Home / Forum / Liebe & Beziehung / Was ist eine Freundin, ein Freund?

Was ist eine Freundin, ein Freund?

12. Oktober 2016 um 14:41 Letzte Antwort: 12. Oktober 2016 um 16:13

Gerade im Zeitalter der Medialität geht mir gerade ein wenig das Definitionsgefühl von Freund, Freundin verloren. 
Gestern traf ich mich nach vielen Wochen mit "Freunden, Bekannten...?" Ich kann es selbst nicht wirklich definieren. 

Wir saßen cirka 2 Std. zusammen. 20 Min davon wurden mindestens von allen anderen 3 Leuten ver"whattsappt." 

Man hatte sich ja so mühsam die paar Stündchen freigeschaufelt, um Zeit miteinander zu finden nach so langer Zeit. Zwischen Job, Kindern, Partnern, stehen die "Freunde" eben weiter unten in der Liste. 

Bei vielen Leuten bleibt bei mir nur noch das Gefühl irgendeine Nummer einer Aneinanderreihung von Person 1 bis 20 zu liegen und dabei einen genauso oberflächlichen Stellenwert wie die 19 Anderen zu haben. 

Ich selber habe auch einen großen Bekanntenkreis, aber diese zunehmende Unverbindlichkeit macht mir zu schaffen. 
Da wird eine Verabredung 10 Min vor dem Treff per SMS abgesagt.  
Für den Härtefall sind Leute da. 

Für mich macht eine Freundschaft aber mehr aus. Nicht nur dazustehen, wenn Not am Mann ist, was natürlich auch schon von unschätzbarem Wert ist, aber auch mehr Nähe, mehr Verbindlichkeit, Gemeinsamkeiten ausleben. Das ist es was mir fehlt. 
Kann man sowas wieder ritualisieren, auch wenn die Freunde z.B. weiter weg wohnen? Klar muss da eine Bereitschaft von beiden Seiten bestehen. Sollte ich das mehr fordern, erfragen, wenn es mir fehlt? Vielleicht fordere ich zu wenig, erwarte Vorschläge, Lebendigkeit, aber bringe selber nix? 

Mehr lesen

12. Oktober 2016 um 14:53

Freunde sind etwas sehr seltenes und kostbares.

Für mich:
Menschen, die einen so akzeptieren, wie man ist, ohne Einschränkung, die einen verstehen können und wollen - und umgekehrt. Menschen, denen ich absolut vertraue.
In der "Rangliste" gleich auf mit Partner und Kind.
Menschen die mir wichtig sind und ja, denen ich auch nahe bin.

Bekannte sind die, wo Zeit verbringen immer mal ganz nett ist, mit denen man sich gut unterhalten bzw. gut die Zeit verbringen können (und ja, wo, es 10 min vorher per sms absagen auch tut ).
Wobei ich meine Freunde regelmässig auch nur online "sehe" - wir unternehmen schon immer mal was zusammen, aber die wohnen inzwischen 400km / 500km von uns weg - was "zusammen" in dem Kontext, den Du meinst, schon sehr selten macht.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 14:58

Ja das ist wohl das was mich so nachdenklich macht. Manchmal fühle ich mich total einsam, gerade weil diese echt guten Freunde so weit weg sind und dann baue ich manchmal Tagträume auf (wenn es mir schlecht geht) und stelle mir vor, wie wunderschön es wäre, wenn alle in meiner Straße wohnen würden. Ach, herrlich. 
Durch dieses doofe wegziehen habe ich Angst vor Entfremdung. 
Ich bin im Moment total verunsichert was und wer Freunde sind, was ich dafür tun muss, möchte sollte, wer Bekannter, Freund ist. Weiß auch nicht. Früher lief einfach alles so. 

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 15:07
In Antwort auf himbeerblatt2

Ja das ist wohl das was mich so nachdenklich macht. Manchmal fühle ich mich total einsam, gerade weil diese echt guten Freunde so weit weg sind und dann baue ich manchmal Tagträume auf (wenn es mir schlecht geht) und stelle mir vor, wie wunderschön es wäre, wenn alle in meiner Straße wohnen würden. Ach, herrlich. 
Durch dieses doofe wegziehen habe ich Angst vor Entfremdung. 
Ich bin im Moment total verunsichert was und wer Freunde sind, was ich dafür tun muss, möchte sollte, wer Bekannter, Freund ist. Weiß auch nicht. Früher lief einfach alles so. 

braucht es unbedingt Bezichnungen dafür? Warum hast Du das Gefühl, dass Du das "katalogisieren" willst?

Was Du tun musst? Man MUSS einen Sch*** - pardon, aber ich finde, wenn es um "müssen" geht, ist "Freundschaft" schon aus dem Spiel.

