Home / Forum / Liebe & Beziehung / Wie egoistisch darf ich als erwachsene Tochter (43) sein?

Wie egoistisch darf ich als erwachsene Tochter (43) sein?

17. April 2016 um 15:53

Zur Situation:
Meine Mutter hat mit 75 Jahren den dringenden Wunsch ihr jetziges Haus zu verkaufen und sich wohnlich noch einmal zu verwirklichen.
An sich kein Problem, wären die Objekte ihrer Begierde nicht mehr als 300-400 km vom jetzigen Wohnort entfernt.
Da es unbedingt ein Protzbunker mit locker 300 qm Wohnfläche und mehr sein muss (für zwei Leutchen) bekommt man diesen natürlich nur in irgendwelchen Dörfchen ohne entsprechende Infrastruktur. Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte sind immer nur mit einem Auto erreichbar und die Distanzen liegen dann bei ca. 15 km + aufwärts.
Meine Mutter ist bereits 75 Jahre alt, aber Gott sei Dank, noch fit und gesund.

Dennoch bin absolut gegen diese Pläne und halte es aufgrund ihres Alters als geradezu fahrlässig so weit wegzuziehen, wo sie niemanden außer ihren zweiten Ehemann kennt- zumal sie auch sehr unselbsständig ist und es noch nicht mal hier schafft alleine in die 15 km entfernte Großstadt zu fahren.
Sie und ihr Mann leben eher nebenher und es gibt oft Auseinandersetzungen- jeder hat sein eigenes Schlafzimmer und abends hockt jeder in seinem. Gemeinsame Hobbys Fehlanzeige, außer die gemeinsamen Hunde sind da wenig Schnittstellen. Was will sie also in der Einöde 24/7 Tage die Woche mit ihm- darauf weiß sie selber keine Antwort.

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihr und ihrem Mann und sie ist nach meiner eigenen Scheidung mit der wichtigste Mensch für mich- ich war halt schon immer ein 'Mamakind'.

Mein Vater lebt nicht mehr und umso trauriger und persönlich betroffen bin ich von ihrem Wunsch.
Ich könnte sie ja 2-3 mal im Jahr besuchen kommen, ein Gästezimmer stünde bereit, .mir verschlug es die Sprache bei solchen Sätzen.
Wir sehen uns normalerweise jede Woche, telefonieren fast jeden Tag und wohnen nur 5 km von einander entfernt.
Es ist so, dass sie sich teilweise 'beschwerte', dass man noch zu wenig Kontakt pflege und jetzt DAS!!

Ich bin beruflich sehr eingespannt und habe weder Zeit noch Lust, demnächst querbeet durch Deutschland zu gurken weil sie ihren Egoismus ausleben will- das habe ich ihr auch so gesagt!

Der ganze Freundeskreis hält es für eine Schnapsidee, aber das möchte sie nicht hören- ist das schon Altersstarrsinn?
Daher meine Frage:
Wie egoistisch ist es als erwachsene Tochter den Wunsch der Mutter nicht zu respektieren, schieße ich über das Ziel oder sind es berechtigte Zweifel, dass man in diesem Alter nicht mehr so einen Schritt geht?


Mehr lesen

17. April 2016 um 18:12

...
Nein, ich finde nicht, dass du übertreibst. Auch halte ich deine Bedenken für komplett nachvollziehbar. Allerdings kann ich auch deine Mutter verstehen. Mit 75 hat man schließlich keine Zeit mehr zu verschenken. Daher rührt wahrscheinlich auch die, von dir als Altersstarrsinn empfundene Sturheit . Vlt findet ihr ja einen Kompromiss, z.B. Jmd finden, der sich, bei Bedarf, später um sie kümmert?! Platz genug wäre ja^^^ ... LG

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. April 2016 um 20:54

Das ist wohl eine Patt-Situation,
du hast das gleiche "Recht", den Plänen deiner Mutter skeptisch (und teilweise auch ein bisschen beleidigt ) gegenüber zu stehen, wie sie das Recht hat, ihren späten Traum vom Wohnen noch zu realisieren.

