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Unzufrieden, unsicher, neidisch...

14. Mai 2014 um 20:19

Mir ist klar, dass ich jetzt auf hohem Niveau jammern werde Ich habe aber die Hoffnung, dass mir vielleicht jemand helfen kann. Vielleicht hat irgendjemand einen guten Gedanken, einen wertvollen Tipp, eine Idee, die ich bisher nicht hatte Ansonsten wird es mir wahrscheinlich auch einfach gut tun, mir meinen Frust von der Seele zu schreiben.

Ich bin 25 Jahre alt und hatte vor 4 Jahren einen schweren Verkehrsunfall. Seitdem hat sich in meinem Leben einiges geändert.
Ich war früher sehr selbstbewusst und sehr hübsch, habe gemodelt und studiert. Ich hatte viele Pläne, was meine Zukunft betrifft und einen lieben Freund.
Bei dem Unfall waren wir zu zweit im Auto und mein Freund starb. Ich trug hässliche Narben davon und Verbrennungsmale. Nach dem Unfall und dem Tod meines Freundes war alles anders. Ich war lange im Krankenhaus und ich wurde depressiv, bekam plötzlich häufige und heftige Panikattacken, immer wieder und aus heiterem Himmel. Ich ging nach einem halben Jahr freiwillig in die Klapse und musste mein Studium abbrechen. (Das modeln sowieso, denn mein Gesicht sieht jetzt sch*** aus)

Irgendwann hab ich versucht, eine Ausbildung anzufangen, aber die Panikattacken kamen immer wieder und ich konnte oft nicht zur Arbeit gehen, war sehr oft krank, also flog ich. Danach hab ich mich fast zwei Jahre lang mit einem Putzjob und Zeitungen austragen über Wasser gehalten. Hatte immer die Hoffnung, dass es wieder besser wird.

Inzwischen sind meine Panikattacken fast weg. Ich trau mich immer noch nicht weite Strecken wegzufahren (Urlaub oder sowas) und selber Auto fahren trau ich mich auch nicht. Menschenmengen machen mir Angst. Aber meistens geht es, also im Alltag komm ich gut klar.
Ich hab wieder einen Vollzeitjob seit einem halben Jahr, bin in einer Fabrik am Band. Nicht so der Hammer Aber es geht, ich muss dort keine fremden Menschen sehen und es ist relativ stressfrei, kein Akkord. Wenn ich nicht mehr kann, kann ich die Maschine stoppen.
Naja, unwichtig.

Ich bin unzufrieden und kann mich selber nicht mehr leiden, das ist mein Hauptproblem. Ich weiß nicht mehr, wohin in meinem Leben. Ich hab mich früher so darauf gefreut, das Studium zu machen, wollte danach noch den Master machen, Auslandssemester, bin gerne feiern gegangen und war beliebt bei den Männern. Ich weiß, dass das alles oberflächlich klingt, aber das macht mich fertig. Ich wünsch mir Bestätigung von außen, aber immer, wenn ich einen Mann toll finde, interessiert der sich für meine kleine Schwester - Sie genau das ist, was ich mit 20 war Studentin, bildschön, witzig, cool, selbstsicher, intelligent. Ich hingegen hab einen uninteressanten Sch***job, sehe kacke aus (Nicht nur wegen der Narben. Ich hab auch Augenringe und Falten bekommen und auch wegen meiner unzufriedenen Ausstrahlung Aber wie soll ich das ändern??), bin uncool, unzufrieden, schüchtern, ängstlich, unsicher wie ein kleines Kind und neidisch auf meine Schwester und alle, die glücklicher sind als ich
Ich fühle mich total verloren. Ich finde selber, dass ich komisch geworden bin. Ich bin unsicher und finde mich hässlich und es ist mir peinlich, von meinem Leben zu erzählen. Ich will kein Mitleid oder so und habe keine Lust, Leute mit meiner Geschichte vollzujammern. Die Alternative ist, zu erzählen, wie es JETZT ist: Ich arbeite am Band, bin dadurch schon so ausgelastet, dass ich in meiner Freizeit nicht mehr viel mache und wie meine Zukunft aussehen soll, weiß ich auch nicht.

Das Problem ist nicht, dass ich jetzt unbedingt einen Freund haben will. Der würde vermutlich von alleine kommen, wenn ich mein Leben endlich in den Griff kriegen würde.
Aber wie schaff ich das?!