Es sind bei mir 2 Menschen, die ich "Freunde" nennen würde.
Da habe ich sicher Glück, denn der eine ist Gamer wie wir, da ist ein schöner gemeinsamer Abend über Internet super möglich.
Mit dem anderen haben wir unsere Skatabende halt auch auf Online - Seite + TS verlegt und beide kommen uns dann jeweils so 1x im Jahr für 1-2 Wochen besuchen.

Das Gefühl, einander nahe zu sein, verstanden zu werden, Vertrauen zu finden und zu geben, ist bei mir da aber nie "auf der Strecke geblieben", als wir uns nur noch selten persönlich getroffen haben - auch wenn ich denke, dass ich das alles ohne persönlichen Kontakt davor nie hätte aufbauen können.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 15:16

Das finde ich aber super schön, dass dir diese Freundschaft trotz der Entfernung noch so ein stabiles Gefühl vermittelt. 
Genau das hatte ich mir auch Jahre so vorgehalten. 
Nun bin ich aber an einem Punkt, da hätte ich gern wieder mehr. 
Mehr Nähe, mehr Lebendigkeit. 

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 15:29

für mich ist freundschaft etwas absolut freiwilliges. das schließt auch aus, dass jemand etwas von mir fordert, wie zb. sich regelmäßig melden und sehen zu müssen.  meine freundschaft ist insofern unverbindlich, dass ich oft wochenlang nichts von mir hören lasse ohne, dass meine beiden freundinnen unsere freundschaft in frage stellen. umgekehrt sind sie genau so drauf und nur so kann das dann auch funktionieren. wenn es brennt sind wir aber immer füreinander da. und auch das ohne fragen zu stellen.

ich kann deine enttäuschung verstehen, aber du hast offensichtlich 'freunde', die nicht zu dir und deinen ansprüchen passen. kann außer dir selbst aber niemand was dafür oder gar ändern...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 15:50
In Antwort auf himbeerblatt2

Gerade im Zeitalter der Medialität geht mir gerade ein wenig das Definitionsgefühl von Freund, Freundin verloren. 
Gestern traf ich mich nach vielen Wochen mit "Freunden, Bekannten...?" Ich kann es selbst nicht wirklich definieren. 

Wir saßen cirka 2 Std. zusammen. 20 Min davon wurden mindestens von allen anderen 3 Leuten ver"whattsappt." 

Man hatte sich ja so mühsam die paar Stündchen freigeschaufelt, um Zeit miteinander zu finden nach so langer Zeit. Zwischen Job, Kindern, Partnern, stehen die "Freunde" eben weiter unten in der Liste. 

Bei vielen Leuten bleibt bei mir nur noch das Gefühl irgendeine Nummer einer Aneinanderreihung von Person 1 bis 20 zu liegen und dabei einen genauso oberflächlichen Stellenwert wie die 19 Anderen zu haben. 

Ich selber habe auch einen großen Bekanntenkreis, aber diese zunehmende Unverbindlichkeit macht mir zu schaffen. 
Da wird eine Verabredung 10 Min vor dem Treff per SMS abgesagt.  
Für den Härtefall sind Leute da. 

Für mich macht eine Freundschaft aber mehr aus. Nicht nur dazustehen, wenn Not am Mann ist, was natürlich auch schon von unschätzbarem Wert ist, aber auch mehr Nähe, mehr Verbindlichkeit, Gemeinsamkeiten ausleben. Das ist es was mir fehlt. 
Kann man sowas wieder ritualisieren, auch wenn die Freunde z.B. weiter weg wohnen? Klar muss da eine Bereitschaft von beiden Seiten bestehen. Sollte ich das mehr fordern, erfragen, wenn es mir fehlt? Vielleicht fordere ich zu wenig, erwarte Vorschläge, Lebendigkeit, aber bringe selber nix? 

Der Begriff "Freund" wird heutzutage ja geradezu inflationär gebraucht. Dabei sind echte Freunde sicher immer noch sehr selten.

Jemand, der mir 10 Minuten vor einem Treffen absagt ohne dafür einen triftigen Grund zu haben, wäre für mich definitiv schnell kein Freund mehr...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 15:59

schon klar, dass Du den nicht verstehst - Du verstehst auch nicht das, was ich meinte.

Meine Freunde haben eine andere Denkweise, andere Ansichten, andere Prioritäten usw. - und ja, sie hören auch andere Musik. Sie sind nicht meiner Meinung und sie stimmen mir auch nicht immer zu. Natürlich bin ich nicht perfekt und sie sind es auch nicht. Ich tue manchmal Dinge, die sie im Leben nicht tun würden und wollten und umgekehrt.
Mit "gleichen" Menschen kann ich wenige anfangen, ich brauche "Reibung".

