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Verliebt im Ausland - die Neverending Story und seine Angst vor Gefühlen

6. Februar 2014 um 15:45

Long long long story, as short as possible.

Ich bin 30 und lebe seit 2 Jahren in Singapur. Vor über einem Jahr habe ich ihn auf einer Party bei gemeinsamen Freunden kennengelernt. Er ist 26, kommt aus Irland. Ich fand ihn und seine Ausstrahlung auf Anhieb unheimlich attraktiv. Wir sind ins Gespräch gekommen, haben uns auf Anhieb fabelhaft verstanden, haben unheimlich viel gemeinsame Interessen.

Ein paar Treffen im Freundeskreis, privater Kontakt, ein erstes Date. Er hat ewig gebraucht um den ersten Schritt zu machen, als es dann endlich soweit war kam relativ schnell eins zum anderen. Ich habe damals nicht weitergedacht.

Nach ein paar Treffen merkte ich dass wir uns emotional sehr stark angenähert haben, nie an seinen Worten (er hat sich immer sehr unverbindlich ausgedrückt), aber immer mehr an seinem Verhalten. Und dann, eines Tages meldete er sich einfach nicht mehr.

Nach mehreren Wochen Funkstille eine zerknirschte Entschuldigung. Er wisse auch nicht was mit ihm geschehen sei, er möge mich sehr, habe aber das Gefühl gehabt das ganze sei in eine ernstere Richtung gelaufen, was er vermeiden wolle, da er nicht mehr lange bleiben will. Er sei ein Arsch gewesen.

Und so ging es in die zweite Runde. Nie nur Sex, sondern echte Dates, eine gute Flasche Wein, Dinner, gemeinsames Kochen. Schöne Zeit. Sex stand nie im Mittelpunkt, wir haben uns immer sehr gut verstanden. Und je mehr wir uns gesehen haben, umso besser. Nach ein paar Wochen wieder seine Flucht. Funkstille.

Wochen später, Runde drei. Und irgendwann realisierte ich, dass ich Gefühle für ihn entwickelt habe. Und ich merkte an der Art und Weise, wie er mich ansah, dass da auch von seiner Seite mehr war. Nur stand damals schon fest, dass er zwei Monate später nach London geht. Trotzdem sprach ich es an, per SMS. Ich sagte, lass uns aufhören uns was vorzumachen, wir würden fabelhaft zusammen sein, also warum versuchen wir es nicht, auch wenn das Timing Mist ist. Nach einigem Hin und Her (sicher war er sich anscheinend nicht) sagte er mir schliesslich, er würde mich zwar sehr mögen, aber er würde Singapur bald verlassen und das könne aus seiner Sicht nicht funktionieren. Er würde vermeiden wollen dass wir beide verletzt werden. Also brachen wir den Kontakt ab.

Ca. 3 Monate nach seiner Abreise und nahm er wieder Kontakt zu mir auf. Freundschaftlich, oder wie auch immer. Skype Nachrichten, SMS, freundschaftlich, manchmal smalltalk, manchmal ein wenig flirty, manchmal sehr persönlich. über einen längeren Zeitraum und in einer gewissen Regelmäßigkeit. Vor Weihnachten hatte ich einen Termin in England, wir trafen uns und verbrachten den ganzen Tag. Kein Sex, sondern eine schöne Zeit. Ich schlief im Hotel. Zu diesem Zeitpunkt bestand bei mir beruflich bereits die Option, dass ich evtl nach England ziehen werde.

Im Januar kam er nach Singapur, dienstlich. Wir trafen uns uns 3x, hatten Dates, Wein, Essen, gemeinsamer Konzertbesuch mit Freunden. Es war besser als je zuvor. Am dritten Abend verbrachten wir die Nacht miteinander, und egal wie rosarot die Brille sein mag durch die man manchmal schaut - ich habe in dieser Nacht keinen Zweifel daran gehabt dass da von seiner Seite sehr viel mehr im Spiel ist als nur Freundschaft & ein wenig Spass. Wir lagen die ganze Nacht wach, haben gekuschelt, geredet, gekichert, stundenlang rumgeknutscht wie die Teenager - an schlafen hat keiner von uns gedacht, bis in die frühen Morgenstunden. Er konnte sich an der Tür kaum dazu durchringen, zu gehen. Und es kam wie es kommen musste - nach dieser Nacht erneut der Kontaktabbruch. Er flog zurück nach London ohne dass wir uns noch einmal gesehen haben.

