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Was kann ich tun?

17. Juni um 17:23 Letzte Antwort: 20. Juni um 1:06

Hallo, ihr Lieben.

Ich (w, 23) lebe seit zwei Jahren mit meinem Freund (22) zusammen. Eine Beziehung führen wir seit drei Jahren.

Vor einem halben Jahr, Anfang Dezember, hat er mir das erste Mal gesagt, dass er seit zwei Wochen unglücklich ist. Er verlor sich zunehmend in Zukunftsängsten, hinterfragte unsere Beziehung, suchte nach Ansätzen, um eine Lösung für diese Gefühle zu finden. Ich war für ihn da, unterstützte ihn, und nach ein paar Tagen verbesserte sich sein Zustand, und er war wieder er selbst.

Nun, ein halbes Jahr später, tritt diese Problematik erneut auf. Er kam wieder zu mir und beichtete mir, dass es ihm seit zwei Wochen nicht gut ginge, was ich dieses Mal bereits im Gefühl hatte. Ich reagierte erneut sehr ruhig, wir redeten über seine Probleme,und ich signalisierte ihm, dass ich für ihn da bin. Allerdings gibt es erneut keinen Ansatzpunkt, und er kann nicht ausschließen, ob er sich durch die Beziehung beengt fühlt. Seine größte Angst ist, wie gehabt, die Zukunft. Er fürchtet sich davor, mich eines Tages nicht mehr zu lieben und mir dann das Herz brechen zu müssen, er fragt sich, ob er in seinem Leben nun schon alles erreicht hat, obwohl er noch so jung ist (in einem Jahr schließt er bereits sein Studium ab) und befindet sich geistig erneut in einer Abwärtspirale. Er isst kaum, schläft viel, ist sehr nähebedürftig und schämt sich dafür, mir Sorgen zu bereiten, weil er mich liebt, und die Beziehung nicht auf dem Spiel wissen will.

Wir sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass er vermutlich unter einer Depression leidet, die sich wohl beim letzten Mal noch in einer leichteren Form geäußert hat, weswegen wir sie gemeinsam durch Gespräche und die Offenheit miteinander zurückdrängen konnten, die jetzt aber verstärkt zurückgekommen ist. Er hat jedoch Angst, sich in Therapie zu begeben, weil er befürchtet, dass unsere Beziehung das Problem darstellt. Auf der anderen Seite will er uns wirklich nicht aufgeben. Ich bin von diesem Verhalten irritiert, weil es auf der einen Seite so scheint, als sei er sich sicher, dass WIR das Problem sind, auf der anderen Seite erweckt er aber auch den Eindruck, dass er davor solche Angst hat, weil er eben grade nicht möchte, dass wir uns trennen müssen.

Wir führen eine sehr schöne Beziehung. Wir sind offen miteinander, haben viel zu reden und zu lachen, sind sehr aktiv, unternehmen viel und geben uns trotzdem gegenseitig viel Freiraum, da wir die Wochenenden (ich muss in die Heimat) getrennt verbringen. Wir haben gemeinsame Hobbys, aber jeder zusätzlich seine eigenen, wir unterstützen uns gegenseitig und haben bessere Menschen aus dem anderen gemacht. Wir verstehen uns mit den Freunden des anderen sehr gut und unternehmen auch gern was miteinander, haben jedoch trotzdem getrennte Freundeskreise und sind auch viel allein mit unseren Freunden unterwegs. Wir sind sexuell aktiv und gehen allgemein zärtlich miteinander um. Natürlich streiten wir auch, aber wir haben gelernt, Probleme anzusprechen und sie gemeinsam zu lösen, weshalb er mit mir auch über diese Ängste spricht. Ihm ist auch bewusst, dass wir eine außergewöhnlich gute Beziehung führen, 
Deshalb frage ich mich: Kann eine intakte Beziehung überhaupt der Auslöser für eine depressive Phase sein? Denn je mehr ich mich belese, desto mehr fällt mir auf, dass eine gesunde Beziehung den Heilungsprozess sogar fördert, selten jedoch der Auslöser ist.
Natürlich ist es möglich, dass er sich aufgrund seines bevorstehenden Uniabschlusses unter Druck gesetzt fühlt, denn er ist immerhin noch sehr jung und (auch meiner Ansicht nach) noch nicht bereit für das endgültige Berufsleben. Auch hier habe ich versucht, mit ihm verschiedene Möglichkeiten zu ermitteln, wodurch er noch länger sein "Studentenleben" genießen kann. Außerdem scheint es ihn unter Druck zu setzen, dass ich mir "mit allem so sicher bin" bzw. mir "alles so leicht fällt". Ich spreche mit ihm nicht viel über die Zukunft, um seine Ängste nicht zu triggern, aber ich bin von der Problematik nunmal nicht betroffen und daher in der Lage, die Momente mit ihm ohne Zukunftssorgen genießen zu können.