Das alles ist aber nicht das, was ich unter "einander akzeptieren" verstehe.
Da geht es eher darin, den anderen eben so als Menschen anzuerkennen, der natürlich nicht perfekt ist, der so viele Entscheidungen anders trifft, als man sie selbst treffen würde und der so vieles anders sieht, als man es selbst sieht - ohne ihn ändern oder "verbessern" zu wollen. Damit mit den Fehlern des andere leben zu können und zu wollen - sofern derjenige selbst es will. Au ja klar, benehme ich mich manchnal auch daneben - und sofern ich nicht mit Anlauf und Absicht unter die Gürtellinie trete, ist das bei Freunden auch ok - darum geht es ja. Natürlich nicht darum, dass sie dann freudig grinsend so tun, als hätte ich mich heiligenschein-verdächtig benommen - sondern darum, dass eben akzeptiert wird, dass man auch mal daneben tritt.

Na klar hängt "wie ich bin" auch von der Laune und dem Momentan-Zustand ab. Gerade bei meinem Hintergrund noch mehr als "üblich". Da brauche ich beispielsweise Freunde, die akzeptieren können und wollen, dass ich auch mal für einige Wochen die Kommunikation völlig abbreche, das Telefon aus ist, ich auf Chat und Mail und ingame-Chat nicht reagiere - ohne das persönlich zu nehmen (was es auch nicht ist, aber das kann und will nicht jeder akzeptieren - jedermanns gutes Recht, aber mit diesen Menschen könnte ich keine Freundschaft führen.), akzeptieren können, dass ich manchmal ziemlich überreagiere und das nicht immer abfangen kann. Usw. usw. usw.

"Wie man ist" - da gibt es ein afrikanisches (?) Sprichwort: "Ein Freund ist jemand, der Dich mag, obwohl er Dich kennt" - So war das im Grunde gemeint.
 

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
12. Oktober 2016 um 16:13
In Antwort auf avarrassterne1

schon klar, dass Du den nicht verstehst - Du verstehst auch nicht das, was ich meinte.

Meine Freunde haben eine andere Denkweise, andere Ansichten, andere Prioritäten usw. - und ja, sie hören auch andere Musik. Sie sind nicht meiner Meinung und sie stimmen mir auch nicht immer zu. Natürlich bin ich nicht perfekt und sie sind es auch nicht. Ich tue manchmal Dinge, die sie im Leben nicht tun würden und wollten und umgekehrt.
Mit "gleichen" Menschen kann ich wenige anfangen, ich brauche "Reibung".

Das alles ist aber nicht das, was ich unter "einander akzeptieren" verstehe.
Da geht es eher darin, den anderen eben so als Menschen anzuerkennen, der natürlich nicht perfekt ist, der so viele Entscheidungen anders trifft, als man sie selbst treffen würde und der so vieles anders sieht, als man es selbst sieht - ohne ihn ändern oder "verbessern" zu wollen. Damit mit den Fehlern des andere leben zu können und zu wollen - sofern derjenige selbst es will. Au ja klar, benehme ich mich manchnal auch daneben - und sofern ich nicht mit Anlauf und Absicht unter die Gürtellinie trete, ist das bei Freunden auch ok - darum geht es ja. Natürlich nicht darum, dass sie dann freudig grinsend so tun, als hätte ich mich heiligenschein-verdächtig benommen - sondern darum, dass eben akzeptiert wird, dass man auch mal daneben tritt.

Na klar hängt "wie ich bin" auch von der Laune und dem Momentan-Zustand ab. Gerade bei meinem Hintergrund noch mehr als "üblich". Da brauche ich beispielsweise Freunde, die akzeptieren können und wollen, dass ich auch mal für einige Wochen die Kommunikation völlig abbreche, das Telefon aus ist, ich auf Chat und Mail und ingame-Chat nicht reagiere - ohne das persönlich zu nehmen (was es auch nicht ist, aber das kann und will nicht jeder akzeptieren - jedermanns gutes Recht, aber mit diesen Menschen könnte ich keine Freundschaft führen.), akzeptieren können, dass ich manchmal ziemlich überreagiere und das nicht immer abfangen kann. Usw. usw. usw.

"Wie man ist" - da gibt es ein afrikanisches (?) Sprichwort: "Ein Freund ist jemand, der Dich mag, obwohl er Dich kennt" - So war das im Grunde gemeint.
 

P.S. dazu, dass sie grundsätzlich akzeptieren können, dass ich Kommunikation zeitweise völlig unterbreche oder überreagiere o.ä. gehört aber unbedingt auch, dass sie mir auch klipp und klar sagen, wenn sie denken, dass ich übertreibe, wenn ich Gefahr laufe, ihre Grenzen zu überschreiten (also bitte vorher, nicht x Kilometer danach) usw.

Dass sie den ganzen Tag meine Goth - Musik hören müssen, gehört aber ganz sicher nicht zum Akzeptieren. Dass sie mich als Goth akzeptieren können und mir nicht erklären, dass das was für Teenager ist und ich mit meinen 41 dafür aber viel zu alt bin und das jetzt aber bitte mal dringend ändern müsste und sie sich sonst schämen würden, mit mir auf der Strasse gesehen zu werden, aber schon.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Noch mehr Inspiration?
pinterest