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Wie komme ich nach 35 Jahren aus meiner Ehe raus

11. Februar 2013 um 14:22

Ich bin 53 Jahre alt, seit 35 Jahren verheiratet und habe 3 erwachsene Kinder. Ich bin leitend berufstätig, ungeheuer lebenslustig, sportlich, optimistisch...
Mein Mann war schon immer der erste, pessimistische Typ, den ich mitreißen mußte. Aber ungeheuer zuverlässig.
Aber ich war nie ganz zufrieden in meiner Ehe, habe für ihn immer zurückgesteckt und auf vieles verzichtet. Manch einer wird sagen, selbst dran schuld.
Nun hat mein Mann vor 4 Jahren Prostatakrebs bekommen. Wir hatten immer ein reges Sexualleben, nach meinem 40. Geburtstag wurde es immer besser. Er wurde operiert undd danach ging nichts mehr. Keinerlei Errektion, dafür aber eine Inkontinenz. Wir haben uns 1,5 Jahrre bemüht, mit Ersatzmaßnahmen und auch mit Spritzen einigermaßen über die Runden zu kommen. Aber es ging einfach nicht, Ich lag danach in einer Urinlache und es gab mir keinerlei Lustgefühl, so ohne Errektion. Irgendwann sagte er mir: "Du mußt Dir einen Geliebten suchen, ich darf davon aber nichts wissen".
Ich war jetzt schon soweit, dass ich jeden Mann hätte anspringen können. Wahrscheinlich fiel die Abstinenz mit meinen Wechseljahren zusammen, ich war nur noch in Aufruhr. Habe dann im Internet nach einem Sexpartner gesucht und natürlich auch gefunden.
Der erste Partner war Masochist, ich lernte also SM kennen. Und lieben. Er flog zu Hause auf, wir haben uns getrennt. Ich habe weitergesucht und bin seit 1,5 Jahren mit einem Mann zusammen.
Mein Mann wurde indes immer mürrischer und lebensunlustiger. Nicht, das er etwas gemerkt hätte, aber ihm fehlte der Sex als Lebensantrieb.
Der schlimmste Tag war der Tag der Hochzeit unseres Sohnen. Ihm war die Musik zu laut und zu rockig, da mochte er nicht tanzen. Um 23.30 Uhr stellte er mir das Ultimatum, entweder sofort aufs Hotelzimmer zu gehen oder er führe sofort allein nach Hause. Ich habe geweint, bin aber mit aufs Zimmer. Da lag ich dann heulend und unten wurde weiter Hochzeit gefeiert. Das war der Höhepunkt, an dem sich bei mir etwas gewendet hat. Ich wollte nicht mehr zurück stecken, wollte endlich leben, weggehen, Leute treffen, lustig sein. Bisher hatte ich meinem "Sexpartner" immer gesagt, Trennung wäre keine Option für mich. Er hatte sich schon für mich getrennt.

Irgendwie wollte ich nur noch raus. Habe Vorträge von Robert Betz gehört. Und meinem Mann eröffnet, dass ich mich trennen möchte.
Oh Gott, was da vor 4 Wochen begann, ist die Hölle für mich. Er wollte sich sofort umbringen (er ist im Schützenverein). Ich mußte ihm den Waffenschrankschlüssel abnehmen. Ein Leben ohne mich ist sinnlos. Er rief sofort alle Freunde und Verwandten an, um ihnen zu sagen, dass ich fremd gegangen bin und ihn nun verlassen will. Kein Wort davon, wie er mich in den letzten Jahren behandelt hat.
Dann hat er mich 1 Woche lang bearbeitet. Und ich bin umgefallen. Aber jedes Mal, wenn etwas nicht so läuft, wie er will, will er sich umbringen. Er meint es ernst, ist nur noch ein Häufchen Elend, Panikattacken, kann nicht schlafen, klammert sich an mich.
Unsere Tochter ist Ärztin und versucht gerade, ihn stationär unter zu bringen. Ich gehe auch vor die Hunde. Mein Freund wartet geduldig, wie es sich alles entwickelt.

Wie soll man aus solch einer langen Ehe herauskommen, zumal mein Mann ja diesen Krebs hat? Ich würde Spießrutenlaufen, wenn er sich etwas antut.
So etwas macht "man" doch nicht. Natürlich bin ich mit meinem Mann noch verbunden, ich möchte ihm helfen und wäre gern für ihn da. Aber ich möchte gern allein leben.
Wie weit darf Egoismus gehen?