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15. Mai 2014 um 14:03

Narben alleine machen einen Menschen nicht hässlich.
Da hast du recht und das weiß ich auch. Was mich hässlich macht ist das Gesicht, das ich die ganze Zeit ziehe. Aber es ist schwieriger daran etwas zu ändern als an Oberflächlichkeiten, weil ich dafür erstmal zufrieden werden müsste und irgendwie schaff ich es momentan nicht, mich aus diesem Tief wieder rauszuziehen. Ich bin nicht schwer depressiv oder suizidal, keine Sorge. Ich bin nur einfach unzufrieden und nörgelig. Ich hab auch gute Tage, aber sobald irgendwas passiert, was mir nicht in den Kram passt, zieht mich das übertrieben runter und ich hab sofort wieder die totalen Komplexe und möchte mich nur noch in meiner Bude verkriechen.

Meine Schwester versucht, mir zu helfen. Sie ist eigentlich auch meine beste Freundin. Sie ist schon lange in einem Ehrenamt tätig und hat mich mal dorthin mitgenommen, weil sie halt auch dachte, dass es meinem Selbstbewusstsein gut tunt würde, ein bisschen rauszukommen, Menschen kennen zu lernen, was Sinnvolles zu tun... Hat auch Spaß gemacht, bin gerne hingegangen und hab da einen Mann kennen gelernt. Wir haben oft geschrieben und uns hin und wieder getroffen und ich war auch ziemlich verliebt - Bis ich gemerkt hab, dass er nur versucht hat, über mich an meine Schwester ranzukommen.
(Sowas passiert öfter)

Früher hätt ich mir gedacht "Idiot" und das Thema abgehakt, aber jetzt hat es mich so runter gezogen, dass ich seitdem einfach nicht mehr hingegangen bin und stattdessen lieber im Selbstmitleid bade. Dabei will ich nicht so sein, mein Gejammer geht mir ja selber auf den Keks.
Und das Problem ist nicht meine Schwester oder irgendein Typ, der mir einen Korb gegeben hat, sondern ich und meine Unzufriedenheit und meine Komplexe, das weiß ich ja. Aber ich weiß nicht, wie ich das ändern kann.

Die nächste Uni ist ca. 100 km weg von wo ich wohne (Bin wieder in meinen Heimatort gegangen) und ich will nicht nochmal studieren. Ich hab Angst, dass ich es nicht packen würde. Ich wär so weit weg von zuhause und mit dem Nebenjob wär es ziemlich stressig. Ich hab Schiss, dass diese Panikattacken wieder kommen würden, wenn ich ganz alleine und gestresst bin... Außerdem hab ich ein typisches Orchideenfach studiert, mit dem damals die Berufsaussichten schon nicht so rosig waren. Mit einem Bachelor mit 30 kann ich's wahrscheinlich komplett vergessen.

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15. Mai 2014 um 14:10

Also,
erst war ich beurlaubt, weil ich eine Weile im Krankenhaus war. Danach bin ich wieder "normal" studieren gegangen aber dann hat das alles nicht mehr so geklappt (Panikattacken usw) und irgendwie war ich dann völlig überfordert und hatte auch auf einmal auf alles keinen Bock mehr usw. und hab mich einfach exmatrikuliert -.- War dumm, das weiß ich selber.

Also, ich bin nicht komplett entstellt oder so. Ich hab halt eine Narbe über'n Kopf so von Ohr zu Ohr (da wachsen natürlich auch keine Haare, d. h. ich hab so einen schnieken haarlosen Streifen auf'm Kopf, denk nicht, dass man da was machen kann) und eben Brandnarben, aber wenig im Gesicht, mehr am Hals. Eigentlich ist es gar nicht so viel, aber ich seh es halt IMMER. Und dann vergleich ich mich andauernd mit meiner Schwester oder mit meinem früheren Ich, also wie ich gerne wäre oder wie ich mal war...

Aber du und auch Luna habt recht, es liegt nicht an meiner Schwester oder an einem Mann oder an ein paar Narben, sondern an meiner Einstellung. Gibt ja auch genug Leute ohne Narben, die lieber jammern, statt was zu ändern. Ich weiß aber irgendwie nicht, wie/ was ich ändern soll.

Studieren will ich nicht mehr.
Ohne Ausbildung einen halbwegs annehmbaren Job zu bekommen, ist auch nicht so einfach. Callcenter wäre vielleicht ok, aber ich richte mich natürlich nach dem, was hier angeboten wird und da war das Fließband noch die beste Alternative.

