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Was ist schon Vernunft

15. Mai 2006 um 15:08

Hallo an alle,

langsam gehe ich meinen ganzen Freundinnen mit meinem Leid auf die Nerven. Aber, ich brauche dringend Rat, Unterstützung ggf ein paar Kopfnüsse und arge Schläge. Obgleich ich hier zum ersten Mal schreibe, hoffe ich doch sehr auf eure Hilfe.

Ich bin schon von etwas älterem Kaliber (42), denke und verhalte mich aber "leider" nicht entsprechend.
Vor zwei einhalb Jahren kam ich mit einem 14 jahre jüngeren Mann zusammen, den ich eigentlich gar nicht wollte. Er hatte sich quasi in meinem 6jährigen-Singledasein mit einer Hartnäckigkeit in mein Leben gedrängt. Wirklich, ich habe mich mit Händen und Füßen gegen ihn gewährt. Aber, ihr kennt das doch...er sieht (in meinen Augen) hinreißend aus, hat mir Komplimente gemacht wie von einem Dichter geschrieben und hat nichts unversucht gelassen, in meiner Nähe zu sein. Bis zu dem Tag, als ich schwach wurde und ihn erhörte. Er saß stundenlang draußen in Kälte und Regen vor meiner Haustür, schick und adrett im Anzug mit ner Flasche Rotwein und wartete bis ich 'rauskam. Ich konnte nicht mehr. Bin schwach geworden. Er überzeugte mich mit Taten und Worten. Anfangs dachte ich noch, na den süßen Kleinen nehm' ich mir mal für zehn Tage, aber - trotz aller "Vorsicht!!!"-Sprüche meiner Freunde: Wir haben uns in einander verliebt, aber von Kopf bis Fuß, von innen nach außen, von diesem Tag an bis gerade jetzt in der Sekunde. Jedes Mal, wenn ich Zweifel hatte, war er es, der mich überzeugte an unsere Liebe zu glauben. Wir haben uns gegenseitig nie eingeengt, gaben uns extrem viel Freiraum. Manchmal gingen mit mir die Pferde durch, weil ich schon ganz gerne (hin und wieder mal) mehr Verbindlichkeit von ihm gehabt hätte. Er ist Student, wohnt bei seinem Vater noch daheim und bekommt quasi alles in den Hintern geschoben. Er ist 28 Jahre alt und weiß leider nicht, dass das Leben auch mal weniger schöne Zeiten mit sich bringen kann. Er hing sehr gerne mit seinen Freunden daheim 'rum vorm Computer. Ging niemals aus, weil "zu Hause ist es doch am schönsten, nicht wahr, Mäuschen"? Und zeigte keinerlei Ambitionen meinetwegen mal auszugehen, ganz zuschweigen von Theater- bzw. Konzertbesuche. Nun gut. Das machte mir nichts aus, ich bin selbständig und habe meine Leute, ich genoß auch meinen Freiraum. Und, wenn er halt nicht wollte, dann halt nicht.
Meiner Mutter ging es damals nicht besonders gut. Sie erlitt zwei Schlaganfälle, von denen sie sich beim letzte nicht erholte und wir sie verloren. Ich trauere noch um sie. Sie war eine liebevolle und liebenswerte Mama... Während der dieser Zeit hat mich mein junger Freund leider nicht unterstützen können. Ich suchte die Geborgenheit, die Kraft und die Stütze. Er konnte sie mir nicht geben, was mich maßlos enttäuschte. Am Tag nach ihrem Tod war ich daheim mit meiner ganzen Traurigkeit. Allein. Einsam und verlassen. Kein Anruf. Nichts. Also, griff ich zum Telefon und fragte ihn, warum er sich denn bei mir nicht ein einziges Mal bei mir melden würde. Nichts. Keine Antwort. Funkstille am Telefon. Ich war verzeifelt und weinte bitterlich. Ich bat ihn, zu mir zu kommen, um mich wenigstens zu halten. Damit ich nicht so alleine wäre. Er hingegen fühlte sich in die Enge getrieben und meinte nur, dass wenn er jetzt käme, es doch auferlegt wäre. Nicht ehrlich und erzwungen. Ich solle mich damit abfinden, dass meine Mutter nun mal nicht mehr da sei und es sei doch nichts großes passiert, ich hätte doch gewusst, dass sie stirbt. WUMMMMM, das hatte getroffen und ich beendete die Beziehung. Tage später kam er reuemutig wieder zu mir zurück. Und ich - weil ich ihn liebte und liebe - verzieh ihm das. Wir waren wieder zusammen. Monatelang war es wunderschön und wir so glücklich wie noch nie. Dann plötzlich, wie schön für mich, war ich schwanger. Ich hatte mich gefreut wie man sich als Frau nur freuen konnte. "Das Ding muss weg" meinte er bloß und ging. Hatte mich sitzen gelassen. Ich musste allein zum Arzt, zu Pro Familia. Alles allein. Ich war in meinem Zustand völligst verzweifelt. Wieder kein Halt, keine Unterstützung. Und, was war die Freude groß als meiner wieder