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Wieviel Egoismus in der Beziehung ist noch gesund?

23. Juni 2010 um 18:36

Hallo,

ich brauche mal Eure Meinungen dazu, wie man in einer Beziehung auf die richtige Balance zwischen Egoismus und aufopferungsvollen Altruismus kommt.

Ist es wissenschaftlich erwiesen (oder nach Euren Erfahrungen so), dass Männer eher in der "Ich-Kategorie" denken und Frauen im "wir"?

Ein konkretes Beispiel aus meiner Beziehung:

Vor 2 Jahren nahm mein Mann einen Job mit Reisetätigkeit an (gegen meinen Willen und eine Absprache zwischen uns, weil ihm ohne größere Eigeninitiative nichts anderes angeboten wurde). Wir haben einen dreijährigen Sohn. Faktisch war es also so, dass ich mich zum Ende des Studiums, in der Bewerbungszeit und zu meinem (geplanten) Berufseinstieg alleine um das Kind kümmern musste und die ganze Woche alleine war. Am wochenende war mein Mann entweder müde, musste arbeiten oder brauchte Erholung / Sport.

Wir hatten aufgrund dieser dinge häufiger Konflikte und auch als ich (auf meinen UND seinen Wunsch hin und seine Zusage er würd emich unterstützen und mir -wenn möglich - beim Homeoffice helfen) einen sehr anstrengenden Job annahm blieb für mich die Unterstützung in dem von mir erhofften Maße aus.

Der Unterschied besteht darin, dass ich im Zweifelsfall immer erst schaue, dass "zu Hause alles läuft" und dann daran denke, mich auszuruhen. Mein Mann ist genau umgekehrt. Er denkt erst an sich (ich komme heim, ich muss Sport machen, Fussballergebnisse schauen etc.) und dann ist er "entspannt genug", an uns zu denken. Wenn er Zeit hat (Urlaub) unterstützt er mich schon, aber im Alltag prallen unsere Welten aneinander. Das Ende vom Lied ist, dass ich sehr viel mache und gemacht habe in den 2 Jahren und er, wenn dann mal Luft ist, nicht sagt: komm ich nehme Dir etwas davon ab, sondern oh wie schön, ich habe Zeit um xy zu machen.

Mich macht die Situation sehr unglücklich, weil ich mir oft sehr mit Kind Haushalt und Co alleingelassen vorkomme und er kommuniziert irgendwie auch so, dass ich mich noch mehr verletzt fühle, wenn er zB nach all dem wenn ich ein Wochenende durcharbeiten muss und er auf den Kleinen aufpasst sagt: Ja, ich habe Dir doch den Kleinen am Wochenende abgenommen. Als sei das nur "meine Aufgabe" (Dabei ist er eigentlich kein Macho mit einer solchen Einstellung) *aufreg*

Jetzt beispielsweise habe ich 3 total harte Wochen vor mir mit Arbeiten bis in die NAcht und er hat Urlaub. Ich dachte (und sagte): super, er ist da, dann kann er hier mit anpacken und sich um alles kümmern, was liegenblieb und endlich kann auch er mir mal - wie versprochen - unter die Arme greifen. Er dachte: Toll, endlich Urlaub, ich fahre mit meinem Kind weg. Nun ist er zu seinen Eltern gefahren. Ich hätte am Freitag früh mitfahren können und haette das auch gerne mgemacht, weil sich das Verhältnis zu den Eltern in letzter Zeit irgendwie verlaufen hat, weil ich dort gut arbeiten und gleichzeitig etwas entspannen kann und weil es schön wäre, in den kurzen Zeiten, die ich nicht arbeiten muss, meine Familie um mich zu haben. (Man muss dazusagen: zu dritt hatten wir in den letzten 2 Jahren kaum Zeit) Er haette mich also während der Arbeitswoche unterstützen können und wir haetten am Wochenende ausserhalb meiner homeofficestunden ein bisschen schöne Zeit zusammen gehabt. MAn muss dazu sagen: der Stress ab morgen wird so sein, das ich kaum weiss, wo oben und unten ist. Er musste nun unbedingte heute nachmittag fahren, damit er mal wieder mehr als 2 Tage am Stück bei seinen Eltern ist. Verstehe ich schon, ich verstehe immer alle seine Grpnde, die er hat, etwas zu tun, aber es geht immer alles auf Kosten unserer kaum existierenden Beziehung und er sieht nicht, dass man diese, auch wenn andere Dinge auch wichtig sind, nicht dauernd nur belasten kann. Er haette ja auch 1 1/2 Tage warten können.

