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Wenn die Freundin lesbisch wird

8. September um 9:39 Letzte Antwort: 9. September um 2:46

Hallöchen,
ich bin neu hier. 20 Jahre alt und es hat sich in letzter Zeit ein Problem in der Beziehung zwischen mir und meiner Freundin eingestellt, dass ich nur sehr schwer verstehen kann und mich ehrlich gesagt einfach nur umhaut. 

Ich habe meine Freundin kennen gelernt, da waren wir auf der Grundschule, wir kannten uns immer, hatten uns immer mal getroffen. Als wir beide 15/16 waren fingen wir an uns besser zu verstehen und wurden sehr enge Freunde und sind es bis heute.
Als ich gerade aus einer recht ekligen Beziehung kam, in der ich mit einer sehr sexwütigen Partnerin zu kämpfen hatte der ich nicht genug war und sie aus einer eigentlich reinen sex Beziehung mit einem Kerl der Sie und Andere gleichzeitig betrogen hatte, kamen wir uns noch näher. Wir verbrachten viel Zeit, halfen und über unsere Schmerzen hinweg und waren für einander da. Nach einiger Zeit kamen wir uns auch körperlich näher und irgendwann beschlossen wir eine Beziehung einzugehen.
Die Beziehung lief jetzt seit 2.5 Jahren uns wir waren uns die nächsten Menschen überhaupt, mit einer Ausnahme: meine Freundin war im Bett schon immer etwas unbeholfen und zurückhaltend. Bereits ganz am Anfang hatte wir darüber geredet und sie hatte mir mit Tränen in den Augen gesagt dass sie Angst hat mich nicht befriedigen zu können, da sie wesentlich weniger häufig das Bedürfnis hat als ich. Mit ihrer Vergangenheit, dem Typen den sie vor mir hatte, mit dem sie eigentlich größtenteils nur was hatte weil sie nach eigener Aussage eines der wenigen Mädchen war die noch niemanden ins Bett bekommen haben, und dem Fakt dass sie sich selbst irgendwann vor dieser sex Beziehung geekelt hat dachte ich mir, dass sie eben recht negative Assoziationen mit dem Thema hat. Meine Hoffnung war mit Liebe uns Zuneigung wird alles gut.

Es wurde auch besser: wir probierten hier und da was aus, sie verlor die Verkrampftheit die anfangs manchmal bestand und wir waren beide happy damit. Nach ca. Einem Jahr Beziehung allerdings habe ich wieder die ersten Abweisungen erfahren. Hier war ein Stressfaktor, da war ein Stressfaktor, sie hatte schlicht weg immer seltener Lust. Dieses Problem hat angefangen sich tief in unsere Beziehung einzubetten. Sex war ein leidiges Thema. Wir verbrachten viel Zeit miteinander und manchmal hat es auch funktioniert, meistens aber nicht und dann haben eigentlich alle anderen Aspekte unserer Beziehung genauso darunter gelitten.
Und in letzter Zeit wurde dieses Problem einfach unaushaltbar. Wir verbrachten eigentlich immer jedes Wochenende miteinander und teilweise 6 Wochen ohne Sex. Wenn es mal dazu kam hat sich das ganzen auch nicht allzu berauschend angefühlt. Und jetzt beim zweiten Versuch darüber zu reden hat sie gesagt dass sie immer mehr das Gefühl hat, sich zu Frauen hingezogen zu fühlen.

Das war so erst mal kein unbedingt neuer Gedanke von ihr, schon mit 16 hatten wir oft darüber geredet wie schwierig es ist seine eigenen Sexualität auf den Punkt zu bringen, da wir beide der Meinung waren, dass man sich in die Person verlieben kann und bleibt man einfach offen passt sich die Sexualität bestimmt an. Sie hatte auch immer ein Auge für schöne Frauen, ein paar lesbische Freundinnen und das Feuer in ihren Augen wenn sie da mal was erzählt hat ist mir auch nicht entgangen.

