Home / Forum / Liebe & Beziehung / Wie kann ich ihm helfen?

Wie kann ich ihm helfen?

27. April 2015 um 8:36

Als ich (w, 24) meinen Freund (m,25) vor 7 Jahren kennenlernte, hatte er Probleme mit seiner Familie. Seine Eltern lebten in Scheidung, er hatte sich mit seinem Vater verstritten. Er war gerade dabei, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, nachdem er längere Zeit viel Alkohol konsumiert hatte.

Ich lernte ihn kennen, als er zwar immer noch gelegentlich Alkohol trank, jedoch nur zu bestimmten Anlässen. Es ging ihm besser. Und er versöhnte sich auch mit seinem Vater.

Als wir etwa ein Jahr zusammen waren, hatte er wieder eine Krise und trank vermehrt Alkohol. Er fing jedoch an Sport zu treiben und so legte sich das wieder.

Inzwischen hat er ein Studium begonnen und ist sehr erfolgreich. Man muss dazu sagen, dass er ein sehr intelligenter Mensch ist, der sehr hohe Anforderungen an sich stellt.

Ich wusste schon, dass ihm das alles manchmal etwas viel wird. Aber das geht wohl allen mal so.

Er ist eher so, dass er zwar viel redet und auch in einem kleinern Kreis gerne im Mittelpunkt steht, sich sehr selbstbewusst gibt, anderen aber keinen tieferen Einblick gewährt, es ist alles manchmal etwas "Show". Leider, wie ich erfahren musste, auch vor mir. Dieses Wochenende ist er, nachdem wir von einem Fest nach Hause kamen und er ziemlich betrunken war, zusammengebrochen und hat gemeint, er hätte ein Problem. Er trinke wieder viel zu viel, er hätte keine Energie mehr und er fühle sich überall unerwünscht. Er hätte auch das Gefühl, dass er mich nur mit runter ziehen würde, und er das nicht möchte. Dass ich verdient habe, glücklich zu sein.

Ich habe schon gemerkt, dass er nicht wirklich glücklich ist, wusste aber nicht, weshalb und dachte, er liebt mich eventuell einfach nicht mehr. Ich habe von all dem Alkoholkonsum nichts mitbekommen, weil er, wenn wir uns sehen, nichts trinkt, ausser eben auf Parties, und das ist ja "normal".

Ich bin so froh, dass er sich mir geöffnet hat (das ist das erste Mal fast,dass er von sich aus auf mich zu kommt und Vertrauen zu mir hat, mit mir über so etwas Persönlichs zu reden), habe aber keine Ahnung, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass er eine falsche Wahrnehmung hat (wenn er sich überall unbeliebt, unerwünscht fühlt, weil er wirklich sehr beliebt ist bei allen und wirklich alle ihn mögen) und dass er deshalb eventuell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte (er war als wir uns kennen lernten schon mal in psychologischer Behandlung). Er hat gemeint, dass das vermutlich eine gute Idee sei. Ich hab ihm gesagt, dass ich für ihn da sein will, ich aber nicht weiss, was ich für ihn tun kann, habe ihm aber auch versprochen, dass ich mich nicht von ihm kaputt machen lassen werde. Er meinte, dass er es eventuell brauchen würde, dass ich für die nächste Zeit Entscheidungen für unser Leben treffe, dass ich aktiv bin und ihn etwas "mitschubse". Er meinte dann auch, dass er mich gar nicht verdient hätte, ich viel zu gut für ihn sei und er so froh sei, dass er mich hat, und sich mir nun, nachdem er mir das "gebeichtet" hat, extrem nahe fühlt.
Ich bin so froh, dass er mir gegenüber nun endlich mal so offen war. Er spielt nach aussen immer der selbstbewusste Mann und ist es oftmals eigentlich auch. Aber irgendwie auch nicht.

Ich werde schauen, dass wir für einen Termin beim Psychiater machen und habe ihm gesagt, dass er auch einfach zu mir fahren kann statt zu trinken (er sagt, dass er in meiner Gegenwart nicht das Bedürfnis hat zu trinken, er kann bei mir viel besser schlafen, alleine hat er oftmals Schlafprobleme, neben mir schläft er wie ein Stein). Ich würde ihn gerne öfters sehen, habe damit eigentlich kein Problem, bin mir aber nicht ganz sicher, ob er sich dann nicht irgendwie von mir abhängig macht, weil eigentlich ist er ein sehr selbstständiger Mensch. Und dann habe ich irgendwie Angst, die Verantwortung für uns beide tragen zu müssen, ich will nicht Angst haben, dass er sofort wieder in ein Loch fällt, sobald etwas zwischen uns falsch läuft. Auch weiss ich nicht, was ihm wirklich am meisten bringt.

Ich liebe ihn sehr und ich denke keinen Moment daran, ihn zu verlassen. Komischerweise ist es normalerweise auch eher so, dass ich die anhängliche, eventuell sogar etwas "abhängige" Person bin und er sehr stark und selbstbewusst ist.

