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Ziegenhirt in Marokko

9. September 2002 um 14:13

Hallo liebe Newsgroupler/innen,

Ein Thema was mich nachdenklich macht.

Wer führt das glücklichere Leben: Ein einfacher Ziegenhirt in Marokko oder jemand der westlichen Kultur?

Wenn es als Mensch darum geht glücklich zu sein, und der Hirt wäre der Glücklichere, so führen manche Trends unserer Kultur (Schönheitswahn, Massen-Medien, Fitneß-Center, Discos, Wirtschaft, Globalisierung) in eine ungesunde (weil unglücklicher machende, gesellschaftskränkende) Richtung.

Was ist Eure Meinung:

Wer ist glücklicher?
Und was gibt es zu beachten?

Liebe Grüße
- Ratsuchende -

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9. September 2002 um 19:40

Sehr komplex
Hallo

man macht sich selber oft unglücklich
der einfache Ziegenhirte hat Bedürfnisse und Wünsche
nehmen wir mal an, er wünscht sich Schuhe, damit seine Füße geschützt sind
er bekommt sie und dieses Bedürfnis ist erstmal gestillt
aber nach einiger Zeit wünscht er sich bessere Kleider, er bekommt sie, als nächstes möchte er einen Hütehund und so gehts immer weiter
dieses Beispiel ist auch auf jemanden, der in der westlichen Welt ist, übertragbar

da ist wohl jeder anders:
ist der Ziegenhirte nun zufrieden (und glücklich), weil er nun etwas hat oder unglücklich, weil er den nächsten Wunsch nicht erfüllt bekommt ?

Data

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9. September 2002 um 19:57

Also...
" Wenn ich alles habe was ich brauche, komme ich mit sehr wenig aus ! "

Hallo Ratsuchender,

ich denke, es ist eine Frage der Lebenseinstellung.

Man kauft sich Dinge, die man nicht braucht, mit dem Geld was man nicht hat, nur um mit seinem Nachbarn, den man nicht leiden kann, mithalten zu können.

Ich denke schon, dass ein Ziegenhirte in Marokko glücklicher ist, als wir Westler. Denn wenn man etwas nicht kennt, hat man auch kein Verlangen danach.

Das ist wie wenn man täglich Griesmus isst...

Kennst Du zufällig den Film " Die Götter müssen verrückt sein " ?

Gerade da wird wunderbar gezeigt, wie man anfängt neidisch zu werden und wie Streit ausbricht.

Jemand schmeisst in der Kalahari eine Colaflasche aus dem Flieger und diese fällt einem Eingeborenen auf den Kopf. Diese Menschen haben noch nie in ihrem Leben gestritten und Neid war gänzlich unbekannt. Als aber das Ding in ihr Leben trat, wollten es alle haben, weil man sehr viele Dinge damit tun konnte.

Den Begriff Glück muss jeder für sich definieren und entscheiden, ob ihm bescheidene Lebensverhältnisse aber innerer Reichtum wichtig sind. Oder aber ob wir Westler unsere innere Leere mit materiellen Dingen füllen können/ müssen.

Ich habe sehr oft festgestellt, dass gerade Intellektuelle oder Künstler, sich weniger aus materiellen Dingen machen als andere Personengruppen.

Ich lebe danach, wenn das Herz nicht stimmt, hat der Geldbeutel keinen Wert.

Aber das muss jeder für sich selbst erkennen und leben.

Liebe Grüsse Ester21

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9. September 2002 um 19:59

Ups ....
Hallo lieber Ratsuchender,

im ersten Moment dachte ich schon, du wolltest dich beruflich verändern.

Ansonsten sehe ich es ähnlich wie Data.

Wunschlos glücklich sind die Menschen nur für kurze Zeit. Es hängt halt von der Stufe ab, auf der man steht. Und Rückschritte machen auch nur die Wenigsten gerne.

Ist ein Wunsch oder Ziel erfüllt, muß bald ein neues her. Die Werbung tut ihr Übriges dazu.

Der Ziegenhirt mag in seiner Welt glücklich sein, denn, was er nicht kennt, kann er auch nicht vermissen. Dafür hat er aber auch manchmal Sorgen, die wir nicht haben und umgekehrt.

LG - Lourdes

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10. September 2002 um 0:39

Nicht entscheidungsorientiert.
Ich habe die Frage philosophisch gemeint. Ich wüßte nicht, wie ich direkt daraus eine Entscheidung treffen sollte (außer Ziegenhirt zu werden). Ich bin auf Deine Antwort gespannt!

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10. September 2002 um 0:46
In Antwort auf Lourdes

Ups ....
Hallo lieber Ratsuchender,

im ersten Moment dachte ich schon, du wolltest dich beruflich verändern.

