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Wochenendbeziehung, Unruhe und Sehnsucht

12. April 2014 um 14:16

Hallo,

vor ziemlich genau einem Jahr habe ich einen Mann kennengelernt und bin seit unserer ersten Begegnung wahnsinnig in ihn verliebt. Nachdem ich einige Zeit lang um ihn kämpfen musste, hat uns das Schicksal zusammen geführt und wir sind seit 4 Monaten ein Paar.
Allerdings trennen uns etwa 170km. Seit einem Jahr nun fahre ich nahezu jedes Wochenende zu ihm. Das bedeutet etwa 3-4 Stunden Zugfahrt mit Nahverkehr mit Umsteigen etc.
Er selbst kommt nur selten zu mir, weil er auch samstags arbeiten muss und ich ihm Gegensatz zu ihm den Zug kostenlos nutzen kann (dank meiner Semesterkarte).
Ich selbst bin also noch Studentin und werde wohl in 2 Jahren meinen Bachelor-Abschluss machen. So lange bin ich hier an meinen Wohnort leider fest gebunden... Danach ist noch der Master Abschluss geplant (welcher auch noch mal 2 Jahre dauern würde!). Aber 4 Jahre halte ich es ohne ihn definitiv nicht aus. Überhaupt bin ich mit meinem Wohnort an sich nicht so zufrieden und schaffe es nicht, mich hier heimisch zu fühlen. Dennoch ist das Studium an sich ganz ok aufgebaut und sollte ich für den Master in seiner Stadt dann auch nicht zugelassen werden, müsste ich es wohl oder übel hier beenden... Ich hatte bereits vor die Uni zum Herbst diesen Jahres zu wechseln und in seine Stadt zu ziehen. Doch der Plan kann leider nicht aufgehen, da es zu große Diskrepanzen zwischen den Vorschriften der beiden Unis gibt... Für mich war das ein ziemlicher Schock, weil ich sehr viel Hoffnung darauf gesetzt hatte und mir für die Finanzierung des Umzugs dafür extra sogar einen Nebenjob suchte...

Wir sehen uns im Schnitt etwa 3 von 4 Wochenenden im Monat. Ich habe meinen Stundenplan so gelegt, dass ich Montag und Freitag frei habe. Also kann ich ihn von Freitagabend bis Montagmorgen sehen, wobei er samstags ja auch recht lange arbeiten muss... Und ich kann sicherlich nicht jedes zukünftige Semester meinen Stundenplan so vorteilhaft gestalten.
Der Abschied fällt mir meistens sehr schwer und oft kann ich die Tränen nicht zurückhalten. Dabei weiß ich, dass so ein "dramatischer" Abschied weder ihm noch mir gut tut.
Aber ich habe jedes Mal Angst wieder zurück in meine eigene Wohnung zu kommen. Ich fühle mich gestresst von dem, was dann mit der Uni während der Woche auf mich zu kommt. Ich versuche mich sehr auf mein Studium zu konzentrieren. Doch auch da habe ich manchmal das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst... Wenn wir uns mal ein Wochenende nicht sehen, stürze ich mich in Arbeit aber wünschte mir so sehr ihn dafür abends als "Belohnung" bei mir zu haben. Die Zeit, in der wir uns nicht sehen, vergeht in meinen Augen sehr schleichend.
Ich habe auf nichts wirklich Lust, fühle mich appetitlos, unruhig, einsam und gestresst. Ich versuche mich mit Sport (Yoga, Pilates, ...) abzulenken. Aber das wird für mich irgendwann auch eher Routine als Ablenkung.
Viele Freunde habe ich hier leider nicht. Für das Studium habe ich meine alte Heimat verlassen. Alte Freunde und Familie wohnen jetzt über 450km weit weg. In der neuen Stadt habe ich lediglich zwei Freundinnen, von denen die eine leider selbst aufgrund ihres Studiums kaum Zeit hat und bei der anderen habe ich das Gefühl, sie oft mit meiner Sehnsucht und meiner Neigung mich ständig wegen all möglichen Sachen zu stressen, dass ich sie damit nerve, was ich auch etwas verstehen könnte...

Mein Freund ist zudem etliche Jahre älter als ich (17 Jahre). Der Altersunterschied war für uns nie ein Problem. Aber ich sehen ihn oft als Grund dafür, dass er sich aufgrund seiner Lebenserfahrung eben vielleicht nicht so schnell so viele negative Gedanken über ein Thema macht, wie ich es vergleichsweise tue. Er ist zudem auch daran gewöhnt alleine zu sein. Ich hingegen kann mich oft gar nicht mal mehr entscheiden, ob ich jetzt lieber allein sein will oder unter Freunden... Fakt ist jedoch, dass niemals was dagegen hätte, ihn bei mir zu haben.
Wir telefonieren relativ oft. Vom täglichen Telefonat, wie es ja oft bei einer Fernbeziehung geraten wird, halten wir beide eher nichts. Denn es gibt viele Tage, da ist unser Alltag eben langweilig und man hat sich einfach nichts zu erzählen. Wir beide mögen es nicht zu telefonieren, wenn man sich einfach nichts wirklich zu sagen hat. Genau so wenig ist es unsere Art sich dreißig Mal am Tag mitzuteilen, dass man einander so sehr vermisst. Für mich würde es das Ganze ohnehin nur schwerer machen. Meistens schreiben wir so 3-10 SMS am Tag. Dennoch macht es mich zu manchen Zeiten schon etwas traurig, wenn ich mal einen Tag lang gar nichts von ihm höre.

