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Warum erdulden viele Menschen Beziehungshölle auf Dauer?

27. September 2014 um 22:10 Letzte Antwort: 28. September 2014 um 22:23

So, da rede ich ja eigentlich nun von mir und hoffe so ein Stück zur Klärung dieser Frage beizutragen.

Bei mir ist es so: Mein Vater konnte nie Emotionen zeigen, hat in seiner Welt gelebt, an wirklich sehr wenig Teil gehabt in meinem Leben, nie stolz auf mich gewesen, habe kein Lob erfahren. Also extremst distanziert alles.
Trotzdem: Nach seinem Tot litt ich extremst. Ich hatte das Gefühl ihm plötzlich nah sein zu können. Ganz merkwürdig.

Also zeigt es mir doch, dass ich ihn, trotz dass ich mich zu seinen Lebzeiten in seiner Gegenwart unwohl fühlte, die Atmosphäre war erstickend, so unlebendig. Es tat mir nicht gut Zeit mit ihm zu verbringen.

Gucke ich nun auf meine letzte Beziehung war es auch so: Er tat mir nicht gut, er war kein guter Mensch, unemphatisch, gleichgültig, ich ließ mich immer wieder massivst verletztend. Haute ständig ab nach jedem kleinen Streit.

Meine Freunde hatten kein Verständnis mehr für mein Leid. Keiner konnte verstehen, warum ich so hartnäckig an dieser zerstörerischen Beziehung festhielt.

Es ist nur meinem Kind zu verdanken, dass ich den Absprung schaffte, hier geht es nämlich nun um Verantwortung. Für mich allein hätte ich mir ja die Zähne ausschlagen lassen können. Aber mit Kind, NEIN!

Ist es vielleicht so, dass Menschen in so zerstörerischen Beziehungen bleiben, weil sie dieses Muster ja so lange ertragen MUSSTEN? Sie waren abhängig von der Elternfigur, also eigentlich alles total schizophren. Man leidet, aber ist von der Liebe abhängig als Kind.

Klar, da wird jetzt jeder sagen, nun bist du aber Erwachsen. Aber kann das Gehirn eines Menschen überhaupt umswitchen? Es kennt ja keine "gute" Beziehung.

Tappen Menschen deshalb in so komische Beziehungen in denen es leidvoll zugeht über Ewigkeiten?

Habe ja gerade auch wieder einer Bekannten, der es so geht und ich kann sie sogar irgendwie verstehen.

Ich für mich mache gerade einen sehr heilsamen Prozess durch. Plötzlich ist der Groschen gefallen. Das hat verdammt lange gedauert. Das Singleleben tut mir extremst gut. Und: Ich gucke zwar, aber alles was mir ein wenig schräg vorkommt, lasse ich sofort.



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28. September 2014 um 22:23

Bei mir wars so...
...dass ich als erwachsener Mensch erst lernen musste, eine wirklich bewusste, also auch auf "erwachsenen" (rationalen) Kriterien beruhende Partnerwahl zu treffen.

Ich bin auch mit einem emotional distanzierten, bisweilen massiv abwertenden Vater aufgewachsen; und lange Zeit haben mich rein emotional auch nur ebenfalls emotional distanzierte Männer angezogen, die ich anfangs paradoxerweise aber immer als 'besonders' sensibel , feinfühlig, etc. wahrgenommen habe.

WIRKLICH zugänglichen Männern hingegen habe ich extrem misstraut- ich habe nicht verstanden, warum die so zu mir sind, wie sie eben sind, ohne dass ich mich dafür irgendwie "anstrengen" oder mich sehr auf sie einstellen oder stetig irgendwas "leisten" muss...und ihnen daher oft unlautere Absichten (wie 'wollen mich in Wahrheit nur flachlegen', 'erzählen mir, was ich hören will', etc.) unterstellt. Und mich MEINERSEITS distanziert; bzw. auf "sicherer" Entfernung gehalten (bis sie endlich alle weggeheiratet waren, hihihi ) .

Das wurde erst besser, nachdem ich mich -natürlich nach einer fiesen Trennung- mit meiner eigenen Entwicklung auseinandergesetzt hatte- und ich glaube, es ist häufig so, dass wir in unseren Beziehungen unbewusst wieder und wieder etwas reinzenieren. Wir versuchen, es dort -nachträglich- zu lösen & ENDLICH das zu erhalten, was wir früher gebraucht hätten... und gehen dabei bis an unsere absolute Schmerzgrenze.

