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Tiefe Liebe - oder emotionale Kälte

24. Juli 2006 um 11:31 Letzte Antwort: 24. Juli 2006 um 16:00

Seit 20 Jahren bin ich mit meiner Frau zusammen. Ich hatte vorher eine sehr aufreibende Beziehung, so dass mir die Ruhe, die meine Frau ausstrahlt, sehr gut tat. Primär schätze ich das auch heute noch (sonst wären wir wohl kaum 20 Jahre zusammen, wobei es allerdings Phasen gab, in der andere Bereiche - v.a. Arbeit und Kinder - bestimmender waren). Aber immer häufiger mache ich mir Gedanken über diese "Ruhe". Irgendwie habe ich immer den Eindruck, sie benötigt sehr wenig, um eine "intakte Welt" für sich zu haben. Und häufig habe ich den Eindruck, dass da nicht tiefe Liebe für mich, sondern emotionale Kälte dahinter steht. Das bringe ich mit ihrem Elternhaus in Verbindung. Sowohl Vater als auch Mutter haben das verkörpert. Emotionen wurden nie gezeigt. Selbst beim Tod des Vaters ging die Mutter sehr, sehr schnell zur sachlichen Abwicklung des Erbes über. Und ließ auch später kaum mal Gefühle raus. Der Vater hatte einige Jahre vorher seine Familie eine anstehende Krebs-OP verheimlicht, um niemanden zu belasten. Eine solche Art, Gefühle einzuschließen, ist mir total fremd. Aber genau diese Verhaltensweisen hat meine Frau übernommen.
Sie konzentriert sich sehr auf die Hausarbeit, geht darin auf. Das ist zwar einerseits schön, andererseits aber so schrecklich oberflächlich. Gedanken über vorgestern oder übermorgen macht sie sich nicht, allenfalls, wenn es um sachliche Planung gibt. Sie hat keine Erinnerungen an irgendwelche Gefühle. Sie verbindet die wenigen Erinnerungen mit sachlichen Informationen. Und so erzählt sie auch. Egal, was passiert ist: Sie erzählt es sachlich. Nie von den damit verbundenen Emotionen. Die hat sie offenbar nicht, so mein Eindruck.
Immer mal wieder in den letzten 20 Jahren bin ich erschrocken darüber. Aber jetzt hat es dazu geführt, dass ich einen sehr intensiven Kontakt zu meiner Ex-Freundin hatte, die Ähnliches in ihrer Beziehung erlebt. Sie ist diesbezüglich das totale Gegenteil meiner Frau. Sie läuft über vor Emotionen. Sie erlebt Dinge wie ich, verbindet mit den Erinnerungen die gleichen Emotionen. Ich habe meiner Frau gestanden, dass ich mit dieser Ex-Freundin so engen Kontakt (Hunderte Mails und SMS, heimliche Treffen mit Küssen und Streicheleien, mehr Gott-sei-Dank nicht) hatte. Das hat meine Frau einen Tag unglücklich gemacht, dann ging sie zur "Tagesordnung" über. Sie kann alles an meiner Seite wieder genießen, kann mit mir schlafen... alles, als wäre nichts gewesen. Klar, ich müsste total dankbar sein, dass sie mir das alles so schnell verziehen hat. Nur frage ich mich: Steckt da tiefe Liebe dahinter - oder emotionale Kälte? Oder was?

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24. Juli 2006 um 12:11

Reden .....
ist alles was ich dir empfehlen würde.Mein Mann hat mir vor einem halben Jahr ähnliches gestanden, wie du es hier erzählst.Ich bin zwar im Gegenteil zu deiner Frau immer noch nicht darüber hinweg,denke immer noch darüber nach wieso....
Der Punkt ist jedoch das man sich oft nicht traut über seine Gefühle zu reden,oder sie zu zeigen obwohl man es im Innersten eigentlich gerne tun würde.Man versteckt sich oft hinter den alltäglichen Dingen um einfach nur damit fertig zu werden wieder zur Ruhe zu kommen.
Hast du denn versucht sie aus der Reseve zu locken?
Ich wünsch dir alles Gute
Lisi

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24. Juli 2006 um 14:04

Dahinter steckt,
das Muster ihrer Kindheit,von dem sich Deine Frau noch nicht befreien konnte oder auch wollte oder das überhaupt als notwendig erachtet hat.

