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Wurde ich sexuell missbraucht?

23. Juli 2006 um 0:08

Ich habe letzte Woche schon über mein Problem mit Männern allgemein gepostet. Da habe ich auch aus meiner Kindheit erzählt. Jetzt geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, dass ich möglicherweise von meinem Vater sexuell missbraucht wurde oder ob ich da zuviel hinein interpretiere. Muss oft daran denken.

Ich gehe noch mal in meine Kindheit zurück. Ich hatte ein nicht gerade liebevolles zu Hause, wenn ich das jetzt als Erwachsene im Nachhinein betrachte. Als Kind war es normal für mich, bin ja damit aufgewachsen. Wie Kinder halt so sind, stellen sie die Meinung der Eltern ganz hoch, ohne sie zu bezweifeln. Es wurde viel geschimpft, auch wegen Kleinigkeiten oder auch nichts. Meine Eltern hatten irgendwie eine sehr komische Beziehung, wenn man das Beziehung bezeichnen kann. Meine Mutter hatte die Hosen an, mein Vater hatte nichts zu melden, nicht wirklich. Wenn ihr was nicht gepasst hat, hat sie uns ein schlechtes Gewissen gemacht, indem sie ihre "Depressionen" ins Spiel brachte. Ich habe heute noch Probleme, jemanden meine Meinung zu sagen, aus Angst, niedergemacht zu werden oder weil ich ein schlechtes Gewissen bekomme.

Irgendwann erzählte mir mein älterer Bruder, dass mein Vater ein Pflegekind (sie lebte vor meiner Zeit dort) angefasst, sprich sexuell belästigt hat. Morgens, wenn er sie geweckt hat, war er nackt und hat sie angefasst. Meine Mutter hat das nie wahrhaben wollen, sie sagte, dass hätte das Mädchen wohl gerne so gehabt.
Er fragte mich, ob mir das gleiche widerfahren sei. Ich habe mir dann mal Gedanken darüber gemacht. Mein Vater hat mich immer gegen meinen Willen in seine Arme gezogen und abgeknutscht, angetatscht und das sogar an Hüften und Oberschenkeln. Ich dachte immer, das sei normal, so wie man seine Kinder halt in die Arme nimmt und sie lieb hat. Aber da bin ich mir heute nicht mehr so sicher. Bin ziemlich schockiert, dass die Möglichkeit besteht, dass ich sexuell belästigt worden sein könnte.
Es gibt auch ein Foto, da bin ich 3 oder 4 Jahre alt, da hält er mich und meinen jüngeren Bruder im Arm. Und ich sträube mich mit Kräften dagegen und es gefällt mir überhaupt nicht. Irgendwie wirke ich darauf auch entsetzt und verzweifelt, es macht den Eindruck, als geschehe es gegen meinen Willen. Ich denke, dass es nicht seine Absicht war, mir irgendwas in der Richtung anzutun, dass es ihm nicht bewusst war. Aber dann ist da noch die Sache mit dem Pflegekind und das hat mich erst auf diese Schlussfolgerungen gebracht. Bin ich ein Opfer sexuellen Missbrauchs? Mir fällt es immer noch schwer, es wahrzuhaben. Wenn ich mich aus seinen Umarmungen befreit habe, war er tödlich beleidigt und meine Mutter hat mir noch ein schlechtes Gewissen gemacht und sagte: "Mein Gott, er hat dich doch lieb. Stell dich nicht so an." Ich war immer in einem Konflikt damit, wusste nicht damit umzugehen, wusste nicht, was denn nun richtig ist.
Ich habe auch Schwierigkeiten mit dem Wort Papa. Irgendwie hasse ich dieses Wort.

Seit ich umgezogen bin und meine Eltern nur noch selten sehe, sehe ich viele Dinge mit anderen Augen. Ich habe jetzt den nötigen Abstand gewonnen, um die Dinge anders zu beurteilen. Vorher war alles fast normal für mich. Mir geht es viel besser, seit ich weggezogen bin.

