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Wie viel Hoffnung hat diese Ehe noch?

6. September 2017 um 16:06 Letzte Antwort: 6. September 2017 um 16:35

Hallo ihr Lieben,
 
ich bin 39, seit 6 Jahren verheiratet (wir kennen uns 10 Jahre), er ist 5 Jahre jünger.
Wir hatten verschiedene Beziehungsprobleme, die wir leider auch niemals gelöst haben.
Also eine Menge „Rechnungen“ offen, die total belasten.
Ich kümmere mich total und reibe mich auf, um alles in unserem Leben in Ordnung zu halten / in Ordnung zu bringen. Mein Mann hingegen verspricht erst - und lässt dann alles liegen. Er leidet selbst darunter, dass er nichts hinkriegt im Leben, zumindest in jüngerer Zeit hat er das mal angesprochen. Zuvor hatte ich das Gefühl, ihm ginge alles, aber auch alles am A… vorbei.
Und während ich in den Jahren immer gehofft und geduldet und gewartet und gekämpft und geredet und gemacht habe, dass alles besser wird, ist mir nun langsam klar geworden: Es ist, wie es ist. Denn er ändert nichts.
Und wie es ist, will ich mir hier kurz von der Seele schreiben. es gibt drei grundlegende Probleme…
 
A Wir hatten in unserer Ehe fast niemals Sex – man kann das pro Jahr an einer Hand abzählen. Früher sah das anders aus, aber es ging immer von mir aus! Er hat sich nie beschwert, nie etwas versucht, ist nie auf mich zugekommen. Und hat, wie ich neuerdings herausfand, stattdessen sich intensiv Internetpornos gewidmet, und zwar immer dann, sobald ich ihm und dem Haus den Rücken gekehrt habe. Alle meine Versuche, Sex in die Ehe zu bringen, sind bisher gescheitert. Erst als die Pornogeschichte rauskam, hat unser Sexleben endlich angefangen. Aber er persönlich bemüht sich da auch wieder wenig. Da habe ich z. B. vorgeschlagen, einen Abend in der Woche (zumindest!) freizuhalten für „es“. Ergebnis: den ersten Abend habe ich so fantasievoll gestaltet, dass uns beiden echt die Luft weg bliebt. Der Sex war toll! Aber er geht seitdem dennoch nicht auf mich zu, an den restlichen Abenden ist nie was gelaufen… Es muss halt immer von mir kommen! L
 
B Mein Mann verhält sich leider illoyal mir gegenüber. Mir ist das erst nach und nach aufgefallen, aber langsam haben sich erdrückend viele Hinweise angehäuft. Sobald andere Personen, vorzüglich meine Schwiegerfamilie, in der Nähe sind, lässt er mich links liegen. Nein, ich habe keine Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – ich werde tatsächlich tage- bis wochenlang komplett in die Ecke geschoben. Ich dringe mit Worten gar nicht zu ihm durch. Die ganze Familie ignoriert mich als Eindringling, die den Sohn weggeschnappt hat und dann noch älter ist, ebenfalls komplett. Außer ich werde verbal heftigst angegriffen. Ich kann machen , was ich will – ich werde immer heftigst abgelehnt. Ist mein Mann bei einer der verbalen Angriffe dabei, stellt er sich nicht etwas auf meine Seite. Fordere ich von ihm dann mal, ein paar Sachen richtig zu stellen (ich bekomme z. B. immer den Vorwurf zu hören, ich würde ihn verhungern lassen!), sagt er zu mir nur aggressiv: „Ich muss mich hier gar nicht für Dich entscheiden. Ich bin ein freier Mann!“ oder: „Sag bloß nichts gegen meine Eltern! Sie sind meine Familie und haben mich erzogen!“ Mir wäre es ganz recht, wenn er mal z. B. zu seinem Vater sagen würde: „Sag bitte nichts gegen meine Frau!“ Mit der Zeit hat sich die Familiensituation so aufgeschaukelt, dass ich Kontakt und Besuche total vermeide. Was auf Dauer ja keine Lösung sein kann. Zumal die Situation immer im Hintergrund lauert.
 
Die Familie meines Mannes besitzt außerdem ein kleines Unternehmen. Er hat dort immer mit ausgeholfen. Er hat Wirtschaft studiert, um „später mal den Eltern helfen zu können, die mit den Abrechnungen nicht klarkommen.“ Dieses Vorhaben scheint auch jetzt noch sein einziges Lebensziel zu sein. Nahezu täglich erhält er Abrufe / Mails von seiner Familie, die alle rein geschäftlich sind, und immer muss er dringend solch eine Mail beantworten oder für Eltern, Schwester usw. irgendeine Behörde anrufen oder die Inventuraufstellung nachrechnen, die Steuererklärung prüfen etc. Hätte ich das vor der Eheschließung gewusst, hätte ich ja was dazu sagen können. Aber das ganze läuft seit Jahren völlig abgeschirmt von mir. Familienbesuche haben es dann ans Licht gebracht: Die sind weniger emotionaler Natur, sondern dienen Inventuren, Geschäftsbesprechungen usw. Und ich soll dann vernünftig sein, schließlich geht es ums Geschäft (wobei mein Mann das Geschäft nicht mal später übernehmen wird!)
Wenn man sich ansieht, dass mein Mann sich selbst beruflich nichts aufbaut (saß jahrelang arbeitslos und völlig unmotiviert zuhause und hat sich auf mein Drängen hin dann einen ganz unterbezahlten Job besorgt, obwohl er studiert hat!) und wir trotz meines Einkommens unterm Existenzminimum leben, bekommt die Sache nochmal eine eigene Note. Um die Finanzen von Papi und Co kümmert er sich quasi regelmäßig, unsere Finanzen und Lebsnsumstände hingegen sind die reinste Katastrophe.
 
