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Verliebt und gleichzeitig nicht an eine gemeinsame Zukunft glauben

2. Juli 2014 um 22:26

Ich habe mit meinen 24 Jahren nun leider einige desillusionierende Beziehungen erlebt. Beziehungen von denen ich anfangs euphorisiert war und dachte, dass ich mit diesem Menschen an meiner Seite glücklich werde und bleibe, und mir niemals hätte vorstellen können demselben, doch irgendwann so fremd zu sein. Diese Erfahrungen haben Spuren bei mir hinterlassen und ich glaube auch insofern, dass ich ganz tief in meinem Innern glaube, dass ich es nie schaffen werde jemanden für immer an meiner Seite zu behalten. Wahrscheinlich verbunden mit einem ziemlich großen Selbstzweifel - der Beziehungsunfähigkeit. Dabei bin ich durchaus ein Mensch der sich nach einer stabilen Beziehung sehnt.

Vor knapp zwei Monaten wurde ich das letzte und eigentlich auch das erste mal so richtig, stark von einem Mann enttäuscht. Er beendete eine 2,5 jährige Beziehung mit mir nach einem längerem hin-und her und ging einige Wochen später direkt eine neue feste Beziehung ein. Unsere Beziehung ging für mich jedoch sehr tief, auch wenn 2,5 Jahre zugegebenermaßen auch noch keine allzu lange Zeit sind.
Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich ihn aufrichtig geliebt habe, so sehr, dass er bereits ein Teil von mir selbst geworden war. Jetzt im Nachhinein glaube ich, es hat mich während der Beziehung zerstört, dass ich merkte, nicht dieselbe starke Liebe von ihm zurückzubekommen, die ich für ihn fühlte.

Nun einige Monate nach dieser schlimmen Trennung, komme ich wieder ganz gut mit meinem Leben zurecht und habe mich wieder etwas gefangen. Ich erkenne auch immer mehr, dass er doch nicht richtig war für mich, obwohl ich es mir immer so sehr gewünscht habe.

Trotzdem ist das was bleibt ein sehr bitterer Nachgeschmack und die ständige Erinnerung an eine Illusion, die man sich anfangs einer Beziehung macht. - vom Verliebtsein geblendet.

Daraus resultierend existiert bei mir derzeit ein innerer Unmut gegenüber Partnerschaften, Liebe, und allem was dazugehört - zumindest was mich und diese Dinge betrifft, denn ich kann Positivbeispiele für Partnerschaften in meinem Umfeld nicht verleugnen.
Das wiederum führt dazu, dass ich eine Mauer um mich aufbaue und neue Männer nicht wirklich an mich heranlasse.

Nagut, das liegt wahrscheinlich auch noch daran, dass ich die Trennung noch nicht komplett überwunden habe. Ich habe jedoch schon etwas Angst davor, dass ich diese negative Einstellung auf längere Sicht nicht mehr loswerde. Ich will die kleine Hoffnung auf eine funktionierende Partnerschaft noch nicht ganz ins Korn werfen - bitte.

Nun habe ich trotz der vorher beschriebenen Dinge überraschenderweise doch Gefühle entwickelt. Noch keine wirklich tiefen, mehr ist es eine Art von verliebt sein. Ich spüre jedoch, wie sich ein ziemlich großer Teil von mir sehr stark dagegen wert. Ich denke ganz viel nach über Konsequenzen und darüber aus welchen Gründen mich der neue Mann wieder so sehr verletzen kann. Über Dinge, die mir nicht an ihm gefallen, weil sie ein Risiko darstellen, dass ich wieder enttäuscht werde.
Ich glaube ich schaue viel stärker auf alles Negative und sehe die vielen guten Dinge dafür viel verschwommener.

Dabei gibt es wirklich so vieles, das gut ist zwischen uns zweien und trotzdem habe ich diese ständigen Zweifel im Sinn.
Ich denke z.B. daran, dass ich nicht mag, dass er raucht, und darüber, was das für Langzeitkonsequenzen hätte für eine evtl. Beziehung. Darüber dass er in seinem Freundeskreis oft feiern geht und dort für meinen Geschmack zu viel Alkohol trinkt und ich damit nicht klarkommen würde. Darüber, dass ich mir eigentlich vorgenommen habe für die nächste Beziehung einen Mann zu finden der etwas älter ist als ich, oder zumindest schon etwas mehr im Leben steht als ein durchschnittlicher 24 jähriger Student (da ich selber studiere sind auch die meisten Menschen die ich kenne Studenten und mit 24 meist noch nicht voll berufstätig). Darüber, dass wir eigentlich auch schon lange gute Freunde sind und ich ihn als Freund sehr schätze und diese Freundschaft nicht verlieren will. Etc.