Ich habe Probleme mit älteren Männern, ich mag auch keine männlichen Ärzte, außer sie sind jünger. Mein Vater war 45, als ich geboren wurde. Ich finde die Gegenwart von älteren Männern irgendwie unangenehm, ekel mich teilweise vor ihnen. Hatte ich ganz extrem mit meinem ersten Frauenarzt, der war bestimmt schon an die 60. Ich habe mich so geschämt und fand die Untersuchungen einfach nur schrecklich. Ich gehe auch nur noch zu weiblichen Frauenärzten.
Meinen Vater habe ich sehr oft nackt gesehen, das fand ich auch eklig. Ich habe ihn auch schon ein paar mal, wenn er allein war, nackt auf dem Bett meines Bruders erwischt, wie er sich Pornos angesehen hat. Auch hat meine Mutter ihn mal beim Onanieren im Keller erwischt. Wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre... Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken. Meine Mutter hat ihn auch nur selten rangelassen.
Ich habe allgemein ein Problem mit Nacktheit und auch teilweise mit Sexualität. Ich habe jetzt eine richtige Gänsehaut bekommen, als ich das alles geschrieben habe.
Irgendwie verdränge ich auch noch die Möglichkeit, Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sein zu können. Ich will es nicht richtig wahr haben. Dazu kann ich sagen, vergewaltigt wurde ich nicht, da bin ich mir ziemlich sicher. Aber wahrscheinlich reicht schon das hier aufgeführte.

Was meint ihr dazu? Ich danke euch fürs Lesen, es ist ein langer Text. Bitte nur ernstgemeinte Antworten und keine persönlichen Angriffe.

Lg

snoopy432

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23. Juli 2006 um 0:11

Oh man ...
... das klingt aber ganz und gar nicht gut. Hm ... ich weiß leider mit meinen jungen Jahren nicht, was ich dazu sagen soll ... aber hast du mal darüber nachgedacht, in Therapie zu gehen bzw. mit jmd. darüber zu reden, der dir sagen könnte, was du tun kannst? Also zumindest mal mit so einem "klugen" Menschen darüber zu reden?
Mehr weiß ich dazu leider nicht zu sagen ...
LG & so long

WarwicksLady

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23. Juli 2006 um 11:36

Ähnlich
Liebe "Snoopy"...

...mir tut Leid, dass dir das wiederfahren musste. Kinder sind wehrlos und können noch nicht einordnen, was "normal" ist und was nicht.
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich traue mich kaum darüber zu schreiben. Ich habe noch nie mit jemanden darüber gesprochen. Wenn ich heute über meine Familienverhältnisse spreche, dann sage ich, dass sie schlecht waren, dass mein Vater Alkoholiker gewesen ist/noch immer ist... Aber ins Detail gehe ich da nie.
Ich habe mich in meiner Kindheit für meinen Vater geschämt. Er war ständig betrunken und war laut. Ich und meine Schwestern lebten in ständiger Angst um ihn und vor ihm.
Ich schlief noch mit 7/8 Jahren (glaube ich) im Ehebett, zwischen Vater und Mutter (da ich kein eigenes Bett hatte.
Ich erinnere mich daran, dass mein besoffener Vater über mich kroch und meine Mutter belästigte. Meine Mutter wollte das nicht, aber vielleicht ja irgendwie doch? Ich tat so als würde ich schlafen, zu sehr hätte ich mich geschämt, wenn sie gemerkt hätten, dass ich alles mitbekomme. Plötzlich spürte ich das seine nasse Zunge in meinem Ohr. Es war soo widerlich.
Ein anderes Ereignis: Ich war vielleicht 10 oder 11. Mein Vater wollte mir mein Haar schneiden. Wir waren allein im Bad. Er wollte, dass ich mein Unterhemd ausziehe, damit sich keine Haare darin verfangen. Ich schämte mich zutiefst.
Zudem war es immer so, dass mein Vater in mein Bett kam (als ich dann endlich ein eigenes hatte)-er stinkte nach Alkohol...und er hauchte mir in mein Ohr und drückte sich an mich. Meine ältere Schwester schrie und wollte, dass er abhaut. Ich habe mich nichts getraut, war wie gelähmt.
Er schnappte mich sogar manchmal irgendwo anders in der Wohnung und plötzlich lagen wir auf dem Boden. Ich versuchte, zu entkommen, doch er war viel stärker. Ich frage mich heute, ob er mich ärgern wollte und ob es ihm durch seinen Alkoholkonsum misslungen ist, oder ob er mich sexuell belästigt hat. Ich war sein Lieblingskind. Er war nicht nur "böse". Ich habe auch schöne Erinnerungen. Aber ich ekel mich mich heute ihm in einem Top gegenüberzutreten...ein Wiedersehen ist auch sehr selten. Ich vermeide es.
Also: Es kann tatsächlich sein, dass du sexuell missbraucht wurdest! Vor allem, wo sicher ist, dass er sein Pflegekind belästigt hat!!! Es gibt verschiedene Methoden, die Vergangenheit aufzuarbeiten und ein besseres Leben zu haben. Aber es kann ja auch sein, dass du dich nicht traust es einer außenstehenden Person zu erzählen. Aber ich finde es schonmal gut, dass du mit deinem Bruder darüber reden kannst. Ständig Dinge zu verdrängen, das kann nicht gut sein. Irgendwann erstickt man dran!
Ich habe heute auch Probleme mit Männern. Ich ekel mich sehr oft vor Sex und demnach vor Männern und ihren Bedürfnissen. Ich könnte auch ohne Sex leben.
Ich wünsche dir alles erdenklich gute und hoffe für dich, dass du irgendwie "darüber hinweg" kommst. Es ist kein leichtes, das Leben.