Ansonsten sehe ich es ähnlich wie Data.

Wunschlos glücklich sind die Menschen nur für kurze Zeit. Es hängt halt von der Stufe ab, auf der man steht. Und Rückschritte machen auch nur die Wenigsten gerne.

Ist ein Wunsch oder Ziel erfüllt, muß bald ein neues her. Die Werbung tut ihr Übriges dazu.

Der Ziegenhirt mag in seiner Welt glücklich sein, denn, was er nicht kennt, kann er auch nicht vermissen. Dafür hat er aber auch manchmal Sorgen, die wir nicht haben und umgekehrt.

LG - Lourdes

Super Ansatz
Hallo Lourdes,

Du und die Vorredner haben mich schon sehr gut verstanden...

Ich glaube wir bekommen seit frühsten Kindheitstagen eine Welt voller Status vorgelebt. Kapitalismus, Statussymbole, uvm. So manipuliert kann kaum jemand ein normales Leben führen ohne ab und zu eine gewisse Unzufriedenheit zu spüren, diesen unendlichen Zielen (und die Werbung schafft unendliche Ziele), nicht genügend zu erreichen. Und hierauf werden wir konditioniert, durch tägliches Fernsehprogramm uvm.

Aber: Es werden kaum menschliche Eigenschaften trainiert, vorgelebt und hochgewertet. Das Glück finden im Einfachen, in der Natur, im einfachen menschlichen Miteinander, man sieht es fast nie. Natürlich wird nun jeder denken, dass es gerade bei ihm anders ist - ich glaube jedoch kaum daran.

Da ich geschäftlich nach Bulgarien mußte, und hier geht es um Deinen ersten Abschnitt, habe ich mir die Frage gestellt, wie es Menschen ohne Kapitalismus schaffen so glücklich zu sein und was wohl in unserer schnellen detuschen, westlichen Welt verkehrt läuft, dass diese Werte nur im Ansatz existieren. Und auch inwiefern, dass mich trifft - inwiefern es philosophische Antworten und Lösungsansätze gibt.

Ich finde es sehr nett, dass Du, Data, ester21 und Michi geantwortet habt!

Viele liebe Grüße
- Ratsuchender -

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10. September 2002 um 13:35

... kommt auf Deine Ziele an ...
Das kommt auf Deine Ziele an. Der Ziegenhirt ist doch nur dann glücklich, wenn er nichts anderes kennt und nach nichts anderem trachtet.

Für mich persönlich habe ich vor 6 Jahren die Entscheidung getroffen, meinen tollen Job in Berlin an den Nagel zu hängen und mir eine Finca in Andalusien zu kaufen... mit Platz für Garten & Tiere. Diese waren auch meine Ziele. Somit vermisse ich kaum etwas. Für gedankliche Stimulation lese ich und mache "auf Kultur", aber ich muss sagen, dass ich mit meinem einfachen Leben sehr zufrieden bin. Ich verdiene nun wenig, da einheimischer Lohn, welcher ein Witz ist, aber es reicht aus. Dafür habe ich Sonne, Strand, wunderbare Landschaft, und den Luxus, den ich mir nie und nimmer in Berlin hätte leisten können: einen 3000 qm Garten mit eigenem (allerdings bescheidenem!) Häuschen und meinen Vierbeinern. Und wenn's mich eines Tages lüstet, mir eine Kuh oder ein Pferd in den Garten zu stellen - bitte schön, niemand kann mir das hier verwehren!

Ich hab' mein Paradies gefunden - für jemanden anders, mit anderen Zielen, wär' das vielleicht nichts.

Gruss, Chata.

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10. September 2002 um 14:58
In Antwort auf feroze_12697984

Sehr komplex
Hallo

man macht sich selber oft unglücklich
der einfache Ziegenhirte hat Bedürfnisse und Wünsche
nehmen wir mal an, er wünscht sich Schuhe, damit seine Füße geschützt sind
er bekommt sie und dieses Bedürfnis ist erstmal gestillt
aber nach einiger Zeit wünscht er sich bessere Kleider, er bekommt sie, als nächstes möchte er einen Hütehund und so gehts immer weiter
dieses Beispiel ist auch auf jemanden, der in der westlichen Welt ist, übertragbar

da ist wohl jeder anders:
ist der Ziegenhirte nun zufrieden (und glücklich), weil er nun etwas hat oder unglücklich, weil er den nächsten Wunsch nicht erfüllt bekommt ?

Data

Sehe ich ähnlich
Hallo,

Eine große Ursache dafür ist sicherlich die Werbung:

Seit frühster Kindheit ist ein Mensch hier der Manipulation und Reizüberflutung ausgesetzt. Es gibt kaum Auswege. Um diesen Konsum zu decken, arbeitet man, die Freizeit sinkt, mit Arbeit kann man kaum das Decken, was man erreichen müßte, um "das perfekte Bild" zu erfüllen.

