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War es falsch zu vertrauen?

13. Juli 2014 um 19:44

Liebe Gofems,

seit gestern ist meine Welt zusammen gebrochen und ich weiß gerade einfach nicht weiter. Ich hoffe auf eure Ratschläge, da in meinem Kopf großes Chaos herrscht.

Ich hatte seit meiner ersten großen Liebe sehr mit Eifersucht zu kämpfen, nachdem er mich in der Anfangsphase betrogen hat. Ich habe ihm verziehen, doch mein Vertrauen kam in den nächsten 3 Jahren nicht wieder.
Ich war danach viele Jahre solo, lernte dann meinen zweiten Freund kennen und bepestete auch diese Beziehung mit meiner Angst, dass er mir auch fremdgehen würde. Letzten Endes scheiterte diese Beziehung durch meine (unbegründete) Eifersucht.

Ich beschäftigte mich seitdem stark mit mir selbst. Ich las viel, analysierte mein Verhalten und stellte fest, dass die Ursprünge für meine Verlustängste in meiner frühen Kindheit und Pubertät lagen.
Mit dieser Erkenntnis arbeitete ich seitdem stark an meinem Selbstbewusstsein und war mir sicher, ich würde mich bei meiner nächsten Beziehung im Griff haben.

Über 3 Jahre lang war ich solo und lernte vor einigen Monaten meinen Mr. Right kennen. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich mich völlig bei einem Mann fallen lassen. Ich fühlte mich vom ersten Moment an unheimlich wohl an seiner Seite und ich vertraute ihm. Das erste Mal verließ ich mich auf mein Gefühl, genoss dieses, ließ ihm seine Freiräume und habe ihn nicht ein einziges Mal kontrolliert.
Vor einigen Wochen klingelte plötzlich mitten in der Nacht sein Handy und er wunderte sich selbst, wer so spät anrief, wies den Anruf jedoch ab.
Plötzlich überkam mich wieder meine alte Angst, ob eine andere Frau im Spiel war. Er schlief, sein Handy lag neben meinem Kopf und ich überlegte für einen kurzen Moment reinzuschauen, doch verwarf diesen Gedanken wieder und schämte mich überhaupt so etwas in Erwägung gezogen zu haben.
Es war alles perfekt und er gab mir nie einen Grund zum Zweifeln.

Gestern gestand er mir, dass er die ganze Zeit zweigleisig fährt. Die Andere kannte er vor mir und sie wohnt 600km weit weg. Sie kannte er vor mir, doch sie wollte keine feste Beziehung, sondern nur eine Affäre. Er hat Gefühle für sie, deswegen kann er sie nicht loslassen.
Es fühlte sich an als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich weinte und er auch, bettelte um Vergebung, eine zweite Chance etc.

Nach vielen Diskussionen und einer schlaflosen Nacht steht für mich eindeutig fest, dass ich ihm nicht verzeihe. Ihn verloren zu haben ist das Eine, vielleicht kann ich sogar von Glück reden.
Doch vielmehr mache ich mir selbst große Vorwürfe, warum ich nichts gemerkt habe. Selbst im Nachhinein finde ich keine Anhaltspunkte bis auf diesen einen Anruf in der Nacht. Hätte ich damals in sein Handy geschaut, hätte ich mir so viel Leid erspart.

Ich weiß theoretisch, dass es falsch ist, aber ich hätte viel eher Gewissheit gehabt, mir wäre Vieles erspart geblieben.
Ich war so stolz darauf, mich geändert zu haben, es fühlte sich unheimlich gut an vertrauen zu können, doch im Nachhinein macht mich gerade das am meisten kaputt.

Ich frage mich, ob es für mich möglich sein wird, dem nächsten Mann in meinem Leben zu vertrauen. Und vor allem, ob es Sinn macht.
Ich fühle mich nicht nur belogen und betrogen, sondern vor allem zutiefst gedemütigt. Ich kannte seine Familie und Freunde und sie alle wussten davon. Er hat mich komplett vorgeführt und das alles hätte ich schon früher wissen können .

