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Trennen oder nicht, und wenn, wie???

9. April 2009 um 13:31

Hallo liebe Menschen hier,

ich suche jeden guten Rat.

Mein Mann und ich sind seit über 26 Jahren zusammen. Unsere Tochter ist jetzt 18 und wohnt noch zuhause, steht vor dem Abi. Ich bin 42 und habe meinen Mann schon mit 15 Jahren kennen gelernt und bin gleich bei ihm geblieben.

Wir sind bereits durch viele Krisen gegangen. Unsere Beziehung ist schon immer sehr belastet gewesen, und ich habe auch schon damals oft überlegt ihn zu verlassen, habe es aber wegen unserer Tochter und den Umständen nie gewagt.

Seit dem wir uns kennen, leben wir durch einige unglückliche Begebenheiten immer auf einer Baustelle. Die Wohnzustände haben mich zum Teil regelrecht krank gemacht. Es gab immer viel mehr Arbeit, als zu schaffen war, nie waren wir mit etwas fertig.
Dazu kommt, dass mein Mann ein Chaot ist und überhaupt keine Ordnung halten kann. Er tut sich auch wahnsinnig schwer damit, Termine zu halten und sein Leben zu organisieren.
Sehr belastend war und ist für mich, dass er sich selbst auch nicht pflegt, und leider wieder das Rauchen angefangen hat. Er stinkt fast immer, läuft in den letzten Klamotten herum, rasiert sich nur widerwillig (um den Friseur muss immer ich mich kümmern). Seine Vorliebe für fette Fleischprodukte, Knoblauch, Zwiebeln und Alkohol macht die Sache noch schlimmer. Sport macht er auch nicht.
Niemals bekam ich Blumen oder Komplimente oder so, und mein Vorschlag, mal ein Wochenende allein miteinander zu verbringen, schlug er immer aus. Die Unterhaltungen sind mit ihm sind alles andere als schön. Entweder es geht nur um technische Dinge, oder es läuft auf Lästerei oder auf eine üble Besserwisser- Diskussion hinaus. Oder es langweilt ihn, und er schaut nebenbei in Prospekte.
Wenn ich mal wegfahre, oder abends nicht da bin, zieht er eine saure Mine und ist mies drauf, weiß dann nichts mit sich anzufangen, hängt nur noch vor dem PC oder läuft wie Falschgeld herum. Er hat keinerlei Freunde. Er hängt sich immer an mich, ich muss für alles herhalten. Wenn ich mich irgendwie beruflich zu orientieren versuche, bekomme ich zu spüren, wie sehr ihm das gegen den Strich geht.
Sein Verhältnis zu unserer Tochter ist gar nicht gut. Sie kann ihn nicht leiden, und er findet sie zickig und ist oft sauer auf sie.

In den Urlauben gab es immer Streit. Er wollte auch nie mit mir schlafen, wenn wir im Urlaub waren. Er hat mich oft tief mit Ungerechtigkeiten verletzt, war verbal aggressiv zu mir.

Aber er ist sehr fleißig, hat für jedes (technische) Problem eine Lösung. Er ist auch oft liebevoll zu mir, streichelt mich und unterstützt mich auch im Allgemeinen. Er ist spontan und sehr hilfsbereit, hat immer gute Ideen und Lösungen in praktischen Bereichen. Er ist ein geschickter Handwerker. Er stellt so gut wie keine Ansprüche an Sauberkeit, Ordnung, Essen und so. Im Grunde ist er gutmütig, liebt auch unseren Hund und hilft den Eltern.

Er liebt mich sehr. Er klebt regelrecht an mir. Nur sehr ungern lässt er mich los.

Unser Sexualleben war eigentlich immer o.k., bis es vor ca 4 Jahren dann begann, stark abzuflauen. Er kam nicht mehr zum O. und hatte auch schon manchmal Probleme mit der Potenz. Außerdem musste immer ich den Anfang machen. Oft war er wochenlang völlig desinteressiert an mir. Ich konnte in schönster Unterwäsche um ihn herumgarnen, er hat mich überhaupt nicht wahrgenommen. Im Bett verhielt sich immer sehr passiv, meist legte er sich einfach nur auf den Rücken und ließ mich machen... Leidenschaft und Hingabe fehlten völlig von seiner Seite. Ich hingegen bin eine sehr leidenschaftliche Frau, die sich mehr wünscht, als seelenlosen, langweiligen Sex.

Ich wurde ind den letzten 4 Jahren depressiv, mein Selbstvertrauen war völlig im Keller, ich hatte zwei Nervenzusammenbrüche und wurde chronisch krank.

