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Wie verkraftet ihr den Tod eurer Mutter?

12. Dezember 2008 um 20:14



Meine Mutter ist vor 6 Jahren an Krebs gestorben. Das Verhältnis zu meinem Vater ist sehr schlecht und ich habe anfangs jeden Tag geheult, weil ich nicht damit fertig wurde. Meine Mutter hat sehr gelitten, aber wollte vor mir und meiner Schwester nie zeigen, wie schlecht es ihr ging. Ich hatte in der Zeit nach ihrem Tod oft selbstmordgedanken und kam mit mir selber nicht klar.
Ich weine immer noch jede Woche, weil ich sie so vermisse. So sätze wie " ich will deinen ersten Freund doch noch kennen lernen", als sie uns das erste mal sagte, dass sie sterben wird, sind einfach hängen geblieben. Die Erinnerung daran, wie sie dort im Krankenhaus lag....Wenn ich andere Mütter mit ihren Kindern in der Stadt sehe, werd ich oft wehmütig, weil ich diese Mutter-Kind Beziehung so sehr vermisse.
Als ich meinen ersten Freund hatte, habe ich einen Rat von ihr sehr oft vermisst und als ich Angst hatte, schwanger zu sein, dachte ich mir nur "niemand kann dir sagen, wie es sein wird" ..
Ich vermisse sie einfach so oft.
Wie kommt ihr damit klar, wenn ihr eure Mutter verloren habt?
Bei mir sind es Ratschläge, alltägliche Gespräche, Erfahrungen, die einfach fehlen, die eine Person zu der man auf sieht.
Wird es irgendwann leichter!?

lg Melinda

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12. Dezember 2008 um 23:34

Ich kann...
dir wohl eher nicht wirklich raten, denn das Verhältnis Mutter / Tochter war bei mir keines. Wie du es beschreibst war es bei euch wohl ein sehr inniges Verhältnis. Hebe dir dieses Gedenken an sie gut in dir auf, doch befreie dich auch von der Abhängigkeit von ihr. Nimm die Erinnerungen, wie zum Beispiel diesen Satz den sie im Krhs. sagte, mit in dein jetziges Leben. Ich denke nicht, dass sie dich traurig sehen wollte.

Guck, dass du gute Freundinnen und Freunde denen du vertrauen kannst bekommst. Manchmal ist es ja so, dass der Hinterbliebene ängstlich ist wieder eine solch enge Verbindung zu wagen, da der damalige Schmerz noch nicht wirklich überwunden ist oder auch dem Hinterbliebenen einen gewissen Rückhalt gibt.

Die Lage erleichtern könnte eine wirkliche Freundin. Mir kommt es etwas so vor, als wärst du ängstlich wieder eine sehr nahe und vertraute Beziehung einzugehen.

Es ist schon interessant. Da kommst du aus einer Familie in der du geborgen warst. Bei mir wars eher das Gegenteil, ich war sehr früh eigenständig. Es blieb mir nix anderes übrig. Und dennoch empfinde ich eine Nähe zu dem was du erlebt hast und noch erlebst.

Um auf deine eingangs gestellte Frage zu antworten; meine Mutter habe ich in meiner Kindheit vermisst. Sämtliche Versuche ihr nahe zu kommen schlugen fehl, Kinder waren in ihrem Lebensplan eher nicht vorhanden.

Wie geht denn deine Schwester damit um?
LG

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13. Dezember 2008 um 0:31

...
Meine Mutter starb 1998 an Magenkrebs, als ich 15 war.
Sie selbst hat erst jahrelang gekämpft und dann aufgegeben. Die anderen wollten es nicht wahrhaben, ich habe es ihr aber irgendwann angesehen, mich damit innerlich befasst und schon vorher gelitten.
Ich war deshalb schon vorbereitet und durch ihren Tod dann ehrlich gesagt erleichtert, endlich hatte sie ihre Ruhe, keine endlosen Therapien mehr, keine täglichen dummen Mitleidsfragen mehr beantworten...
Was mich aber dennoch sehr mitgenommen hat, war das Leid meiner restlichen Familie (Oma, Vater, meine Schwestern), die sich bis zum Ende Hoffnung gemacht hatte und deshalb um einiges schwerer getroffen wurde als ich.
Ich finde es nur sehr schade, dass ich in den 10 Jahren sehr vieles über sie vergessen habe und oft nur noch Fakten weiß, aber keine Eindrücke mehr habe. Sie war ein sehr introvertierter Mensch, hat sich zwar um uns gekümmert, aber niemanden wirklich an ihrem Innenleben teilhaben lassen. Es gab nun in meinem Teenageralter eigentlich nichts außer ihre reine Anwesenheit, das für mich unersetzlich gewesen wäre, deshalb habe ich im Alltag genauso weiter gemacht wie vorher.
Nur emotional bin ich wohl unter anderem dadurch sehr sparsam geworden.
Außerdem konnte ich mit Gleichaltrigen und ihrer unerträglichen Unbeschwertheit und Oberflächlichkeit nichts mehr anfangen, es hat mich angeekelt und ich habe mich dadurch zu einem Menschen entwickelt, der sehr schwer für andere Menschen zu interessieren ist (mein Anspruch diesbezüglich ist gestiegen).