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11. Februar 2013 um 18:34

Ich
habe das Gefühl, dass dein Mann für dich nicht mehr Mann war, als dich nicht mehr beglücken konnte.

Eine große Geste deines Mannes war, dass er dich sexuell freigegeben hat und es ist auch logisch, dass er um Diskretion gebeten hat.

Eine Krankheit, die solche weitgehenden Folgen hat ist sehr belastend für eine Ehe und auch für eine Familie. Aber ich bin ganz ehrlich, deine Affären sind da nicht förderlich gewesen, wenn da schon Liebe ins Spiel reinkommt.

Ihr hättet von Anfang psychlogische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, aber jetzt steht ihr vor einem Scherbenhaufen.

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12. Februar 2013 um 6:42

Wenn es nur das wäre
Ich möchte nicht mit dem anderen Mann zusammenleben, sondern allein, falls das nicht deutlich wurde. Diese andere Beziehung hat mir nur gezeigt, was das Leben bieten kann.
Ich will nicht mehr hören, dass ich dekadent bin, wenn ich mit einem Glas Rotwein und bei Kerzenschein in der Wanne sitze, dass ich, wenn ich zu einer Buchlesung will, mir intellektuelles Geschwafel anhöre, wenn ich zum 2. (!) Mal in meinem ganzen Leben zu einem Rockkonzert gehe (2 x in 2 Jahren zu StatusQuo), dass ich vergnügungssüchtig bin.....und und und....
Ich denke, wenn mein Mann nicht krank geworden wäre, wäre ich jetzt an der gleichen Stelle, nur mit weniger schlechtem Gewissen.

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12. Februar 2013 um 12:00

Egoismus
Wie weit darf Egoismus gehen? Dein Egoismus das Leben nach Deinem Wunsch und Gutdünken zu leben, sein Egoismus Dich durch Selbstmorddrohungen etc. lebenslang an sich zu binden.

Kaum jemand wird Dir eine Antwort geben können, aber viel Verständnis für Deine Situation hast Du von meiner Seite absolut, und wohl von fast allen die Deinen Beitrag lesen. Diese Situation ist unheimlich schwer.....

Dein Mann hat sicherlich Angst einsam zurückzubleiben und keine Lebenspartnerin mehr finden zu können. Sehr verständlich.
Er hat die wohl heftigste Art der Drohung ausgespielt, den Selbstmord. Das lässt sich kaum mehr toppen.

Ich frage mich, ob Du überhaupt eine echte Wahl hast, ob Du wirklich noch entscheiden kannst??? Weil....was Dein Mann verlangt, ist dass Du Dein Leben zu einem grossen Teil für ihn aufopferst. Damit ein Mensch überhaupt fähig ist sich für einen anderen aufzuopfern, braucht es eine unheimlich starke intakte Liebe. Du schreibst aber dass Du Dich "verbunden" fühlst.....die grosse Liebe ist wohl Opfer der vielen Probleme geworden.
Nun, warum Du vielleicht gar keine echte Wahl hast ---- ohne diese grosse Kraft der Liebe bist Du vielleicht gar nicht in der Lage, mittel- und langfristig diese Ehe aufrechterhalten zu können. Da geht's nicht um wollen, sondern um können.

Dein Mann möchte bestimmt nicht als "krank" betitelt werden, sondern will sicherlich immernoch in der Gesellschaft als vollwertiger Mann angesehen sein. So sollte er sich auch Dir gegenüber verhalten. Es kann keine Grundlage eines Zusammenseins sein, dass man unter Drohung einen Zustand herbeiführt. Vielleicht solltest Du versuchen Deinen Mann zu "spiegeln", dass heisst diese Sachen die er zu Dir sagt zu Wiederholen damit er seine eigenen Worte aus Deinem Mund hört. Das er aus Deinem Mund hört, dass er eine Drohung ausspricht um damit seine Frau zu einer Beziehung zu zwingen. Das ihm vielleicht ein Licht aufgeht, das dieser Weg nicht funktionieren kann.