So versteckt sie sich in Hausarbeit,um ja nicht drüber nachdenken zu müssen,was Emotionen oder überhaupt ein Empfinden in ihr auslösen könnte.
Ich vermute einfach mal,dass sie das nicht bewusst tut,sondern einfach nichts anderes kennt.

Helfen könnte ihr eine Therapie,wenn sie das selber überhaupt will.

Dass Dich viel mit der EX-Freundin verbindet,die Dir emotional näher steht,ist mir verständlich

Jemand,der einem das Herz öffnet,steht einem immer nahe,auch wenn er weiter entfernt ist,weil das Leben leider oft andere Wege geht,als einem vielleicht gut täte oder einem lieber wäre .

Du wirst Deine Frau nicht ändern können,ich denke,Dir sind diese"Defizite"ihres emotionalen Erlebens erst richtig bewusst geworden,als Du Deine Ex-den Kontakt mit ihr-wiederbelebt hattest.
Da Deine Frau so anders ist,klar,mit der Ex-da kommen ganz andere Gefühle auf.

Ich weiss,wie das ist.Ich weiss nicht,wie man Deiner Frau helfen kann,und ob sie das überhaupt möchte.
Du kannst versuchen,mal ganz vorsichtig mit ihr zu reden.
Ob sie professionelle Hilfe (für sich und eure Beziehung)in Betracht ziehen könnte,um zu lernen,dass Emotionen zugelassen werden könnten und man damit nicht das Gesicht verliert oder sich selbst
viel Glück
lg

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24. Juli 2006 um 14:11

Gegenfrage...
Hallo lieber Jogger,

ist das nicht genau das, was Euch Männer bei dieser Art von Frau hält?

In meiner Umgebung ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Beziehung um so länger hält, je weniger die Frau den Mann liebt. Ich sage nicht, dass DEINE Frau DICH nicht liebt, aber generell sind Frauen doch schon emotional.

Wie gesagt, ich kenne Deine Frau und Dich nicht. Aber generell würde ich auf emotionale Kälte tippen...

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24. Juli 2006 um 16:00

Hm,
könnte es sein, dass ein menschlicher "Eiswürfel", wozu Du offenbar Deine Frau zählst, Angst vor der Liebe hat?
Angst, weil zur Liebe auch die Möglichkeit (oder sogar die Wahrscheinlichkeit) gehört, (wieder) verletzt zu werden? Angst, weil zur Liebe auch die Fähigkeit gehört, eigene Grenzen verschwinden zu lassen...

Solche "Eiswürfel" können, wenn sie ganz behutsam "erwärmt" werden, anfangen, aufzutauen und zu schmelzen, so dass die Eisbarrieren verschwinden, die Eis-olation beendet werden kann.

Besonders Männer werden z.T. immer noch dazu erzogen, nicht zu weinen, den Tapferen zu spielen und bloß nicht zu zeigen, wenn etwas weh tut. Aber auch Frauen können dieses Verhaltensmuster übernommen haben - wenn sie so tief verletzt worden sind, dass sie, um zu überleben, aufgehört haben zu fühlen.

Wenn der Schmerz bei Deiner Frau sehr tief sitzt, versteckt sie ihn möglicherweise auch vor sich selbst. Das lässt sie nach außen hin starr und kalt erscheinen... Dir gegenüber wirkt sie - wie Du sagst - sachlich und emotionslos aber mit dem passenden "Schlüssel" könnte der Schmerz wieder an die Oberfläche gelangen.
Ich glaube, dass nicht nur Deine Frau, sondern auch Du einen Schlüssel besitzt: für sie sind es ihre Tränen, die das Eis wieder zum Schmelzen bringen könnten. Die Tränen könnten ihr helfen, Schmerzen zu spüren, sanft und liebevoll zu sich selbst zu sein, und ihre Verletzungen heilen zu lassen.

Und zu Deinem Schlüssel: es ist die Güte und das Mitgefühl für Deine Frau, die dazu beitragen könnten, ihre Eis-olatin zu beenden.

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