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23. Juli 2006 um 13:50
In Antwort auf lyra_12103691

Ähnlich
Liebe "Snoopy"...

...mir tut Leid, dass dir das wiederfahren musste. Kinder sind wehrlos und können noch nicht einordnen, was "normal" ist und was nicht.
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich traue mich kaum darüber zu schreiben. Ich habe noch nie mit jemanden darüber gesprochen. Wenn ich heute über meine Familienverhältnisse spreche, dann sage ich, dass sie schlecht waren, dass mein Vater Alkoholiker gewesen ist/noch immer ist... Aber ins Detail gehe ich da nie.
Ich habe mich in meiner Kindheit für meinen Vater geschämt. Er war ständig betrunken und war laut. Ich und meine Schwestern lebten in ständiger Angst um ihn und vor ihm.
Ich schlief noch mit 7/8 Jahren (glaube ich) im Ehebett, zwischen Vater und Mutter (da ich kein eigenes Bett hatte.
Ich erinnere mich daran, dass mein besoffener Vater über mich kroch und meine Mutter belästigte. Meine Mutter wollte das nicht, aber vielleicht ja irgendwie doch? Ich tat so als würde ich schlafen, zu sehr hätte ich mich geschämt, wenn sie gemerkt hätten, dass ich alles mitbekomme. Plötzlich spürte ich das seine nasse Zunge in meinem Ohr. Es war soo widerlich.
Ein anderes Ereignis: Ich war vielleicht 10 oder 11. Mein Vater wollte mir mein Haar schneiden. Wir waren allein im Bad. Er wollte, dass ich mein Unterhemd ausziehe, damit sich keine Haare darin verfangen. Ich schämte mich zutiefst.
Zudem war es immer so, dass mein Vater in mein Bett kam (als ich dann endlich ein eigenes hatte)-er stinkte nach Alkohol...und er hauchte mir in mein Ohr und drückte sich an mich. Meine ältere Schwester schrie und wollte, dass er abhaut. Ich habe mich nichts getraut, war wie gelähmt.
Er schnappte mich sogar manchmal irgendwo anders in der Wohnung und plötzlich lagen wir auf dem Boden. Ich versuchte, zu entkommen, doch er war viel stärker. Ich frage mich heute, ob er mich ärgern wollte und ob es ihm durch seinen Alkoholkonsum misslungen ist, oder ob er mich sexuell belästigt hat. Ich war sein Lieblingskind. Er war nicht nur "böse". Ich habe auch schöne Erinnerungen. Aber ich ekel mich mich heute ihm in einem Top gegenüberzutreten...ein Wiedersehen ist auch sehr selten. Ich vermeide es.
Also: Es kann tatsächlich sein, dass du sexuell missbraucht wurdest! Vor allem, wo sicher ist, dass er sein Pflegekind belästigt hat!!! Es gibt verschiedene Methoden, die Vergangenheit aufzuarbeiten und ein besseres Leben zu haben. Aber es kann ja auch sein, dass du dich nicht traust es einer außenstehenden Person zu erzählen. Aber ich finde es schonmal gut, dass du mit deinem Bruder darüber reden kannst. Ständig Dinge zu verdrängen, das kann nicht gut sein. Irgendwann erstickt man dran!
Ich habe heute auch Probleme mit Männern. Ich ekel mich sehr oft vor Sex und demnach vor Männern und ihren Bedürfnissen. Ich könnte auch ohne Sex leben.
Ich wünsche dir alles erdenklich gute und hoffe für dich, dass du irgendwie "darüber hinweg" kommst. Es ist kein leichtes, das Leben.

