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Wie kann ich Sexualität leben, wenn meine Frau traumatisiert ist?

1. Juli 2015 um 17:49

Mein Problem ist folgendes: Vor Jahren brach bei meiner Ehefrau in der Therapie eine Sammlung schwerer Kindheitstraumata aus der Verdrängung auf. Dazu gehörten Vergewaltigungs- und Missbrauchserfahrungen seit ihrem fünften Lebensjahr.

Dass seitdem Sexualität oder jede Form körperliche Nähe kein Thema mehr sein kann, ist klar. Nur weiß ich nicht, wie ich auf Dauer damit umgehen kann. Ich war immer schon sehr zurückhaltend Frauen gegenüber, aus Angst, aufdringlich zu wirken. Als wir geheiratet hatten, war das Ausmaß ihres Traumas nicht erkennbar und unser sexuelles Verhältnis schien gesund zu sein.
Ich habe mich aber nicht für ein Ehe- und Familienleben entschieden, um zwangsweise und auf Dauer ohne körperliche Nähe und ohne Zärtlichkeiten leben zu müssen. Meiner Frau meine sexuellen Bedürfnisse aufzudrängen, kommt aber natürlich auch nicht in Frage, alleine die Angst, ihr zu nahe kommen zu können, blockiert mich bereits vollständig. Eine Trennung kommt ebenfalls nicht in Frage, immerhin liebe ich meine Frau und meine Kinder unvermindert. Und meine Sexualität außerhalb der Ehe auszuleben kann ich mir ebenfalls nur schwer vorstellen, auch wenn meine Frau mir dafür einen "Freibrief" ausstellen würde, wie sie sagt. Ich will aber nicht einfach nur mit irgendjemandem Sex haben. Ich möchte mit meiner Frau und Lebenspartnerin ein erfülltes, gesundes Sexualleben, das nun jedoch und vielleicht dauerhaft unmöglich geworden ist.
Ich fühle mich seit nunmehr drei Jahren in einer gewaltigen Sackgasse, die meine Lebensfreude immens trübt, ohne dass ich einen Ausweg sehe.
Ich will mich auch weiterhin als verantwortlicher, verlässlicher und liebender Ehepartner verhalten, merke aber auch, wie all das an meiner seelischen Gesundheit zehrt.


Irgendwelche Ratschläge?

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1. Juli 2015 um 18:35

Ja, aber...
In ihrer Therapie geht es zunächst darum, überhaupt wieder ein grundlegendes Vertrauen in Menschen aufzubauen. Dann erst kann vielleicht mit einer eigentlichen Traumatherapie begonnen werden. Das Ganze wird sich über viele Jahre ziehen.
In der Zwischenzeit eine Paartherapie zu machen, wäre möglich, aber sehr schwierig, weil zum einen die finanzielle Unterstützung seitens der Krankenkasse bereits maximal ausgereizt ist, zum anderen kann man nicht an allen Baustellen gleichzeitig arbeiten, Man glaubt nicht, wie sehr intensive Therapien auch körperlich anstrengen können.

Eine Trennung auf Dauer kommt für mich wie auch für sie nicht in Frage. Zum einen wollen wir zusammen bleiben und führen, abgesehen von ihren Problemen, körperliche Nähe zuzulassen, eine partnerschaftliche Ehe mit dem Bemühen, dass es dem anderen und unseren Kindern möglichst gut geht.
Meine Frau macht mit mir zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung, dass sie sich auf jemanden verlassen kann, dass sie nicht hintergangen oder am Ende doch im Stich gelassen wird. Würde ich mich von ihr trennen, weiß ich in der Tat nicht, ob sie das überleben würde (Suizidgefahr bestand vor einem Jahr sowieso schon, ist im Moment durch gute therapeutische Erfolge aber überwunden).
Zum anderen kommt eine Trennung schon wegen unserer gemeinsamen Sorge um die Kinder nicht in Frage und weil meine Frau gar nicht in der Lage wäre, alleine für sich und unser Haus zu sorgen, von dem sie sich aus emotionalen Gründen im Moment auch gar nicht trennen könnte. Weiterhin würde ich meinen Beruf riskieren, wenn ich mich mit dem Ziel trennen würde, irgendwann eine neue Beziehung mit einer anderen Frau anzufangen (ich unterrichte katholische Religion und wäre damit meine Lehrerlaubnis los).