Nach 3 Wochen totaler Funkstille kam vor einigen Tagen wieder ein zaghafter Kontaktversuch. Ich sagte ihm wie enttäuscht ich sei, dass ich gedacht habe wir versuchen es mal ernsthaft miteinander wenn ich wieder in Europa bin. Und plötzlich sprach er über Dinge, über die er vorher nie gesprochen hat. Dass er ein Riesenarsch war, wieder so einen Mist zu bauen, obwohl wir so irre toll miteinander harmonieren. Dass er sich selbst nicht versteht, aber offenbar in dem Moment, wo er beginnt sich zu verlieben, davonläuft. Dass er daran etwas ändern muss, Vertrauen haben müsse dass Dinge funktionieren können wenn man daran glaubt und arbeitet. Dass er sehr froh ist dass ich ihm überhaupt noch zuhöre, und dass er mein Vertrauen wiedergewinnen möchte, auch wenn das vielleicht nicht so einfach sein wird. Für seine Verhältnisse war das ein irrsinniger Gefühlsausbruch - unaufgefordert. Er ist sehr schüchtern was Emotionen angeht, kann Gefühle zeigen, aber überhaupt nicht darüber sprechen.

Er kommt im März wieder dienstlich hierher, und ich ziehe zum ersten April nach Nordengland. Nicht in der Nähe, aber auch keine Weltreise mehr. Natürlich frage ich mich, wie ich mit der Situation umgehen soll. Ich habe natürlich grosse Angst dass wieder dasselbe passiert, oder dass das nur eine Masche ist - wobei ich eigentlich immer geglaubt habe in seinen Augen sehen zu können dass da von seiner Seite mehr ist als nur Freundschaft.

Was mach ich mit dem Kerl?

Ich weiss mittlerweile, von meiner Seite ist das mehr als nur ein bisschen ernst. Wir haben irrsinnig viel gemeinsam, sind beide Sportfanatiker, lieben die gleiche Musik, die gleichen Bücher. Haben eine irrsinnige Wellenlänge, können stundenlang in einer Tour durchquatschen. Er bringt mich zum Lachen, er ist intelligent, gebildet und sehr reif für sein Alter (wenn man die Bindungsängste mal aussen vorlässt...). Wir sind in allen wichtigen Fragen des Lebens einer Meinung, haben eine ähnliche Weltanschauung. Ich weiss so gut wie alles über ihn, seine Freunde, seine Familie, sein Leben, und alles in meinem Kopf und Bauch schreit, ja, das ist es wert, auch wenn es nicht einfach wird.

Bin für Tipps insofern mehr als dankbar.

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7. Februar 2014 um 0:20

Puh...
Der einzige Tip, den ich dir aus eigener leidvoller Erfahrung geben kann, ist: Mach keine persönliche challenge draus, ihn endlich zu dir zu bekehren.

Weißt du, zweifelsohne bist du dem sehr, sehr wichtig...es liest sich für mich aber, als sei vielleicht genau dies das Problem für ihn.
Gleiche Interessen, tolle Abende, gute Chemie und reichlich Herzstolpern...das ist alles gut und schön.
Es trägt aber eben keine Liebe durch den Alltag, wenn einer Angst hat, zu lieben.
Du kannst da nix machen. Es gibt Menschen, die bringen sich selbst um ihr Lebensglück... und es ist letztendlich ihr gutes Recht und ihre eigene Entscheidung.
Mach's nicht genauso mit deinem Leben, und frag dich ungeschönt und ohne Schummelei, ob es dir gut tut, so wie es ist.
LG

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20. Oktober 2014 um 10:39

Fortsetzung in Aussicht... Panik!
Oh je... nach nunmehr 8 Monaten scheint sich hier eine Fortsetzung anzubahnen.... und ich krieg die totale Panik

Was ist seitdem passiert?
Nun, im Maerz haben wir eine Menge Zeit zusammen verbracht. Mountainbiken, Dinner, Kino, gemeinsames kochen... ich war dann ueber eine Woche lang schwer krank (Dengue-Fieber, 40 Grad Temperatur etc) und er hat sich jeden Tag nach meinem Zustand erkundigt. Am 25.03. ist er nach London abgeflogen, und ich bin am darauffolgenden Tag in mein neues Leben in Nordengland aufgebrochen. Just bei unserem allerletzten Date vor der Abreise (wo ich natuerlich einiges ansprechen wollte) war er dann sehr abwesend und konnte sich gar nicht schnell genug verabschieden. Da hab ich's dann schon befuerchtet.... Ich habe ihm dann am Tag seiner Abreise geschrieben dass ich enttaeuscht sei, ich damit gerechnet haette dass wir es in England ernsthaft miteinander versuchen. Eine Antwort blieb aus. Ich habe mich auch nach dieser SMS nie wieder bei ihm gemeldet.