Es macht mich so wahnsinnig, dass ich mich in meinem Vertrauen gewälzt habe während er die andere ge... hat. Ich verabscheue in erster Linie natürlich ihn, mache aber zugleich mir Vorwürfe nichts gemerkt zu haben.

Könnt ihr meine Gedankengänge verstehen? Hätte ich handeln müssen?

LG anjowek

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14. Juli 2014 um 0:40

Nichts
Hätte das verhindern können, das solltest du dir klarmachen. Dein Verhalten war richtig seines falsch. Egal ob du es ein paar Tage früher erfahren hättest wegen dem Handy der Schmerz wäre auch gleich gewesen. Ich finde es wäre wichtig das du verstehst das der Schmerz immer wieder passiert und Verletzungen entstehen, so ist das Leben man kann sich nicht immer schützen. Wie soll man liebe zulassen wenn kein schmerz da sein soll? Man kann sich nicht abschotten, also nimm's hin. Es tut weh und trotzdem geht es vorbei. Ob du willst oder nicht du wirst etwas besseres finden, ob für kurz oder lang wird sich zeigen. Auf dunkle Tage kommt immer Sonnenschein usw.

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14. Juli 2014 um 1:56

Ich bin der gleichen Meinung
Während meiner Nachricht hatte ich bereits den Verdacht, dass es so wirken könnte als würde ich mich den Interessen eines Mannes unterwerfen.
Ich hatte auch kurz überlegt mehr über mich bzw. meine Einstellung zu schreiben, aber hatte die Befürchtung, dass der Text dann zu lang wird.

Ich gebe dir vollkommen Recht in dem, was du schreibst und kann hinter alles ein imaginäres Häkchen setzen.

In meiner aktuellen Trauer wirkt mein Text natürlich eher depri, was ich generell absolut nicht bin.
Ich habe wundervolle Eltern, die beste Schwester der Welt, eine handvoll guter Freunde und einige Bekannte.
Seit letztem Jahr bin ich selbstständig, bin dadurch sehr viel auf Reisen, lerne viele Leute kennen und verdiene gutes Geld.
Zu meinen besten Charaktereigenschaften zähle ich meine Liebenswürdigkeit, meinen Humor und meine Fürsorge für andere.
Optisch würde ich mir auf einer Skala von 1-10 eine 8 geben.

In meiner letzten Beziehung habe ich unsere Treffen teilweise aus Zeitmangel absagen müssen. Zudem war ich ich mit meiner Schwester für 10 Tage im Urlaub. Man kann also keineswegs sagen, dass ich mich nach ihm gerichtet hätte. Im Gegenteil sogar, er hat sich auf Grund meines Jobs öfter nach mir richten müssen.

Mit "perfekt" meine ich, dass es sehr harmonisch zwischen uns war. Wir haben sehr viel geredet, hatten die gleichen Einstellungen, sind gemeinsam zum Sport gegangen, hatten tollen Sex etc.
Auf ein Podest mit rosaroter Brille habe ich ihn trotzdem nicht gestellt, klar hatte er kleine Macken wie jeder andere Mensch auch.

Da ich sehr wissbegierig bin, habe ich mich schon immer sehr viel mit Büchern befasst, die das Thema Mann, Frau, Partnerschaft beinhalten. Ich würde behaupten zu wissen, was richtig und was falsch ist.

Zwischen meiner ersten Beziehung und der letzten liegen 13 Jahre. Der erste hat in der Disko fremd geknutscht und der letzte ist, wie bekannt, zweigleisig gefahren. Parallelen zwischen diesen beiden Partnern gibt es kaum welche, würde daher nicht behaupten, dass ich auf ein bestimmtes Raster reinfalle.

Vielleicht mache ich aber wirklich einen Fehler, bestimmt sogar, denn sonst wäre ich wohl bereits glücklich verheiratet und mit Kinderplanung beschäftigt anstatt mitten in der Nacht mit Bauchkrämpfen und Tränen mein Herz hier auszuschütten .

