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Untreu nach 10 Jahren

19. November 2007 um 14:27 Letzte Antwort: 20. November 2007 um 14:41

Liebe Frauen,

auch ich bin seit fünf Wochen sehr durcheinander und habe ein schrecklich schlechtes Gewissen, obwohl ich komischerweise TROTZDEM auf eine Weise glücklich bin, von der ich dachte, dass es für mich schon vorbei ist:
Ich bin jetzt 44 Jahre alt, habe zwei erwachsene Kinder, meine Tochter (23 Jahre) lebt noch zu Hause. Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Mann Michael zusammen, seit 6 Jahren verheiratet. Es ist meine zweite Ehe. Als ich Michael getroffen habe war ich in einer sehr schwierigen Lebenssituation, und dieser sehr viel ältere Mann (er ist 17 Jahre älter als ich) hat mich aufgefangen, mir geholfen und mir Liebe und Geborgenheit geschenkt. Ich war anfangs sehr zöglerlich, weil ich nicht Dankbarkeit und Liebe verwechseln wollte, zumal unser Sex für mich sehr unbefriedigend war (und wir deshalb nun schon seit zwei Jahren nicht mehr miteinander schlafen). Aber ich habe dann aus einem Gefühl, dass ich ihm was schuldig bin nach vier Jahren Freundschaft in die Ehe eingewilligt, wie er es von Anfang an wollte. Er ist wirklich ganz in Ordnung,trinkt nicht, ist nicht gewalttätig, nur leider arbeitet er sehr viel, hat keine Zeit jemals in den Urlaub zu fahren oder mal ins Kino zu gehen, seine Interessen haben ausschliesslich mit Arbeit zu tun. Ich mache viel Sport, würde gerne oft Konzerte besuchen oder Tanzen gehen, darauf habe ich seit vielen Jahren verzichtet, um ihn nicht zu verwirren, denn er sprach in der Zeit als wir uns kennenlernten oft davon sich alt zu fühlen und nicht mit mir mithalten zu können. Aus Dankbarkeit für alles was er für mich tut, habe ich ihm versprochen, zu ihm zu halten und ihn nicht fühlen zu lassen dass ich doch noch ein paar andere Bedürfnisse habe. Oft war ich deswegen schon sehr depressiv, zumal ich viel alleine bin. Leider hat er kein Ohr für mich, denn er ist davon überzeugt genug für mich zu tun, er hält mich von allen möglichen alltäglichen Sorgen fern, die mich vor 10 Jahren so bedrückt haben.

Dass sich die Dinge und auch ich mich inzwischen verändert haben, sieht er so nicht ein. Er ist sehr autoritär und bestimmt und manchmal habe ich das Gefühl dass er sich als mein Besitzer fühlt, bestimmt habe ich ihm das durch mein Verhalten leicht gemacht.

Doch vor ein paar Monaten habe ich beschlossen mein Leben zu verändern und ein eigenes Projekt gestartet. Ich habe früher in der Musikbranche gearbeitet und nun eine Band gefunden, die sich gerne von mir managen lassen will. Es ist die Band meines Bruder, der in Wien lebt. Vor fünf Wochen war ich also in Wien um ein Konzert dieser Band zu besuchen, dabei habe ich mich Hals über Kopf verliebt, in einen Mann der 6 Jahre jünger ist als ich und in der Band meines Bruders Gitarre spielt. (Er ist der beste Freund meines Bruders, was mich natürlich froh macht, denn mein Bruder ist ein toller Mann, der keine Idioten zum Freund hat.) Auch der Gitarrist, Harry hat sich schwer in mich verliebt, wir haben an diesem ersten Wochenende nur geschmust und ein bisschen gekuschelt, weiter ist nichts passiert. Und doch war ich, als ich wieder zu Hause war, in Gedanken ständig bei ihm, so sehr dass mein Mann trotz seines üblichen Desinteresses misstrauisch geworden ist. Mit viel Überwindung konnte ich die Situation beruhigen und ihm das Gefühl vermitteln, dass ich immer noch zu ihm stehe, obwohl ich mir überhaupt nicht mehr sicher bin.

Dann bin ich letzten Donnerstag wieder nach Wien gefahren, mit der Ausrede, dass ich mich um die Band kümmern muss. Ich habe mit Harry im Hotel gewohnt, mein Bruder wusste Bescheid und gab mir Rückendeckung. Es waren die schönsten vier Tage, die ich seit mehr als 10 Jahren erlebt habe. Wir waren jeden Tag aus, haben Konzerte und Ausstellungen besucht, haben miteinander an unserem Band- Projekt gearbeitet und viel gekuschelt. In der letzten Nacht hatten wir zum ersten Mal miteinander Sex. Es war die zärtlichste und intensivste Begegnung die ich jemals erlebt habe. Mir fällt dazu nur noch ein Wort ein: Liebe. Harry ging es ebenso, er hat ein extrem reiches Gefühlsleben und hat mir gesagt, ich wäre seine "große Liebe". Er wünscht sich nichts sehnlicher als dass ich zu ihm komme und bleibe, auch ich habe große Sehnsucht nach ihm. Doch nun bin ich wieder zu Hause, mit schmerzendem Herzen, einem schrecklich schlechten Gewissen und einer Ratlosigkeit die alles überschattet.
Wer hat einen Rat oder Erfahrung mit so einer Situation?????

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19. November 2007 um 14:39

Also
Von "Liebe" würde ich so früh nicht reden. Erstmal den Alltag mit Harry gestalten, und dann sehen, ob es Liebe ist.

Zudem halte ich dieses Spiel, in dem dein Bruder dir auch noch Rückendeckung gibt, ein wenig für feige und hinterhältig. Dein Ehemann hat das nicht verdient (auch wenn er ein Desinteresse hegt). Er kann dir nicht geben was du willst, also sei auch ehrlich zu ihm und trenne dich.

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19. November 2007 um 19:07

Nabend
hab dir ne private nachr. geschickt.

Lg sunny

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19. November 2007 um 21:18
In Antwort auf zoe_12062812

Also
Von "Liebe" würde ich so früh nicht reden. Erstmal den Alltag mit Harry gestalten, und dann sehen, ob es Liebe ist.

Zudem halte ich dieses Spiel, in dem dein Bruder dir auch noch Rückendeckung gibt, ein wenig für feige und hinterhältig. Dein Ehemann hat das nicht verdient (auch wenn er ein Desinteresse hegt). Er kann dir nicht geben was du willst, also sei auch ehrlich zu ihm und trenne dich.

Also
Danke für die moralischen Hinweise. Dass das was ich tue feige und hinterhältig ist spüre ich selbst sehr genau. Dieses Gefühl schnürt mir die Kehle ab und ich kann nicht mehr schlafen, habe bereits 7 Kilo abgenommen und bin nicht grade sehr fröhlich drauf. Mein Mann hat das nicht verdient, du hast ja so recht. Aber was habe ich verdient? In all den Jahren des Wartens und des Schweigens, den ruppigen Umarmungen und ungeschickten groben Annäherungen - er war gerade in diesem Punkt beratungsresistent - und denk bitte nicht, dass ich mir nicht Mühe gegeben habe. Ich war seine perfekte Frau, habe an den richtigen Stellen gelächelt, an den richtigen Stellen kluge oder witzige oder naiv-kindliche Sachen gesagt - je nachdem was grade erwünscht war. Ich habe seine Verträge mit unterschrieben, seine Firma gestützt, sei Essen gekocht, seine Wäsche gewaschen.Ich habe schleichend all meine Kontakte abgebrochen und nur noch in "seiner Welt" gelebt. Er war immer gut zu mir.
Doch ist mir so oft in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass ein großer Teil von mir gar nicht lebt. Ich verdränge und verbiege mich, jahrelang leide ich unter Spannungsschmerzen mit heftigsten Migräneanfällen. Soll ich das aus Dankbarkeit leben? Was meinst du? Wenn ich ihn verlasse, bricht für ihn eine Welt zusammen. Ich habe Angst. Soll ich aus Angst bei ihm bleiben? Was meinst du?

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20. November 2007 um 7:29
In Antwort auf an0N_1249953499z

Also
Danke für die moralischen Hinweise. Dass das was ich tue feige und hinterhältig ist spüre ich selbst sehr genau. Dieses Gefühl schnürt mir die Kehle ab und ich kann nicht mehr schlafen, habe bereits 7 Kilo abgenommen und bin nicht grade sehr fröhlich drauf. Mein Mann hat das nicht verdient, du hast ja so recht. Aber was habe ich verdient? In all den Jahren des Wartens und des Schweigens, den ruppigen Umarmungen und ungeschickten groben Annäherungen - er war gerade in diesem Punkt beratungsresistent - und denk bitte nicht, dass ich mir nicht Mühe gegeben habe. Ich war seine perfekte Frau, habe an den richtigen Stellen gelächelt, an den richtigen Stellen kluge oder witzige oder naiv-kindliche Sachen gesagt - je nachdem was grade erwünscht war. Ich habe seine Verträge mit unterschrieben, seine Firma gestützt, sei Essen gekocht, seine Wäsche gewaschen.Ich habe schleichend all meine Kontakte abgebrochen und nur noch in "seiner Welt" gelebt. Er war immer gut zu mir.
Doch ist mir so oft in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass ein großer Teil von mir gar nicht lebt. Ich verdränge und verbiege mich, jahrelang leide ich unter Spannungsschmerzen mit heftigsten Migräneanfällen. Soll ich das aus Dankbarkeit leben? Was meinst du? Wenn ich ihn verlasse, bricht für ihn eine Welt zusammen. Ich habe Angst. Soll ich aus Angst bei ihm bleiben? Was meinst du?

