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Virtuelle Affären

11. Mai 2017 um 0:01

Liebe Community,

wahrscheinlich werde ich für diesen Beitrag jetzt von euch gesteinigt, aber tzotzdem möchte ich mir mal ein paar Dinge von der Seele reden. Im Grunde genommen hoffe ich bezüglich der Resonanzen eigentlich auf gar nichts, würde mich aber dennoch über ein paar objektive Sichtweisen freuen, die mir vielleicht dabei helfen ein paar Dinge besser zu verstehen.

Das wird nun eine längere Geschichte und ich werde versuchen sie sowohl chronologisch, als auch inhaltlich auf das Wesentliche zu beschränken.

Zunächst einmal die Basics:
Meine Frau (50) und ich (44) sind seit zwanzig Jahren zusammen. Sie leidet bereits seit wir uns kennen an einer Autoimmunerkrankung (MS) und ist inzwischen ein Grad V Pflegefall. Aus diesem Grund arbeite ich überwiegend von meinem Home Office aus und kümmere mich neben der Arbeit um ihre Pflege und den Haushalt.

Nun zu meiner Geschichte:
Es begann im Jahr 2011, als ich erfuhr das meine Mutter an fortgeschrittenem BK erkrankt war. Meine Eltern waren schon immer sehr unselbständige Menschen und mir war sofort klar das nun einiges auf mich zukommen würde. Um mir Informationen zu beschaffen und zumindest ein grobes Bild vom Weg zu bekommen, der nun vor uns lag, habe ich mich in einem entsprechenden Forum angemeldet und dort einen Thread eröffnet. Es waren fast ausschließlich Frauen, die auf meine gestellten Fragen und Posts geantwortet haben. Schnell hatte ich einige hilfreiche Kontakte geknüpft und die Konversationen verlagerten sich mehr und mehr in den Bereich privater Nachrichten. Im Kern ging es zwar überwiegend noch immer um das Thema Krebs, aber es wurden auch schon die ersten persönlichen Informationen (Alter, Wohnort, Beruf, Lebensumstände etc) ausgetauscht.

Der Kontakt zu einer Frau intensivierte sich zusehends. Ihr Vater hatte ebenfalls Krebs, das letzte Stadium der Krankheit erreicht und war zum Sterben nach Hause entlassen worden. Da sie selbst Medizin studiert hatte, hatte sie seine Versorgung und Betreuung übernommen. Je näher das Ende rückte, desto stärker wurde die Trauer, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit, die in ihren Texten lag. Hinzu kam der Umstand das sie mir mehr und mehr auch von Problemen innerhalb ihrer Ehe erzählte. Ihr Mann erwartete von ihr das sie trotz allem funktionierte und hatte nur wenig bis gar kein Verständnis für ihre Situation. Schließlich starb ihr Vater und kurze Zeit später stand auch ihre Ehe vor dem Aus. Das alles hat irgendwie meinen Beschützerinstinkt geweckt. Sie tat mir leid, ich wollte ihr helfen und wenn es auch nur durch zuhören (lesen) und antworten (schreiben) war. So chatteten wir an manchen Tagen bis in die Nacht hinein und sie redete sich vieles von der Seele. Aus heutiger Sicht betrachtet gab es zu diesem Zeitpunkt schon erste Warnzeichen, die ich damals jedoch schlicht und einfach übersehen habe und unbewusst vielleicht auch übersehen wollte. So schrieb sie zum Beispiel immer öfter wie wichtig unser Kontakt für sie sei, wie dankbar sie wäre das es mich gibt und das sie sich von meinen Worten sowohl getröstet, als auch gehalten fühlen würde. Dieses Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit und so wandelte sich unsere Unterhaltung mit der Zeit immer mehr zu einem (inhaltlich harmlosen) Flirt. Dieser Mailaustausch zog sich über annährend ein Jahr und half uns beiden die Probleme und Sorgen im realen Leben zumindest für ein paar Momente zu vergessen. Dann jedoch wurden die Intervalle zwischen den Mails immer größer. Ihre seelischen Wunden begannen zu verheilen und sie fand nach und nach einen Weg zurück in das reale Leben. Genau diesen Weg hatte ich ihr immer prophezeit, geraten und auch gewünscht. Nichts desto trotz tat es weh, sie mehr und mehr zu verlieren. Mit der Zeit waren wir uns sehr vertraut geworden und spätestens nachdem sie - ohne ein Wort des endgültigen Abschieds - komplett aus der virtuellen Welt verschwunden war, wurde mir klar das ich wohl mehr Gefühle für sie hatte, als es mir bis dato bewusst gewesen war.

