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Was kann Liebe ertragen...

20. August 2012 um 20:45

Hallo Zusammen,

ich bin neu hier und hoffe ein paar einfühlsame Menschen zu finden, die mich und meine Situation verstehen können...
Ich bin 32 Jahre alt und habe seit etwas über einem Jahr eine Beziehung mit meiner Freundin, ich bin auch eine Frau, wir sind also ein lesbisches Paar. (Nur damit keine Missverständnisse aufkommen).
Von Anfang an hat sie mein Herz sehr berührt, eine Art der Zuneigung die ich bisher noch nie verspürt habe. Es sind die kleinen Dinge des Alltags die mein Herz tanzen lassen und vor allem auch das Wissen um ihr "schönes" Herz was sie mich manchmal sehen lässt... Und da komme ich auch schon zu dem was mich verletzt und nachdenklich stimmt und weshalb ich hier heute schreibe...
Sie ist von Anfang an eher der zurückhaltende Typ gewesen wenn es darum ging, von sich zu erzählen, was sie bewegt, bedrückt, erfreut. Ich habe aber sofort gemerkt dass sie ein sehr sensibler und auch bedrückter Mensch ist. Mit der Zeit habe ich dann heraus gefunden was bei ihr los ist. Sie ist 33 Jahre alt und studiert seit 10 Jahren Jura, steht seit 3 Jahren vor ihrem ersten Staatsexamen, schafft es aber nicht mit Lernen zu beginnen. Dazu kommt, dass sie von zu Hause keine finanzielle Unterstützung erfahren hat. Sie arbeitet nebenbei um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser Aspekt gilt auch als ihr Grund weshalb sie nicht anfangen kann fürs Examen zu lernen. In Wahrheit aber sitzen die Gründe viel tiefer Ihre Eltern haben sie meiner Meinung nach nie geliebt und unterstützt. Ihren Aussagen nach hat sie von ihren Eltern niemals Unterstützung und Anerkennung erfahren. Die Tatsache, dass sie lesbisch ist unterstützt die fehlende Anerkennung, ihre Eltern kreisen um den älteren Bruder, der als Kronprinz die Familie beerben soll. Meine Freundin ist quasi Luft für ihre Eltern, nur bei Problemen der Eltern wird sie wieder kontaktiert. Weiterhin konnte meine Freundin sich nie auf ihre Eltern verlassen, da diese wohl dazu neigen, ihre Meinung nach gutdünken zu ändern
Als Konsequenz hat meine Freundin nie Urvertrauen erfahren, was sich natürlich auch in unserer Beziehung wiederspiegelt. Sie kann mir nicht vertrauen bzw. und jetzt kommt das für mich eigentlich Schlimme: Sie WILL es nicht. Das ist ihre Aussage wenn wir streiten, was mich natürlich im Herzen zutiefst trifft. Die Streits die wir haben drehen sich um Kleinigkeiten die aber im Kern immer dasselbe gemein haben: Sie lebt ihr defizitäres Verhältnis zu ihren Eltern in unserer Beziehung weiter. Bedanke ich mich nicht wenn sie vorschlägt zu kochen ist sie beleidigt da sie mit der mangelnden Anerkennung nicht klar kommt. Sie versteht Kritik von mir an ihr als abwertendes Verhalten. Dieser Begriff der Abwertung ist in ihrem Sprachgebrauch felsenfest verankert! Ich muss dazu sagen, dass ich vom Wesen ein Typ Mensch bin, der die Dinge beim Namen nennt ich bin ein sehr selbstreflektierter Mensch weswegen mich im Streit Beleidigungen nicht zu eben solchen Beleidigungen verleiten können. Ich