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14. Juli 2014 um 2:18

Oje
Das mit deiner Freundin tut mir unheimlich leid. Bis vor ein paar Tagen hätte ich im Leben nicht verstanden wie man einem Mann so viel verzeihen kann. Doch als mir meiner seine Affäre gestand, habe ich mich selbst dabei erwischt, dass ich ihm gerne glauben würde. Gott sei Dank hat uns nicht so viel Zeit verbunden, dass sich dieser Unfug in meinem Kopf nicht durchgesetzt hat.
Ich habe jetzt schon das Gefühl daran zu zerbrechen, wie groß muss der Schmerz nur nach mehreren Jahren, einer Ehe und gemeinsamen Kindern sein ? Ich kann und will es mir gar nicht ausmalen.

Ich weiß, dass es natürlich gute Männer gibt, die ihre Partnerinnen auf Händen tragen und absolut treu sind. Das Schlimme ist nur, dass ich bei ihm dachte, genau auf so ein Exemplar gestoßen zu sein .
So naiv es klingen mag, ich hätte für ihn meine Hand ins Feuer gelegt.

Ja, alle wussten, dass er weiterhin eine Affäre mit ihr hat. Er hat sie nie beendet. Seitdem er mich kannte, haben sie sich zwar "nur" 2mal gesehen, aber das Lag wohl eher an der Entfernung als an seiner fehlenden Motivation. Er hatte jeden verdammten Tag Kontakt zu ihr. Sogar als er bei mir war. Und als er neben ihr im Bett lag, hat er genauso mir geschrieben.
Ich bin absolut fassungslos und weiß wirklich nicht wie ich das Ganze verarbeiten soll bzw. wie ich jemals wieder vertrauen kann. Ist das überhaupt noch möglich?

Wie geht es deiner Freundin denn?

Einen ganz lieben Dank für deine schönen Worte, sie haben mir sehr gut getan.
anjowek

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14. Juli 2014 um 2:22

Interessant
Darf ich fragen wie genau du zu dieser radikalen Meinung über mich kommst?

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14. Juli 2014 um 9:39

Okay
Deine Worte klingen absolut einleuchtend. Nichts desto trotz macht eine Beziehung ohne Vertrauen keinen Sinn.
Was ist nun die Konsequenz? Gar keine Erwartungen an einen neuen Partner zu stellen, ganz nach dem Motto "wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden? "
Oder erst mit der Zeit zu vertrauen? Doch wie viele Menschen werden erst nach vielen gemeinsamen Jahren betrogen oder belogen?

Soll man gar nicht vertrauen?

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14. Juli 2014 um 9:44


Okay, danke für die Aufklärung .
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Kritik, vielleicht würde sie mir in meiner Situation sogar sehr helfen.
Sie sollte nur zumindest auf dem ein oder anderen Argument basieren, anstatt nahezu beleidigend ohne Hand und Fuß in den Raum geworfen zu werden.

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14. Juli 2014 um 13:01

Liebe cefeu
Ich danke dir vielmals für deine weisen Worte. Das Lesen deiner Nachricht hat mich sehr bestärkt und lässt mich wieder Hoffnung schöpfen.

Du hast Recht, ich sollte mich jetzt erst einmal um mich selbst kümmern und mein eigenes Selbstwertgefühl auf Vordermann bringen.

Tatsächlich finde ich auch im Nachhinein keinerlei Anhaltspunkte für sein "Doppelleben", da es tatsächlich weitestgehend übers Smartphone geführt wurde, keinerlei Anzeichen. Und während wir zusammen waren, hat er dort sehr selten drauf geschaut - so wie ich eben auch, und da gab es schließlich auch keine Geheimnisse.