Ich habe sooooo viel Verständnis für Deinen Mann.....und genau so für Dich. Versuch vielleicht auch bei Dir anzusetzen: Jeder ist für sich selbst verantwortlich, das wird auch ein Leben lang verteidigt -- keiner möchte bevormundet werden. Du bist für Dich verantwortlich, und Dein Mann für sich. Das ist ein Grundsatz, versuch ihn zu verinnerlichen. Falls Du Dich entscheidest dem Wunsch deines Mannes zu entsprechen und eure Beziehung aufrecht zu erhalten, dann würde ich dies nur machen wenn Du auch das Gefühl hast langfristig dazu fähig zu sein. Wenn Du spürst das Du das gar nicht schaffen wirst, dann hat es keinen Wert den Entscheid nach hinten zu schieben.

Professionelle Hilfe würde ich Dir oder wenn möglich Euch beiden unbedingt empfehlen.

Von Herzen wünsche ich Dir und auch Deinem Mann viel Kraft und alles alles Gute!
- graetschensepp -

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12. Februar 2013 um 13:25

Danke
Du hast es so ziemlich auf den Punkt gebracht. Ich werde mir einen Therapeuten suchen, mit dem ich mal alles aufarbeiten kann. Bisschen Angst habe ich ja auch, so etwas ist ja nicht "bequem".
Und meinem Mann habe ich gesagt, dass er auch in Therapie muß. Das sehe ich als Voraussetzung, dass wir es noch einmal versuchen.
Ganz lieben Dank für Dein Verständnis!

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12. Februar 2013 um 14:23
In Antwort auf abena_12551655

Danke
Du hast es so ziemlich auf den Punkt gebracht. Ich werde mir einen Therapeuten suchen, mit dem ich mal alles aufarbeiten kann. Bisschen Angst habe ich ja auch, so etwas ist ja nicht "bequem".
Und meinem Mann habe ich gesagt, dass er auch in Therapie muß. Das sehe ich als Voraussetzung, dass wir es noch einmal versuchen.
Ganz lieben Dank für Dein Verständnis!

Bequem
Ich verstehe natürlich Deine Angst, und sicher ist es so ziemlich das Gegenteil von bequem....allerdings....ganz egal was Du auch machst, oder auch wenn Du stillstehst und gar nichts machst -- Deine Lage ist so oder so umbequem. Drum ist es gut, dass Du den Schritt in ein Forum gewagt hast, das Du über Deine Situation nachdenkst und abwägst, einen Therapeuten hinzuziehen möchtest etc. Das bedeutet, dass Du etwas ändern möchtest, und das wirst Du auch - egal in welche Richtung.

Ich hoffe Dein Mann wird - vielleicht gerade auch mit dem Hintergrund seiner Erkenntnisse in Bezug auf die Krankheit - mit der richtigen "Strategie" zur Einsicht kommen, dass das Leben nicht so funktioniert wie er das mit seinen Drohgebärden zu formen versucht. Das er Dir schon vor längerer Zeit einen "sexuellen Freipass" gegeben hat zeigt ja eigentlich sehr deutlich sein Verständnis, seine Sicht und seine Bodenständigkeit was das Leben und eure Beziehung angeht.
Er müsste diese Einsicht die er schon mal im sexuellen Bereich hatte nun auch auf die Beziehung als ganzes erhalten. Aber seine (sehr verständliche) Angst vor dem Alleinsein steht ihm im Weg.

Du schreibst Du wärst auch gern für ihn da -- aber nicht mehr als Ehefrau, sondern eher als """Freund""".
Du 'nützt' ihm nur, wenn Du glücklich und zufrieden bist -- und wenn das in eurer Beziehung nicht mehr geht, dann bist Du ihm längerfristig auch keine Stütze mehr.... Wenn Du zerbrichst, kannst Du nicht für ihn da sein. Du kannst nicht nur geben, wenn Du in eurer Beziehung nicht mehr erhalten kannst.

Vielleicht schafft ihr es mit professioneller Hilfe einen Weg zu finden, wo Du ein Leben mit Deinem neuen Partner Leben kannst aber auch noch Raum hast für Deinen Ex-Mann da zu sein.

Ihr habt wirklich eine ganz schwere Situation, und ich wünsche Euch wirklich nur das Allerbeste! Für Dich, und für Deinen Mann!
- graetschensepp -

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14. Februar 2013 um 21:55

Lebenslust!
Ich bewundere deine Lebens-und Sexlust!
ich bin ca.40Jahre alt und empfinde seit über 10 jahren
keine Sexgelüste mehr und auch keine Lebenslust mehr.

