Forum / Liebe & Beziehung

Trennung - nur wie?

11.08.15 um 7:16

Vorgeschichte

Seit 5 Jahren lebe ich in einer inzwischen völlig verkorksten Beziehung. Mein Freund hat sicher auch seine guten Seiten, aber dass er seinen Müll überall liegen lässt,, sich in etwa ein Mal pro Woche die Zähne putzt, Kettenraucher und extrem eifersüchtig ist, das hat mir mit den Monaten alles verdorben. Im Bett lief das letzte Mal Anfang Mai was und auch sonst wird mit Zärtlichkeiten gespart. Hier und da mal ein Omaküsschen auf die Wange, das war es. Wir unternehmen auch nichts miteinander, wir teilen uns eine Wohnung und ein Bett. Liebe ist von mir, soweit ich das überblicken kann, schon lange keine mehr da. Kurios ist: Wir streiten nie. Obwohl ich erst 33 bin, leben wir wie ein verschrobenes Rentnerpaar nebeneinander her. Und aufeinander: Freunde hat er keine und meine hat er entweder vergrault oder, wenn sie nicht weggezogen sind, habe ich seinetwegen auslaufen lassen, weil er sie nicht mochte. So dämlich bin ich gewesen. Er dagegen scheint mit der Situation zufrieden zu sein.

Gegenwart

Und dann lernte ich letztes Jahr einen anderen kennen, der etwa 90 Minuten Autofahrt von mir entfernt wohnt. Und dann auch noch auf einer Insel. Wir haben uns sofort super verstanden und er tickt auch, soweit ich das bis jetzt überblicken kann, so wie ich oder zumindest ähnlich: Gleiche Interessen, gleiche Vorstellungen von zwischenmenschlichen Beziehungen, Treue und so weiter. Ja, Treue, denn sexuell ist bis zum heutigen Tage nichts gelaufen, noch nichtmal Händchenhalten oder sowas. Jedenfalls: Wir haben uns dann etwa ein Jahr nicht gesehen und kaum Kontakt gehabt und eigentlich dachte ich, dass das Thema emotional für mich abgeschlossen ist. "Aus den Augen, aus dem Sinn" - so funktioniert das bei mir. Aber Pustekuchen: Im Juni meldete er sich, man könne doch mal wieder was zusammen unternehmen. Und dann stand er hier wieder in der Wohnung und schlagartig waren alle ersten Emotionen vom letzten Jahr wieder da. Wir haben einen wunderschönen Tag miteinander verbracht, viel geredet und dann fuhr jeder wieder zu sich nach Hause. Dort habe ich irgendwie schon gemerkt, dass von meiner Seite aus und auch von seiner mehr im Spiel ist. Wir wollten uns dann eine Woche später nochmal bei ihm treffen, wo ich ihm dann vorsichtig beibringen wollte, dass es bei mir wohl etwas mehr als nur Freundschaftsgefühle gibt. Leider kam es nicht dazu und so schrieb ich ihm Anfang Juli einen Brief. Habe zwar damit gerechnet, dass er danach nie wieder mit mir redet aber doch: Vorgestern hat es dann endlich geklappt, dass wir uns persönlich ausgesprochen haben. Ja, was soll ich sagen. Ich habe mir schon vorher Gedanken darüber gemacht, wie es weiterlaufen soll, wenn er sich etwas mit mir vorstellen könnte und ohne, dass ich diese Überlegungen geäußert habe, denkt er es sich genauso: Wir wollen uns nun öfter sehen, um uns besser kennenzulernen, damit niemand von uns die Katze im Sack kauft. Obendrein, weil er auf einer Insel lebt und seine Weltsicht darum wirklich nur bis zum Wasser reicht, müsste ich ebenfalls auf diese Insel ziehen. Das macht aber nichts, weil beruflich ohnehin ein Bruch bevorsteht (dazu später mehr). Auch meinen er und ich, dass es besser wäre, meinem Partner vorläufig nichts zu sagen, weil die nächste Zeit völlig ergebnisoffen ist. Von Verliebtheit wollen wir noch nicht sprechen, da sind wir uns einig und obendrein zu alt für die "rosarote Brille". Bei beiden sind aber Emotionen vorhanden.

Zukunft und mögliche Trennung

Ich hoffe natürlich schon, dass es mit ihm was wird. Aus den Gesprächen, die wir letztes Jahr und in diesem geführt haben, habe ich entnommen, dass wir beide uns ziemlich gleichen. Wir haben dieselben Interessen, sind unternehmungslustig, aufgeschlossen, sozial kontaktfreudig usw. usf. Ein Umzug zu ihm auf diese besagte Insel (kein Zusammenziehen!) wäre für mich leicht: Mein Studium ist so gut wie beendet, jobmäßig sieht es in meiner Branche (Pädagogik) dort auch nicht so schlecht aus, für den Notfall habe ich noch meine Selbstständigkeit, mit der ich das Studium finanziert habe und ein ordentliches Finanzpolster für den schlimmsten Fall ist auch da. An meiner Wohnung hier und den toten Möbeln hänge ich nicht, die würde ich meinem jetztigen Partner sogar alle überlassen, damit er nicht auf der Straße stehen müsste. Nur eine mögliche Trennung, die macht mir Kopfschmerzen. Er ist total eifersüchtig: Im letzten Jahr war ich seiner Meinung nach zu lange auf einer Geburtstagsfeier und er hat mir eine unmögliche Szene gemacht. Als ich dann eingeschlafen bin, hat er in meinem Telefon herumgeschnüffelt und dann ging es direkt weiter: Harmloseste Nachrichten wurden zu Affären-Vorwürfen. Er ist völlig ausgerastet.

Wie sagt man einem solchen Menschen, dass man nicht mehr länger mit ihm zusammen sein kann? Ich habe ja bis jetzt immer gehofft, es würde sich doch noch irgendwie zum Guten wenden, denn 5 Jahre sind ja auch eine lange Zeit. Ich möchte auch nicht im Streit mit ihm auseinandergehen, aber das wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Unabhängig von dem anderen Mann habe ich mehr und mehr das Gefühl, in dieser Beziehung hier (ich habe mehr das Gefühl, es ist eine Zweck-WG) zu verrotten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, noch weitere Jahre so nebeneinander zu leben. Da wird man ja auch geistig uralt und verschroben. Ich weiß auch überhaupt nicht, wie man sich trennt: Meine erste und letzte Beziehung ging 7 Jahre und lief irgendwann aus. Ich zog um in eine eigene Wohnung und das war es. Kein Trennungsgespräch, kein Streit.

Was soll ich tun, um mich möglichst "schadlos" aus meiner jetzigen Situation zu befreien? Weiß jemand Rat?

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