C Unsere Ehe stagniert. ich habe mich schon von vielen Freunden zurückgezogen, denn denen geht es gut, und ich schäme mich wegen meiner Situation: Alle bekommen Kinder; wir haben weder welche noch sieht es aus, als könnten wir je welche haben. Immer noch wohnen wir in meiner winzigen ehemaligen Single-Wohnung. Ich tue dort, was ich nur kann. Aber zum einen müssten wir was für einen neue Wohnung tun (anderer Job, Wohnung suchen etc.) oder wenigstens was an der alten (renovieren, aufräumen). Ganz allein schaffe ich das logischerweise nicht. Mein Mann zeigt mit Taten kein Interesse an unserer Wohnsituation. Er beschränkt sich darauf, „Häufchen“ zu produzieren. Das heißt, er lässt alles, was zu erledigen ist (Rechnungen, Reparaturen, Infos, Haushaltskram, alte Glühbirnen, Einlegesohlen und Einkaufszettel etc.) einfach liegen, bis der Haufen so groß ist, dass ich ihn völlig entnervt (um nicht immer drübersteigen zu müssen, oder weil Besuch kommt) in eine Tüte packe. Häufchen liegen in der ganzen Wohnung verteilt und werden nie größer, nur kleiner. Die Tüten stapeln sich überall. Anleitung zum Ordnunghalten oder Strukturschaffen lehnt er ab. Da solle ich mich nicht einmischen. Dinge, ob groß oder klein, werden nie erledigt. Zukunftspläne werden nie gemacht. Und doch Geplantes wird nie ausgeführt. Wir kommen nicht voran. Leben in einer kleinen Wohnung mit wenig Einkommen, ohne Kinder, fast ohne Sex. Auch hat mein Mann keinerlei Ambitionen, sich sozial zu zeigen. Also Freundschaften aufzubauen, auszugehen, was zu unternehmen, ein Hobby auszuüben. Er ist immer bei mir, sobald er zuhause ist. Oder telefoniert mit seiner Familie. Ich manage unser soziales Leben, lade Freunde ein, plane Reisen, aber das wird weniger, weil ich langsam deprimiert bin und ich das alles allein mache. Und weil mein Erspartes langsam aufgebraucht ist. Klar unternehme ich auch mal was für mich allein, aber er nie was für sich allein. Er hat keine Freunde, die er einladen kann oder mit denen er mal was trinken geht. Zeigt auch gar kein Interesse daran (!)
 
Ich habe meinen Mann davon überzeugen können, mit mir mal eine Paarberatung aufzusuchen, und wir waren bei zwei verschiedenen Therapeuten. Beide haben uns gesagt, dass die Probleme tiefer liegen, also dass man nicht einfach die Beziehung „reparieren“ kann, sondern dass z. B. sein illoyales Verhalten mir gegenüber, wenn die Eltern in der Nähe sind, aus seiner Kindheit stammt. Wir sollten, da eine Paartherapie zu kurz greift, jeder mal eine Psychoanalyse für sich machen. Eigentlich wäre auch mein Mann (ich sowieso) dazu bereit. Nur war das vor 3 Monaten, und es ist klar, dass er noch nicht mal „Therapeut“ im Internet eingegeben hat. Sattdessen liegt der Zettel mit „Therapeut suchen“ schon wieder ganz unten auf einem seiner Häufchen.
 
Ich weiß nicht, wie viel Sinn diese Ehe noch macht. Was kann ich tun?
Bin dankbar für sensible Antworten, in denen es nicht nur „Schieß ihn ab!“ heißt.
In letzter Zeit hat mein Mann nämlich zumindest eins gelernt: zu reden. Das konnte er nie. Hat er nie gebraucht, auch in der Familie nicht. Teilt mir jetzt ungefragt Gefühle und Gedanken mit, auch tiefgehende und unangenehme. Redet und hört echt zu (im Gegensatz zu alle den Jahren zuvor, wo er nur gemauert hat). Ging mit mir auch zu den Therapeuten. Was ich ihm hoch anrechne. Dort hat er immer fast geweint und auf die Frage, warum er hier sein, geantwortet: „Ich möchte, dass alles gut wird zwischen meiner Frau und mir. Ich möchte sie nicht verlieren. Ich liebe sie so sehr.“
 
Nur was mich noch sorgt: er lügt auch. Auf echt kritische Sachen angesprochen (wie dass er seit Jahren heimlich Pornos guckt, statt mit mir Sex zu haben), aber auch auf ganz einfache („Hast Du den Müll schon runtergebracht?&ldquo lügt er meist. Dabei ist so sonnenklar, dass ich in der Situation recht habe und er einfach lügt. Dennoch kann er eine einfache, offenliegende Wahrheit stundenlang unter Tränen abstreiten und das gekränkte Opfer spielen. Nach dem Motto: „Den Müll hab ich wirklich hochgebracht, ich weiß nicht, wieso er jetzt plötzlich wieder hier oben in der Wohnung steht!“ Dabei habe ich z. B, auf die Pornogeschichte seeehr ruhig, fair und entgegenkommend reagiert und bin  n i c h t ausgerastet!
Das Lügen macht mir Sorgen. Und wenig Hoffnung. Warum macht er das? Auf mich wirkt das entweder unreif oder traumatisiert.
 
Liebe Grüße und Danke euch fürs Lesen und schon mal Voraus für allen Rat!
Haschah
 

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6. September 2017 um 16:35

Also es reicht nicht wenn nur einer sich um eine Ehe bemüht...

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