir und das sogar gern. Und schlug selbst allerhand vor. Er hatte Interesse an dem, was ich tat, was mich beschäftigte, er fragte nach, er schrieb mir, er sagte einfach mal heraus: "Du, ich hab Dich lieb!".
Natürlich - und da bin ich ganz ehrlich - schmeichelte es mir auch, dass ein älterer Mann sich so sehr um mich bemühte. Aber, ich muss es nochmal sagen: Ohne augenscheinliche Hintergedanken. Er machte NIE andere Andeutungen.

Irgendwann und ganz zwangsläufig nahm ich dann den Kontakt zu D. wieder auf. Ich merkte das erste Mal - ohne ihn ging es nicht, ohne ihn fühlte ich mich unvollständig und leer.
Während sich unsere Freundschaft daraufhin weiter vertiefte, tatsächlich abgesehen von kleinen Flirts völlig harmlos, begann seine Ehe immer mehr kaputt zu gehen. Lange Zeit bekam vor allem ich von seiner Frau die Schuld dafür zugesprochen.
Es gab dann auch zahllose erste Drohungen, die wirklich heftig ausfielen und häufig weit unter der Gürtellinie plaziert waren! Wir wurden vorsichtiger.

Und so versuchten wir die Zweifel auszuräumen, indem wir meinen Freund und auch seine Frau und Kinder mit einbezogen. Wir machten gemeinsame kleine Ausflüge, ich kümmerte mich viel um seine Kinder. Naiverweise glaubte ich, es könnte alles gut werden.
Etwas hatte sich allerdings verändert - nach einem Jahr bemerkte ich, dass das bei mir tatsächlich nicht mehr nur rein freundschaftlich war. Die Schmetterlinge im Bauch (hach, wie kitschig) sagten mir was anderes.
Auch bei den Treffen wurde vor allem mein Freund häufig sehr lakonisch: "Soll ich vielleicht besser gehen und Euch allein lassen?"
Tatsächlich schwebten D. und ich immer ein wenig über den Wolken und ich merkte das auch. Wahrhaben aber wollte ich es nicht. In größeren Gesellschaften waren wir zickig zueinander wie kreischende Teenager und doch trafen sich unsere Blicke häufig für einen Moment zu lang.. Wir spielten Theater. Anders kann man es nicht sagen.

Ich möchte es nicht noch länger ausdehnen und zur eigentlich Sache kommen.
Vor einiger Zeit beendete mein Freund die Beziehung (zu unrecht: Ich hätte das tun sollen!).
D. und ich haben uns wenig später darauf gestanden, dass wir ineinander verliebt sind. Sehr gut, dass wir das nach eineinhalb Jahren endlich mal gemerkt haben. Und damit fängt es an.

Seine Ehe liegt im Trümmern und Bruchstücken da. Ich selbst habe keinen kleinen Anteil daran und allein das lastet schon unfassbar schwer auf mir.
... ich bin keine klassische kleine Person, die sich verheirateten Männern an den Hals wirft und sich DANN keine Gedanken um das macht, was sie damit im Leben dieser nun zerbrochenen Familie angerichtet hat. Im Gegenteil.
Nachdem wir uns unsere Liebe zueinander gestanden haben, häng ich ehrlich in einem tiefen Loch.

Ich liebe ihn. So sehr.
Aber ich komme mit meiner Art der Verantwortung nicht klar.

Er will die Trennung. Sie auch, und dennoch reagiert sie auf harmlose Kontakte (und selbst wenn sie zufällig sind!), die er mit irgendwelchen Frauen hat, hysterisch eifersüchtig. Sagt gleichzeitig er solle verschwinden, andererseits dableiben, um auf die Kinder zu achten.
Er ist wirklich total fertig.
Und ich bin es auch.

Es sind noch viele Dinge mehr passiert und es würde den Rahmen sprengen, das alles hier aufzuschreiben.
Bald gehe ich zum Studium in eine andere Stadt. Und er möchte mir gern folgen.
Und - ja, ich habe Angst.
Angst davor, wenn er mitkommt und Angst davor, wenn er nicht mitkommt.
Käme er mit, gänge der Kontakt zu seinen Kindern flöten und allein das will ich schon nicht. Die Kinder lieben ihren Vater. Und ich mag die Kinder auch sehr. Soll ich ihnen einfach den Vater wegnehmen?
Ich habe Angst vor diesen Unterstellung: "Wir haben es immer gewusst, Ihr habt uns die ganze Zeit angelogen - Ihr wart nicht nur Freunde!"
Auch Angst vor den Verurteilungen wegen unseres Altersunterschiedes (das übliche). Den Reaktionen von Eltern, Freunden ...

Doch käme er nicht mit, das weiß ich, würde ich sehr schnell komplett eingehen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen meinem moralischen Gefühl von Anstand und Verstand. Und meinem Herzen. Und das sagt mir, dass ich diesen Mann liebe und brauche ...

Was also soll ich tun?
Trage ich Schuld? Ist es meine Pflicht ihn aufzufordern in der Nähe seiner Kinder zu bleiben? Hätte ich die Freundschaft schon viel eher kappen sollen, bevor es zum äußersten kam?

Was denkst Ihr dazu?

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14. September 2008 um 15:35

... kann ...
... mir wirklich niemand helfen?

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