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Wann ist es Zeit zu gehen?

15. Mai 2012 um 15:37 Letzte Antwort: 18. Mai 2012 um 11:57

Ich bin mit meinem Freund jetzt fast 10 Monaten zusammen. Ich bin 25 und er ist 39.
Wir haben uns sofort in einander verliebt und waren super glücklich mit einander.
Wir hatten viele Vorurteile von anderen, welche mit unserer Beziehung verbunden waren, aber wir haben uns trotzdem gefunden. Wir haben uns mittlerweile eine sehr enge Bindung aufgebaut. Wir vertrauen uns.

Wir haben viel miteinander unternommen. Waren unbeschwert und glücklich doch seit Januar diesen Jahres ist alles anders.

Kurz bevor wir uns kennen gelernt haben hat er sich von seiner Frau getrennt. Ich war davon überzeugt das er mich nur als Lückenbüßer brauchte. Doch als ich erfahren habe das er sich bereits vor 5 Jahren das erste mal von ihr getrennt hat, waren meine Zweifel gelegt. Das hat mir auch sein Bekanntenkreis bestätigt. Die Ehe lief schon seit vielen Jahren nicht mehr, dass hat mir auch seine Familie bestätigt. Er ist nur wegen seiner Kinder bei ihr geblieben. Irgendwann ging es aber nicht mehr und er hat sich final getrennt. Das Trennungsjahr ist in 3 Wochen vorbei. Sie leben getrennt.

Im Januar hatte er einen Streit mit ihr. In diesem Streit fiel ein Satz der alles verändert hat. Denk doch mal an deine Kinder. Seit dem ist alles anders. Er sagt er liebt mich nicht mehr. Bremst mich aus-ich sei doch noch so jung. Er ist sich mit unserer Beziehung nicht mehr sicher. Er will sein altes Haus plötzlich nicht mehr verkaufen, kümmert sich nicht um den Scheidungstermin. Er schiebt alles vor sich her..... Ich gehe daran fast zugrunde.

Er hat permanent Tage an denen er sich nicht bei mir meldet. Er verschließt sich immer mehr. Er leidet, dass merke ich.

Er ist ein toller Vater. Er ruft die Kids jeden Tag an, nimmt an jeder Schulaufführung teil, fährt mit auf Klassenfahrt, hat sie jedes zweite Wochenende und in den Ferien. Er liebt die beiden abgöttisch, dass weiß ich.

Wir hatten schon viele Gespräche wegen der ganzen Situation. Aber Wir hatten gestern ein sehr offenes Gespräch. Er selbst ist ein Scheidungskind-nur zur Info.

Folgendes hat er mir gesagt:
-Ich tue ihm gut und er ist glücklich mit mir. Er kann mir alles sagen und weiß das ich es absolut ehrlich mit ihm meine. Er vertraut mir.
-Ich sei eines der besten Dinge die ihm je passiert ist
-Er hat das Gefühl als Vater versagt zu haben. Er hat eine Familie gegründet und wollte alles besser machen als sein Vater aber er hat versagt.
-Er hat den Kindern die Familie genommen
-Er hat Angst wieder zu versagen, dass würde er nicht verkraften
-Er hat Angst, wenn er jetzt das Haus verkauft, würde er den Kindern auch noch den letzten Zufluchtsort nehmen
-Er liebt mich nicht mehr und kann sich nicht mehr auf uns einlassen. Dabei würde ihn wohl seine Angst blockieren.
-Er hat mir gesagt das er vielleicht noch 15Prozent von uns überzeugt ist.
-Er kann mich nicht seinen Freunden vorstellen
-Er weiß angeblich nicht was ihn plötzlich so zweifeln lässt
-Was ist wenn er das Haus nie verkaufen kann. Was wird dann aus uns.
-Er will definitiv die Scheidung, nur schiebt es vor sich her-er weiß angeblich nicht warum
-Er will nicht das ich ihn danach frage, weil mir seine Antwort nur weh tut
-Ich soll weiter gehen, er will mich nicht bremsen
-Er glaubt er schiebt alles vor sich her weil er sich mit uns nicht 100 Prozent sicher ist
-Ich solle aber keine Angst haben das er mich verlässt, ich solle keine Angst vor etwas haben das viell. Nie passieren wird
-Wenn es mit mir nicht funktioniert will er nie wieder eine andere Frau haben

Nach diesem Gespräch wäre er am liebsten abgehauen. Das habe ich gemerkt.
Natürlich versuche ich stets ihn aufzubauen und ihm zu zeigen das ich da bin. Teilweise habe ich aber das Gefühl, dass ihm genau diese Zuneigung Angst einjagt.

