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Ver- und Misstrauen

18. März 2013 um 22:44

Ein herzliches Hallo am Anfang, denn ich bin neu hier. Ich habe dieses Forum aufgesucht, weil ich hoffe, dass mir irgendwer ein bisschen helfen kann... Vielleicht.

Also Folgendes:

Ich bin seit nun fast drei Jahren mit meinem Freund zusammen, seit sechs Monaten wohnen wir auch gemeinsam in einer Wohnung. Eigentlich kann ich sagen, dass wir wahnsinnig glücklich und zufrieden sind (es beruht auf Gegenseitigkeit) und es auch nur noch selten zu Streitereien kommt. Jedoch habe ich ein Problem, bei dem ich absolut nicht weiß, wie ich es lösen kann. Ich bin geplagt von Eifersucht und Misstrauen. Es ist die reinste Hölle - nicht nur für meinen Partner, sondern auch für mich selbst. Diese Gefühle kommen nicht zufällig. Um zu erklären, warum ich so bin, muss ich weiter vorn anfangen.
In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen, so auch in unserer. Am Anfang, innerhalb des ersten Jahres, gab es mehr Tiefen als alles andere, wir waren zweimal getrennt, haben uns ständig gestritten, waren gemein zueinander. Ich war eine instabile Heulsuse, mein Freund war ein manchmal gemeiner und sehr unehrlicher Mensch und hat mich ziemlich oft angelogen..
Oft handelte es sich um "spezielle" Filme. Oder er wollte sich mit Freunden treffen und hat mir gesagt, es ginge ihm nicht so gut, etc... Am Tag etwa zwei kleine Lügen (z.B. "Hast du den Müll runter getragen?" - "Ja", "Hast du geraucht?" - "Nein"), das Übliche halt. Aber über solche Kleinigkeiten kann ich hinwegsehen
Aber es gab auch andere Geschichten, zum Beispiel mit einem anderen Mädchen. Zwar glaube ich nicht, dass er mich betrogen hat, aber er hat sich hinter meinem Rücken mit ihr getroffen und E-Mails geschrieben (die ich später auch gelesen habe, was ganz schön schmerzhaft war).
Was ich jetzt nur sehr kurz beschrieben habe, hat mich damals zu einem Wrack gemacht. Es gab ihretwegen immer wieder Streits und neue Lügen. Eine Trennung rührte auch daher. Es war ein Zeitraum von ca. einem 1/2 Jahr...
Ich weiß warum er mich angelogen hat. Nicht immer habe ich angemessen reagiert und ich war auch oft unfair. Aber darüber haben wir ausführlich gesprochen und uns eigentlich auch darauf geeinigt, dass er fortan ehrlich ist und ich nicht mehr derartig ausraste.

Irgendwie haben wir es dann auch geschafft und sind aneinander gewachsen. Das letzte Jahr hat viel Spaß mit ihm gemacht und ich hatte erstmals ein vollkommenes Gefühl von Sicherheit. Es gab auch weiterhin Reibungen und auch mal Vertrauenslücken und Eifersucht, aber ich denke, das ist völlig normal...
Doch nun kamen erneut drei Lügen ans Licht. Eine davon: Er ist zur Zeit im Ausland arbeiten und wohnt dort in einer Wohnung. Anfangs bin ich mitgekommen, da ich Zeit hatte, musste dann aber gehen, weil ein anderer, älterer Typ aus Irland da wohnen sollte. Nun hat sich allerdings herausgestellt, dass es sich um eine 24jährige Studentin aus Deutschland handelt. Und ich bin am Ende.
Er hat sich tausend Mal entschuldigt. Mir geschworen, dass er nichts "Schlimmes" macht. Mir zehntausend Mal gesagt, wie sehr er mich liebt... Aber ich stehe nun mit meinem (alten) Misstrauen da. Der ständigen Angst belogen zu werden. Dieser gemeinen Eifersucht.
Ich denke immer wieder: Kann ich ihm jetzt glauben, wenn er das sagt? Hat er mehr Spaß mit ihr als mit mir? Betrügt er mich sogar?
Er lügt so ausgesprochen gut. Mir direkt ins Gesicht, ohne mit der Wimper zu zucken... Aber auf der anderen Seite weiß ich auch, dass er sich verändert hat... Aber warum dann wieder diese erneuten Lügen?

Alles, was ich möchte ist, dass ich trotz dieses Zwischenfalls irgendwann wieder Vertrauen gewinnen kann, denn ich möchte diese Beziehung nicht aufgeben. Aber ich weiß nicht wie. Denn im Moment glaube ich ihm kein Wort und das ist kein dauerhafter Zustand...

Hat vielleicht irgendjemand Ähnliches durchgemacht, oder weiß, wie man dieses frisch aufgebaute und abermals zerschmetterte Vertrauen zurückgewinnt? Ich möchte mich gerne bessern...

Vielen Dank fürs Lesen!

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19. März 2013 um 11:47

Kenne ich sehr gut
Ich kann deine Verzweiflung sehr gut verstehen, und die Situation ist bei weitem nicht einfach.
Nicht alle Beziehungen laufen von Beginn an perfekt, sondern man könnte sagen, sie "reifen" mit der Zeit.
Erstmal solltest Du verstehen, dass jeder selbst verantwortlich ist für sein Handeln - jeder kann sich entscheiden, ob er in einer Situation lügt, etwas verschweigt, schont oder hemmungslos ehrlich ist. Es wäre falsch zu denken, dass Du ihn dazu bringst zu lügen.
Vielleicht löst Dein Verhalten irgendwas anderes in ihm aus, er scheint Angst zu haben Dich zu verlieren, weswegen er lügt. Andererseits scheint er nicht verzichten zu wollen auf "Freiheiten", gegen die Du etwas hast.

Du fragtest, wie man Vertrauen wieder gewinnen kann... und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Frage hier von der falschen Person gestellt wird. Er muss sich Dein Vertrauen erarbeiten, und das braucht in erster Linie Zeit, Geduld und Nerven aus Drahtseilen - auf beiden Seiten. Denn wo Lügen derart routiniert zum Alltag gehören, wird eine 360 Wendung sicherlich nicht möglich sein, und Rückfälle sind u.U. vorprogrammiert. Aber Du kannst da garnichts tun - er muss das wollen! Man kann niemand zwingen, die Wahrheit zu sagen.

Was Du tatsächlich tun kannst, ist Dir zu überlegen, was Du bereit bist, für diese Beziehung in Kauf zu nehmen. Was gibt er Dir, was verlangt er Dir ab. Und könntest Du auf Dauer damit umgehen, wenn sich dieses Problem nicht eindämmen lässt? Was hast Du für Erwartungen an eure Beziehung?

Ich würde Dir raten mit ihm ein ernstes Gespräch zu führen, wie ihr euch eine gemeinsame Zukunft vorstellen könnt. Ihn Fragen warum er das Bedürfnis hat zu lügen (und Vorsicht, mach keine Vorwürfe, da macht man schnell mal die Luken dicht). Einfach erkunden, warum alles so gekommen ist. Wenn man die Ursache kennt, ist daran einfacher zu arbeiten.

Wenn er angibt, die Ursache wäre dein Verhalten, liegt das Problem höchstwahrscheinlich darin begraben, dass ihr im inneren unterschiedliche Vorstellungen von Freiheiten innerhalb einer Beziehung habt.

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19. März 2013 um 14:17

...
Vielen Dank für eure zahl- und umfangreichen Antworten!

Erst einmal eine Frage am Anfang: Gibt es wirklich Therapien, die speziell für stark eifersüchtige Leute ausgelegt sind? Bin nämlich nicht gänzlich abgeneigt...

Also viele von euch haben ja geschrieben, dass ich mir darüber bewusst werden soll, ob ich diesen "Kampf" auf mich nehmen möchte. Und das möchte ich. Ich gebe zu, dass mein Text sehr negativ klingt, als ob ich einen Freund hätte, der nur am lügen und fies ist, aber so ist eben auch nicht...
Wir haben so unglaublich viel durchgemacht, was uns auf die Vertrauenssache bezogen, zwar nicht viel gebracht hat, aber in allen anderen Bereichen zusammenschweißte.
Ich denke auch, dass er richtig reagierte, als er mir nun endlich alles gesagt hat. Er hat mir angeboten herzufliegen, hat gesagt, dass wir jede Minute skypen können, damit ich merke, dass er treu ist, hat geschworen, dass es nun wirklich die letzte Lüge war, da es ihn unglaublich traurig macht, wenn ich weine... Seitdem schreibt er ununterbrochen und ist auch ziemlich traurig. Er hat sogar geweint, was er eigentlich nie (!) macht. Sowas lässt mich hoffen, zumindest sind ihm meine Gefühle nicht vollkommen egal.
Noch bin ich der Meinung, dass es Hoffnung gibt, wenn auch ich an meinen Reaktionen arbeite, deshalb finde ich den Vorschlag von einem festgelegten Zeitraum, in dem wir ehrlich sind und ruhig reagieren, gar nicht schlecht. Vielleicht sollten wir das mal ausprobieren.
Mein Freund meint, er habe mich angelogen, um uns und mich zu schützen. Was denkt ihr darüber? Es ist wohl eine Tatsache, die er selbst nicht ändern kann (er muss da wohnen, sie auch).

Ich habe noch zwei Fragen: Kann man sich selbst irgendwie dazu "trainieren" nicht hinter allem eine Lüge zu vermuten, nicht alles sofort zu hinterfragen?
Oder ist es nicht möglich, da das jetzt der Selbstschutz-Modus des eigenen Körpers ist?

Muss man immer die Wahrheit wissen, oder sollte man sich auch gelegentlich mal sagen: "Es ist ganz gut, wenn ich die Wahrheit nicht weißt, so macht man sich wenigstens nicht selbst verrückt."? (Zum Beispiel bei belangloseren Sachen, wie z.B. Schmuddelvideos).
Ich habe keine Ahnung. ^^

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19. März 2013 um 16:59

Wäre auf jeden Fall eine Idee.
Danke dir!

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19. März 2013 um 17:13

Ich weiß, ich weiß...
Nur ist es ja nicht die Lösung, dass man ab sofort jeden Tag darüber spricht. Es ist auch keine Lösung dem Freund jeden Tag aufs Neue zu sagen, dass er einen Fehler gemacht hat. Den hat er gemacht und ich bin verdammt enttäuscht, sauer und traurig deswegen. Und das werde ich auch noch einige Zeit sein... Nur kann es erst wieder was werden, wenn ich über die Vergangenheit hinwegsehen kann und alles in die Zukunft stecke. Immerhin habe ich auch schon einmal Fehler gemacht, darüber sieht er auch hinweg...
Wie kann man ihn daran erinnern (und das muss ich ihn ab und zu, glaube ich), dass ich absolute Ehrlichkeit erwarte, ohne nervig, oder aufdringlich zu wirken. Im Moment frage ich nach fast jedem Satz: "Und, stimmt das auch?" oder "Wirklich? Sag mir bitte die Wahrheit." und das ist nicht schön. Ich glaube soetwas verleitet im Gegenteil sogar noch mehr zum lügen...
Wäre es eine vorübergehende Lösung ihn zu "kontrollieren"? Das hat er mir sogar freiwillig angeboten. Das klingt hart, aber könnte so etwas wirken, damit ich sehe: da ist nichts in seinem Handy/Postfach und daraus lerne?

Ach ist das alles schwierig. Man will doch nur glücklich sein!

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