All das klingt jetzt sehr nach Verpflichtung und Zwang,
aber der wichtigste Grund gegen eine Trennung ist wie gesagt, dass keiner von uns beiden eine Trennung möchte.
Meine Frau ist ein ganz ganz wertvoller Mensch, der in seinem Leben Schlimmes erdulden und erleiden musste. So einen Menschen kann und will ich niemals im Stich lassen. Aber der Preis ist für mich momentan sehr hoch.

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2. Juli 2015 um 21:10

Ganz genau
der Umgang mit "Triggersituationen" ist in der Tat sehr heikel und es ist in der Tat so, dass bestimmte Bereiche (vor allem emotional) von ihr nur wie ein Kind erlebt werden können. Das macht auch den Umgang von Tag zu Tag sehr schwierig.

Hilfe zu suchen, einzufordern und auch anzunehmen versuchen wir seit Jahren, dennoch sind unsere Erfahrungen von verschiedenen Seiten leider mit sehr viel Ablehnung und negativen Erfahrungen verbunden. So hat eine Klinik, in der meine Frau fünf Monate verbracht hat, sie im Prinzip aus dem Grund vor die Tür gesetzt (der natürlich inoffiziell nie eingeräumt wurde), dass man nicht verantwortlich für einen befürchteten Suizidversuch sein möchte, der dann auch einen knappen Monat später eingetreten ist (zum Glück hat sie ihn noch rechtzeitig "angekündigt" - kurz nach der Einnahme der Tabletten). Mit solchen Situationen als verantwortliche Person alleine gelassen zu sein empfinde ich als äußerst belastend, auch wenn sich die Situation seit einem Jahr langsam, aber kontinuierlich verbessert.

Wahrscheinlich braucht die ganze Sache von meiner Seite aus "nur" eine Unendlichkeit an Geduld und Unterstützung, aber die jeden Tag aufzubringen ist nicht immer einfach.

Und wie gesagt, selbst therapeutische Hilfe zu suchen, scheint mir auch notwendig, aus verschiedenen Gründen aber leider sehr schwierig. Wir müssen momentan bereits die Therapie meiner Frau mit bis zu 500 im Monat privat finanzieren, was uns an die finanziellen Grenzen bringt.

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3. Juli 2015 um 11:59

Die Kirche...
... hat in diesem Fall keine wirkliche Lösung und rät in solch einem Fall zu Enthaltsamkeit. Da ein Priester diese Enthaltsamkeit wählt, ist das aus kirchlicher Sicht ja ein gangbarer - und der einzig gangbare - Weg. Kirchliche Berater sind, was konkrete Eheprobleme angeht, leider oft überfordert und schlicht unerfahren. Das bedeutet für mich aber eine Form von Zwangszölibat, obwohl ich mich bewusst dafür entschieden habe, nicht zölibatär leben zu wollen.

Das Problem sind in diesem Zusammenhang aber nicht einfach nur die Institutionen, denen man sich zu unterwerfen hat. Eine Partnerschaft oder nur sexuelle Befriedigung anderswo zu suchen, oder überhaupt meine Ehepartnerin in ihrer Situation im Stich zu lassen, würde ja auch meinen persönlichen Überzeugungen widersprechen. Nur schmerzt es, wenn man dadurch in eine scheinbar aussichtslose Sackgasse gerät.