Stattdessen bin ich allein, im Haus und in der Arbeit ist extrem viel zu tun und das Auto hat er auch mitgenommen, das heisst ich kann nicht raus und muss zu Fuss zur Arbeit und bin halt völlig unflexibel wenn ich nochmal ins Büro müsste usw.

Bin ich jetzt schon völlig verbohrt, weil mich frühere Dinge so verletzt haben, dass ich überempfindlich bin oder ist das wirklich egoistisch?

Ich entdecke uns immer wieder hier wieder:
http://www.neon.de/kat/fuehlen/freundschaft/182287.html

Vielen Dank für Eure Meinungen und entschuldigt den etwas wirren langen Text.

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24. Juni 2010 um 20:34

Du hast Recht, aber was nun?
Hallo,

danke für Deine Antwort. Ich habe mir auch schon gedacht, dass ich das mal so machen müsste, aber irgendwie fühle ich mich halt nicht wohl dabei. Ich bin eben auch ein Familienmensch und wir hatten in den letzten drei Jahren in guten Wochen 2 Stunden miteinander, da habe ich von mir aus wenig Lust, es dann auch noch zu forcieren,

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24. Juni 2010 um 22:05

Hmm
also ich denke auch, dass es was mit dem geschlecht zu tun hat. es ist nun einmal leider so, dass männer sich nicht einmal ansatzweise so viele gedanken machen wie frauen. das ist oftmals praktisch, manchmal jedoch auch verletzend.

so banal sich meine frage jetzt auch anhören mag, aber hast du ihm deine gefühle denn mitgeteilt?
auf mich wirkt es so, dass du viel runterschluckst, in der erwartung, dass er von sich aus etwas ändert. ich bin da "leider" genauso, weil ich mir denke, dass wenn er es nicht freiwillig und von sich aus tut, dann will ich es garnicht.
doch dieser ansatz ist falsch! denn die leidtragende bist und bleibst du.
ich nehme an, dein mann ist glücklich wie es ist. und ich wette, dass er sich auch viel mühe gibt und dir eine freude bereiten will.
vielleicht wollte er ja auch, dass du das wochenende für dich allein hast, weil du dich über die anstehende arbeit beklagt hast? womöglich ist er mit dem gedanken gefahren, dass er dich unheimlich entlastet und dir einen gefallen tut.

noch der intelligenteste mann der welt kommt nicht auf die einfachsten dinge... da spreche ich aus erfahrung . aber die meisten männer tun das überhaupt nicht bewusst.

wie ist eure beziehung denn sonst? geht ihr liebevoll miteinander um? zeigt er dir, dass er dich liebt?
ich kann es nicht beurteilen, aber mir kommt es so vor, als hättest du einen "guten" abbekommen, also keinen egoisten, der nur sich sieht und dich schlecht behandelt.

du schreibst, dass ihr euch so wenig seht. ich glaube dir durchaus, dass ihr sehr viel zu tun habt, aber es kann nicht sein, dass ihr euch maximal 2h die woche für euch nehmt. über einen gewissen zeitraum ist das ok, aber nicht über jahre hinweg.
ihr seid nicht nur eltern und arbeitende, ihr seid weiterhin ein liebespaar und eure beziehung darf nicht über so langen zeitraum hinweg auf der strecke bleiben.

nehmt euch zur not einmal im monat einen babysitter oder fragt verwandte/bekannte um hilfe und geht schön aus.

es ist schwer über probleme zu reden, wenn man ohnehin so wenig zeit füreinander hat und vieles wird da missverstanden.
daher ist es wichtig, dass ihr zeit für euch habt und auch an eurer liebe/beziehung arbeiten könnt.
so wie man sich im job weiter entwickelt, so sollte man dieses auch im privatleben tun.

du wirkst in deiner mail unzufrieden, siehst dich als opfer (was ich sehr gut nachvollziehen kann), aber denkst du denn auch genauso häufig an die guten seiten deines mannes? lobst du ihn, wenn er sich mühe gibt? so etwas kann manchmal wunder bewirken.
und wie gesagt, es ist wichtig, dass du deine wünsche äußerst! männer gehen davon aus, dass wenn eine frau etwas will, sie es auch sagt. und wenn sie nichts sagt, ist sie glücklich.

so wie wir frauen immer von uns ausgehen, erwarten wir vom partner automatisch, dass er genauso viel für uns tut. er tut bestimmt auch genauso viel für dich, aber er tut nunmal das, was er für richtig hält. weil er in deinen kopf nicht hineinsehen kann .

hoffe, dass sich das bei euch wieder einpendelt. vielleicht bist du auch "entspannter", sobald du beruflich nicht mehr so ausgeschöpft bist.

alles liebe,
anjowek

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