Vor kurzem war ich richtig krank. Er hat die ganze Nacht an meinem Bett gesessen. Hat mir bestimmt 100 Küsse gegeben. Mir gesagt das ich ihm so unheimlich wichtig bin. Das er ein absoluter Egoist sei weil er mich so hinhält, es tue ihm so leid. Er liebt mich, dass weiß ich. Er hat es mir vorher so oft gesagt und gezeigt. Nur wird dies durch all seine Ängste blockiert.

Ich versuche ihn in allem zu unterstützen, ihn nicht wegen dem Haus oder der Scheidung zu fragen. Das fällt mir sehr schwer, insbesondere da ich weiß das es immer noch ihr Haus ist. Sie sind halt noch verheiratet. Aber seit Januar habe ich es immer wieder runter geschluckt. Er will nicht mit mir darüber reden und auch mit sonst niemandem. Eine Therapie ist für ihn undenkbar.

Wir verbringen viel Zeit mit seinen Jungs und ich komme mit den beiden wirklich sehr gut zurecht. Ich habe meinem Freund auch schon mehrfach gesagt dass die beiden immer herzlich willkommen sind-egal wo es uns mal hin verschlägt. Er weiß dass ich die beiden lieb habe und sie niemals von ihm trennen werde. Wenn ich die drei zusammen sehe könnte ich vor Glück heulen. Er ist ein so toller Vater. Ich möchte doch nur dass er glücklich wird.

Ich habe schon einmal daran gedacht einfach abzuhauen.
Doch das will ich nicht. Der Gedanke ihn zu verlieren löst in mir absolute Panik aus.
Ich habe noch nie einen Menschen so extrem geliebt wie ihn!

Wie soll ich mich verhalten? Ich komme nicht an ihn ran.
Wie kann ich ihm Stück für Stück seine Ängste nehmen?
Wie kann ich ihm helfen und zeigen das alles gut wird?
Wäre es richtig wenn ich mich völlig zurück ziehe oder würde ich ihn dadurch verlieren?

Ich weiß nicht weiter....

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15. Mai 2012 um 22:43

Das kenne ich genau...
Hallo Katja,

ich kann deine Situation vollständig nachvollziehen, da ich vor kurzem selber mal in so einer war: total verliebt in einen 12 Jahre älteren Vater zweier Kinder, der sich gerade in Scheidung befand und nach einigen Monaten nicht mehr wusste, ob er mich tatsächlich liebt, sondern stattdessen in Selbstzweifeln versank. Diese Probleme belasten eine so junge Beziehung tatsächlich sehr stark. Ein guter Freund von mir (der gerne Beziehungsratgeber liest :super hat mir im Nachhinein die Situation mal ganz nüchtern erklärt:

Männer, egal ob verheiratet oder nicht, brauchen nach längeren Beziehungen auch immer eine ganze Weile, um wieder mit sich selber klar zu kommen. Das heißt, zunächst muss man(n) sich von der Partnerin entwöhnen, auch wenn er sie schon lange nicht mehr liebt. Je nach Länge der Beziehung kann das mehrere Monate oder gar Jahre dauern. Wenn Kinder im Spiel sind, muss zudem zwischen den Ex-Partnern ein Besuchsrhythmus gefunden und etabliert werden. Hat der Mann wieder einen Sinn in seinem Leben gefunden und den Kopf von den Nachwirkungen der Scheidung frei, kann er sich auch wieder für eine neue Beziehung öffnen. Diese wiedergefundene Selbständigkeit kommt aber nicht, wenn nach Ende der einen Beziehung (Ehe) gleich wieder eine neue "Liebe" da ist (in Anführungsstrichen, da Liebe erst nach einer länger anhaltenden Partnerschaft entsteht - vorher ist man(n) verliebt). Bei so einem fließenden Übergang fehlt oftmals die Phase der selbständigen Reflexion und das Eingestehen eigener Fehler. Diese Phase holt einen irgendwann ein und bei deinem Freund ist das momentan der Fall.