Er war so unglaublich zuverlässig und sehr bemüht um mich. Vielleicht war gerade das der knackende Punkt, der mich hätte stutzig machen sollen. Wie bei betrogenen Ehefrauen, die plötzlich Blumen geschenkt bekommen.
Bei mir gab es nur nie eine Veränderung, da er ja von Anfang an noch mit ihr zugange war und ihn sein schlechtes Gewissen von Anfang an plagte.

Im Nachhinein ärgert mich am meisten die Tatsache, dass ich mich wirklich noch auf weitere Diskussionen eingelassen habe. Ich war einen mm davor ihm alles zu verzeihen als er so erbärmlich heulend vor mir gebettelt hat.
Dafür schäme ich mich und wünschte, ich hätte ihm direkt den Arschtritt des Jahrhunderts verpasst .

LG anjowek

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14. Juli 2014 um 13:38

War es falsch, sich auf eine Beziehung einzulassen?
wenn man eine Beziehung eingeht, macht man sich verletzlich, verwundbar. Natürlich. Immer.

Eine Beziehung ohne Vertrauen ist keine und wird keine. Eine Beziehung in der man nicht auch genauso verwundbar ist, wie man liebt, ist auch keine.
Das eine geht ohne das andere nicht.

"Hätte ich..." ... HÄTTEN die Frösche Flügel, bräuchten sie keine Muskeln im Ar***... WÄREN die Katzen Pferde, könnten wir die Bäume hoch reiten... sich mit hätte / könnte / wäre zu beschäftigen, ist meist nur Selbstzerfleischung.
HÄTTEST Du damals in das Handy geschaut und er wäre unschuldig gewesen, dann HÄTTEST Du die Beziehung vielleicht auch zerstört, weil dann Du einen Vertrauensbruch begangen hättest. Wenn Dir das lieber ist - dann mache es eben immer so.

Ansonsten - wenn Du eine funktionierende Beziehung haben willst, musst Du vertrauen können und vertrauen wollen. Anders gibt es keine.
Ja, damit kann man auch ganz gewaltig in die *** greifen.
Shit happenz. Tut sch*** weh, hört auch wieder auf.

Daraus entstehen manchmal Verhaltens- / Empfindungsmuster, die so einfach nicht tot zu kriegen sind. Kenne ich was von, das habe ich nicht in diesem Punkte, aber an verdammt vielen anderen. Ja, da habe ich Pech, weil ich habe die Wahl, heulend liegen zu bleiben oder wieder aufzustehen, mir den Staub von den Klamotten zu klopfen, kurz die Wunden zu lecken und dann weiter zu stapfen. Nur... wenn ich heulend liegen bleibe, wird es mir auf Dauer nicht besser gehen. Nur wenn ich weiter gehe, ganz egal, wie oft ich dabei auf die Nase falle. Irgendwann ist es geschafft. Oder es schafft mich. Kann sein. Aber wenn ich den Ängsten gleich die Kontrolle überlasse, habe ich noch nicht mal im glücklichsten aller möglichen Fälle eine Chance. Wenn ich dagegen antrete - dann schon.

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14. Juli 2014 um 13:39

Vertrauen kommt für mich vor allem durch Selbstvertrauen
der Meinung bin ich auch!

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14. Juli 2014 um 23:30

Lieben Dank an alle
Eure Antworten auf meinen Beitrag haben mir sehr geholfen und das Chaos in meinem Kopf hat sich gelegt.
Natürlich waren meine Familie und Freunde ebenfalls für mich da, aber es hat mir sehr gut getan, die Meinung von Außenstehenden zu hören.

Mein Ex macht inzwischen übrigens Telefonterror bei mir (da ich ihn bei whatsapp blockiert habe) und es ist bei jedem Anruf ein wahrer Genuss nicht dran zu gehen .

Es ist zum Glück nicht jeder Mann wie er und ich hoffe beim Nächsten mehr Glück zu haben.

lg anjowek

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Erst ist es aus wegen der Ex dann vermisst ee mich?!
Von: dougal_11866560
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14. Juli 2014 um 21:45
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