Hallo gefangene.
Es tut mir sehr leid, was dir widerfahren ist.

Ich begreife nicht, wie Väter ihren Kindern so etwas grausames antun können. Ich war neulich im Schwimmbad und habe auch die kleinen Kinder beobachtet, wie sie fröhlich und unbeschwert im Wasser tobten. Da frage ich mich, wie kann man sich an so kleinen unschuldigen Wesen aufgeilen, es sexuell erregend finden? Ich finde kleine Kinder süß, meine Freunde haben auch welche und ich beschäftige mich manchmal mit ihnen. Ohne sexuellen Hintergedanken! Ich habe mich oft gefragt: Wie krank muss man sein, um so etwas erregend zu finden? Ist es solchen Menschen egal, was sie den Kleinen damit antun? Ist es ihnen egal, wenn sie merken, dass die Kleinen das nicht wollen oder sogar weinen? Wie herzlos muss man sein?

Ich weiß, wie schwer es dir gefallen sein muss, darüber zu schreiben. Mir ist es auch nicht leicht gefallen. Wie ist denn deine Mutter mit der ganzen Situation umgegangen?
Meine hat es ins Lächerliche gezogen und wollte es nicht wahr haben. Wie schon gesagt, sie hat mir sogar ein schlechtes Gewissen gemacht. Aber muss man als Kind alles über sich ergehen lassen, wenn man es nicht will? Meine Mutter hält sich irgendwie für unfehlbar, sie ist nie die Böse, macht nie Fehler. Immer sind es die anderen. Sie verträgt auch keine Kritik, fasst es als persönlichen Angriff auf. Sie hält auch ihre Ansichten für unfehlbar.
Mir wurde der Umgang mit Nacktheit aufgezwungen. Wir hatten keinen Schlüssel im Badezimmer und immer wieder mal ist einer der Eltern einfach reingeplatzt, wenn man sich geduscht hat oder auf Toilette war. Wenn man dann sauer reagierte, waren sie beleidigt und wieder kam der Spruch: "Stell dich nicht so an." Und wenn man sich geschämt hat, war ein beliebter Spruch meiner Mutter: "Mein Gott, stell dich nicht so an. Ich habe das selbe wie du."
Ich bekam mit ungefähr 12 Jahren meinen Busen und fing dann natürlich mit BH's an. Anfangs musste ich dann immer im Wohnzimmer vor meinen Eltern meine neue Unterwäsche präsentieren und mich in alle Richtungen drehen. Man, habe ich mich geschämt. Meine Eltern waren mir sowieso sehr peinlich, heute noch.

Vor einigen Wochen war der Schwager von meinem Bruder da, es war auch so heiß. Er trug nur Boxershorts und ein ärmelloses Oberteil. Über die Shorts habe ich mich erschrocken, weil man auch ein bisschen was sehen konnte, ist klar bei Boxershorts (man, ist mir das unangenehm, das zu schreiben ). Ich bin regelrecht zusammengezuckt und es war mir peinlich. Für ihn ist es wohl ganz normal, nicht nur für ihn, es ist normal, das weiß ich auch. Ich weiß nicht, ob er was gemerkt hat. Ich habe mich sofort ins Badezimmer zurückgezogen und war im gleichen Augenblick über meine Reaktion erschrocken und fand sie ziemlich dämlich. Er ist Mitte 30 und sieht nicht schlecht aus. Was ich sagen will, er ist noch ziemlich jung, nicht so, wie die alten Männer, vor denen ich mich teilweise ekel. Ich ekel mich kein bisschen vor ihm. Ich habe bisher nicht darüber gesprochen, mit niemanden.