Wenn du ihr klar machst, dass du aufgrund der räumlichen Distanz nicht für sie da sein können wirst, sollte es ihr gesundheitlich mal schlechter gehen, und sie dennoch daran festhält, weit weg aufs Land zu ziehen .... dann lass sie ziehen. Sag ihr auch ruhig, dass du es ihr übel nimmst, wenn sie solch einen großen Abstand zu dir mit all den damit einhergehenden Umständen einnehmen möchte. Das muss sie sich einfach mal anhören. Was sie dann damit macht, ist ihre Sache. Mag sein, sie nimmt sich deine Befindlichkeit zu Herzen. Mag sein, es ist ihr egal. Damit wiederum musst du dann leben.
Ihr seid trotz der direkten Verwandtschaft miteinander auch einfach zwei erwachsene Frauen, jeweils mit gleichwertigen Rechten und Pflichten.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. April 2016 um 23:14

"Gönne ihr den Spaß" ...
"Freu dich mit ihr" ....
Irgendwie hast du den Text da oben völlig anders empfangen als ich.
DieFrauMüller ist meiner Meinung nach ziemlich angefressen, dass ihre Mutter aus heiterem Himmel so krass räumlich auf Abstand zu ihr und gehen will. Sie bezeichnet sich als "Mamakind"....
Da klingen Parolen wie "Die Muddi will weg? Ist doch toll! Supie!!!" nun eher nach Hohn. Soll sie mal eben komplett über ihren eigenen Schatten springen und die geliebte Mutter fröhlich winkend von dannen ziehen lassen? Weißt du, wie schwer 'loslassen' ist?


Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. April 2016 um 23:50

Tag
>>> Dennoch bin absolut gegen diese Pläne

Deine Mutter ist volljährig und darf über ihr Leben frei entscheiden. Genau wie Du.

Ich finde die Idee Deiner Mutter ausgezeichnet. Wenn es nicht klappt, kann sie sich ja was Neues überlegen. Ich an ihrer Stelle würde ein Häuschen am Indischen Ozean als übernächstes ins Auge fassen.

Pacjam

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 0:01

Wenn die Mutter stirbt,
dann MUSS die TE sich verabschieden. Dann MUSS sie loslassen. Das ist jetzt noch nicht in dieser Zwangsläufigkeit gegeben.

Ein schlüssiges Argument dafür, dass Frau Müller angefressen ist? Ganz einfach. Sie liebt ihre Mum und möchte so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Und sie dachte bis dato, das beruhe auf Gegenseitigkeit. Doch: Surprise! Die Liebe scheint ziemlich asymmetrisch ausgeprägt zu sein, wenn Mama ihre letzten Jahre lieber weit, weit weg verbringen will. Ohne Töchterlein.Ich wäre da auch eingeschnappt. Einfach emotional beleidigt. Ich kann das verstehen. Man fühlt sich, als hätte man zuvor in einer Illusion gelebt und knallt nun hart auf.

Und warum? Warum will die Mutter weg?? Völlig ungewöhnlich. Kennst du "Seven years" von Lucas Graham?

Soon I'll be 60 years old
Will I think the world is cold
Or will I have a lot of children
Who can warm me ....

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 0:05

@Sei froh, dass sie nicht nach Australien auswandern will.
Wieso soll sie da froh sein? Australien ist doch eine hervorragende Zielregion, wenn man seinem Leben noch mal eine gewagte Wende geben möchte. Langsam vor sich hinverwesen mag halt nicht jeder.

Pacjam

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 7:11

Doch, den Wunsch solltest Du meiner Meinung nach respektieren
... genau wie Deine Mutter die Konsequenzen ihrer Entscheidung.

Nein, natürlich musst Du nicht demnnächst querbeet durch Deutschland gurken und Dein eigenes Leben an den Enntscheidungen Deiner Mutter ausrichten.

Dennoch ist und bleibt es IHRE Entscheidung, nicht Deine.