Dabei weiß ich ganz genau, dass ich und er in den letzten Wochen, in denen wir viel Zeit zusammen verbracht haben unglaublich gut harmonisiert haben. Und das, weil wir uns sehr sehr ähnlich sind von unserem Wesen, unseren Gedanken und Vorstellungen. Ohne es zu wollen oder gar zu planen, war es so eine enge Vertrautheit und eine Gewissheit sich ohne Worte zu verstehen, die mich im Endeffekt schon fast schockiert. Ich würde sagen, das habe ich so noch nicht erlebt.

All diese zuletzt genannten Dinge führen zu Gefühlen für diese Person, die ich irgendwie trotz meiner rational erdachten Zweifel nicht unterdrücken kann.

Eine Beziehung kann ich mir nichts desto trotz derzeit schwer vorstellen. Auch wegen meiner auf Vernunft basierenden Gründe aber auch aufgrund meiner derzeitigen Situation (Trennung, derzeitige Studiensituation, meiner Einstellung zu mir selber, etc.). Auch er hat da eine ähnliche Einstellung wie ich und will mich deswegen nicht unbedingt in eine Beziehung drängen. Ich merke aber, dass ich ihm sehr viel bedeute.

Insgesamt ist das aber eine merkwürdige Situation: ständig an einen Menschen zu denken, sich auch schon nach ihm zu sehnen, ihn zu vermissen und zur selben Zeit glauben zu wissen, dass es mit ihr auf langer Sicht zu nichts führt, obwohl man sie sehr sehr mag.

Nur weiß ich das wirklich, oder hab ich einfach nur zu sehr Angst davor wieder verletzt zu werden?
Irgendwie gibt es da so einen Konflikt zwischen Gefühl und Vernunft.

Was denkt ihr was falsch ist mit mir? Irgendwelche Gedanken dazu?

Liebe Grüße und danke für eure Kommentare schon mal im Voraus
























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3. Juli 2014 um 10:38

Wer zuviel an die Zunkunft denkt, vergisst in der Gegenwart zu leben
Ich würde an Deine Stelle und vor allem in Deinem Alter nicht so viel darüber nachdenken, was daraus werden könnte und was dann alles dagegen spricht.
Versuche doch einfach nur eure gemeinsame Zeit zu genießen und nur zu reflektieren, ob Du Dich wohl fühlst oder nicht. Gefällt Dir eine Situation nicht, besteht doch die Möglichkeit sie zu änderen, oder einfach Deine eigenen Wege zu gehen.
Wenn Du immer darüber nachdenkst was in einer möglichen Zukunft alles gegen diese Beziehung spräche, dann wird es nur zum Krampf.
Ich finde es schön, an einen bestimmten Menschen denken zu müssen. Jedoch möchte ich dabei ein Lächeln auf den Lippen haben und mich darauf freuen, dass ich ihn bald wieder sehe. Ich möchte jedoch auf keinen Fall die ganze Zeit darüber nachdenken, was wäre wenn ..... Außerdem meistens kommt es sowieso anders, als man denkt.
Mit einem Wort, lass es doch einfach langsam angehen. Nicht jeder Mensch den man kennen lernt, muss man mögen, nicht jeden, den man mag, muss man lieben und nicht mit jeden den man liebt, muss man eine Beziehung führen. Abgesehen davon gibt es so viele verschiedene Arten von Beziehungen. Und dann muss auch nicht jede Beziehung so aussehen wie Du sie schon kennst.
Versuche doch einfach die Zeit, die Du mit dem Menschen verbringst auch zu er"leben", indem Du nicht in alles und jedes etwas hineininterpredierst, was das für die Zukunft wohl bedeutet.
Wenn Dir jemand sagt, dass er Dich liebt, dann sagt er dass er Dich liebt, punkt, aber nicht, dass er jetzt in Zunkunft dafür das Rauchen aufgibt, keinen Alkohol mehr trinkt, dass er sich niemals wieder von Dir trennt, dass er kein Student mehr sein möchte und dass er am liebsten älter als Du wäre.
Wie schon gesagt, versuche mehr in der Gegenwart zu leben, als nur an die Zukunft zu denken.

Liebe Grüße
Ales

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4. Juli 2014 um 11:04

Mehr Zeit, mehr Erfahrung, und weniger Gedanken um die Zukunft sind sicher ein guter Ansatz
Danke erstmal für die sehr ausführlichen Antworten und die damit verbundene Zeit, die ihr euch für meine Gedanken genommen habt.

Nicht nur in der Zukunft zu Leben ist ein sehr guter Punkt und Hinweis. Ich finde da hast du, Alex, auch völlig Recht. Ich bin in der Tat ein Mensch der viel über sein Tun und die damit verbundenen Konsequenzen nachdenkt. Evtl. liegt das daran das ich oft, wenn ich es nicht Tat, negative Erfahrungen gemacht habe. Was Liebesbeziehungen anging gab es dann Vorwürfe, gebrochene Herzen und Tränen. Einfach eine Liebesbeziehung, Affäre, oder was auch immer auf sich zukommen zu lassen ist die eine Sache, aber was passiert wenn es dann doch nicht mehr funktioniert? Ich möchte niemanden verletzen und auch selbst nicht mehr so stark verletzt werden. Und oft verliert man dann auch den Menschen , Freund, mit dem die Liebesbeziehung endet. Es fällt mir daher schwer mich einfach so fallen zu lassen. Andererseits ist es genau das, was ich jetzt versuche und tue. Ich habe mich einfach Fallen gelassen und versucht diese undefinierte Beziehung zu meinem Freund zu erleben, wie sie eben kommt. Die Gefühle zu ihm waren halt da in dem Moment und ich weiß es ist auch falsch zu glauben, man könnte sich ewig davor schützen nie wieder enttäuscht und verletzt zu werden. Trotzdem habe ich Angst davor.

