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Verlange ich zuviel?

14. März 2014 um 10:29

Hallo an die Community,

Ich bin gerade extrem am Zweifeln...an meiner Beziehung...an mir. Hoffe, das neutrale Einschätzungen mir helfen könnten, etwas Klarheit zu gewinnen.
Zur Sache:
Ich (w/28) führe seit anderthalb Jahren eine Fernbeziehung mit einem älteren Mann (46). Wir sehen uns nahezu jedes Wochenende, wobei ich diejenige bin, die pendelt.
Es funktionierte bislang auch (eigentlich) sehr gut. Kein Streit, sehr liebevoller, respektvoller Umgang miteinander,
Das liegt sicher in der natur einer Fernbeziehung, dass man versucht, die gemeinsame Zeit möglichst harmonisch zu gestalten, außerdem haben wir beide keine schöne Vergangenheit und versuchen daher, im besonderen maße Rücksicht auf einander zu nehmen aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass diese Taktik ziemlich gegen die Wand fährt.
Er hatte von Anfang an sehr starke Verlustängste, was sich konstant in Sprüchen á la "Du verlässt mich sicher bald für einen anderen", "Ich kann dir nichts bieten.", "Ich kann nicht verstehen, warum du mich liebst." etc geäußert hat.
Anfangs bin ich daran echt verzweifelt, weil ich kein Mittel fand, wie ich ihm diese Ängste nehmen könnte. Irgendwann fing ich an diese schlechten Gefühle zu unterdrücken, weil ich ihn nicht noch mehr belasten wollte. Wir haben trotzdem öfters darüber gesprochen und er ist sich eigentlich darüber im Klaren, dass diese Gefühle aus seiner Vergangenheit kommen und nichts mit der aktuellen Beziehung zu tun haben. Mit der rosaroten Brille anfänglicher Verliebtheit auf der Nase, dachte ich, OK, er braucht halt einfach Zeit, um sein Selbstbewusstsein auf zu bauen, du musst ihm halt Kraft und Bestätigung geben.
Aber meine Kraft ist grad leider am Ende.
Denn an meinen Lebensumständen ändert sich grad eine Menge. Als wir uns kennen gelernt haben, war ich noch ein elterfinanziertes kleines Studentenmädchen, mittlerweile arbeite ich Vollzeit in einem körperlich sehr anstrengenden Job -aber es geht mir super damit! Werde das gehasste Studium nun zu gunsten einer Ausbildung aufgeben. Ich freue mich auf die Veränderungen, aber sie erfordern Energie und erst jetzt wird mir klar, wieviel davon in diese Beziehung fliesst.
Erst jetzt sehe ich, wie stark mein freund eigentlich von mir abhängig ist und wie "bequem" diese Abhängigkeit für ihn ist. Wenn man sein emotionales Leben nur vom Partner abhängig macht, muss man sich schließlich nicht mit den eigenen Problemen auseinandersetzen.
ich weiß, das klingt gemein, aber es hat sich so viel in mir aufgestaut, was ich aus (sicher falschverstandener , mein Fehler) Rücksichtnahme unterdrückt habe. Er will sich einfach nicht damit auseinander setzen, dass er an Depressionen leidet und meint solange ich da bin, ist doch alles toll. Dass er mir damit die Verantwortung für sein befinden aufdrückt und mich das langsam erstickt, sieht er nicht. Dazu kommt: er lebt jetzt seit fast 2 jahren in einer neuen Stadt und hat dort keinerlei ernsthaften sozialen Beziehungen und sucht auch nicht danach. Ich bin eigentlich der Einzige Mensch, den er hat und diese Verantwortung kann ich nicht tragen.
Vor ein paar tagen konnte ich einfach nicht mehr und habe ihm gesagt, wie ich mich momentan in unserer Beziehung fühle, dass ich weiß, dass es ihm nicht gut geht, aber ich das auf Dauer nicht alles abfangen kann und will.
Ich habe jetzt erstmal drei Wochen Pause eingefordert, in denen er sich überlegen soll, was er für sich und seine geistige Verfassung tun kann.
Ja, ICH, nicht WIR hat diese Pause verfügt. In seinen Augen ist alles, was ich tue schon richtig. Selbst wenn ich meine Vermutungenäußere, wie es in ihm aussieht, ist das alles richtig. Aber man kann doch nicht jemanden seine eigenen Gefühle erklären?!
Wenn ich wenigstens mal Widerworte kriegen würde, à la das siehst du falsch, oder ich bin anderer Meinung. Ich bin eigentlich kein dominanter Mensch, aber wenn es Verantwortung zu übernehmen gilt, kann ich nicht nein sagen, mein Fehler, ich weiß.
Aber ist es wirklich zuviel verlangt, dass der Partner sich auch um sich und nicht nur um ein vermeintliches WIR kümmert?
Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Wenn ich an eine endgültige Trennung denke, fühle ich, wie etwas in mir aufatmet, auf der anderen Seite kommen natürlich starke Schuldgefühle à la wie kannst du jemanden, der alles für dich tut und dem es nicht gut geht, im Stich lassen?
Bin ich einfach nur egoistisch oder sind meine unguten Gefühle nachvollziehbar?
Danke an alle, die sich durch dieses lamento durchquälen und mir ein feedback geben!

A.

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14. März 2014 um 23:55

Stimmt.
Danke für dein Feedback.
Das ist eigentlich das, was mein gesunder Selbsterhaltungstrieb auch sagt, wenn er sich mal aus dem Schwitzkasten befreien kann, in dem ihn das "Helfersyndrom" gefangen hält.
Abartig, wie hartnäckig sich solche ungesunden Verhaltensweisen immer wieder breit machen. Selbst wenn man vom Kopf her Lichtjahre weiter sein sollte.
Brauche nächste Woche erstmal Kraft/Konzentration für Bewerbungstour und dann....sich mit dem Gedanken anfreunden, dass ich nicht mehr zurück will. Die Konsequenz daraus ziehen. Damit fertig werden.

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