Aber KEIN Partner kann uns das "nachliefern" letztlich... die, die wir uns dafür ausgucken, weil sie sich irgendwie "gleich vertraut" anfühlen, leider i.d.R. am allerwenigsten.
Ich musste das für mich selber auflösen und aufdröseln, verstehen, was mir "fehlt" und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und als Erwachsene vernünftig für mich selber zu sorgen... und dabei sogar zu streiten, bei meinen Standpunkten auch im VERHALTEN zu bleiben, statt immer endlos über A zu labern und dann letztlich B zu machen- und sogar zu riskieren, dass eine Beziehung dann halt möglicherweise endet, oder vorübergehend "unterbrochen" ist.
Seitdem bin ich auch "besser" geworden in der Beziehungsgestaltung- kein Wunder eigentlich; man kann mich jetzt halt mal Ernst nehmen in dem, was ich vertrete. Weil ich da hartnäckig konstant bin; selbst wenn man mir zur Ablenkung erstmal sonstwas erzählen will.

Zu Menschen, die mir in einer ganz nahen Beziehung momentan eher schaden würden, habe ich nach wie vor oft dennoch spontan eine starke 'Chemie', fast wie eine Art "Kick"- aber ich interpretier' das nicht mehr vorschnell als "Liebe auf den ersten Blick" , sondern als das, was es ist:
Da steht ein Mensch vor mir, der extrem viel Anziehung und Empathie bei mir auslöst, weil er auf die eine oder andere Art für mich ein ganz existenziell wichtiges Schema F repräsentiert.

Meistens ist es interessanter Weise umgekehrt genauso... und wenn derjenige das seinerseits reflektieren kann (was nicht so häufig ist!), werden daraus mitunter sehr wichtige und nahe Freundschaften, in denen man gegenseitig den Eindruck hat, echt viel voneinander zu lernen und in denen ein hohes 'tatsächliches' Vertrauen besteht... weil man sozusagen eine Art Wunde "teilt", da gegenseitig recht wohlwollend ist und kein Schindluder mit treibt. Und auch nicht versehentlich voll reinlangt.

Menschen, die eigentlich komplette interaktionelle Vollpfosten sind, keinen rechten Bock haben, sich selber zu hinterfragen und häufig bezeichnender Weise auch keine wirklichen Freundschaften (stabiler Natur; auf Augenhöhe und mit Nähe drin) haben, lassen mich mittlerweile im Gegensatz zu früher vollständig kalt.
Da fühlt sich nix mehr "ein wenig schräg" an... da fühl ich mittlerweile tatsächlich nur noch "bloß weg; viel zu anstrengend".

Ich persönlich glaube aber nicht daran, dass ein Hirn komplett "umswitchen" kann.
Das wäre ja wie bei "Vergissmeinnicht"; oder wie dieser Film hieß, indem man sich schmerzhafte Erinnerungen einfach ausradieren lassen konnte.

Aber ich kann das bewusst wahrnehmen, was mein Hirn produziert, und darauf angemessener reagieren als früher.
Eigentlich "gute" Beziehungen fühlen sich für mich bis heute oft beängstigend oder zumindest "sehr fremd" an, weil sie halt "neu" sind- d.h., in "guten" Beziehungen mit eigentlich viel Nähe habe ich viele Verlustängste, Minderwertigkeitsgedanken, langweile mich schnell wegen nicht vorhandenem Drama und ähnliches.

Ich bin dadurch 'langsamer', binde mich nach wie vor ungern und muss endlos viel sortieren für mich, aber es ist wie Training und glättet sich durch Übung mehr und mehr. Ich lerne, zwischen Realität und Kopfkino zu unterscheiden, indem ich immer und immer wieder positivere Erfahrungen mache im Hier und Jetzt, als mit dem, was ich von meinen ersten Bezuspersonen so kenne.
Und ich siebe nicht (mehr) jeden gleich raus, wenn er sich 'komisch' anfühlt- sondern frage mich eher, komisch WIE.

Persönlich glaube ich übrigens, dass ich schlussendlich bei jemandem landen werde, der hinsichtlich seiner Biographie vielleicht gar nicht so weit weg ist von meinem desaströsen "Ursprungsbeuteschema"... aber halt durch mit seinem Packen und dadurch ein voll erwachsener und emotional schwingungsfähiger Mann ohne jede Menge manipulative Muster.
Wer weiß; vielleicht jemand aus der Liga, mit der ich tatsächlich erstmal nur stabile Dauerfreundschaft 'kann', die für mich aber eine gute, solide Anfangsbasis wäre... andere Menschen dürfen sich ja schließlich auch noch weiterentwickeln.

Eine freundschaftliche Ebene mit denen, die ich mir früher als Partner ausgesucht habe, wäre hingegen undenkbar gewesen... paradox eigentlich; aber so ist es halt, wenn man Beziehung früh als was kennen gelernt hat, von dem wenig (stabil) Gutes zu erwarten ist.

In diesem Sinne: Alles Gute DIR auf deinem zukünftigen Weg!!

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