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16. Mai 2014 um 17:43

Hall Trane.
Danke für deine Antwort.
Dass wich wieder zu früh zur Uni gegangen bin, kann gut sein, aber mir war das damals nicht bewusst, denn nach meinem Krankenhausaufenthalt ging es mir psychisch eigentlich "gut", also eben den Umständen entsprechend. Natürlich war ich traurig und nicht ganz auf der Höhe, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so aus dem Ruder laufen könnte und dachte, dass mir die Ablenkung in der Uni besser tun würde, als "nichts" zu tun. An eine Therapie hab ich ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht.

Ich saß dann eines Tages in der Vorlesung und aus heiterem Himmel (auch ohne, dass es irgendeinen Anlass gegeben hätte, der mich an den Unfall erinnert oder so) ging das los - Erstickungsgefühle, Schweißausbrüche, Herzrasen, verschwommene Sicht... Ich bin rausgerannt und nach Hause gegangen, hab es auf zu wenig Schlaf geschoben (Ich kannte sowas ja vorher nicht, ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt) - Das Ganze passierte mir innerhalb kurzer Zeit dann noch zwei Mal in der Uni und einmal im Nebenjob, bis es so schlimm war, dass es morgens schon allein bei dem Gedanken los ging, dass ich gleich zur Uni oder zur Arbeit muss. Am Abend saß ich auf der Couch, hatte grundlose Heulkrämpfe, klaustrophobische Zustände in meiner Wohnung und gleichzeitig auch panische Angst, nach draußen zu gehen. Total irre einfach. Dann bin ich eines Tages einfach zur Uni, hab mich ausgeschrieben, weil mir das alles zu viel war und bin erstmal zu meiner Mutter gegangen.

Dann wollte ich mich einweisen lassen und man wollte mich nicht haben, da die Bezirkskrankenhäuser überfüllt waren und man bei mir kein akutes Problem sah (war ja nicht suizidal, magersüchtig oder drogenabhängig...) - Man hat mich als Hypochonder hingestellt und mit der Übernahme durch die Kasse gab es auch ständig Unstimmigkeiten. Wie auch immer, am Ende hat es geklappt und ich war vier Monate dort, aber das war ein wirklich harter Kampf, der mich viele Nerven gekostet hat. Ich bin deswegen nicht besonders scharf auf eine weitere Therapie und möchte nach Möglichkeit erstmal versuchen, mich selber da rauszuziehen. Wenn es gar nicht anders geht, wird mir natürlich nix anderes übrig bleiben.

Ansonsten hast du natürlich recht, es ging dort nur um Symptombekämpfung; Viel Meditation, Beschäftigungstherapie und Tipps und Tricks, wie man mit der Angst umgeht. Es hat mir gut geholfen, aber "bewältigt" habe ich dort nix...

Du hast Recht, es geht nicht um meine Schwester, sondern um mich. Sie hält mir dabei halt ständig vor Augen, was ich gerne wäre. Wir sind uns sehr ähnlich, optisch wie charakterlich, nur dass sie die "bessere" Version von mir ist - Jünger, hübscher, cooler, erfolgreicher... Sie ist so fröhlich , offen und unbefangen und das wäre ich auch gern. Diese Leichtigkeit vermisse ich. Jeder mag sie, weil man einfach gerne in ihrer Nähe ist. Ich hingegen habe eine Ausstrahlung wie Grumpy Cat, es ist kein Wunder, dass ich alle abschrecke. Aber es ist ja nicht so, dass ich das nicht merke, natürlich ist mir das bewusst. Ich schaff es nur nicht, dieses Wissen positiv für mich zu nutzen, sondern zieh mich meist daran runter. Wenn ich mitkriege, dass ich durch meine abweisende Art wieder irgendwen vergrault habe, denke ich mir nur "Kein Wunder, dass dich keiner mag, du bist so blöd", dann wird meine Laune noch schlechter, ich denke noch negativer über mich und so schaukelt sich das immer weiter hoch und irgendwann bade ich dann wieder im Selbstmitleid und bin wütend über den Unfall (Was vollkommener Blödsinn ist, das weiß ich auch... Ich bin nicht die einzige, der schlechtes passiert ist und es hätte viel schlimmer kommen können, ich sollte froh sein, dass ich gesund bin) - Naja, so ungefähr läuft das jedenfalls. Ich hab grundsätzlich negative Gedanken, mein Umfeld reagiert dementsprechend auf mich und meine Gedanken werden daraufhin noch negativer und so dreht sich das Ganze immer im Kreis.

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