Ich brauch wirklich dringend einen Rat. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Vermehrt mit ihm Zeit verbringen (Ich würde es eigentlich gerne, nur sind wir beide auch sehr ausgelastet durch das Studium), so dass er regelmässiger z.B. bei mir übernachtet? Mit ihm regelmässig sprechen oder ihn auf mich zu kommen lassen? Ihn etwas zu einem Termin beim Psychiater "drängen"? Er meinte ja, er möchte, dass ich eventuell etwas aktiver für einen kurzen Zeitraum Entscheidungen für ihn mittreffe ,weil er einfach überfordert sei.
Ich bin so froh, dass er mich an sich ranlässt, nur weiss ich leider nicht, wie ich ihm helfen kann. Könnt ihr mir Tipps geben?

Mehr lesen

27. April 2015 um 8:50

Frag IHN doch,
was ihm eventuell helfen würde und sprich das weitere Vorgehen mit ihm ab..

Wenn du jetzt über seinen Kopf hinweg entscheidest, könnte das nämlich falsch sein.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

27. April 2015 um 8:51

Ich versuche mal zu antworten..
Ich denke, dass deine sorgen berechtigt sind und es eigentlich nicht förderlich ist für ihn und euch, wenn die Verantwortung einfach auf deine Schultern geladen wird. klar kann man seinen Partner so in gewissem Maße unterstützen, aber ich würde immer versuchen auf Augenhöhe zu bleiben, was natürlich nur möglich ist, wenn beide Partner ihren Teil zu der (gemeinsamen) Entwicklung beitragen. desweiteren würde ich ihm einen Psychotherapeuten als Anlaufstelle raten, Psychiater arbeiten verstärkt mit Medikamenten und das kann bei suchterkrankungen dann zur Suchtverlagerung (tablettensucht) führen. auch muss deinem freund klar sein, dass du ihn nicht aus seiner Lage "befreien" kannst, du kannst ihn unterstützen, aber aktiv muss er in erster linie auch selbst werden, wenn er Veränderungen will..

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

27. April 2015 um 8:56
In Antwort auf thor_12302917

Ich versuche mal zu antworten..
Ich denke, dass deine sorgen berechtigt sind und es eigentlich nicht förderlich ist für ihn und euch, wenn die Verantwortung einfach auf deine Schultern geladen wird. klar kann man seinen Partner so in gewissem Maße unterstützen, aber ich würde immer versuchen auf Augenhöhe zu bleiben, was natürlich nur möglich ist, wenn beide Partner ihren Teil zu der (gemeinsamen) Entwicklung beitragen. desweiteren würde ich ihm einen Psychotherapeuten als Anlaufstelle raten, Psychiater arbeiten verstärkt mit Medikamenten und das kann bei suchterkrankungen dann zur Suchtverlagerung (tablettensucht) führen. auch muss deinem freund klar sein, dass du ihn nicht aus seiner Lage "befreien" kannst, du kannst ihn unterstützen, aber aktiv muss er in erster linie auch selbst werden, wenn er Veränderungen will..

Vielen Dank für deine Antwort
Ja, genau, das sind eben meine Befürchtungen und das habe ich ihm auch gesagt, dass er es selbst hinbekommen muss (mit professioneller Hilfe eventuell), aber ich an seiner Seite für ihn da bin.

Danke für den Hinweis mit dem Psychotherapeuten, das scheint mir dann wirklich sinnvoller zu sein. Ehrlich gesagt möchte ich auch gar nicht, dass er Medikamente nehmen muss und denke auch, dass das in seinem Fall nicht nötig sein wird.

Ich werde ihn heute nochmals darauf ansprechen und ihn dazu ermuntern, einen Termin zu vereinbaren.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

27. April 2015 um 9:00
In Antwort auf stahltrasse

Frag IHN doch,
was ihm eventuell helfen würde und sprich das weitere Vorgehen mit ihm ab..

Wenn du jetzt über seinen Kopf hinweg entscheidest, könnte das nämlich falsch sein.

Das habe ich bereits,
er weiss es jedoch auch nicht genau.

Er hat gemeint, dass es ihm hilft, wenn ich etwas aktiver/dominanter bin und ihm manchmal einen Tritt in den Hintern gebe, damit er etwas tut. Aber er hat auch gemeint, dass ich so Dinge einfach kurz ansprechen soll aber dann auch wieder zur Seite legen sollte.

Ich möchte sicherlich nicht über seinen Kopf hinweg entscheiden und auch möchte ich ihn nicht zu etwas zwingen. Der Grat dazwischen ist aber schmal und ich bin mir halt wirklich einfach nicht sicher, inwieweit Hilfe von mir wirklich sinnvoll ist und inwiefern er das nicht alles besser "alleine" hinbekommen sollte, unabhängig von einer Partnerin.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Noch mehr Inspiration?
pinterest