Dass Du die Idee nicht für sonderlich schlau hälst - klar. Dass Du das auch Deiner Mutter gegenüber aussprrichst - ist Dein Recht und Deine Pflicht. Dass Du daraus dann auch die Konsequenzen ziehst, ist genauso Dein Recht und Deine Pflicht. Aber dazu, quasi die Entscheidungen Deiner Mutter zu treffen - hast Du kein Recht, für wie bescheuert Du die Idee auch halten magst.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 10:52
In Antwort auf keno_12041371

"Gönne ihr den Spaß" ...
"Freu dich mit ihr" ....
Irgendwie hast du den Text da oben völlig anders empfangen als ich.
DieFrauMüller ist meiner Meinung nach ziemlich angefressen, dass ihre Mutter aus heiterem Himmel so krass räumlich auf Abstand zu ihr und gehen will. Sie bezeichnet sich als "Mamakind"....
Da klingen Parolen wie "Die Muddi will weg? Ist doch toll! Supie!!!" nun eher nach Hohn. Soll sie mal eben komplett über ihren eigenen Schatten springen und die geliebte Mutter fröhlich winkend von dannen ziehen lassen? Weißt du, wie schwer 'loslassen' ist?


@Weißt du, wie schwer 'loslassen' ist?
Also, normalerweise findet der Abnabelungsprozess in der Adoleszenz statt. Mit > 25 Jahren sollte der - langsam aber sicher - vollendet sein. Hier noch als Mama-Kindchen auftreten und rumjammern, weil Mama ihrem Leben noch eine Wende geben möchte und sich "erdreistet", wegziehen zu wollen, ist völlig deplatziert.

Aber klar: das eigentliche Problem der TE besteht darin, dass sie sich von ihrer Mutter immer noch nicht ausreichend abnabelte.

Pacjam

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 11:47

Nein, ich wollte nicht sagen,
dass die Mutter die Tochter nicht mehr lieb hat.
Meine Vermutung geht in die Richtung, dass die Tochter deutlich mehr an der Mutter hängt als diese an der Tochter.

Für gewöhnlich will man oft und gerne Zeit mit denjenigen Menschen verbringen, die man besonders ins Herz geschlossen hat. Wenn man sich bewusst räumlich sehr weit entfernt, dann nimmt man zumindest billigend in Kauf, dass der persönliche Kontakt sich stark reduzieren wird. Und wenn einem das nicht so schlimm erscheint, sagt das meiner Meinung nach konsequent aus, dass man diejenige Person nicht so viel um sich haben möchte. Und ja, das sagt schon viel über die Tiefe der emotionalen Bindung aus. Denn wir reden hier nicht über zwingende Umstände, die zum Wegzug nötigen würden, sondern über den freien Willen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 11:58
In Antwort auf pacjam5

@Weißt du, wie schwer 'loslassen' ist?
Also, normalerweise findet der Abnabelungsprozess in der Adoleszenz statt. Mit > 25 Jahren sollte der - langsam aber sicher - vollendet sein. Hier noch als Mama-Kindchen auftreten und rumjammern, weil Mama ihrem Leben noch eine Wende geben möchte und sich "erdreistet", wegziehen zu wollen, ist völlig deplatziert.

Aber klar: das eigentliche Problem der TE besteht darin, dass sie sich von ihrer Mutter immer noch nicht ausreichend abnabelte.

Pacjam

Es muss nicht unbedingt mit Abhandlung zu tun haben,
bei nicht wenigen Mutter-Tochter-Gespannen schlägt das Über-Unterordnungs-Verhältnis irgendwann in eine tiefe Freundschaft um, eine Generationen übergreifende Freundschaft. Und man liebt ja auch seine besten Freundinnen und will oft mit ihnen zusammen sein.

Aber sei es drum. Mama will weg, Frau Müller wird sie gehen lassen und ihre Beziehung zu ihr grundsätzlich überdenken müssen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 12:08


Gerade in Eltern-Kind-Beziehungen wird IMMER mit zweierlei Maß gemessen!

