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Vertrauen durch Einsamkeit geschädigt

16. Oktober 2013 um 1:12

Hallo liebe Community,

ich habe mich eben erst angemeldet und bitte bereits vorab um Verzeihung, sofern ich irgendwelche formalen Regeln oder ähnliches verletze.

Kurz zu mir: Ich bin 26, arbeite als Bankkaufmann und studiere derzeit im letzten Semester neben dem Beruf.

Ich bin mit meiner Freundin seit knapp 1,5 Jahren zusammen. Wir wohnen zusammen, unsere Eltern verstehen sich blendend und wir sind uns in allen zukunftsrelevanten Fragen mehr als einig, was Kinderplanung oder Hochzeit angeht. Ich bin mir sicher, dass Sie die Frau fürs Leben und meine Seelengefährtin ist. Dasselbe gilt auch für Sie. Wir lieben uns über alles und nicht ein einziges Mal kam mir der Gedanke ohne Sie mein Leben verbringen zu wollen. Wir hatten noch nie einen Streit oder eine heftige Auseinandersetzung weil wir immer einen Kompromis erzielt haben. Nun zu meinem Problem.

Mein Studium spannt mich neben dem Beruf und sportlichen Aktivitäten gerade in den Klausurphasen zeitlich ziemlich ein. Ich habe allerdings immer darauf geachtet trotzdem Zeit für meine Freundin zu finden. Sei es sexuell (mindestens 1-2 Sex pro Woche) oder mit gemeinsamen Aktivitäten (Spaziergänge, auswärts essen, Shoppen, Fernsehen usw.). Allerdings habe ich gerade in den letzten 6 Monaten aufgrund von Prüfungsstress nur sehr wenig Zeit mit Ihr verbringen können. Ich habe zwar alles an Zeit was ich hatte in die Beziehung investiert aber es war nicht genug. Dadurch ist sie öfters alleine mit Freunden feiern gegangen und dann auch gefragt worden wo ich sei. Das kam so oft vor, dass sie mir neulich mit Tränen in den Augen erzählt hat wie einsam sie sich gefühlt hat. Ich habe das nie geahnt, da ich immer das Gefühl hatte wir würden ausreichend Zeit miteinander verbringen. Sie hatte mir zwar bereits früher erzählt das wir mehr machen müssen und daraufhin wurde es auch etwas mehr aber anscheinend nicht genug. Sie hat mir von vorherigen Erlebnissen aus Ihrer Vergangenheit erzählt, wodurch sie sehr verletzt wurde. Sie wurde als Pflegekind geroßgezogen, da sich ihre leibliche Mutter nicht um sie kümmern konnte. Zudem ist Ihre Pflegemutter während ihrer Pubertät erst fortgezogen und später verstorben. In ihren Beziehungen wurde sie immer enttäuscht und verletzt. Dadurch haben sich bei Ihr starke Verlustängste gebildet, welchen ich nie Nahrung geben wollte. Ich habe jeden einzelnen Tag versucht ihr zu zeigen wie sehr ich sie liebe und das sie mir bedingungslos vertrauen kann. Leider habe ich durch mein Studium, dass ich ja nur deshalb so akribisch betreibe um später meine Familie zu versorgen, scheinbar dafür gesorgt unsere Beziehung an den Rand eines Abgrundes zu manövrieren. Sie sagt mir nun, dass tief in ihr ein Gefühl besteht, dass ihr sagt du wirst wieder enttäuscht und verletzt, da ich sie allein gelassen habe ohne das wirklich zu wollen. Und zu allem Übel weiß sie auch nicht ob dieses Gefühl je wieder verschwindet. Ich habe nun Angst, dass dieses Gefühl nie mehr verschwinden wird, da es viel von dem uneingeschränkten Vertrauen, was sie in mich hatte verspielt hat. Ich habe nun fast alle Klausuren hinter mich gebracht und hatte ohnehin vor mehr Zeit mit ihr zu verbringen (das hatte ich ihr auch immer gesagt) aber nun hat sie logischerweise das Gefühl, dass ich mich nur eine gewisse Zeit so verhalte und sie irgendwann wieder allein lasse werde. Das habe ich auf keinen Fall vor zumal ich ja vorher immer diesem Problem zuvorkommen wollte aber auf der anderen Seite will ich auch nicht zu stark klammern und sie erdrücken um so die Beziehung zu zerstören.

Ich würde gern von Euch wissen, ob Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt und mir Ratschläge geben könnt wie ich mich am Besten verhalten soll, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen und ihr Gefühl der Angst vor Einsamkeit zu nehmen.

Vielen Dank

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16. Oktober 2013 um 5:43

Eigentlich ...
... ist es ja wirklich sehr edel von dir, dass du dein Verhalten reflektierst und anscheinend zu dem Schluss kommst dass du "der Schuldige" bist und nun handeln musst.

Ich seh das ein bisschen anders. Wenn mein Partner sich weiterbilden möchte dann stehe ich hinter ihm und unterstütze ihn wo es nur geht. Meiner Meinung nach gibt es in jeder Beziehung Phasen, in welchen einer der Beteiligten auch mal zurück stecken muss - vor allem wenn es um die gemeinsame Zukunft geht.

