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Wie kann ich Heimat in mir finden?

21. Februar 2017 um 9:37

Ich versuche mal ein wenig auszuholen, um die Problematik verständlich zu machen:
Meine Eltern wurden nach dem zweiten Weltkrieg durch die Oder-Neiße Verschiebung vertrieben. Sie flohen gen Westen.
Obwohl sie ja immer Deutsche waren, waren sie alles andere als willkommen. Ich erinnere mich an alle möglichen Berichte nach denen sie hier mit Schimpfwörtern begrüßt wurden. Auf der Straße bestrafte das Volk sie mit Missachtung. Die Nachbarn grüßten nicht. Sie waren immer die Flüchtlinge, nicht gerne gesehen.

Heimatgefühl entwickelte sich wohl nie so wirklich. Zwar machten meine Eltern die äußersten Bedingungen so schön für alle wie möglich, aber innerlich blieben sie wohl immer die Fremden.

Ich zog mit 20 weg aus dieser Stadt ins Ausland. Wieder war ich Fremde. In dem Alter scherte mich das verdammt wenig, denn Ausbildung, Studium... all das war wichtiger.

Ich lebte dann nach einigen Jahren im Ausland lange in einer größeren Stadt in Deutschland. Die äußeren Bedingungen fühlten sich gut an. Kultur, Lebendigkeit, Nachtleben. Die Bindung zur Nachbarschaft war schön!

Aber immer blieb ein wenig das hohle Gefühl fremd zu sein.

Und heute? Heute plagt mich dieses Gefühl so richtig. Ich bin nach einer Trennung aufs Land gezogen. Habe Eigentum gekauft und fühle mich hier nach 8 Jahren mehr als fremd. Dies fiel mal wieder sehr auf einer Veranstaltung auf. Die Menschen hier scheinen über Jahrhunderte Fremden gegenüber nicht offen gewesen zu sein. Ich fühle mich fremd. Ich habe in meiner ganz näheren Umgebung nichts und niemanden um mich herum, was mir das Gefühl von angekommen sein geben könnte, obwohl ich Familie, Mann und Kind habe. Mir reicht es einfach nicht meinen Hafen in ihnen zu finden. Ich habe es versucht. Es funktioniert nicht. Obwohl ich mit meinem Mann wirklich sehr glücklich bin!
Ich bin Gruppen zugehörig, habe hier viele Bekannte, wenige Freunde und einige Freunde weit weg. Das Gefühl bleibt.

Mich plagen auch furchtbare Schuldgefühle, dass ich meinem Kind keine Wurzeln geben kann. Zerbricht eine Freundschaft von ihm, drehe ich fast durch. Es zerbricht mir das Herz. Ich wollte doch bodenständig sein, damit er Wurzeln bilden kann. Aber eigentlich gibt es hier keine Wurzeln. Er kommt einfach nicht richtig an. Hat eigentlich keine festen Freunde, obwohl wir ja fast von seiner Geburt an hier sind.

Ich denke egal ob wir noch mal einen Neuanfang woanders starten würden: Das Gefühl würde immer bleiben. Dieses Gefühl der Wurzellosigkeit, der Heimatlosigkeit.
Die Stadt in der ich geboren wurde gibt mir das Gefühl nur randständig.

Äußere Bedingungen wie Job des Mannes, Eigentum (ziemlich geringer Wert, welche Alternative gäbe es da)? würden es außerdem sehr schwierig machen einen Neuanfang zu wagen.
Mir fehlt hier aber einfach die Nachbarschaft, die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft, die ich anderswo her schon kenne. Hier alt werden wäre furchtbar.
Wie kann ich Heimat in mir finden, anstatt es an die Äußeren Gegebenheiten zu knüpfen?
Mein Mann kann mit all dem gar nix anfangen. Er braucht das alles gar nicht. Für ihn gibt es nur uns und Arbeit, der Rest ist ihm nicht so wichtig.