Ich weiß z.B. dass wir die Freundschaft die wir vorher hatten ziemlich aufs Spiel setzen, und eigentlich ist mir das ganz und gar nicht egal. (Wir kennen uns aus dem Studium, haben zusammen angefangen und waren seither gute Freunde, wobei von seiner Seite glaube ich auch schon immer eine gewisse stärke Zuneigung zu mir existiert hat. Ich hatte jedoch meine anderen Freund und daher verstanden wir uns wirklich einfach nur sehr gut und es hat sich dann eine sehr gute Freundschaft entwickelt. Er hatte zwischenzeitlich auch eine Beziehung.)
Andererseits glaube ich auch, dass unsere Freundschaft wirklich schon so stark ist, dass sie es auch überstehen kann, wenn aus der derzeitigen Affäre nicht mehr wird.

Diese "Affäre" ist auch keine besonders intensive derzeit, da wir gerade für etwas längere Zeit ca. 700km entfernt leben. Ist sozusagen eine Fern-Affäre. ;D Ich hatte ihn mal besucht, wir hatten eine richtig schöne Zeit zusammen und einfach sehr viel Spaß, und dann kam das eine eben zum anderen. Wir haben unserer Zuneigung zueinander einfach freien Lauf gelassen.

Coleen 41, du hast auch Recht, ich brauche Zeit für etwas neues, ernstes. Und trotzdem freut man sich als Mensch immer über viel Zuneigung und Liebe und sucht danach. Nur ich scheine diese Suche auf etwas nichts verbindliches zu Beschränken. Ich finde den Gedanken nur traurig, wenn ich dadurch jemanden verpassen könnte, der mir jetzt begegnet und der gut zu mir passt. Aber wahrscheinlich muss ich das einfach akzeptieren.

Bei Cefeu möchte ich mich auch nochmal ganz besonders für den ausführlichen Beitrag bedanken! Du hast vollkommen Recht, dass man aus meinem ersten Beitrag irgendwie noch so eine etwas naive Vorstellung wie eine gute Beziehung funktionieren kann herausliest. Und wahrscheinlich sind meine Vorstellungen wirklich noch nicht ausgereift, was dieses Thema angeht. Du hast auf jeden Fall völlig richtig erkannt, dass ich mich derzeit in diesem Lebensabschnitt befinde, in dem ich intensiv dabei bin mir Gedanken zu machen, auch reflektierend aus ersten Erfahrungen, welche Faktoren wohl für eine funktionierende Beziehung relevant sind.
klar Liebe gehört dazu und die weiteren Dinge die du nanntest auch, die aus meinem Beitrag nicht ersichtlich waren. Das sehe ich ein und da stimme ich dir zu.
Ich habe halt ein paar oberflächlich klingende Details genannt (auch zum Teil um meine absurden "zuneigungszerstör" Gedanken etwas überspitzt darzustellen). Allerdings habe ich aus meiner letzten Beziehung erlebt, dass gerade so kleine Details den Unterschied machen können. Vielleicht zählt das zu dem übergeordneten Punkt Alltagstauglichkeit, wenn es mich stört dass mein Partner regelmäßig Alkohol trinkt und ich damit im Alltag nicht umgehen könnte, weil ich das ständig mitbekommen würde und mir daher große Sorgen machen muss. Das würde eine Beziehung finde ich eindeutig im Alltag belasten. Wenn ich wiederum auch eine Frau wäre, die öfter mal weggeht und sogar mit ihm zusammen Feiern und trinken geht, würde sich dieses Alltagsproblem nicht ergeben.

Ob diese Übergeordneten Faktoren, wie: Intimität, Verpflichtung, Konstanz, Gleichgewicht, Fortschritt, gemeinsame Werte, Liebe, Fürsorge, Vertrauen und Respekt - , wirklich existieren zwischen zwei Menschen lässt sich glaub ich nie ganz im Vorfeld ergründen, bevor man eine Beziehung nicht längere Zeit führt. Vorher kann ich doch nur den anderen beobachten und über gewissen Charakterzüge schlussfolgern, ob diese sich eher positiv oder negativ auf die genannten Faktoren auswirken, die eben notwendig sind damit die Beziehung klappt.

Und dieses Beobachten und Bewerten ist bei mir derzeit sehr extrem und erfolgt dann auch noch extrem kritisch.
Das sollte denke ich so nicht sein, nur tue ich es eben doch.














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