Du hast erwähnt, dass du dich vor deinem Vater schämst, wenn du ein Top trägst. Mir geht es ähnlich, mich vor Freunden im Bikinioberteil zu zeigen. Gestern haben wir gegrillt, die Männer sind oben ohne rumgerannt, bei der Hitze verständlich. Irgendwie ist mir das unangenehm, was ich total dämlich an mir finde. Irgendwann habe ich dann auch mein Oberteil ausgezogen und bin im Bikinioberteil rumgerannt, es war so schrecklich heiß. Ich habe mich irgendwie sehr geschämt, obwohl es keinen gejuckt hat. Aber ich habe mich getraut, das sehe ich als Fortschritt. Ich wil lockerer werden. Und die Reaktion von den anderen hat mich auch lockerer gemacht und meine Befürchtungen sind nicht eingetreten.

Vor einem halben Jahr bin ich in eine andere Stadt weiter weg von meinen Eltern gezogen. Mir geht's besser, ich merke, wie ich ganz langsam lockerer werde oder es zumindest versuche. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich langsam aufblühe. Ich stehe nicht mehr unter dem Einfluss meiner Eltern. Ich sehe sie nur noch ein paar mal im Jahr. Ich sehe meinen Umzug als einen ersten Schritt zur Verarbeitung an. Auch schreibe ich Tagebuch, wenn es mir schlecht geht. Ich schreibe mir einfach alles von der Seele, ohne drüber nachzudenken. Das tut gut. Zum ersten Mal gehe ich damit auch an die "Öffentlichkeit", wie du jetzt auch. Wie verkraftest du deine schlimme Kindheit? Vielleicht können wir ja unsere Erfahrungen austauschen. Gerne würde ich dir helfen, so wie du mir geholfen hast, als du mir geantwortet hast. Es tut gut, nicht allein zu sein.

Lebst du in einer Beziehung? Ich bin zur Zeit Single, sehne mich aber mehr und mehr nach einem Freund und auch nach Sexualität. Davor habe ich aber auch Angst. Ich habe Angst, dass meine Kindheit einen großen Schatten darüber werfen könnte.

Ich wünsche dir alles gute dieser Welt und hoffe auch, dass du es verarbeiten und ein schönes Leben führen kannst. Ich will auch nur glücklich werden.

Ganz viele liebe Grüße

snoopy432

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23. Juli 2006 um 16:21

Oh man,
ich habe ja einen halben Roman geschrieben. Sorry. Kann echt verstehen, wenn das zu viel zum Lesen ist

Schönes Wochenende.

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24. Juli 2006 um 19:39

Meine Eltern sind sehr komisch.
Gegen Onanieren allgemein sage ich nichts, ist ja was normales. Aber wenn ich ihn dabei erwischt hätte, oder jemand anderes, als meine Mutter... Man sollte es nicht tun, wenn andere unverhofft hinzukommen können. Wir haben in einem Mietshaus gewohnt, wo es Gang und Gebe war, das man zum Nachbarn in den Keller geht, wenn er darin ist. Sei es, um zu quatschen oder um Hilfe zu bitten oder ein Werkzeug ausleihen. War halt so.
Ich befriedige mich nicht selbst, habe ich nie getan, weil einfach nicht das Verlangen dazu da ist.

Das mit den in den Arm ziehen war immer so gezwungen und der Griff war so fest. Ich konnte mich nur mit Mühe befreien. Es hat ihn auch nicht interessiert, ob ich das wollte. Ob was vorgefallen ist, als ich noch kleiner war, weiß ich nicht. Keine Ahnung, ist nicht auszuschließen, dass ich was verdränge. Ich frage mich nur, ob das alles, was ich beschrieben habe, schon zu meinem Verhalten beigetragen hat, ob das ausreicht.