In dieser Phase hast du als Partnerin nur zwei Möglichkeiten:
1. Volle Kraft um ihn kämpfen und ihm zeigen, dass du bereit bist auch schwere Zeiten mit ihm durchzustehen.
2. Auf Abstand gehen und hoffen, dass nach spätestens ein bis zwei Monaten ohne jeglichen Kontakt dein Freund sich doch nach dir sehnt und erkennt, wie sehr er dich liebt.

Ich habe damals den ersten Weg gewählt, weil ich ihn einfach nicht verlieren wollte. Das hat meinen Freund aber noch mehr von mir entfernt, da er sich wohl bedrängt gefühlt hat. Ich war super lieb zu ihm doch er hat irgendwann angefangen, seine Launen an mir auszulassen. So habe ich ihn vorher nie erlebt.

Letztlich haben wir uns getrennt, da ich erkannt habe, dass ich ihn einfach nicht mehr dazu bekomme, mich zu lieben. Die ganze Sache hat mich auch total mitgenommen, aber im Nachhinein bin ich froh, es so gemacht zu haben. Wenn man bereits im ersten Jahr der Beziehung an der Liebe zweifeln muss, dann ist es wohl nicht dafür bestimmt lange zu halten.

Ich wünsche dir dennoch viel Glück beim Retten deiner Beziehung! Schreib mal, wie es weiterging und wie du dich entschieden hast.

Viele Grüße
Feli

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18. Mai 2012 um 11:57

Ich kenne deien Situation
Mein Partner ist auch derzeit in der Scheidungsphase und es fällt ihm nicht einfach damit klar zu kommen. Alles was du beschrieben hast habe ich auch erlebt oder erlebe momentan. Wir haben ziemlich viel durchgemacht und ich war immer der Meinung ich wäre stärker und habe mich an sei-ner Situation angepasst und war der Meinung wir schaffen alles und es wird alles gut.

Sein Hauptproblem waren die Kinder, da hier hatte er auch das Gefühl, dass er versagt hat und seine Kinder in der Situation wegen ihm leiden müssen. Hiermit kommt er momentan nicht klar und vor einem Monat haben wir uns getrennt, weil er in dieser Phase sich von allem zurückgezogen hat und von mir leider auch..obwohl es uns beiden nicht einfach gefallen ist. Wir haben eine Bezie-hungspause vereinbart, obwohl wir beide nicht wissen, ob diese jemals enden wird.

Ich habe lange nach einer Lösung gesuchtAls es ihm wegen den Kindern nicht so gut ging, war ich der Meinung dass ich ihn unbedingt helfen muss.Du kannst Dir nicht vorstellen wie viel Monate ich überlegt habe: wie soll ich mich verhalten, was ist richtig was ist falschund an dem Abend, als wir uns auf eine Beziehungspause geeignet haben, bzw. uns getrennt haben, habe ich zum ersten Mal verstanden, dass die beste Lösung ist ihn alleine zu lassen. Ich habe gesehen wie sehr der Mensch sich selbst braucht. Das war auf einmal so einfach und klar, dass ich selbst erstaunt war, dass ich es schon früher nicht gemerkt habe. Er muss mit sich selbst klar kommen und die Gefühle zu sortieren, weil nur der Mensch, der sich selbst vertrauen kann, kann zu den anderen stehen und mein Partner konnte nicht zu mir 100% stehen.

Wir lieben uns vermissen uns sehr, aber um zusammen zu sein fehlen uns andere Sachen, die für eine normale Beziehung eine Basis bilden Ich vermisse ihn sehr und mein Herz brennt, weil er nicht da ist.natürlich hoffe ich, dass es alles gut wird und wir werden es nochmal schaffen zusammen zu sein, aber auf der anderen Seite weiß ich auch dass es für immer vorbei sein kann. Ich weiß nur, dass es das richtige war was wir gemacht haben. Abstand hilft manche Sachen besser zu verstehen, obwohl es auch weh tut

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