Mutig und ohne zu zögern habe ich all die Jahre immer meine Bedürfnisse erklärt und ihm gesagt, warum ich unglücklich bin. Er hat sich auch bemüht, es mir recht zu machen, aber immer nur so ein bisschen. Wirklich verstanden hat er mich nicht. Dazu kommt noch die immerwährende Belastung, dass unser Haus und Grundstück immer noch nicht fertig ist und die Arbeit einfach kein Ende nimmt. Handwerker oder Firmen zu nehmen ist zu teuer.

Als sich die Krise vor einigen Monaten extrem zuspitzte und ich tatsächlich drohte, ihn zu verlassen, änderte er sich wirklich. Er pflegte sich, bemühte sich um mehr Ordnung und brachte mir sogar Blumen mit.

Das hat aber leider nicht lange angehalten. Schon nach einigen Wochen war nicht mehr viel übrig von seiner Veränderung.

Aber ich habe mich verändert... meine Liebe zu ihm ist weg. Ich habe es immer wieder versucht, ihn wieder zu lieben, aber es geht nicht.
Ich liebe ihn nur noch als Verwandten, aber nicht als Mann.

Wenn er nach Hause kommt, freue ich mich nicht, sondern es ist ein sehr unschönes Gefühl. Ich fürchte mich vor den Wochenenden und hasse es, wenn er Urlaub hat.

Ich möchte ihm eigentlich nur noch aus dem Wege gehen!
Ich ekel mich vor ihm. Ihn zu küssen oder mit ihm zu schlafen ist für mittlerweile ein Horrortrip geworden. Ich liebe ihn einfach nicht mehr!

Aber er tut mir auch so leid! Er wäre todunglücklich, wenn er die Wahrheit wüsste. Meine Eltern würden sich über eine Trennung auch so grämen, dass ich alles fürchten müsste.
Wir würden unser schönes Haus verlieren, und, was für mich ganz schlimm wäre, ich müsste darum bangen, meinen Hund nicht behalten zu können. Ich habe keinen Job, und ich weiß gar nicht, wovon ich dann leben sollte.

Mein Bauch sagt mir ganz klar, dass ich ihn verlassen sollte. Jetzt, denn es wird immer schwerer, je älter ich werde. Meine Tochter wird ab nächsten Sommer eh aus dem Hause sein, da wir weit draußen auf dem Land wohnen und sie studieren möchte.

Aber ich finde den Absprung nicht! Tausend Ängste halten mich ab, und ich bin so unsicher, ob es wirklich richtig ist, ihn zu verlassen. Der Verstand sagt mir zu bleiben, schon allein wegen der materiellen Dinge.

Und wenn ich mich entscheiden würde zu gehen, was wäre dann der erste Schritt??? Ich bin echt ratlos, wie ich aus dieser Situation heraus kommen soll.

Ich bin wirklich dankbar für jeden Rat!

S.



















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9. April 2009 um 14:26

Leider keine große Hilfe
Liebe S.,

leider suche ich gerade selber nach der Antwort auf diese Frage. Ich habe nun schon unzählige Forenbeiträge gelesen und erhoffe mir dadurch Klarheit. Ich habe das Gefühl es ist so: 50% der Menschen finden, dass eine Ehe es wert ist gerettet zu werden, man weiter daran arbeiten soll und man nicht so egoistisch sein soll und 50% sind der Meinung, dass man auf sein Gefühl hören soll und man selbst am Wichtigsten ist. Tja...das hilft mir - und Dir - also auch nicht wirklich weiter. Was aber immer wieder geschrieben wird und da scheinen sich alle einig zu sein ist, dass man sich Zeit lassen soll...d.h. mein Rat an Dich wäre jetzt erst einmal: Überlege erst, was Du mit Deinem Leben anfangen möchtest - vor allem beruflich! Du musst eine Lösung für das finanzielle Problem vor Augen haben, sonst fürchte ich, wirst Du den Trennungsschritt nicht so bald schaffen.

Viele Grüße
Dinah

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10. April 2009 um 0:53

Ich glaube du hast schon viel hin und her überlegt,
letztendlich bist du zu dem Entschluß gekommen, dass es mit Liebe nichts mehr zu tun hat, was dich hält. Es sind die materiellen Dinge und der Hund. Ist doch wirklich nicht viel, was dich noch hält.
Ich bin wirklich eine Verfechterin der Beziehungen, rate auch immer zu Gesprächen und Klärungen und Paargesprächen, vorallem aber dann auch wenn Kinder da sind und wenn ich das Gefühl habe, es ist nicht wirklich reif. In deinem Fall denke ich ist die Sache bzw. die Ehe von deiner Seite längst gekündigt. Natürlich kostet es etwas Mut die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Vielleicht würden dir Gespräche mit neutralen Personen , sprich einer Beratungsstelle doch weiterhelfen. Auch dein Mann könnte mit einbezogen werden. Das Ziel kann durchaus auch eine Trennung sein. Dort geht es nicht immer nur ums Weitermachen.
Gruß melike

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