Dieses Mal holen wir seine Eltern mit ins Boot, und ich habe von ihm gefordert, sich einer Therapie zu unterziehen. Selbst, wenn unsere Beziehung diese erneute Belastung aushalten sollte, weiß ich nicht, ob ich das alles erneut durchstehen würde. Bzw. wäre ich mir schon gern bewusst, dass wir nicht das Problem sind, um ihm auch in der Zukunft bei eventuellen Rückschlägen zur Seite stehen zu können.

Hat jemand unter euch Erfahrungen damit? Kann mir irgendjemand erzählen, wie seine Erfahrungen mit einem depressiven Partner sind, und ob die Beziehung eine Chance hat? Glaubt ihr, eine gesunde, intakte Beziehung könnte einen solchen Einbruch im Verhalten auslösen?

Vielen Dank.
 

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20. Juni um 0:44

Naja. Beziehung hat nur Chancen, wenn der Partner sie NICHT als Auslöser betrachtet bzw etwas, dass ihm nicht gut tut. 
Schuldgefühle dem Partner gegenüber sind typisch für depressive Menschen, da man ja weiß, dass man den deren belastet obwohl man es nicht will, aber man kann es auch nicht abdrehen.

Die Beziehung zu beenden, erscheint da als logischer Grund für den depressiven... Zumal eine Beziehung ja auch zusätzlichen Druck und Stress für ihn bedeutet. 

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20. Juni um 1:06
In Antwort auf jim

Naja. Beziehung hat nur Chancen, wenn der Partner sie NICHT als Auslöser betrachtet bzw etwas, dass ihm nicht gut tut. 
Schuldgefühle dem Partner gegenüber sind typisch für depressive Menschen, da man ja weiß, dass man den deren belastet obwohl man es nicht will, aber man kann es auch nicht abdrehen.

Die Beziehung zu beenden, erscheint da als logischer Grund für den depressiven... Zumal eine Beziehung ja auch zusätzlichen Druck und Stress für ihn bedeutet. 

Hallo lieber Jim, 

Zuerst einmal Danke für deine Antwort. 

Genau das ist es, was mir Angst macht.
Seine Schuldgefühle hat er genau so begründet, wie du es bereits beschrieben hast, und ich versuche, seinen Zustand weniger auf mich / uns zu projizieren. Dass die Beziehung in dieser schweren Zeit für ihn möglicherweise zusätzlichen Druck erzeugt, versuche ich, soweit es im Bereich des Möglichen ist, zu vermeiden. 
Ich bin die letzten zwei Tage etwas ruhiger geworden und habe vor, ihn so weit zu unterstützen, wie er es zulässt, mit dem Ziel, dass es ihm besser geht. Auch, wenn unsere Beziehung diese Situation nicht überleben sollte, wünsche ich mir, dass er die Wurzel seiner Ängste findet und er diese schlimmen Phasen in Zukunft nicht mehr durchleiden muss. Ich hoffe, dass er durch die Unterstützung spürt, dass ich für ihn da bin, und er sich mir öffnen kann, egal wie schlecht es ihm geht, oder wie schlimm seine Gedanken sind. 

Hast du selbst Erfahrungen mit Depressionen? 

Danke. 🍀

 

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