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3. Juli 2015 um 12:06

Hallo Mathilda
der Missbrauch ist Realität und fand vielfältig statt. Was in einem mehrmonatigen Klinikaufenthalt aufbrach, war das Bewusstwerden des ganzen Ausmaßes, die Vielzahl an einzelnen Vorfällen über viele Jahre hinweg und vor allem die Auswirkungen des Missbrauchs. Ich wusste z.B. von ihr schon zuvor von einer Vergewaltigung, die ihr lange bevor wir uns kennengelernt hatten angetan wurde, aber was den Klinikaufenthalt auslöste, war, dass ihr Kartenhaus aus Verdrängung und Bewältigungsstrategien durch andere Gründe (z.B. Tod der Mutter) einzustürzen begann. Es ist also nicht so, dass erst in der Therapie etwas "erfunden" wurde. Leider ist es oft so, dass von außen betrachtet die Therapie erst als Auslöser der Probleme erscheint.
Das wäre so, als würde man eine Operation als Grund für den schlechten Gesundheitszustand eines Patienten vermuten.

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3. Juli 2015 um 12:19

Hallo Schleierwolke,
vergleiche ich ihre Situation mit der vor einem Jahr, sind wir sicherlich schon einige Schritte weiter. Eine Suizidgefahr können wir inzwischen ausschließen und insgesamt geht es ihr weitaus besser als noch vor einem Jahr, wobei die anhaltende Therapie nach dem Klinikaufenthalt ein entscheidender Faktor ist.

Das Hauptproblem im Moment (neben der Tatsache, dass im Alltag noch andere Zusatzbelastungen kommen, wie z.B. ein chronisch krankes Kind), ist für mich meine Angst davor, in welchem Ausmaß meine Kraft schwindet, diesen so langen Weg mittragen zu können, ohne dabei selbst verloren zu gehen.

Normalerweise würde man in so einer Situation Kraft aus der Beziehung schöpfen, aus jemandem, bei dem man sich fallen lassen kann, der einen stützt, der einen auffangen kann und durch emotionale und körperliche Nähe Kraft schenkt.

Wenn all das fehlt, wird es ganz schwierig durchzuhalten.
Vor allem, wenn man die Erfahrung machen musste, dass Freunde und Verwandte zwar im ersten Moment Hilfe und Unterstützung anbieten wollen, auf Dauer diese Hilfe aber völlig verloren geht. Wer für jemanden da sein will, Hilfe anbietet und ein offenes Ohr, der erwartet leider auch oft, dass sich eine Situation durch einfachste Ratschläge schnell verbessert. Merkt man, dass dies nicht der Fall ist, wird die ganze Situation zunehmend unangenehmer und der "Helfer" scheint sich überfordert zu fühlen, hilflos, wendet sich schließlich ab oder zeigt zunehmendes Unverständnis oder verfällt gar in Vorwürfe.

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3. Juli 2015 um 15:26

Wie kannst du deine Sexualität ausleben?
Entweder per Handbetrieb oder per heimlichem Fremdbetrieb. Sollte dir als Katholik nicht schwer fallen.

Falls es DOCH schwer fallen sollte, hätte ich noch eine andere Alternative, die ich aber nicht öffentlich darlegen möchte.

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3. Juli 2015 um 15:53

Fangen wir mal vorne an
Ich hoffe, dass Du Dir auch professionelle Hilfe gesucht hast?
Was Du an Gefühlen beschreibst, klingt auch nicht mehr so 100%ig "gesund".

Gibt es noch Therapieformen, die Ihr noch nicht ausprobiert habt? Vier Jahre Therapie ohne echte Fortschritte scheinen mir ziemlich viel zu sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie ja, bevor dieser "tolle Durchbruch" geschah, auch schon in Behandlung gewesen sein muss.

Ihr solltet auch unbedingt darüber nachdenken, auch eine gemeinsame Behandlung in Betracht zu ziehen.

Und noch was, weiß Deine Frau, wie sehr Du leidest?

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3. Juli 2015 um 21:22

Na ja...
Selten so etwas empathieloses gelesen....
was sollte dieser sinnbefreite Schwachsinn dem TE helfen....

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