Meine Mutter ist sehr komisch, da gebe ich dir recht. Man muss doch auch seinem Kind beistehen, nicht nur dem Ehemann. Ich kann mir ihr Verhalten nicht erklären, ich würde anders reagieren. Vielleicht wollte sie nach aussen hin den Schein der ach so tollen Familie wahren oder sich ja keine unnötigen Probleme aufhalsen. Sie hat sicher auch zu meinem Verhalten beigetragen, sie ist genauso schuld.

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24. Juli 2006 um 23:22

Vielleicht
solltest Du versuchen,die Probleme,die Deine Eltern hatten oder haben von denen zu trennen,die Du jetzt hast-die vielleicht eine Spätfolge dessen sind,was Du im Elternhaus erlebt hast.

Wie geht Dein älterer Bruder damit um? Mit dem Wissen,dass euer Vater "angeblich"ein Pflegekind sexuell belästigt hätte?
Erzählt und weitergesagt ist noch nicht wirklich passiert,meine ich.

Wenn man als Vater sein Kind mal auf den Arm nimmt,und abknutscht,und auch mal an Hüften und Beinen berührt,auch wenn das Kind schreit,sei es vor Übermut,Überraschung oder Widerwillen-wie Du es schilderst,ist das meiner Meinung nach noch sehr weit von sexuellem Missbrauch entfernt.

An Deiner Stelle würde ich eine Therapie machen,mir professionelle HIlfe bei einem erfahrenen Psychotherapeuten/Analytiker holen und das aufarbeiten.

Das ist zwar schmerzhaft,aber es kann Dir helfen,die Dinge die geschehen sind,künftig anders betrachten zu können und Vergangenes vergangen sein zu lassen.
Es könnte Dir helfen,Deinen Widerwillen gegenüber gewissen Dingen zu überwinden,und Geschehnisse als Vergangenes zu betrachten,und auch so,dass es Dich künftig nicht mehr tangiert.

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25. Juli 2006 um 21:48

Ich will einen Neuanfang.
Du hast recht, ich sollte die Vergangenheit ruhen lassen. Ich bin umgezogen, um noch mal ganz neu anzufangen. Diese Entscheidung bereue ich bis heute nicht. Die Sache ist nur die, ich bin Single, doch auch das wird sich irgendwann ändern. Ich habe Angst, dass meine Kindheit einen Schatten darüber werfen könnte.

Zur Zeit habe ich gar kein Sexleben, seit fast 5 Jahren, davor habe ich auch nur schlechte Erfahrungen gemacht, wurde ausgenutzt. Ich habe mich darauf eingelassen, obwohl ich noch nicht bereit dazu war. Das bereue ich sehr. Das könnte noch zusätzliche Probleme bereiten.

Ich denke nicht, dass eine Therapie notwendig ist, davon möchte ich noch Abstand halten. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht (jetzt nicht speziell meine Kindheit, sondern die schlechten Erfahrungen in Sachen Sex) und konnte danach mit einem Partner, der einen wirklich liebt, ein angstfreies und erfülltes Sexualleben führen? Soll ich einfach alles auf mich zukommen lassen? Ich bin längst nicht mehr so naiv, habe mich sehr verändert. Ich denke auch, wenn ich den richtigen finde, werde ich auch dieses Problem in den Griff kriegen. Trotzdem, die Angst bleibt.

Dass ich mich nicht selbst befriedige, hat denke ich nichts mit unterdrückter Lust zu tun. Ich denke, ich bin halt so. Habe mich auch schon mit einer Freundin drüber unterhalten, sie sagte, sie tut es auch nicht.

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26. Juli 2006 um 12:13
In Antwort auf maja_12876185

Hallo gefangene.
Es tut mir sehr leid, was dir widerfahren ist.