Eine einzige Sache nagt oft noch sehr an mir, wenn ich drüber nachdenke, und zwar, dass mein Vater uns an ihrem Todestag noch zur Schule gehen ließ, und wir dachten, sie schliefe, obwohl sie da gerade im Sterben lag. Ich glaube, er wollte uns das nicht antun, aber ich hätte mich noch gerne für einige dumme Sprüche entschuldigt.

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13. Dezember 2008 um 2:48

Na...
da hast du ja nochmal haarscharf die Kurve bekommen und Glückwunsch für deine Wahl des "richtigen" Mannes!! Da hat dein Vater ganze Arbeit geleistet, dass du es soweit geschafft hast!
LG

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13. Dezember 2008 um 17:05
In Antwort auf alte_12534643

Ich kann...
dir wohl eher nicht wirklich raten, denn das Verhältnis Mutter / Tochter war bei mir keines. Wie du es beschreibst war es bei euch wohl ein sehr inniges Verhältnis. Hebe dir dieses Gedenken an sie gut in dir auf, doch befreie dich auch von der Abhängigkeit von ihr. Nimm die Erinnerungen, wie zum Beispiel diesen Satz den sie im Krhs. sagte, mit in dein jetziges Leben. Ich denke nicht, dass sie dich traurig sehen wollte.

Guck, dass du gute Freundinnen und Freunde denen du vertrauen kannst bekommst. Manchmal ist es ja so, dass der Hinterbliebene ängstlich ist wieder eine solch enge Verbindung zu wagen, da der damalige Schmerz noch nicht wirklich überwunden ist oder auch dem Hinterbliebenen einen gewissen Rückhalt gibt.

Die Lage erleichtern könnte eine wirkliche Freundin. Mir kommt es etwas so vor, als wärst du ängstlich wieder eine sehr nahe und vertraute Beziehung einzugehen.

Es ist schon interessant. Da kommst du aus einer Familie in der du geborgen warst. Bei mir wars eher das Gegenteil, ich war sehr früh eigenständig. Es blieb mir nix anderes übrig. Und dennoch empfinde ich eine Nähe zu dem was du erlebt hast und noch erlebst.

Um auf deine eingangs gestellte Frage zu antworten; meine Mutter habe ich in meiner Kindheit vermisst. Sämtliche Versuche ihr nahe zu kommen schlugen fehl, Kinder waren in ihrem Lebensplan eher nicht vorhanden.

Wie geht denn deine Schwester damit um?
LG

Mi Vida
Meine Schwester und ich haben beide gelernt, früh selbstständig zu werden. Mein Vater hat sich nicht gerade um unsere Erziehung gerissen und nach ein paar Frauengeschichten, hat er dann eine kennen gelernt, die 200 km weg wohnt. Seid 3 Jahren sind wir also jedes 2. Wochenende allein zu Hause, wobei wir froh sind, dann unsere Ruhe zu haben. (mögen seine Freundin nicht).
Meine Mutter hatte keine so schöne Kindheit und konnte mit ihren Gefühlen glaube ich deshlab auch nicht immer so gut umgehen.
Ich weis z.B. noch, dass sie oft enttäuscht war, weil ich mich in der Grundschule so schwer tat und hab auch oft dafür eine Kassiert. Wenn ich daran zurück denke, tut es mir immer noch weh, aber trotzdem bewundere ich sie. Sie hatte einen guten job, war die beste Köchin die ich kenne, hat schöne Sachen genäht, sie war einfach viel, dass ich auch gern wäre, aber ihre Kraft mit Schicksalen umzugehen habe ich wohl nicht geerbt.
Die Beziehung zu meinem ersten Freund war schwer. Damals war ich 16 und er ist nicht so der Gefühlsmensch. Ich hab mir immer Aufmerksamkeit und LIebe gewünscht, aber er konnte sie mir einfach nicht geben, nach einem Jahr hatte ich das Gefühl, wenn er nicht für mich da ist, kann ich gar nichts. Ich würde nicht mehr allein für die Schule lernen können und fühlte mich total abhängig von seiner Gegenwart. Auch wenn ich meine Mutter vermisste, oder mich über meinen Vater ärgerte. Wir waren 2 Jahre zusammen und die hälfte davon traute ich mich nicht schluss zu machen. Die Zeit danach hat mir gut getan, weil ich (was wir früher oft gemacht haben) mit meinen Großeltern in den Bergen war und mich auch sonst abgelenkt habe.
Mein neuer FReund ist sehr aufmerksam und alles was ich mir wünschen könnte. Aber wahrscheinlich bin ich einfach zu kritisch, oder setze mich wieder zu arg unter Druck, dass ich ihn lieben sollte, für das was er ist. Er bedeutet mir viel, aber ich kann nicht sagen, ob ich den Mann fürs leben gefunden habe.
Mir geht es ähnlich, dass ich mich immer weniger an Situationen mit meiner Mutter erinner. Es sind auch mehr Fakten. Meine Schwester hat mir mal weinend gesagt, dass sie sich kaum noch an sie erinnern kann. Man kann eine Mutter in der Kindheit einfach nicht ersetzen... Ich würde so gerne eine Oma für meine Kinder haben (wenn ich mal welche habe) und potentielle Schwiegermütter betrachte ich immer sehr kritisch. Mit der Mutter meines Freundes verstehe ich mich nicht so gut, was ich sehr schade finde. Sie sind polen und von der mentalität ein bisschen anders...
Also danke für eure Erfahrungen und schreibt mir bitte weiter.

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