Was hat dich dazu motiviert trotz großer Unterschiede mit Deinem Mann?
Ihr hattet wohl auch verschiedene Weltansichten.

Also mich drückt sowas immer runter ,weil wir auch viele
unterschiedl.Einstellungen haben und mein Mann gibt immer seienen deprimierenden Senf dazu ,
dann habe gar keine Lust
auf irgend etwas

Ich will auch lebenslustig sein .!!

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15. Februar 2013 um 6:50
In Antwort auf wen_12515653

Lebenslust!
Ich bewundere deine Lebens-und Sexlust!
ich bin ca.40Jahre alt und empfinde seit über 10 jahren
keine Sexgelüste mehr und auch keine Lebenslust mehr.

Was hat dich dazu motiviert trotz großer Unterschiede mit Deinem Mann?
Ihr hattet wohl auch verschiedene Weltansichten.

Also mich drückt sowas immer runter ,weil wir auch viele
unterschiedl.Einstellungen haben und mein Mann gibt immer seienen deprimierenden Senf dazu ,
dann habe gar keine Lust
auf irgend etwas

Ich will auch lebenslustig sein .!!

Hallo Mauerblume
Diese Lebenslust kommt einfach so aus dem Inneren, seit dem die Kinder aus dem Haus sind, denke ich wieder an mich.
Ich glaube, Du magst Dich selber nicht. Das sagt doch schon Dein Pseusonym. Das geht doch nicht!!
Vielleicht solltest Du Dir auch mal einen Vortrag auf Youtube von Robert Betz anhören. Eventuell hilft Dir das ein Stück weiter.
Und nur, wenn man sich selber sexy fühlt, strahlt man diese sexuelle Attraktivität auch aus und die Lust prallt zurück.
Ich spreche jetzt sehr viel mit meinem Mann. Und wir haben eine neue Offenheit. Vielleicht ist das unsere Chance. Nur die Sexualität, die werde ich weiter auswärts leben müssen, das reicht mir so nicht.

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20. Februar 2013 um 11:14

Wieviel Leid kann man aushalten?
Leider ist es eskaliert. Mein Freund hat nicht geduldig gewartet, wie sich alles entwickelt. Er schrieb eine Mail: ich kann und will nicht ohne Dich leben.
Und dann hat er sich erhängt.
Ich bin total zerstört.

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20. Februar 2013 um 14:17

Leider tiefster Ernst
ich leide wie ein Tier, mein Mann tröstet mich. Seltsam, aber ich tue ihm furchtbar leid und auch mit meinem Freund hat er tiefstes Mitleid.
Aber auch für seine Töchter ist es die Hölle. Er hat ihnen keinen Abschiedsbrief hinterlassen, nur mir die Nachricht.
Jetzt tröste ich die Mädchen, weil ich weiß, dass er sie sehr geliebt hat.
Warum nur macht ein Mensch so etwas?

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20. Februar 2013 um 14:57
In Antwort auf abena_12551655

Leider tiefster Ernst
ich leide wie ein Tier, mein Mann tröstet mich. Seltsam, aber ich tue ihm furchtbar leid und auch mit meinem Freund hat er tiefstes Mitleid.
Aber auch für seine Töchter ist es die Hölle. Er hat ihnen keinen Abschiedsbrief hinterlassen, nur mir die Nachricht.
Jetzt tröste ich die Mädchen, weil ich weiß, dass er sie sehr geliebt hat.
Warum nur macht ein Mensch so etwas?

.....
ich möchte Dir mein herzliches Beileid aussprechen....

Mir fehlen die Worte Dir etwas zu Schreiben, diese Situation ist derart wuchtig....
- graetschensepp -

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20. Februar 2013 um 23:58

Wunschfee
Mein aufrichtiges Beileid. Es überrascht mich, dass ausgerechnet er so gehandelt hat.

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21. Februar 2013 um 6:53
In Antwort auf dafydd_12520861

Wunschfee
Mein aufrichtiges Beileid. Es überrascht mich, dass ausgerechnet er so gehandelt hat.

Unerklärlich
Für mich ist es so unfassbar, ich komme aus diesem tiefen Loch gar nicht mehr heraus. Ich lese immerzu seine letzte Mail. Ja, jetzt mit diesem Wissen, hätte ich ahnen müssen, was er vorhat. Aber ich habe es nicht wahr genommen. Und jetzt ist es zu spät.

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