bin eher zutiefst erschüttert wenn meine Freundin mir sagen wir mal primitive Dinge an den Kopf knallt die wahnsinnig verletzend sind Ich versuche immer in unseren Streits ihr klar zu machen, dass es doch jetzt gar nicht um die oberflächliche Sache geht (wie zB ich habe mich nicht fürs Kochen bedankt) sondern um die Sache mit der Anerkennung und dass das doch nichts mit einem Mangel daran zu tun hat wenn ich sage dass ich keinen Hunger habe Sie versteht nicht dass man sich auch lieb haben kann, wenn man gerade mal nicht das tut was der andere erwartet Und natürlich flippt sie total aus wenn ich ihr dann mit den Eltern als Ursache komme, dass DIESE ihr das Gefühl gaben, nicht liebenswert zu sein nur weil sie deren Erwartung nicht entspricht. Ich weiss, dass es falsch ist sie im Streit mit diesen Dingen zu konfrontieren, kann doch aber auch nicht das oberflächliche Problem einfach so mitdiskutieren! Ihre Reaktion in diesen Streits ist immer dieselbe, sie will mich dann verlassen, ausziehen (wir sind vor 6 Wochen zusammengezogen usw. Sie selbst wird dann total ausfallend und blockt total ab. Sie will die Wahrheit nicht hören. Ihr Studium leidet meiner Meinung nach unter dem elterlichen Konflikt, auch das will sie nicht wahrhaben. Schuld ist die Hochschulreform, die mangelnde Unterstützung von den Eltern etc. Immer die anderen
Mich belastet diese Situation so ungemein, da ich von ihr keinerlei Vertrauen bekomme (weil sie es nicht will) und sie sich zeitgleich auch nicht für mein Leben interessiert. Das kann ich ja auch noch verstehen, also das mit dem mangelnden Interesse, immerhin hat sie mit ihrem eigenen Leben genug zu tun. Aber die Tatsache, dass sie mich von sich wegschiebt, mich nicht an ihren Gedanken und an ihrer Situation teil haben lässt sondern mich zudem im Streit auch noch beleidigt zehrt ganz gewaltig an meinen Nerven. Ich bin unendlich traurig, da ich weiss wie schön sie sein kann. Daher will ich sie nicht gehen lassen Kann das Jemand verstehen? Ich denke mir immer, was aus ihr hätte werden können wenn sie andere Eltern gehabt hätte oder wenn sie jetzt, mit 33, endlich mal lernen könnte loszulassen Sich von der Hoffnung, ihre Eltern würden sie eines Tages doch mal in den Arm nehmen und sagen wie toll sie ist, so wie sie ist, befreien Ich weiss dass das ein sehr schwieriger Weg ist aber er lohnt sich! Aber jegliche Gedanken in diese tiefsinnige Richtung blockt sie total ab. Unsere Gespräche drehen sich um unseren Kater, was abends gegessen wird und was in der Glotze läuft Mir fehlt der geistige, innige Austausch so sehr! Ich kann mich zwar mit Freunden sehr gut austauschen (Gott sei Dank!!), trotzdem ist das nicht das selbe Wenn ich sie drauf anspreche blockt sie nur ab und wird gemein, daher mag ich sie fast gar nicht mehr mit meinen Bedürfnissen konfrontieren aus Angst dass ich verletzt werde. Da sie auf der anderen Seite aber auch total lieb sein kann, kann ich sie nicht gehen lassen Was würdet ihr tun? Könnt ihr mich überhaupt verstehen? Ich habe ganz innige Gefühle zu ihr und die müssen doch zu was gut sein!!
Vielen Dank fürs Lesen