Ich begreife nicht, wie Väter ihren Kindern so etwas grausames antun können. Ich war neulich im Schwimmbad und habe auch die kleinen Kinder beobachtet, wie sie fröhlich und unbeschwert im Wasser tobten. Da frage ich mich, wie kann man sich an so kleinen unschuldigen Wesen aufgeilen, es sexuell erregend finden? Ich finde kleine Kinder süß, meine Freunde haben auch welche und ich beschäftige mich manchmal mit ihnen. Ohne sexuellen Hintergedanken! Ich habe mich oft gefragt: Wie krank muss man sein, um so etwas erregend zu finden? Ist es solchen Menschen egal, was sie den Kleinen damit antun? Ist es ihnen egal, wenn sie merken, dass die Kleinen das nicht wollen oder sogar weinen? Wie herzlos muss man sein?

Ich weiß, wie schwer es dir gefallen sein muss, darüber zu schreiben. Mir ist es auch nicht leicht gefallen. Wie ist denn deine Mutter mit der ganzen Situation umgegangen?
Meine hat es ins Lächerliche gezogen und wollte es nicht wahr haben. Wie schon gesagt, sie hat mir sogar ein schlechtes Gewissen gemacht. Aber muss man als Kind alles über sich ergehen lassen, wenn man es nicht will? Meine Mutter hält sich irgendwie für unfehlbar, sie ist nie die Böse, macht nie Fehler. Immer sind es die anderen. Sie verträgt auch keine Kritik, fasst es als persönlichen Angriff auf. Sie hält auch ihre Ansichten für unfehlbar.
Mir wurde der Umgang mit Nacktheit aufgezwungen. Wir hatten keinen Schlüssel im Badezimmer und immer wieder mal ist einer der Eltern einfach reingeplatzt, wenn man sich geduscht hat oder auf Toilette war. Wenn man dann sauer reagierte, waren sie beleidigt und wieder kam der Spruch: "Stell dich nicht so an." Und wenn man sich geschämt hat, war ein beliebter Spruch meiner Mutter: "Mein Gott, stell dich nicht so an. Ich habe das selbe wie du."
Ich bekam mit ungefähr 12 Jahren meinen Busen und fing dann natürlich mit BH's an. Anfangs musste ich dann immer im Wohnzimmer vor meinen Eltern meine neue Unterwäsche präsentieren und mich in alle Richtungen drehen. Man, habe ich mich geschämt. Meine Eltern waren mir sowieso sehr peinlich, heute noch.

Vor einigen Wochen war der Schwager von meinem Bruder da, es war auch so heiß. Er trug nur Boxershorts und ein ärmelloses Oberteil. Über die Shorts habe ich mich erschrocken, weil man auch ein bisschen was sehen konnte, ist klar bei Boxershorts (man, ist mir das unangenehm, das zu schreiben ). Ich bin regelrecht zusammengezuckt und es war mir peinlich. Für ihn ist es wohl ganz normal, nicht nur für ihn, es ist normal, das weiß ich auch. Ich weiß nicht, ob er was gemerkt hat. Ich habe mich sofort ins Badezimmer zurückgezogen und war im gleichen Augenblick über meine Reaktion erschrocken und fand sie ziemlich dämlich. Er ist Mitte 30 und sieht nicht schlecht aus. Was ich sagen will, er ist noch ziemlich jung, nicht so, wie die alten Männer, vor denen ich mich teilweise ekel. Ich ekel mich kein bisschen vor ihm. Ich habe bisher nicht darüber gesprochen, mit niemanden.

Du hast erwähnt, dass du dich vor deinem Vater schämst, wenn du ein Top trägst. Mir geht es ähnlich, mich vor Freunden im Bikinioberteil zu zeigen. Gestern haben wir gegrillt, die Männer sind oben ohne rumgerannt, bei der Hitze verständlich. Irgendwie ist mir das unangenehm, was ich total dämlich an mir finde. Irgendwann habe ich dann auch mein Oberteil ausgezogen und bin im Bikinioberteil rumgerannt, es war so schrecklich heiß. Ich habe mich irgendwie sehr geschämt, obwohl es keinen gejuckt hat. Aber ich habe mich getraut, das sehe ich als Fortschritt. Ich wil lockerer werden. Und die Reaktion von den anderen hat mich auch lockerer gemacht und meine Befürchtungen sind nicht eingetreten.