Ich will jetzt nichts schwarz anmalen, aber hier sollte vielleicht wäre globaler Denkprozeß über die Nachteile unserer Kultur hilfreich.

Lieber Gruß
Ratsuchender

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10. September 2002 um 16:46

Ich weiß nicht so recht...
ob du jetzt hören willst, dass unsere westliche Welt einfach zum K... ist und es sich anderswo, mitten im Dschungel oder in dem abgelegensten Ort dieser Welt besser, glücklicher leben lässt !

Ich war meinerseits einmal (obwohl für ein paar Tage nur) in einem kleinen Dorf mitten im Urwald... ich wurde von den Einheimischen auf eine so liebe und herzliche Art empfangen, dass ich es niemals vergessen werde. Nun, zu sagen, diese Leute sind glücklicher als ich, ganz einfach weil sie weniger besitzen... weil sie weder Strom noch fließendes Wasser in ihren Hütten haben...hmm.

Mein damaliger Freund war Afrikaner und ich dachte lange, dass die Menschen in weniger habgierorientierten Ländern und Gegenden glücklicher seien... und dass hier in unserer westlichen Welt alles nur schlecht ist, weil sie kapitalistisch ist...

Ich habe festgestellt, dass die Leute dort zwar weniger besitzen, aber schufften tun sie auch, dass sie manchmal mit vierzig schon ganz bucklig sind, und ihre Probleme und ihren täglichen Ärger haben sie auch, und auch vorurteilsfrei und frei von Neid sind sie nicht... sie haben genau die gleichen menschlichen Eigenschaften wie wir und wie überall.

Und ich möchte noch etwas hinzufügen : ich bin froh, dass ich als Frau hier und jetzt lebe. Und das ist auch was wert. Natürlich nervt es mich zum Beispiel, wenn ich diese für eine Frau oft demütigenden Werbplakate in den Straßen sehe... und noch viele andere Dinge nerven mich, denn natürlich ist nicht alles rosig bei uns... aber ich fühle mich hier trotzdem wohl.

Ich versuche einfach, mein Leben immer nach inneren Werten zu gestalten und mich an diese Werte zu halten.

Nein, ich habe auf dieser Welt schon viele Dinge gesehen und bin zufrieden, dass ich hier lebe.

Chantal

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10. September 2002 um 17:56

"Der Alchimist" ???
... von Paulo Coehlo.... hast Du das gerade gelesen, oder wo rührt diese Frage her?? Dein Thread hört sich jedenfalls sehr danach an. Falls Du dieses Buch noch nicht gelesen haben solltest, empfehle ich es Dir hiermit
LG sephrenia

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10. September 2002 um 18:23

Der Ziegenhirt
Hallo Ratsuchender,

ich habe in den letzten 4 Wochen viel erlebt, was mich sagen lässt - der Ziegenhirt ist glücklicher.

Ich habe von Anfang an bei der Flutkatastrophe aktiv mitgeholfen. Und was ich da erlebt hab, hat mir schon Grund zum Nachdenken gegeben.

Ich war vorher schon der Meinung, das es schlimm ist, das ein Mensch nach seinem perfekten Äusseren, nach seinem Besitz und all so oberflächlichen Werten gemessen wird und jeder nur noch nach diesen Dingen strebt.

Wie gesagt, hab ich gesehen und live miterlebt, was die Flut angerichtet hat. Menschen, die nichts mehr hatten, als das, was sie am Körper trugen. Häuser, Dörfer, die aussahen wie nach einem Krieg.

Und dann ist es passiert: Menschen bedankten sich bei mir, nur weil sie etwas zu essen bekamen, sie waren glücklich, weil man ihnen zu essen gab und das mitten in Deutschland, mitten im Wohlstand!

Wir haben rund um die Uhr gekocht und Leute versorgt- ohne Frage nach Pause. Wir haben mitunter drei Tage nicht Duschen können, auf LKWs oder in andern Fahrzeugen mal kurz abgenickt und weiter.

Und als ich dann nach Hause kam, in meine vier Wände, da fand ich es sehr seltsam, das mir das, was ich habe, manchmal nicht zu reichen scheint. Es ging sogar soweit, das ich die vielen ach so tollen Typen auf der Straße am liebsten verhaun hätte, weil sie nix anderes im Kopf haben als cool zu sein.

Glaubt mir, der ganze Scheiß ist unwichtig. Man braucht Essen, Trinken, Kleidung, ne Behausung, aber - man braucht Freunde und Liebe. Alles andere ist sehr bedeutungslos.

MfG
Freya

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