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20. August 2012 um 21:12

Hmm...
Mein Dozent in Beratung behauptet steif und fest, dass "Psychologisieren" in einer Beziehung zu deren Ende führt.
Kann sein, dass sie sich zu "analysiert" und bewertet von dir fühlt und das die Beziehung auch belastet.
Hört sich für mich zumindest stark danach an.
Du bist nicht ihre Therapeutin und viel zu sehr selbst involviert für den Job...
Habt mal wieder Spaß miteinander, freut euch aneinander und vergesst mal die ganzen "schweren" Dinge. Die klären sich dann manchmal sogar von selbst.

Und ich finde, mit 33 kann man nicht mehr die Eltern für alles verantwortlich machen. Schließlich hat man/frau sein Leben selbst in der Hand und ist dafür selbst verantwortlich...

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22. August 2012 um 3:37

Ja,
ich verstehe dich, aber sie auch.
Mein Vorredner hat, wie ich finde recht. Es geht ihr auf die Nerven, dass du ihr erklärst "was bei ihr falsch läuft".
Es klingt schon relativ schlüssig was du schreibst, aber das ist eigentlich egal. Fakt ist - sie hat kein Interesse daran, dass du sie analysierst. Ich bin überzeugt davon, dass du es gut meinst, aber in dieser Hinsicht seid ihr offensichtlich unterschiedlich. Sie will anscheinend nicht alles diskutieren und erörtern und vielleicht stocherst du da in wunden Punkten herum.

Das nächste Mal bedank dich doch, wenn sie kocht, dass finde ich wirklich nicht zu viel verlangt und in so eine Bitte würde ich auch nicht mehr reininterpretieren. Ich bin in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen und dennoch wünsche ich mir Dankbarkeit, wenn ich etwas für jemanden erledige.

Ich denke, du solltest versuchen zu akzeptieren, dass deine Ratschläge und deine Interpretationen nicht bei jedem gut ankommen. Du kannst sie nicht dazu zwingen, sich mit bestimmten Dingen auseinanderzusetzen und das solltest du auch gar nicht. Jeder Mensch ist eben anders und du hast selbst gesagt, dass du eher der direkte und sie mehr der verschlossene Typ ist. Damit muss man sich arrangieren.

Wenn du das nicht akzeptieren kannst und dir die teifgründigen Gespräche verstärkt abgehen, solltest du vielleicht über eine Trennung nachdenken. Außerdem würde ich Vertrauen einen sehr hohen Stellenwert in einer Beziehung geben und da sie nicht bereit dazu ist, dieses aufzubringen, wird es vermutlich nicht sehr viel besser werden (können).
Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück!

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22. August 2012 um 12:02

Erstmal
vielen Dank für Eure Antworten... Das mit dem "Psychologisieren" sehe ich genau so, auch denke ich, dass ich "zuviel" fordere. Ich möchte das auch sehr gerne ändern. Nun haben wir wieder Gespräche die jetzt Richtung Trennung gehen, dabei "verlange" ich, dass Sie versucht an ihrem defizitärem Vertrauen arbeitet... Ich denke nicht, dass das zuviel verlangt ist, denn ohne Vertrauen keine Beziehung. Ich weiss auch, dass Vertrauen nicht von jetzt auf gleich kommt, aber das möchte ich ja gar nicht! Ich möchte gewiss sein, dass es eine Veränderung geben kann und das geht nur, wenn wir beide an uns arbeiten. Beide, nicht nur ich! Ich habe ihr die Punkte genannt die ich an mir ändern möchte, die ich für sinnvoll erachte (also nicht so viel einfordern, sondern sie von selbst kommen lassen) aber sie selbst will nichts an ihr ändern. Sie sagt sie "lasse sich nicht verbiegen"... Das es doch bei dem Erlernen von Vertrauen nicht um Verbiegen geht sondern um einen großen Gewinn auch für sich selbst, sieht sie gar nicht! Bzw will sie nicht sehen... Ich habe gesagt, dass ich die Beziehung nicht weiter fortführen möchte, wenn sie diesbezüglich nicht auf mich zukommt... Und sie ist bereit, "uns" zu opfern. Ich bin unendlich traurig und könnte nur weinen... denke aber auch das das der richtige Schritt ist. Wenn nicht die Bereitschaft dazu da ist, Vertrauen aufzubauen... dann hat alles keinen Sinn...

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