Das Ende vom lied ist, sie hat mir gestanden was ich schon länger befürchtet habe, sie hat sexuell das Interesse an mir komplett verloren. Versteht das nicht falsch, wir schlafen jeden Abend wenn wir uns sehen arm in arm und geben uns immer Zuneigung in jeglicher Form. Aber wenn ich das Bedürfnis nach sex hatte und sie etwas intimer anfasste merkte ich sofort wie sich etwas in ihr dagegen sträubt. Meine Hoffnung, dass das ganze den ursprung in ihrer toxischen sex Beziehung vor unserer Zeit hat ist mittlerweile völlig verglimmt. Mir wird immer mehr klar dass ich da nichts verändern kann. Sie macht sich Vorwürfe mich unglücklich zu machen und es stimmt ja auch. Wir sind uns beide die engsten Menschen auf der Welt. Ich habe sie aber schon immer mit anderen Augen betrachtet als sie mich. Ich habe sie vergöttert auf jeder Ebene und ich war ihr engester Vertrauter.
Am liebsten würde ich unserer jetzige Beziehung einfach fortsetzen da mir kein Mensch auf der Welt so nah steht wie sie. Und auch bei ihr sieht das ähnlich aus. Sie hat ja niemanden im Auge oder sehnt sich nach sexueller Freiheit, aber mit dem Status quo kann sie genau so wenig leben wie ich.
Das Problem meiner seits ist aber, dass sie mich im Endeffekt so haben kann wie sie will, nämlich als Komplizen, engsten Vertrauten und sicheren Hafen und ich sie anderers seits eben nicht so haben kann wie ich sie brauche und will. Nämlich als Partnerin in einer Beziehung, und da gehört für unser beider Verständnis Sexualität mit dazu.
Das Problem ist noch ziemlich frisch und wir wissen beide noch nicht so wirklich wie wir damit umgehen sollen. Ich hoffe hier ein wenig gehör zu finden und dass evtl. Menschen an mich heran treten können die damit schon Erfahrung machen mussten.

Vielen Dank an alle die sich die Mühe gemacht haben das hier bis zum Ende zu lesen. 
 

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9. September um 2:46

Hi Simon,

es zeugt von einer guten und vertrauensvollen Verbindung, daß ihr diese Probleme diskutieren könnt!

Meiner  Ansicht nach kann kein Mensch seine Sexualität ändern. Was da ist oder nicht: so ist es. Wenn Menschen erst nach einiger Zeit dieses oder jenes entdecken: es war schon immer da, man hat es aus diesem oder jenem Grund erst jetzt erkannt. Oder mußte es des kulturellen Drucks wegen verheimlichen.

Ich weiß natürlich nicht,  ob deine Freundin wirklich lesbisch ist. Ich kenne einige hetero-Frauen, die sich sehr zu Frauen hingezogen fühlen und dennoch nicht lesbisch sind. Das ist so.

Einige meiner lesbischen Bekannten haben langjährig mit Männern erfüllende Beziehungen geführt. Auch das ist so und ich kann es sogar verstehen, da ich es vor gefühlt 100 Jahren selbst erlebt habe.

Vielleicht wird deine Freundin von Dingen, die ich nicht wissen kann, geplagt. Angst vor einem Outing und den schlimmen Kommentaren ihrer Umgebung. Angst, einen besten Freund, dich, zu verlieren. Angst vor dem Unbekannten.

Setzt eure Gespräche fort. Gib ihr zu verstehen,  daß sie dich nicht automatisch verliert, wenn sie ihre Sexualität entdeckt, du kannst trotzdem ihr bester Freund sein. Sprecht über eure eigene Sexualität und eure eigenen Vorstellungen zum Sex. 

Ich halte es für absolut möglich, daß ihr in diesen Gesprächen mehr Klarheit bekommt und vielleicht eure sexuellen Differenzen gelöst werden können.

Pi





 

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