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21. Februar 2017 um 10:37

Du solltest bedenken, dass ein hoher Prozentsatz Deutschlands, Österreichs usw.
ausländische Großeltern, Urgroßelter oder überhaupt Vorfahren anderer Länder
haben.
Würden diese alle so leiden wie du, dann gäbe es in Deutschland, Österreich usw.
lauter fremde und unglückliche Menschen.

Schätze dein glückliche Familie um vieles höher ein. Um vieles!
Damit würde dein Problem automatisch kleiner werden.

Du brauchst nur in den vielen Beiträgen hier lesen, wieviele unglückliche
Partnerschaften es gibt. Und schon sollte es dir gelingen, den Wert
deines Glücks wertzuschätzen.

Und grenze deine nächste Umgebung nicht aus.
Und sieh sie nicht als die Menschen an die nicht in dein Schema passen.

Du würdest nämlich genau das machen, was du von ihnen glaubst.
Nicht sie grenzen sich ab von dir sondern du grenzt sie aus.

Vielleicht könnte dir ein Psychologe bei der Bewältigung deines
Problems helfen.

Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg
deine Partnerschaft dermaßen hoch
einzuschätzen, dass das andere Thema
zum Nonsens wird.

lg pascal 






  
 

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21. Februar 2017 um 11:05

Kann es sein, dass sich bei dir gedanklich ganz, ganz viel um dieses Thema dreht und du dich deshalb da auch ein bisschen rein steigerst?
Ich frage deshalb, weil das was du schilderst ja absolut kein Einzelschicksal ist. Ich kenne ein paar Menschen, die im Zuge des 2. Weltkrieges aus ihrer damaligen Heimat vertrieben wurden, sich woanders ein neues Leben aufbauen mussten und hier nun auch heute noch leben. Ich habe das Gefühl, die sind alle hier auch emotional angekommen. Niemand würde sie mehr als Flüchtlinge ansehen und wenn ich ihre Geschichte nicht kennen würde, wüsste ich es auch nicht, dass sie nicht hier geboren sind, da es nicht auf irgendeine Art und Weise ersichtlich ist.

Und dass es eine Weile dauert, bis man in seiner neuen Heimat angekommen ist, dazu hatte ich vor ein paar Tagen selbst ein Erlebnis, das mich sehr gefreut hat: Ich bin nun seit 7 Jahren in einer neuen Stadt und klar, wenn man am Anfang gefragt wird, wo man herkommt oder ähnliches, gibt man immer noch sein ursprüngliches zu Hause wo man aufgewachsen ist, an, denn man fühlt sich ja dort zugehörig und verbunden. Jetzt vor ein paar Tagen wurde ich (da ich momentan wieder fernab der Heimat bin) gefragt, wo ich denn her komme und ich habe aus dem Bauch heraus, ohne darüber nachzudenken das Bundesland genannt in dem ich jetzt seit 7 Jahren wohne. Im Nachhinein hab ich noch mal darüber nachgedacht und da ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt wohl wirklich angekommen bin, weil ich nicht mehr auf meine Heimat, wo ich aufgewachsen bin verweise, sondern auf das neue Zuhause und das hat mich gefreut. Was ich damit aber sagen will: Ich habe mir darüber vorher nicht den Kopf zerbrochen a la "fühl ich mich jetzt hier schon heimisch oder passt es noch nicht so ganz?", sondern es wurde mir erst jetzt bewusst.
Ich glaube, man kann manchmal auch viel kaputt grübeln und so kommt es mir bei dir vor. Du sagst, dir fehlen die eigenen Wurzeln, weil du sie nie von deinen Eltern bekommen hast, dann auch  noch Umzüge hattest und so. Ich hingegen sehe es genau anders: Ich habe mehr Heimat durch meine Umzüge, denn das was man mal als Heimat an sich heran gelassen hat, wird immer Heimat bleiben, auch wenn eine neue hinzu kommt und obwohl auch meine Eltern dort damals nicht aufgewachsen sind, sondern neu waren. 

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