zu mir zurück kam. Mit offenen Armen habe ich ihn empfangen. ICH HABE IHM EINEN ELLENLANGEN BRIEF geschrieben. Er soll mir noch eine Chance geben, verstehen, dass ich in dieser Situation nicht normal reagiere. Am Anfang wollte er nicht. Es hätte doch mit uns beiden keinen Sinn. Er wäre ein Versager und könnte mich nicht glücklich machen, geschweige denn meine Erwartungen erfüllen. Leider hatte ich eine Eileiterschwangerschaft, die ziemlich spät zu erkennen war. Ich musste sofort ins Krankenhaus. Ich rief meinen Freund an und fragte, ob er mich denn dorthin begleiten könne. "Aber, der Marko kommt doch gleich. Wir wollen zocken". OK, wenn er denkt, er muss es machen, bitte. Geh ich halt alleine hin. Ich musste noch einige Sachen von daheim holen. Er stand schon in der Wohnung und entschuldigte sich für sein Verhalten. Ich soll ihm doch bitte, bitte noch einmal verzeihen. Und ich hab es getan. Weinend beteuerte er seine Liebe zu mir. Und mich verlieren, bedeutete für ihn sein Leben verlieren. Ohne mich könne er nicht mehr leben, nicht mehr lachen, nicht mehr schlafen usw usf. Mein Freund ist Kiffer, ihr wisst: Es macht einen lethargisch, desinteressiert und man hat eine Alles-egal-Mentalität. Unter der Prämisse, er solle damit aufhören, nahm ich ihn wieder zurück. Er hörte mit der Kifferei auf. Für mich. Er veränderte sich zum positiven und verhielt sich so, wie man sich seine Liebe erträumt. Monate vergingen in Glückseligkeit und Harmonie. Wir haben uns verstanden, haben gelacht und uns geliebt. Wir konnten unsere verliebten Blicke gar nicht von einander lassen. Ab und zu schlichen sich wieder Bedenken bei mir ein, die ich aber schnellstens verwarf. Zu schön war die zeit. Die wollte ich genießen. Kennt ihr das, man dreht sich in einem Kreis und kommt mit der Beziehung nicht weiter? Ich wollte zu gerne den nächsten Schritt mit ihm wagen, traute mich aber nicht, es ihm zu sagen, aus Angst vor seiner Antwort. Er als sehr freiheit liebender, vor jeglicher Verantwortung gegenüber Dritten flüchtender Mensch. Er merkte, dass ich mir Gedanken über die Zukunft machte. Sonntag vor einer Woche kam es zum Bruch. Morgens schien für mich die Sonne. Ich weiß nicht, wie oft er während der Jahre mir seine Liebe beteuerte. Von ganzem Herzen tat er das. Wir haben uns gestritten. Und während dessen sagte er im ad hoc, dass es mir uns Zwei doch eh keinen Sinn mache. Er könne meine Erwartungen nicht erfüllen, er kann mich nicht glücklich machen. Er kann den Schritt nach vorne einfach nicht gehen. Bei keiner Frau. Ich sei die schönste Beziehung und auch längste seines Lebens. Und er liebt mich, wie er noch nie eine andere Frau geliebt hat. Aber mehr, als das, was er mir geben kann. Das ist das Maximum. Und von da an zerbrach meine Welt. Ich glaube, er meint es ernst. Ich hatte ihm geschrieben. Verzweifelte, traurige SMS (ich hasse diesen Weg, aber da er sehr konfliktscheu und kommunikationsfaul ist, war dies die einzige Möglichkeit). Er meldete sich nicht. Letzten Donnerstag rief ich ihn an. Wir haben zusammen geweint. Er liebt mich, das weiß ich, aber er kann den nächsten Schritt nicht gehen. Ich habe mich zum Bettler gemacht, zur Hampelfrau, eine SMS nach der anderen. Gestern besuchte ich das Grab meiner Mutter. Meinem Schwager wurde Leberkrebs vor kurzem diagnostiziert, er ist nun im Endstation. Nach dem Besuch war ich fix und fertig und ich fühlte mich so einsam wie niemals zuvor. Er holte mich zu sich. Zum ersten Mal nach einer Woche sahen wir uns wieder. Wir gingen spazieren. Es war wie immer. Alles unverändert. Er war liebevoll, zuvorkommend. Wir haben uns ins Bett gelegt, haben uns so fest wie möglich an den Händen gehalten, uns gestreichelt und sind eng umklammernd friedvoll eingeschlafen. Heute morgen genau das gleiche. Es war Liebe im Raum zu spüren. Er möchte mich nicht verlieren, er liebt mich. Wir müssen es dieses Mal durchziehen und versuchen, ohne uns auszukommen. Wir müssen vernünftig sein. Er ist maßlos traurig und ich leide unendlich unter Trennungsschmerz. Habe Angst, dass er mich vergißt. Nicht mehr liebt. Ich verstehe nicht, warum er nicht um meine Liebe kämpft und mich dadurch spüren lässt, dass ich es nicht mehr wert bin.