Vor einem halben Jahr bin ich in eine andere Stadt weiter weg von meinen Eltern gezogen. Mir geht's besser, ich merke, wie ich ganz langsam lockerer werde oder es zumindest versuche. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich langsam aufblühe. Ich stehe nicht mehr unter dem Einfluss meiner Eltern. Ich sehe sie nur noch ein paar mal im Jahr. Ich sehe meinen Umzug als einen ersten Schritt zur Verarbeitung an. Auch schreibe ich Tagebuch, wenn es mir schlecht geht. Ich schreibe mir einfach alles von der Seele, ohne drüber nachzudenken. Das tut gut. Zum ersten Mal gehe ich damit auch an die "Öffentlichkeit", wie du jetzt auch. Wie verkraftest du deine schlimme Kindheit? Vielleicht können wir ja unsere Erfahrungen austauschen. Gerne würde ich dir helfen, so wie du mir geholfen hast, als du mir geantwortet hast. Es tut gut, nicht allein zu sein.

Lebst du in einer Beziehung? Ich bin zur Zeit Single, sehne mich aber mehr und mehr nach einem Freund und auch nach Sexualität. Davor habe ich aber auch Angst. Ich habe Angst, dass meine Kindheit einen großen Schatten darüber werfen könnte.

Ich wünsche dir alles gute dieser Welt und hoffe auch, dass du es verarbeiten und ein schönes Leben führen kannst. Ich will auch nur glücklich werden.

Ganz viele liebe Grüße

snoopy432

Therapie
liebe snoopy!

ich kann dich sehr gut verstehen. bin selbst jahrelang von meinem vater missbraucht worden. das ging so ca. von 8-12 jahren, bis ich dann (durch talkshows!) merkte, dass so etwas nicht normal ist. bei mir war das so: es gab sexuellen körperkontakt. es ist sogar soweit gegangen, dass er mit dem finger in mich eingedrungen ist. als er es mit seinem "ding" auch versuchen wollte, hab ich es zum glück kapiert und stopp gesagt. habe das ganze meiner mutter erzählt. sie hat ihn darauf angesprochen, er hat sich entschuldigt. tja...aber so etwas reicht nun mal nicht, um das verarbeiten zu können. danach fand kein körperkontakt mehr statt. "nur" noch blöde bemerkungen über meine brust oder beine, dass er dabei einen steifen kriegt, wenn er das sieht usw. und er hat mich angegafft, sobald ich einen bikini anhatte im sommer. ich habe das dann jahrelang verdrängt. hatte mit 16 dann meinen ersten freund, wo sexuell eigentlich auch alles passte. zumindest das erste jahr, dann fings an, dass alte erinnerungen wach werden. ich hab ihm dann davon erzählt und er hat mich verstanden und unterstützt. vor zwei jahren bin ich meinem vater drauf gekommen, dass er eine affäre hat. habs meiner mutter erzählt, sie haben sich getrennt und dann gings mir richtig scheiße. alles von früher ist hoch gekommen. hatte so viel wut, hass und ekel in mir. war schwerst depressiv, hatte selbstmordgedanken usw. hab nur mit meinem freund reden können, aber mit der zeit dann auch mit meiner mutter. sie hat mir dann einen termin bei einer therapeutin ausgemacht, wovon ich anfangs nicht sehr begeistert war. dachte mir, wie soll mir jemand helfen, der keine ahnung davon hat, dem nicht selbst so was passiert ist. bin aber dann trotzdem hingegangen zum glück. war zwar nicht leicht das erste gespräch, aber im nachhinein war ich erleichtert mal mit einer außenstehenden person darüber gesprochen zu haben. war dann ca. ein halbes jahr in therapie (1 mal pro woche). seitdem gehts mir so gut wie nie zuvor. hab einen neuen partner (mit dem andren hat es nicht mehr geklappt). unser sexleben ist sehr ausgeprägt und intesiv, einfach schön. kann nun offen über die vergangenheit reden, ohne dass ich einen nervenzusammenbruch habe. also...mein rat an dich bzw. an alle, denen so etwas in die richtung widerfahren ist:
THERAPIE machen. der einzige weg, damit klar zu kommen.

ich hoffe ich konnte dir damit ein wenig helfen.

liebe grüße und viel kraft

moali

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