Bevor ich nun weiter erzähle muss ich an dieser Stelle - weniger aus Gründen der Rechtfertigung und mehr zum besseren Verständnis - auf meine Ehe eingehen. Selbst in "normalen" Beziehungen, die nicht durch Krankheit und/oder eine Pflegesituation belastet sind, kann es passieren das Gefühle auf der Strecke bleiben bzw. sich mit der Zeit verändern. In meinem Fall stand ich darüber hinaus noch vor der Wahl meine Frau aufgrund ihrer zunehmenden Hilfsbedürftigkeit - auch gegen ihren ausdrücklichen Willen - in ein Pflegeheim zu stecken, oder aber ihr im Rahmen der gegebenen Umstände ein noch halbwegs autarkes Leben zu ermöglichen und sie zuhause zu versorgen. Sprich - ich musste mich entscheiden ob ich Ehemann oder Freund und Pfleger sein wollte. Beide Rollen ließen und lassen sich - zumindest für mich und in Anbetracht der Situation - nicht miteinander kombinieren. So oder so, der Preis für meine Entscheidung war nichts geringeres als ein Teil meines eigenen Lebens. Hätte ich sie in ein Heim gesteckt, hätte ich mich wie ein Verräter gefühlt, der sich vom Acker macht sobald es Probleme gibt. Würde ich mich zuhause um sie kümmern, würde ich fortan leben müssen wie ein verheirateter Single. Ich entschied mich für Letzteres und es mag jetzt ein wenig egoistisch klingen, aber auch ich habe Bedürfnisse. Und damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht Sex. Vielmehr sind es die kleinen Dinge, die mir unwahrscheinlich fehlen. Ein Spaziergang zu zweit, Hand in Hand und nicht als der Mann, der die arme kranke Frau im Rollstuhl schiebt. Als ein solches Paar wollten weder meine Frau noch ich jemals gesehen werden. Hinzu kam der Umstand das wir aufgrund der Pflege-, Wohn- und Arbeitssituation 24/7 zusammen waren und kaum noch Gesprächsstoff hatten, der über diese Themen hinausging.

Und so kam es wie es wohl kommen musste. Eines Tages tauchte eine neue Userin in dem Selbsthilfeforum auf, indem ich noch immer aktiv war. Auch ihre Mutter war an BK erkrankt und sie hatte im Grunde genommen die selben Fragen und Ängste, wie ich sie rund ein Jahr zuvor gehabt hatte. Wir kamen ins Gespräch und die Ereignisse wiederholten sich. Auch sie hatte - wie schon ihre "Vorgängerin" - Probleme in der Ehe und noch bevor ich mich versah steckte ich wieder mitten in einem virtuellen Flirt. Wir redeten über Gott und die Welt, träumten gemeinsam von was-wäre-wenn-Szenarien und blendeten auf diese Art die uns umgebende Realität ein Stück weit aus. Und ja, auch das Thema Erotik spielte irgendwann eine Rolle. Nach einiger Zeit standen wir kurz davor uns in konspirativer Weise auf halber Strecke zwischen unseren Wohnorten zu treffen. Dazu ist es aber nie (leider oder Gott sei Dank, ich weiß es bis heute nicht) gekommen. Wenige Tage vor unserem Treffen erhielt ich eine lange Mail von ihr. Sie schrieb von dem schlechten Gewissen, das sie ihrem Mann gegenüber hätte, obwohl wir uns bislang nur geschrieben hatten. Auch sei ihr Verhalten mir gegenüber nicht fair, da sie glaube mir nicht das geben zu können, was mir wirklich fehlt. Schließlich bat sie mich darum unseren Kontakt wieder auf ein rein freundschaftliches Level zurückzufahren und das Thema Affäre - real und virtuell - zukünftig auszuklammern. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde das mir dieser Schritt leicht gefallen ist, aber ich habe zugestimmt. Und tatsächlich haben wir es geschafft, sind bis heute befreundet und haben immer noch gelegentlich via Mail Kontakt zueinander.

Auch wenn diese zweite - ich will es mal online Affäre nennen - nicht mit der ersten vergleichbar war, hinterließ ihr Ende dennoch eine ähnlich schmerzende Lücke. Nachdem meine ersten Begegnungen dieser Art eher zufällig zustande gekommen waren, begab ich mich nun aktiv in diversen Foren auf die Suche. Schließlich wurde ich fündig und lernte eine Frau kennen, die gezielt nach einer rein virtuellen Beziehung suchte. Sie hatte an sich selbst eine devote Ader entdeckt, mit der ihr Mann jedoch nichts anzufangen wusste. Nun wollte sie diese Neigung ergründen, ohne jedoch real untreu zu werden. So wurde sie meine Online-sub. Wir schrieben uns täglich mehrere Mails, in denen es schon bald um mehr als nur um Dominanz und Devotion ging. Es entstand tatsächlich eine Art von partnerschaftlicher Beziehung und unsere Themen gingen weit über alle sexuellen Aspekte hinaus. Dieser Kontakt währte über annährend zwei Jahre, bis ich ihn aufgrund des sich abzeichnenden Todes meiner Mutter beendete. Neben zwei zu versorgenden Pflegefällen, meiner Arbeit und dem Haushalt hatte ich weder die Zeit, noch den Kopf um diesen Kontakt weiterzuführen.

Seither sind rund drei Jahre vergangen und die Erinnerungen an diese besonderen Beziehungen sind nie verblasst. Im Gegenteil, sie fehlen mir und wenn es sich ergäbe würde ich es wieder tun. Für den einen oder anderen mag das nun seltsam oder gar absurd klingen, aber ich glaube sogar das diese virtuellen Affären meine Ehe gerettet haben. Sie haben mir in schweren Lebenslagen die Kraft gegeben, die ich brauchte um trotz allem irgendwie weiter zu machen.

So, nun könnt ihr mich gerne zerreißen, teeren und federn oder als ein völliges moralisches Rektum betrachten.

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11. Mai 2017 um 8:10
In Antwort auf rouven38

Liebe Community,

wahrscheinlich werde ich für diesen Beitrag jetzt von euch gesteinigt, aber tzotzdem möchte ich mir mal ein paar Dinge von der Seele reden. Im Grunde genommen hoffe ich bezüglich der Resonanzen eigentlich auf gar nichts, würde mich aber dennoch über ein paar objektive Sichtweisen freuen, die mir vielleicht dabei helfen ein paar Dinge besser zu verstehen.

Das wird nun eine längere Geschichte und ich werde versuchen sie sowohl chronologisch, als auch inhaltlich auf das Wesentliche zu beschränken.

Zunächst einmal die Basics:
Meine Frau (50) und ich (44) sind seit zwanzig Jahren zusammen. Sie leidet bereits seit wir uns kennen an einer Autoimmunerkrankung (MS) und ist inzwischen ein Grad V Pflegefall. Aus diesem Grund arbeite ich überwiegend von meinem Home Office aus und kümmere mich neben der Arbeit um ihre Pflege und den Haushalt.

Nun zu meiner Geschichte:
Es begann im Jahr 2011, als ich erfuhr das meine Mutter an fortgeschrittenem BK erkrankt war. Meine Eltern waren schon immer sehr unselbständige Menschen und mir war sofort klar das nun einiges auf mich zukommen würde. Um mir Informationen zu beschaffen und zumindest ein grobes Bild vom Weg zu bekommen, der nun vor uns lag, habe ich mich in einem entsprechenden Forum angemeldet und dort einen Thread eröffnet. Es waren fast ausschließlich Frauen, die auf meine gestellten Fragen und Posts geantwortet haben. Schnell hatte ich einige hilfreiche Kontakte geknüpft und die Konversationen verlagerten sich mehr und mehr in den Bereich privater Nachrichten. Im Kern ging es zwar überwiegend noch immer um das Thema Krebs, aber es wurden auch schon die ersten persönlichen Informationen (Alter, Wohnort, Beruf, Lebensumstände etc) ausgetauscht.

Der Kontakt zu einer Frau intensivierte sich zusehends. Ihr Vater hatte ebenfalls Krebs, das letzte Stadium der Krankheit erreicht und war zum Sterben nach Hause entlassen worden. Da sie selbst Medizin studiert hatte, hatte sie seine Versorgung und Betreuung übernommen. Je näher das Ende rückte, desto stärker wurde die Trauer, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit, die in ihren Texten lag. Hinzu kam der Umstand das sie mir mehr und mehr auch von Problemen innerhalb ihrer Ehe erzählte. Ihr Mann erwartete von ihr das sie trotz allem funktionierte und hatte nur wenig bis gar kein Verständnis für ihre Situation. Schließlich starb ihr Vater und kurze Zeit später stand auch ihre Ehe vor dem Aus. Das alles hat irgendwie meinen Beschützerinstinkt geweckt. Sie tat mir leid, ich wollte ihr helfen und wenn es auch nur durch zuhören (lesen) und antworten (schreiben) war. So chatteten wir an manchen Tagen bis in die Nacht hinein und sie redete sich vieles von der Seele. Aus heutiger Sicht betrachtet gab es zu diesem Zeitpunkt schon erste Warnzeichen, die ich damals jedoch schlicht und einfach übersehen habe und unbewusst vielleicht auch übersehen wollte. So schrieb sie zum Beispiel immer öfter wie wichtig unser Kontakt für sie sei, wie dankbar sie wäre das es mich gibt und das sie sich von meinen Worten sowohl getröstet, als auch gehalten fühlen würde. Dieses Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit und so wandelte sich unsere Unterhaltung mit der Zeit immer mehr zu einem (inhaltlich harmlosen) Flirt. Dieser Mailaustausch zog sich über annährend ein Jahr und half uns beiden die Probleme und Sorgen im realen Leben zumindest für ein paar Momente zu vergessen. Dann jedoch wurden die Intervalle zwischen den Mails immer größer. Ihre seelischen Wunden begannen zu verheilen und sie fand nach und nach einen Weg zurück in das reale Leben. Genau diesen Weg hatte ich ihr immer prophezeit, geraten und auch gewünscht. Nichts desto trotz tat es weh, sie mehr und mehr zu verlieren. Mit der Zeit waren wir uns sehr vertraut geworden und spätestens nachdem sie - ohne ein Wort des endgültigen Abschieds - komplett aus der virtuellen Welt verschwunden war, wurde mir klar das ich wohl mehr Gefühle für sie hatte, als es mir bis dato bewusst gewesen war.

Bevor ich nun weiter erzähle muss ich an dieser Stelle - weniger aus Gründen der Rechtfertigung und mehr zum besseren Verständnis - auf meine Ehe eingehen. Selbst in "normalen" Beziehungen, die nicht durch Krankheit und/oder eine Pflegesituation belastet sind, kann es passieren das Gefühle auf der Strecke bleiben bzw. sich mit der Zeit verändern. In meinem Fall stand ich darüber hinaus noch vor der Wahl meine Frau aufgrund ihrer zunehmenden Hilfsbedürftigkeit - auch gegen ihren ausdrücklichen Willen - in ein Pflegeheim zu stecken, oder aber ihr im Rahmen der gegebenen Umstände ein noch halbwegs autarkes Leben zu ermöglichen und sie zuhause zu versorgen. Sprich - ich musste mich entscheiden ob ich Ehemann oder Freund und Pfleger sein wollte. Beide Rollen ließen und lassen sich - zumindest für mich und in Anbetracht der Situation - nicht miteinander kombinieren. So oder so, der Preis für meine Entscheidung war nichts geringeres als ein Teil meines eigenen Lebens. Hätte ich sie in ein Heim gesteckt, hätte ich mich wie ein Verräter gefühlt, der sich vom Acker macht sobald es Probleme gibt. Würde ich mich zuhause um sie kümmern, würde ich fortan leben müssen wie ein verheirateter Single. Ich entschied mich für Letzteres und es mag jetzt ein wenig egoistisch klingen, aber auch ich habe Bedürfnisse. Und damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht Sex. Vielmehr sind es die kleinen Dinge, die mir unwahrscheinlich fehlen. Ein Spaziergang zu zweit, Hand in Hand und nicht als der Mann, der die arme kranke Frau im Rollstuhl schiebt. Als ein solches Paar wollten weder meine Frau noch ich jemals gesehen werden. Hinzu kam der Umstand das wir aufgrund der Pflege-, Wohn- und Arbeitssituation 24/7 zusammen waren und kaum noch Gesprächsstoff hatten, der über diese Themen hinausging.

Und so kam es wie es wohl kommen musste. Eines Tages tauchte eine neue Userin in dem Selbsthilfeforum auf, indem ich noch immer aktiv war. Auch ihre Mutter war an BK erkrankt und sie hatte im Grunde genommen die selben Fragen und Ängste, wie ich sie rund ein Jahr zuvor gehabt hatte. Wir kamen ins Gespräch und die Ereignisse wiederholten sich. Auch sie hatte - wie schon ihre "Vorgängerin" - Probleme in der Ehe und noch bevor ich mich versah steckte ich wieder mitten in einem virtuellen Flirt. Wir redeten über Gott und die Welt, träumten gemeinsam von was-wäre-wenn-Szenarien und blendeten auf diese Art die uns umgebende Realität ein Stück weit aus. Und ja, auch das Thema Erotik spielte irgendwann eine Rolle. Nach einiger Zeit standen wir kurz davor uns in konspirativer Weise auf halber Strecke zwischen unseren Wohnorten zu treffen. Dazu ist es aber nie (leider oder Gott sei Dank, ich weiß es bis heute nicht) gekommen. Wenige Tage vor unserem Treffen erhielt ich eine lange Mail von ihr. Sie schrieb von dem schlechten Gewissen, das sie ihrem Mann gegenüber hätte, obwohl wir uns bislang nur geschrieben hatten. Auch sei ihr Verhalten mir gegenüber nicht fair, da sie glaube mir nicht das geben zu können, was mir wirklich fehlt. Schließlich bat sie mich darum unseren Kontakt wieder auf ein rein freundschaftliches Level zurückzufahren und das Thema Affäre - real und virtuell - zukünftig auszuklammern. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde das mir dieser Schritt leicht gefallen ist, aber ich habe zugestimmt. Und tatsächlich haben wir es geschafft, sind bis heute befreundet und haben immer noch gelegentlich via Mail Kontakt zueinander.

Auch wenn diese zweite - ich will es mal online Affäre nennen - nicht mit der ersten vergleichbar war, hinterließ ihr Ende dennoch eine ähnlich schmerzende Lücke. Nachdem meine ersten Begegnungen dieser Art eher zufällig zustande gekommen waren, begab ich mich nun aktiv in diversen Foren auf die Suche. Schließlich wurde ich fündig und lernte eine Frau kennen, die gezielt nach einer rein virtuellen Beziehung suchte. Sie hatte an sich selbst eine devote Ader entdeckt, mit der ihr Mann jedoch nichts anzufangen wusste. Nun wollte sie diese Neigung ergründen, ohne jedoch real untreu zu werden. So wurde sie meine Online-sub. Wir schrieben uns täglich mehrere Mails, in denen es schon bald um mehr als nur um Dominanz und Devotion ging. Es entstand tatsächlich eine Art von partnerschaftlicher Beziehung und unsere Themen gingen weit über alle sexuellen Aspekte hinaus. Dieser Kontakt währte über annährend zwei Jahre, bis ich ihn aufgrund des sich abzeichnenden Todes meiner Mutter beendete. Neben zwei zu versorgenden Pflegefällen, meiner Arbeit und dem Haushalt hatte ich weder die Zeit, noch den Kopf um diesen Kontakt weiterzuführen.

Seither sind rund drei Jahre vergangen und die Erinnerungen an diese besonderen Beziehungen sind nie verblasst. Im Gegenteil, sie fehlen mir und wenn es sich ergäbe würde ich es wieder tun. Für den einen oder anderen mag das nun seltsam oder gar absurd klingen, aber ich glaube sogar das diese virtuellen Affären meine Ehe gerettet haben. Sie haben mir in schweren Lebenslagen die Kraft gegeben, die ich brauchte um trotz allem irgendwie weiter zu machen.

So, nun könnt ihr mich gerne zerreißen, teeren und federn oder als ein völliges moralisches Rektum betrachten.

 

nun, bei "Online - Affären" verliebt man sich nicht in einen Menschen - sondern in ein BILD eines Menschen. Das ist immer idealisiert und deswegen läuft das auch so. Und Alltagsprobleme hat es auch nicht und man alles hineinprojizieren, was auch immer man möchte. Prima Fluchtmöglichkeit. Und damit so eine starke Versuchung. Schon klar.

Und was willst Du jetzt? Dich dem Leben stellen oder lieber nicht?

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11. Mai 2017 um 9:36

Hallo purplemoonlight,

nein, ich habe keine dieser Frauen jemals real getroffen und nein, ich hatte mit keiner von ihnen Sex.

Und ja, ich bin mir sicher das diese Menschen authentisch waren. Neben dem reinen Mailkontakt haben wir - wenn auch nur selten - auch miteinander telefoniert. Und nicht zuletzt ermöglicht es das www. relativ einfach, gewisse Angaben auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Mit der Aussage das sich meine Rolle als Pfleger nicht mit der des Ehemannes vereinbaren lässt, bringst Du die Problematik exakt auf den Punkt.

Unterstützung durch einen Pflegedienst haben wir bereits. Ohne diese Hilfe würde ich es gar nicht schaffen. Es ist allerdings nicht so das ich 24 Stunden an meiner Frau klebe, sondern eher anders herum. Sie klammert sehr stark, wohl aus der Angst heraus mich zu verlieren. Dieses Gefühl kann ich sehr gut verstehen und darum habe ich stets versucht ihm so wenig Nahrung wie möglich zu geben. Eine Zeit lang habe ich es tatsächlich so gehalten wie Du es geschrieben hast, mir Freiräume für eigene Unternehmungen geschaffen und für diese Zeit eine Verhinderungspflege für meine Frau organisiert. Das führte allerdings im Nachhinein immer zu unangenehmen Diskussionen. Wenn ich nach Hause kam wurde ich nicht selten mit den Worten "na, hast du was schnuckeliges kennengelernt?" begrüßt und ich musste mich für etwas rechtfertigen, das ich weder getan noch beabsichtigt hatte. Ich stand - sobald ich alleine die Wohnung verließ - quasi sofort unter einer Art Generalverdacht. Das hat den Erholungseffekt natürlich sofort wieder aufgezehrt und weil ich keine Lust darauf hatte ständig und immer wieder ein und dieselbe Diskussion zu führen, bin ich fortan einfach zu Hause geblieben. Allerdings möchte ich meine Frau damit nicht als kontrollsüchtigen und übersteigert eifersüchtigen Menschen darstellen. Wie bereits gesagt kann ich ihre Gefühle und Ängste durchaus verstehen.
 

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11. Mai 2017 um 9:55
In Antwort auf avarrassterne1

nun, bei "Online - Affären" verliebt man sich nicht in einen Menschen - sondern in ein BILD eines Menschen. Das ist immer idealisiert und deswegen läuft das auch so. Und Alltagsprobleme hat es auch nicht und man alles hineinprojizieren, was auch immer man möchte. Prima Fluchtmöglichkeit. Und damit so eine starke Versuchung. Schon klar.

Und was willst Du jetzt? Dich dem Leben stellen oder lieber nicht?

Hallo avarrassterne1,

hinsichtlich der Idealisierung stimme ich Dir teilweise zu.

Allerdings habe ich es immer so gesehen das es sich bei virtuellen Kontakten im Grunde genommen lediglich um eine Umkehrung des Kennenlernprozesses handelt. Im "Normalfall" sieht man einen Menschen vis a vis und entscheidet dann mehr oder weniger unbewußt und innerhalb eines Sekundenbruchteils ob man etwas mit ihm zu tun haben möchte oder eben nicht. Bei virtuellen Kontakten wird die gesamte Optik - Mimik, Gestik, Kleidungsstil, Verhalten etc - jedoch komplett ausgeblendet und man macht im Grunde genommen den zweiten Schritt vor dem ersten. Man lernt zuerst das Wesen, die Gefühlslage und den Charakter eines Menschen kennen. Dem könnte man jetzt entgegenhalten das man ja viel schreiben kann, wenn der Tag lang ist. Aber gelogen und getäuscht wird auch in der realen Welt.

Zumindest innerhalb der von mir genannten und erlebten virtuellen Beziehungen gab es durchaus Alltagsprobleme. Sie waren lange Zeit sogar Kernthemen.

Dem Leben stelle ich mich jeden Tag. Wenn ich das nicht tun würde, hätte ich diesen Thread hier nicht eröffnet.
 

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11. Mai 2017 um 10:34

Hallo venusfinsternis,

zunächst einmal nein, ich betrachte mich selbst absolut nicht als devot.

Allerdings lebe ich nach dem Motto "Behandle andere Menschen so, wie du selbst auch behandelt werden möchtest." Daher empfinde ich es generell nicht als ein Opfern meiner Bedürfnisse, wenn ich jemandem helfe, der dieser Hilfe bedarf.

Auch habe ich nicht das Gefühl nur gegeben und nie etwas dafür bekommen zu haben.
Meine Mutter hat sich Zeit ihres Lebens den Ar... für mich aufgerissen, von daher war es eine Selbstverständlichkeit für mich, sie auf ihrem letzten Weg so gut ich es konnte zu begleiten. Sie ist in meinen Armen gestorben und auch wenn das für den einen oder anderen jetzt ziemlich absurd klingen mag, für mich war es eine sehr wertvolle Erfahrung. Von meiner Geburt einmal abgesehen gab es keinen Moment, in dem wir uns näher gewesen wären.
Meine Frau war für mich lange Zeit Partnerin, Vertraute und beste Freundin in einer Person. Sie hat mir viel Halt gegeben und immer zu mir gestanden. Nun kümmere ich mich um sie, wie sie es für micht tun würde, wären die Rollen vertauscht.
Meine virtuellen Affären waren - hinsichtlich der Erkrankung ihrer Angehörigen - in ähnlichen Situationen wie ich. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht und Halt gegeben. Daraus haben sich schließlich persönliche Ebenen entwickelt, auf denen alles weitere basierte. Von daher waren auch diese Beziehungen niemals nur einseitiger Natur.

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11. Mai 2017 um 11:56

Ich finde das alles sehr verständlich. Und fände es in deiner Situation auch nicht mal schlimm, wenn du eine sexuelle Affäre hättest und nicht nur emotionale virtuelle. Du hast ja schließlich auch eigene Bedürfnisse und solltest dich nicht allein um die Bedürfnisse der anderen kümmern. Ich kenne eine Frau mit MS, die ihren Partner frei gegeben hat, weil sie keine Patient-Pfleger Beziehung leben wollte. Sie sind noch gut befreundet und er hat eine Familie. So etwas gibt es auch. Also habe kein schlechtes Gewissen, wenn du bei deiner Frau bleibst, aber ab und zu auch Mal an dich selbst denkst.

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12. Mai 2017 um 11:02

Hallo odernichtoderdoch,

zunächst einmal habe ich mit meinem Text nichts suggeriert, sondern meine tatsächlichen Lebensumstände geschildert. Jedes meiner Worte kann ich unter Beweis stellen, also was möchtest Du sehen? Das Pflegegutachten meiner Frau, den Totenschein meiner Mutter, oder die Chatprotokolle?

Grundsätzlich kann ich ja verstehen das man erst einmal mißtrauisch ist, wenn man im Internet bzw. - wie in diesem Fall - hier im Forum etwas liest. Was ich jedoch nicht verstehen kann ist die Art, wie Du darauf reagierst. Wenn Du etwas von dem, was ich geschrieben habe, in Zweifel ziehst, hättest Du vielleicht erstmal nachfragen sollen, bevor Du mit wilden Spekulationen und Unterstellungen um Dich wirfst.

Zu Deinen Fragen bzw. Kommentaren:
An keiner Stelle habe ich geschrieben das ich mit mehreren Frauen (gleichzeitig) bis in die Nacht hinein (regelmäßig) gechattet habe. Wenn akuter Gesprächsbedarf bestand, ist es allerdings durchaus vorgekommen das sich eine Unterhaltung schon mal bis 1 Uhr morgens hinzog. Wie konnte ich das mit der Pflege meiner Frau kombinieren? Ganz einfach. Wenn Du aufmerksam gelesen hättest, wäre Dir nicht entgangen das ich (freiberuflich) von meinem Home Office aus arbeite. Das heißt ich verbringe die meiste Zeit des Tages in meinem Büro (welches sich innerhalb meiner Wohnung befindet) und kann frei entscheiden wann ich was erledige. Sobald meine Frau Hilfe braucht (Toilettengänge, Aufstehen, Hinlegen, Essen, Trinken etc.) ruft sie mich und ich bin innerhalb von zwei Minuten bei ihr. Die angesprochenen Chats haben in der Regel abends, nachdem ich meine Frau zu Bett gebracht hatte, stattgefunden.