Jetzt gehe ich da allerdings von einem "normalen" Menschen ohne eine so traurige Vorgeschichte wie der deiner Freundin aus. Das meine ich nun echt nicht böse, aber hat sie schonmal drüber nachgedacht therapeutisch etwas gegen ihre schlimmen Verlustängste zu tun? Ich habe die Befürchtung dass du ihr auf Dauer nie immer und in jeder Phase deines Lebens genug zeigen kannst dass sie keine Angst haben muss, wenn sie nicht die Ursache bekämpft. Die bist ja anscheinend nicht wirklich du bzw. dein Verhalten.

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16. Oktober 2013 um 22:53
In Antwort auf zenzi_12143292

Eigentlich ...
... ist es ja wirklich sehr edel von dir, dass du dein Verhalten reflektierst und anscheinend zu dem Schluss kommst dass du "der Schuldige" bist und nun handeln musst.

Ich seh das ein bisschen anders. Wenn mein Partner sich weiterbilden möchte dann stehe ich hinter ihm und unterstütze ihn wo es nur geht. Meiner Meinung nach gibt es in jeder Beziehung Phasen, in welchen einer der Beteiligten auch mal zurück stecken muss - vor allem wenn es um die gemeinsame Zukunft geht.

Jetzt gehe ich da allerdings von einem "normalen" Menschen ohne eine so traurige Vorgeschichte wie der deiner Freundin aus. Das meine ich nun echt nicht böse, aber hat sie schonmal drüber nachgedacht therapeutisch etwas gegen ihre schlimmen Verlustängste zu tun? Ich habe die Befürchtung dass du ihr auf Dauer nie immer und in jeder Phase deines Lebens genug zeigen kannst dass sie keine Angst haben muss, wenn sie nicht die Ursache bekämpft. Die bist ja anscheinend nicht wirklich du bzw. dein Verhalten.

Mir war schon
fast klar, dass es sich in die zwei Sparten aufteilt, dass ich entweder als der Ausgenutzte gelte oder sie als psychisch hilfsbedürftig da steht. Das ist keine Kritik sondern war lediglich meine Vorahnung.

Daher erstmal vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Kommentare.

Aber eines möchte bzw. muss ich anmerken; es ist schon wahr das ich vieles für sie mache aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist bei Weitem nicht so, dass sie mich ausnutzt oder ich mich gar manipulieren lasse auch wenn, das gebe ich gern zu, das aus dem langen Einleitungstext von mir vermutet werden kann.

Nein mein Problem liegt eigentlich nur darin, wie ich ihr helfen kann diese Verlustangst in den Griff zu bekommen. Und an diesem Punkt erbitte ich Ratschläge. Ihr habt gesagt, ihr Problem sei nicht meins, aber trotzdem verspüre ich den Wunsch ihr beizustehen. Ist es daher ratsam sie auf eine psychische Behandlung anzusprechen um die Vergangenheit aufzuarbeiten oder was würdet ihr empfehlen. Ich weiß ich bin nicht ihr Therapeut aber trotz allem ihr Freund.

Danke


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16. Oktober 2013 um 23:33
In Antwort auf lin_11879749

Mir war schon
fast klar, dass es sich in die zwei Sparten aufteilt, dass ich entweder als der Ausgenutzte gelte oder sie als psychisch hilfsbedürftig da steht. Das ist keine Kritik sondern war lediglich meine Vorahnung.

Daher erstmal vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Kommentare.

Aber eines möchte bzw. muss ich anmerken; es ist schon wahr das ich vieles für sie mache aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist bei Weitem nicht so, dass sie mich ausnutzt oder ich mich gar manipulieren lasse auch wenn, das gebe ich gern zu, das aus dem langen Einleitungstext von mir vermutet werden kann.

Nein mein Problem liegt eigentlich nur darin, wie ich ihr helfen kann diese Verlustangst in den Griff zu bekommen. Und an diesem Punkt erbitte ich Ratschläge. Ihr habt gesagt, ihr Problem sei nicht meins, aber trotzdem verspüre ich den Wunsch ihr beizustehen. Ist es daher ratsam sie auf eine psychische Behandlung anzusprechen um die Vergangenheit aufzuarbeiten oder was würdet ihr empfehlen. Ich weiß ich bin nicht ihr Therapeut aber trotz allem ihr Freund.

Danke


Das...
... Problem ist dass du, als Projektion ihrer gesammelten Ängste, ihr nicht helfen kannst. Wie auch? Wenn ihre Verlustängste auch nur ansatzweise so schlimm sind wie dein Eingangspost erahnen lässt dann werdet ihr immer wieder vor diesem Problem stehen (außer du möchtest dein zukünftiges Leben komplett auf ihre Bedürfnisse ausrichten).

Wenn ihre unbegründeten und übertriebenen Ängste ein Problem für eure Beziehung darstellen dann bleibt dir nichts anderes über als sie mal vorsichtig auf das Thema Therapie anzusprechen. Du kannst ihr ja deine volle Unterstützung zusichern und sie begleiten wenn sie das möchte.

An einer Beziehung muss eben gearbeitet werden, es bringt nichts wenn sich einer nur auf die Bedürfnisse des anderen einstellt. Ihr müsst da einen Weg finden der für euch beide tragbar ist.

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