6 Monate spaeter. Ich lebe & arbeite in England, pendle zwischen Nordengland und London. Wir hatten keinen Kontakt. Im August haben wir uns einmal kurz gesehen - mit Freunden bei einem Triathlonwettkampf. Wir wussten im Voraus dass wir uns da sehen wuerden, und in dem Moment wo ich ihn gesehen hab wusste ich, dass er nervoeser war als ich. Unsere Freunde standen daneben, das ganze dauerte maximal 5 Minuten, kein direktes Gespraech, kein Haendeschuetteln - ich bin sehr auf Distanz gegangen und hab mich schnell und hoeflich verabschiedet. Hab aber seine Blicke gesehen....
In den vergangenen 6 Monaten hat er ein paar Mal Beitraege von mir auf Facebook geliked, einmal auch kommentiert. Ich hatte dies ignoriert.
Dasselbe geschah nun vor ca 2 Wochen wieder, also einige Wochen nach unserem unangenehmen Wiedersehen bei dem Triathlon. Meine erste Reaktion war, ihn einfach zu loeschen, aber irgendwas hat mich an dem Tag gewurmt, also hab ich ihn angeschrieben was das solle - wir haetten ja schliesslich nichts mehr miteinander am Hut. Naja, eigentlich sei er mir ja eine Entschuldigung schuldig.... Ich hab lang ueberlegt, aber letztlich entschieden dass ich es mir wenigstens anhoeren muss.

Drei Tage spaeter sass er also in London mit zusammengezogenen Schultern vor mir und hat sich in aller Form entschuldigt. Er habe einen grossen Fehler gemacht - es war doch alles gut, er sei dabei gewesen sich emotional fallen zu lassen... aber dann kam die Panik. Ich ploetzlich in England, alles so nah und konkret... Und dann habe er gedacht er denkt mal lieber ein paar Tage nach ueber eine Antwort - und daraus waeren ein paar Wochen geworden ... und je mehr Zeit verging, desto klarer war ihm, er hat's versaut, jetzt kann er sich auch nicht mehr melden.

Hatte ich natuerlich alles vorher schonmal gehoert. Geglaubt habe ich es ihm irgendwie trotzdem. Er hat in den letzten 6 Monaten all meine Bewegungen verfolgt, anscheinend jeden Facebookeintrag gelesen. Er meinte er wisse nicht wie oft er festgestellt haette wir waeren fast zur gleichen Zeit am gleichen Ort gewesen. Und er haette sich jedes mal gedacht, was er fuer ein Idiot gewesen sei. Wir haetten so viel gemeinsame Interessen, und er haette das alles versaut. Es war ein sehr komisches Gespraech - sehr ernst, sehr distanziert, aber auch gefuehlt sehr erhlich. Die Gefuehle sind noch da. Das Gefuehl, dass es eigentlich ja gar nicht besser passen kann, ist auch noch da. Das Vertrauen ist hin. Und seine Panik vor Bindungen ist irgendwie auch noch da, auch wenn er anscheinend stark daran arbeitet. Und nun hab ich auch Panik, das macht es natuerlich nicht leichter.

Trotzdem haben wir uns dann irgendwann angesehen und er meinte nur, es sollte doch eigentlich einfach sein, und sich leicht und richtig anfuehlen. Und eigentlich wuessten wir doch beide, dass es das auch sei....

Die Verabredung war sehr steif - kein Haendedruck, keine Umarmung, aber beidseitig kommentiert ('mh, ist jetzt natuerlich etwas merkwuerdig.....'). Ich bin dann schnell getuermt. Nach ein paar Tagen habe ich ihm geschrieben - es sei merkwuerdig gewesen, und ich sei der Sache gegenueber sehr skeptisch. Ob er daran arbeiten wolle dass es wieder weniger merkwuerdig wird. Ja, das wolle er, und er wuerde mich sehr gern sehen wenn ich das naechste Mal in London bin.

So war Samstag also unser erstes 'Date'. Er hat mich in einem Pub abgeholt, mit meinen Freunden noch ein Bier getrunken (was ich sehr gut fand). Wir sind anschliessend etwas essen gegangen, danach noch auf nen Drink. Wir haben ueber Gott und die Welt geredet. Die alten Themen mal sein lassen. Kein Kuss, keine weitere Verabredung, aber eine lange Umarmung, zwischendurch hat er mal seinen Arm auf meine Schulter gelegt... die alte Vertrautheit war noch da. Er weiss, dass ich momentan plane, ganz nach London zu ziehen. Das waere schoen, meinte er nur. Es war ein schoener Abend. Ich habe ihm danach nur geschrieben 'Es war gar nicht so merkwuerdig' - seine Antwort war 'Ich bin froh das zu hoeren '

Da stehen wir nun. Ich fliege morgen fuer ein paar Tage nach Deutschland, wir sehen uns also fruehestens in zwei Wochen wieder. Eigentlich hat sich alles gut und richtig angefuehlt - wie ein langsames 'Vertrauen wieder aufbauen' - nichts ueberstuerzen, sich langsam wieder aneinander gewoehnen. Aber ich kriege die Panik. Schaff ich das nochmal? Was, wenn es wieder passiert? Mir kreisen so viele Dinge durch den Kopf, und ich weiss dass das nur in ganz kleinen Schritten gehen kann, aber die Ungewissheit darueber macht mich fertig....

Wie geh ich bloss mit dieser Panik um?

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