Kindern wird klassisch die Aufgabe zugeschrieben, sich irgendwann abzunabeln. Auch hier wird das gefordert, z. B. weiter oben von pacjam. Normal.

Und klassisch wird Eltern nahe gelegt, ihren Nachwuchs doch bitte irgendwann ziehen zu lassen und nicht klettig an ihm zu hängen. Was hier geschieht, ist also völlig ungewöhnlich. Und man kann schon nachvollziehen, dass die TE spontan sehr irritiert ist. Auch wenn das nichts ändert und sie einen Weg finden muss, damit umzugehen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 12:11
In Antwort auf keno_12041371

Es muss nicht unbedingt mit Abhandlung zu tun haben,
bei nicht wenigen Mutter-Tochter-Gespannen schlägt das Über-Unterordnungs-Verhältnis irgendwann in eine tiefe Freundschaft um, eine Generationen übergreifende Freundschaft. Und man liebt ja auch seine besten Freundinnen und will oft mit ihnen zusammen sein.

Aber sei es drum. Mama will weg, Frau Müller wird sie gehen lassen und ihre Beziehung zu ihr grundsätzlich überdenken müssen.

Moahhhh .... Autokorrektur!
Ersetze bitte Abhandlung durch Abnabelung.

Verflixt! Ich korrigiere die Autokorrektur deutlich öfter als sie mich!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. April 2016 um 15:12

NACHTRAG
Es wurde nach den Motiven meiner Mutter gefragt.
Sie hat sich mit einer Nachbarin verstritten, hat zu viel bei den falschen Personen ausgeplaudert- irgendwann kam es halt raus. Diese Nachbarin hat es wiederum der nächsten Nachbarin erzählt usw. Mittlerweile sind die Wogen etwas geglättet und man grüßt sich zumindest wieder- aber ein Beigeschmäckle bleibt halt.

Weiterhin fühlt meine Mutter nach spätestens 15 Jahren einen inneren Drang weiterzuziehen. Dies war allerdings die letzten 50 Jahre lediglich im Umkreis von 20 km.
Hinzu kommt, dass ihr die enge Bebauung in unserer Region nicht gefällt- 800 qm Grundstück sind ihr zu klein.

Was ihre Wohnsituation anbelangt, sie verfügt bereits jetzt über großzügige 260 qm...reine Wohnfläche!
Das Haus befindet sich in einer erstklassigen Wohnlage und entsprechend gut lässt es sich verkaufen und bringt einen stattlichen Erlös ein.

Da sie sich aber bereits jetzt im gehobenen Segment befindet, muß die neue Immobilie dies natürlich noch toppen- im Rheinland finanziell eher nicht möglich. Logischerweise will sie natürlich keine Kredite aufnehmen.
Und so bleibt laut ihrer Logik nur ein Umzug in die Pampa.

Ich bin der Meinung, dass sie ihr Augenmerk eher auf ein altersgerechtes Umfeld legen sollte-
wozu braucht man in diesem Alter eine überdimensionierte Villa ab 300 qm und mehr Wohnfläche plus riesen Grundstück?!
Wer kommt denn noch groß zu Besuch?viele Freunde sind bereits verstorben, oder gesundheitlich angeschlagen und wollen nicht mehr so lange Autofahrten aufsich nehmen.
Dann hockt sie irgendwann vereinsamt in einer Protzvilla- das soll es dann sein?
Wenn ihre Kräfte nachlassen, ist sie immer auf fremde Personen angewiesen- geht es denen wirklich nur um ihr Wohlbefinden?
Ich bin weit vom Schuss und habe nicht mehr die Möglichkeit einzugreifen.
Sorry, mir ist dabei einfach unwohl und ich werde weiter dafür kämpfen dass sie zumindest hier in der Nähe bleibt!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass Luise unser Mutter/Tochter Verhaltnis sehr schön analysiert hat.
Wären mir ihre Pläne gleichgültig, müßte man sich eher fragen was in meiner Erziehung falsch gelaufen ist.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Diskussionen dieses Nutzers
Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen