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Trennung von Liebe und Begehren ?

19. Januar 2013 um 15:00

Den Begriff Begierde werde ich hier ausschließlich in seiner erotischen Bedeutung verwendet. Andere Formen möchte ich hier nicht mit betrachten. Die Geschlechter sind in dem Text beliebig austauschbar. Ich habe nur der Lesbarkeit halber eine einheitliche Form verwendet.

Schauen wir mal in die Wikipedia und machen uns dazu ein paar Gedanken:

Liebe ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden in der Lage ist. Diese Zuneigung bedingt weder dass sie erwidert wird, noch dass eine sexuelle Anziehung vorhanden sein muss.

Sexuelle Begierde oder Begehren bezeichnet den seelischen Antrieb zur Behebung eines subjektiven Mangelerlebens mit dem Wunsch, sich mit der Person welche geeignet erscheint diesen Mangel zu beheben sexuell zu vereinigen.

Liebe und Begehren sind also zunächst völlig unabhängige Gefühle. Der als ideal angenommene Zustand symmetrischer Liebe und Begierde zweier Menschen ist also alles andere als selbstverständlich, auch wenn die gegenteilige Auffassung in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Beispiele:

*Sex als gewerbliche Dienstleistung:
__Der Kunde begehrt den Dienstleister.
__Der Dienstleister begehrt den Kunden in der Regel nicht.
__Keiner der beiden liebt den anderen.

*Platonische Beziehung und Eltern Kind Beziehung:
__Liebesbeziehung ohne Begierde

*Unerfüllte Liebe:
__Liebe und ggf. Begierde nur bei einem der Betroffenen

An dem Beispiel der Prostitution wird deutlich, dass Sex nicht nur ohne Liebe sondern auch ohne Begierde praktiziert werden kann. Besonders tragisch sind in diesem Zusammenhang Liebesbeziehungen bei denen nur von einer Seite die Begierde fehlt und es ähnlich der Prostitution zu Sex ohne Begierde kommt, nur um den geliebten Partner zu befriedigen. Es liegt in dem Fall also Sex aus Mitleid vor, weil ein Partner die Begierde des anderen zwar spürt, selbst aber keine Begierde empfindet.

Bei diesen sehr plakativen Betrachtungen muss allerdings immer berücksichtigt werden, dass es auch alle denkbaren Mischformen gibt. Eine Prostituierte die von einem sehr attraktiven Mann besucht wird, kann diesen durchaus auch begehren. Es gibt sogar Liebesbeziehungen die sich aus dieser theoretisch ungünstigsten aller Sexualbeziehungen ergeben haben. Diese Mischformen unterliegen also auch noch zeitlichen Wandlungen.

Eine Ehe (zumindest in unserem Kulturkreis) wird in der Regel nur dann geschlossen, wenn der als ideal angenommene Fall symmetrischer Liebe und Begierde zumindest weitgehend vorliegt. Wenn keine unehrlichen Motive vorliegen, heiratet man eine Person nur dann, wenn man sie liebt und begehrt. Die Wandlung dieser Gefühle kann später vor allem im stark asymmetrischen Fall zu Krisen und Konflikten führen.

Sind Liebe und Begierde auf Dauer trennbar?

1.Sicht: Wenn ich meinen Partner liebe aber nicht mehr begehre, kann ich ihn teilweise loslassen in dem Sinn dass ich ihn weiterhin liebe aber akzeptiere dass er jemand anderen begehrt?
2.Sicht: Wenn ich meinen Partner liebe aber er mich nicht mehr begehrt, kann ich einen anderen begehren und weiterhin meinen Partner lieben?
3.Sicht: Sind dauerhafte Beziehungen die nur auf Begierde aufbauen möglich?

Gegenthese 1: Gelebte erfüllte Sexualität erfordert Vertrauen und ein Mindestmaß an Zuneigung. Wenn diese Zuneigung zunimmt ist man auf direktem Weg zu einer Liebesbeziehung.

Gegenthese 2: Wenn ein von mir begehrter Partner mich nicht mehr begehrt, zehrt das automatisch an der empfundenen Zuneigung. Sex ist der biochemische Klebstoff einer Paarbeziehung, ohne ihn fällt sie auseinander.

Schreibt bitte eure Erfahrungen und Gedanken dazu. Danke
LG Hans

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27. Januar 2013 um 10:57

Findet sich hier noch ein/e Praktiker/in ...
... dieser Problematik? Ich wäre sehr an erlebten Erfahrungen interessiert ggf. auch als PN. Danke

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