Dankbarkeit
...ist eine feine Sache, mizzimonster, aber ob man nur aus Dankbarkeit, aus Pflichtgefühl, eine Beziehung aufrechterhalten sollte? Ich weiß nicht...

Du bist in der aktuellen Situation unglücklich, warst es aber auch schon vor der Begegnung mit Harry - er hat Dir also nur umso deutlicher bewusst gemacht, was Dir fehlt. Also würde ich nicht sagen, er ist "schuld" bzw. dass das nur eine spontane Verwirrung Deiner Gefühle ist. Ob Harry derjenige ist, mit dem Du weiter Dein Leben verbringen solltest/könntest/würdest - das müsste sich erst herausstellen. Aber er verkörpert das, was Dir fehlt.
Ich kann das sehr gut nachempfinden, die Situation ist bzw. war bei mir zwar nicht exakt dieselbe, aber mir hat auch soooo viel gefehlt und es war keine Besserung in Sicht. Dann habe ich einen anderen kennengelernt, der mir gezeigt hat, was sein kann, was einem eine Partnerschaft geben kann und so habe ich den Schritt zur Trennung gewagt, auch wenn es sehr, sehr schwer war.

Ich finde, Du bist auch Dir selbst etwas schuldig, nämlich glücklich zu sein - ja, auch, wenn Du erstmal jemand anderem damit weh tust. Das musst Du Dir bewusst machen. Du bist ein eigenständiger Mensch mit Wünschen, Bedürfnissen, Träumen. Mit dem Recht auf Glück, Zufriedenheit, Erfüllung usw. Nicht nur ein Anhängsel Deines Mannes, ganz egal, was er für Dich getan hat.
Willst Du Dein ganzes restliches Leben so weitermachen? Brav bei Deinem Mann bleiben, weil Du denkst, Du bist es ihm schuldig, und dabei innerlich verhungern?

Vergiss vor lauter Pflicht- und Schuldgefühlen Deinem Mann gegenüber nicht, dass Du auch noch da bist. Man sollte sich und seine Wünsche nicht zugunsten von anderen ignorieren, das hilft keinem weiter. Du bist unglücklich und unzufrieden und das wird auch Dein Mann früher oder später spüren. Und es wird ihn auch unglücklich machen, zu wissen, dass Du mit ihm nicht mehr glücklich bist. Dass Du Dich körperlich unwohl fühlst bei ihm. Dass Du nur bleibst, weil Du denkst, Du wärst ihm das schuldig.
Und das hat er doch auch nicht verdient, dass Du nur noch aus Pflichtgefühl bei ihm bist, vielleicht noch eine Beziehung mit Harry nebenbei führst und ihn weiter betrügst, oder?

Versuche, Dir eine Auszeit zu nehmen, fahr alleine für eine Woche in Urlaub oder etwas in der Art. Weg von beiden Männern, weg vom Alltag. Nimm Dir Zeit, um alles zu genau zu überdenken. Wie stellst Du Dir Dein weiteres Leben vor, welche Pläne hast Du noch für die Zukunft?

Es wird keine leichte Entscheidung und egal, welchen Weg Du gehst, und es wird Dich so oder so viel Herzblut kosten.
Ich beneide Dich nicht und wünsche Dir viel Kraft.

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20. November 2007 um 14:41

Eine ganz einfache Lösung:
Leg die Karten auf den Tisch und mach frei Haus.

Auf was wartest du noch? Du sagst es bereits selbst, dass es mit deinem Ehemann zu Ende ist. Also steh dazu, oder zu deinen Träumen und Wünschen, und erzähl ganz einfach die Wahrheit. Auch wenn es hart ist und Mut kostet, aber das, was du momentan spielst führt nur zu noch mehr Kummer.

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