Meine Freunde haben unser Hin und Her satt. Aber, kann mich hier wenigstens eine von Euch verstehen?

Liebe Grüße an euch alle!

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15. Mai 2006 um 17:30

Leider hatte ich...
...soeben das finale Gespräch.

Liebe gestagen100,

vielen Dank für Deine Antwort. Daß, was Du schreibst, wusste ich schon von Anfang an. Ich hatte nur gehofft, ich könnte ihn durch meine Art, meine Persönlichkeit (und hier habe ich keinesfalls versucht, die Erfahrenere oder gar die Ältere raushängen zu lassen) und auch meine Lebenserfahrung etwas mehr Reife mitgeben zu können. Leider ist mir dies nicht gelungen. Er weiß nun, dass er mir niemals gerecht werden kann. Aus eben genannten Gründen. Andererseits habe ich ihn niemals nach meinem Gusto biegen wollen, er sollte seine Leichtigkeit behalten, sein Kindsein. So habe ich ihn geliebt. Da ich wusste, das er in schwierigen Situationen nicht belastbar war, habe ich ihn nicht groß mit meinen Sorgen und Problemen belästigt. Er ist einfach wirklich nicht soweit, nicht jetzt nicht morgen und noch lange nicht in absehbarer Zeit. Ich hoffe nur, er nimmt mich mit in seinen Gedanken und seinem Herzen auf seinen Weg ins Erwachsenwerden. Ich konnte beim letzten Telefonat soeben leider nicht meines Alters entsprechend reagieren. Es schmerzt mich so sehr. Nach unserem Streit am vorletzten Sonntag hätte ich zu weit aus dem Fenster gelehnt, dass er in der Minute beschloss, unsere Beziehung zu beenden. Es ist eine Entscheidung, die ich nicht verstehe. Im Verzeihen liegt die Größe - so heisst es doch immer so schön, so hat er es immer wieder an mir erleben können. Ich weiß, er liebt mich und die Trennung fällt ihm bestimmt schwer. Nur mit der Konsequenz mit der er die Sache durchzieht, damit komme ich nicht klar. Ich werde sein AUS akzeptieren. Ich kann aber keinen Kontakt mehr zu ihm halten. Kein Anruf, kein Besuch. Noch nicht einmal einen Augenblick.

Bin äußerst traurig, aber Gott sei Dank heilt die Zeit bekanntlich alle Wunden. Und vielleicht, in ein paar Monaten können wir uns wieder mit einem Lächeln begegnen.

Lieben Grüß

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18. Mai 2006 um 9:03

Oh nein,
liebe Ges. So war das nicht. Ich habe ihm kein Mißmut entgegen gebracht und ich war mir keinesfalls seiner sicher. Im Gegenteil. Wir beide haben uns immer angestrahlt. Er war glücklich mit mir und ich mit ihm. Unsere Liebe war von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Das wussten wir beide. Wir haben verschiedene Zukunftsaussichten, die wir zusammen niemals verwirklichen können. Und trotzdem war unsere beiderseitige Anziehungskraft so groß, dass wir es miteinander versucht haben. Wir haben uns auf dieses Spiel eingelassen, ohne zu wissen was kommen wird. Es war uns egal. Ich bin ihm entgegen gekommen, er mit seinen Mitteln auch. Dass wir uns eines Tages aus Vernunftsgründen einmal trennen würden, war uns klar. Wir waren auf dem Gipfel des Glücks und hätten uns so noch eine ganz lange, lange Zeit genossen. Keiner von uns hätte sich jemals denken können, dass das Ende naht. Es war eine ad hoc-Entscheidung von ihm, während einer ganz normalen Auseinandersetzung.

Ich danke Dir für Deine trostspendenden Worte. Sie helfen mir sehr.

Lieben Gruß
b

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