Warum habe ich nichts über meine Gefühle hinsichtlich des Todes meiner Mutter geschrieben?
Unter der Überschrift "Virtuelle Affären" näher auf dieses Thema einzugehen wäre aus meiner Sicht mehr als nur off topic gewesen. Aber da dieser Punkt Dich offenbar sehr interessiert möchte ich Dir eine Antwort darauf geben: Ich habe mich entwurzelt gefühlt. Mit ihr ist auch ein Stück von mir gegangen. Nachdem ich ihr drei Jahre lang beim Sterben zusehen musste, war ich am Ende auch ein wenig erleichtet. Erleichtert darüber das sie nicht mehr leiden und ich nicht mehr hilflos zuschauen musste. Irgendwann setzte dann so etwas wie Gefühlskälte ein und ich habe gar nichts mehr gespürt. Weder in positiver, noch in negativer Hinsicht. Jemand hat mir mal gesagt das sei der "nur-noch-funktionieren-Modus".

Um das von Dir verliehene "Krönchen" gleich mal wieder abzusetzen: Ein Dom-sub Verhältnis besteht nicht nur aus Peitsche schwingen und Stiefel lecken. Das ist ein engstirniges Klischee. Auch wenn das nun Deine Vorstellungskraft vielleicht übersteigen mag, eine solche Beziehung kann sogar völlig von Körperlichkeiten losgelöst und auf einer rein geistigen bzw. emotionalen Ebene stattfinden.

Mit Deinem abschließenden Fazit liegst Du ebenfalls völlig falsch. Wenn ich mich der Realität meines Lebens nicht täglich stellen würde, keine Entscheidungen treffen könnte und ich einen Mangel an Durchsetzungskraft und Stärke besäße, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Last but not least ist es mir - ehrlich gesagt - auch völlig Latte ob Du mir glaubst oder nicht. Voreingenommene Menschen lassen sich ohnehin nicht von einer anderen Meinung als ihrer eigenen überzeugen.
 

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12. Mai 2017 um 18:23

Hallo odernichtoderdoch,

warum ich diese Dinge miteinander verkette?
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich bereits aus meinem ursprünglichen Post. Das Eine hat das Andere bedingt. Wäre meine Mutter nicht erkrankt, hätte ich mich niemals in dem Forum angemeldet, in dem ich die ersten beiden Frauen kennengelernt habe. Hätte ich diese Frauen wiederum nicht kennengelernt, wären private Probleme und Lebensumstände niemals Thema einer virtuellen Unterhaltung geworden und es wäre niemals eine Basis entstanden, die zu einer Online-Affäre hätte führen können.

Wenn ich um Absolution bitten würde, müsste ich das Gefühl besitzen eine Sünde begangen zu haben. Habe ich aber nicht, vor diesem Hintergrund lautet die Antwort auf Deine Frage ganz klar nein.

Es ist schon ein schwaches Bild von Dir, wenn Du mich erst als Lügner bezeichnest und dann die von mir angebotenen Beweise nicht einmal sehen willst. Aber gut, das zeigt wie ernst ich Deine Statements zu nehmen habe.

Darüber hinaus lass meine Aussagen doch bitte in dem Kontext stehen, in den ich sie gestellt habe. Gefühlskälte habe ich mir selbst lediglich bezogen auf das Sterben meiner Mutter und meinen Umgang mit ihrem Tod attestiert. Und wenn Du meinen Post genau liest, wirst Du mühelos feststellen können das der Tod meiner Mutter und damit die bereits genannte Gefühlkälte erst nach dem Ende meiner letzten virtuellen Beziehung einsetzte.

Wenn Du noch weiter mit mir diskutieren möchtest, dann gerne. Aber bitte nicht mehr mit Dir in der Rolle eines Inquisitors.

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Von: rossani05
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12. Mai 2017 um 16:05
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