In den letzten Tagen ist es mit meiner Sehnsucht aber ziemlich schlimm geworden. Wir haben letzte Woche einen wundervollen Urlaub in Schweden bei seiner Familie verbracht. In der Zeit hat es zwischen uns perfekt harmoniert und wir haben gemerkt, dass es tatsächlich auch gut geht, wenn wir uns mal für längere Zeit sehen.
Ich schätze, das hat bei mir den Wunsch geweckt die lästige Distanz mehr aus dem Weg zu räumen. Wir sind zwar erst 4 Monate ein Paar und ich will ja keinen sofortigen Zusammenzug, aber es täte mir so gut wenigstens etwas Gewissheit zu haben, dass wir vielleicht in einem Jahr zusammen ziehen könnten... Fest steht jedoch, dass es mir aufgrund des Studiums unmöglich erscheint, da ein Wechsel der Uni in meinem Studiengang so leider nicht möglich ist (Ich studiere Lehramt).
Dann bekam ich plötzlich den Gedanken meinen Freund zu fragen, wie er dazu stehen würde vielleicht irgendwann in meine Stadt zu ziehen. Er arbeitet als Tätowierer und ist daher beruflich ziemlich flexibel. Mit seinem Arbeitsplatz ist er zudem zeitweise recht unzufrieden. Er ist vor etwas über einem Jahr aus Schweden nach Deutschland gezogen und hat hier bisher neben mich als feste Freundin vielleicht noch 2-3 andere Freunde...
Ich fand den Gedanken zunächst sehr absurd. Auch wenn ich weiß, dass mein Freund mich liebt, hatte ich Angst zu viel zu verlangen, indem ich von ihm verlange, dass er seine Arbeit dort zurücklässt und umzieht. Aber ich habe gestern am Telefon die Chance genutzt, dass wir uns beide mal anvertraut haben, was uns derzeit unglücklich macht und ihn gefragt, wie dazu steht, zu mir zu ziehen, sollte sich für mich wirklich keine andere Gelegenheit bieten zu ihm zu ziehen...
Und er klang überraschenderweise zunächst mal gar nicht abgeneigt! Er müsse hier dann eben auch nur eine geeignete Arbeit als Tätowierer finden. Das hat mich zunächst wirklich positiv überrascht. Doch auch wenn ich meinem Freund natürlich vertraue und beim Wort nehmen kann, habe ich dennoch Bedenken, dass er es sich mit der Zeit anders überlegen könnte... Ich brauche diesbezüglich leider sehr viel Zuspruch. Aber ich will ihn auch nicht nerven, indem ich dauernd nachfrage, ob er das wirklich ernst gemeint hat.
Und überhaupt sind da wenn noch 2 Jahre Fernbeziehung zu überbrücken...
2 Jahre, in denen ich noch unzählige Wochen mich hier nahezu wie eine Gefangene fühlen muss. So viele Abschiede, die noch vor uns liegen...

Mich würde mal interessieren, wie ihr den Alltag ohne euren Partner so meistert?
Was tut ihr gegen die ständige Sehnsucht und wie schafft ihr es euch zu gewissen Dingen aufzuraffen?
Überhaupt bin ich Meinungen, Tips und Ratschlägen aller Art sehr dankbar.

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12. April 2014 um 14:59

Insgesamt ist es mir das ja wert...
... denn ich bin insgesamt in der Beziehung ja glücklich.
In der Zeit, wo ich ihn bei mir habe, könnte es mir nicht besser gehen. Ich kann sogar behaupten, dass ich mich bei ihm viel wohler fühle als bei den anderen Partnern, die ich bisher hatte.
Es ist auch das erste Mal für mich, dass ich überhaupt bereit bin eine solche Art von Beziehung mit einem Menschen einzugehen. Vorher habe ich auch gedacht, dass eine Fernbeziehung für mich wohl nie in Frage käme. Dann bin ich ja allerdings ihm begegnet und möchte ihn seit dem auch in meinem Leben nicht mehr missen. Wir verstehen uns hervorragend und lieben einander. Die Beziehung aufzugeben kommt deshalb für mich schon mal gar nicht in Frage... Stattdessen will ich lernen, wie es für mich leichter wird und die Dinge nicht so schwarz-weiß zu sehen... Nur weiß ich eben nicht genau, wo ich anfangen soll.
Für mich steht fest, dass es mir ohne ihn wesentlich schlechter gehen würde. Als wir noch kein Paar waren, habe ich 100 Mal mehr gelitten. Aber dennoch fehlt mir etwas zur vollkommenen eigenen Ausgelassenheit. Das Problem liegt ja nicht in unserer Beziehung, sondern schon irgendwo eher bei mir selbst.
Ich leide ja nicht mehr als ich ihn liebe. Deshalb ist es mir wert diesen Weg zu gehen. Ich bitte hier nur um Tips. Ich bin mir sicher, dass ich vermutlich nicht die einzige mit dieser Art von Problem bin und hoffe, dass mir jemand mit etwas mehr "Erfahrung" diesbezüglich helfen kann.

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