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Teufelskreis Selbstzweifel und Klammern?

9. Februar 2016 um 12:51

Liebe Leser,

ich hole mir seit Jahren immer wieder Tipps aus verschiedenen Foren, jetzt verfasse ich zum 1. Mal selbst einen Beitrag.

Mein Problem ist folgendes: ich bin 23 Jahre alt, habe einen guten Job, wohne alleine in einer schönen Wohnung, habe einen super Freundeskreis und bin generell zufrieden mit mir und meinem Leben.
Leider schleichen sich doch immer wieder mal Selbstzweifel ein, vor allem in Beziehungen.
Ich hatte schon mehrere Partner (lange und kurze Beziehungen) und bin des Öfteren enttäuscht und verletzt worden (Fremdgehen, körperliche Gewalt, etc.).
Nun bin ich seit einem Monat in einer neuen Beziehung. Ich mag diesen Mann sehr gerne und merke auch, dass ich ihm wichtig bin. Leider schleichen sich wieder Verlustängste ein und ich habe die Sorge, dass ich dadurch zu Klammern anfange. Ich bin sehr eifersüchtig auf seine Ex-Freundin. Die beiden waren fast 4 Jahre ein Paar, es war seine erste richtige Freundin. Sie haben auch zusammen in seiner Wohnung gelebt, die Beziehung scheiterte an vielen Streitereien und Fremdgehen ihrerseits. Er hat keinen Kontakt mehr mit ihr, die Trennung ist jedoch erst ca. ein halbes Jahr her. Er gibt mir keinen Grund eifersüchtig auf sie zu sein, trotzdem merke ich, wie ich innerlich mit ihr "konkurriere". Ich frage mich, warum er so lange bei ihr geblieben ist, wenn sie ihn doch so behandelt hat, warum er so viel für sie getan hat und habe Angst, dass dass dies bei mir nicht der Fall sein wird und ich ihm irgendwann egal werde, evtl auch, dass er zu ihr zurückgeht. Diese Eifersucht/Ängste meinerseits bemerkt er (noch) nicht, da ich sie ihm nicht zeige, weil ich weiß, dass ich keinen Grund dazu habe. Aber auf Dauer werde ich es nicht verbergen können. Er betont immer, wie froh er ist, dass ich sehr unabhängig bin und er sich nicht eingeengt fühlt. Aber ich fürchte mich davor, dass es irgendwann ins Gegenteil umschlagen wird.

Woher kommen denn nur diese Gedanken? Wie kann ich denen positiv entgegen wirken? Diese Ängste sind mir von früher schon bekannt und ich möchte nicht, dass ich ihn dadurch irgendwann vergraule. Ich verstehe auch nicht, warum diese Gefühle immer kommen, wenn ich in einer Beziehung bin. Habe ich denn wirklich so ein schwaches Selbstbewusstsein?
Vielen Dank schon mal fürs Lesen und für hilfreiche Tipps!

Liebe Grüße
Evalina

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9. Februar 2016 um 14:42

Liebe und Abhängikeit
Liebe Evalina,

ich kenne deine Gedanken, weil ich die selbst oft habe. Ich hab durch meine besten Freundinnen und durch viel Eigen-Recherche gemerkt, dass ich liebessüchtig bin. Ja, das gibt es wirklich. Sobald ich einen Mann kennen lerne, der mir gefällt und mit dem eine Beziehung entsteht, schlägt meine Unabhängigkeit irgendwann in Klammern und Abhängigkeit um. Ich definiere mich irgendwann über den Mann an meiner Seite. Der Grund ist tatsächlich ein schwaches Selbstwertgefühl. Ich würde nicht behaupten, dass ich nicht selbstbewusst bin, jedoch ist mein Selbstwertgefühl auf Grund meiner Kindheit sehr angeschlagen. Selbstwert und Selbstbewusstsein sind nicht das selbe paar Schuhe. Ich bin als Kind nicht richtig akzeptiert worden, war immer an allem Schuld, war nur gut genug, wenn ich gute Noten nach Hause gebracht habe. Das hat sich so hingezogen bis ich endlich von meinen Eltern ausgezogen bin.

Mein Rat an dich:
Frag dich, ob es bei dir Gründe für ein schwaches Selbstwertgefühl gibt. Wie bist du aufgewachsen? War es bei allen oder den meisten deiner Freunde immer das selbe Problem? Informiere dich evtl. über Liebessucht und die Anzeichen. Erkennst du dich darin wieder? Es gibt z. B. viele Bücher zu diesem Thema, die wirklich gut sind und Tipps enthalten, wie man damit besser klar kommt. Falls es dich zu sehr belastet und du es gerne "aufarbeiten" möchtest, würde ich dir empfehlen, einen Termin bei einem Psychologen zu vereinbaren. Das kannst nur du selbst beurteilen, ob und wie sehr es dich belastet. Da kann dir niemand etwas einreden.

Die Sache mit der Eifersucht auf die Ex-Freundin... Ja, auch das kenne ich. Sieh es aus einer anderen Perpektive. Er ist mit dir zusammen, weil er DICH möchte. Genau so wie du bist. Du bist kein Ersatz für sie und du konkurrierst nicht mit ihr. Du kennst sie nicht. Deine Zweifel hängen vermutlich auch mit dem Selbstwertgefühl zusammen. Stell sie dir als eine völlig fremde Person vor. Wenn es dich belastet, dass er dir von ihr erzählt, kannst du ihn z. B. bitten, es dir nicht zu erzählen. Das würde ich jetzt im Nachhinein z. B. tun. Letztlich hat es mir im Nachhinein weh getan, umso mehr ich von ihr erfahren habe und ich habe mich irgendwie automatisch mit ihr gemessen, mich verglichen, auch wenn ich es nicht wollte.

Vielleicht wäre es am besten, du sprichst das Thema Ex-Freundin offen an und sagst deinem Freund, was dich belastet. Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen: Wenn du es in dich hinein frisst, wird es mit der Zeit noch unerträglicher. Es wird wirklich schlimmer, als es jetzt im Moment für dich ist. Und da wäre offen darüber sprechen ein guter Ansatz. Es wird dir gut tun. Friss es dir zu Liebe nicht zu lange in dich hinein. Er wird dich verstehen, wenn du ihm wichtig ist.

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9. Februar 2016 um 15:05
In Antwort auf tigerlilly89

Liebe und Abhängikeit
Liebe Evalina,

ich kenne deine Gedanken, weil ich die selbst oft habe. Ich hab durch meine besten Freundinnen und durch viel Eigen-Recherche gemerkt, dass ich liebessüchtig bin. Ja, das gibt es wirklich. Sobald ich einen Mann kennen lerne, der mir gefällt und mit dem eine Beziehung entsteht, schlägt meine Unabhängigkeit irgendwann in Klammern und Abhängigkeit um. Ich definiere mich irgendwann über den Mann an meiner Seite. Der Grund ist tatsächlich ein schwaches Selbstwertgefühl. Ich würde nicht behaupten, dass ich nicht selbstbewusst bin, jedoch ist mein Selbstwertgefühl auf Grund meiner Kindheit sehr angeschlagen. Selbstwert und Selbstbewusstsein sind nicht das selbe paar Schuhe. Ich bin als Kind nicht richtig akzeptiert worden, war immer an allem Schuld, war nur gut genug, wenn ich gute Noten nach Hause gebracht habe. Das hat sich so hingezogen bis ich endlich von meinen Eltern ausgezogen bin.

Mein Rat an dich:
Frag dich, ob es bei dir Gründe für ein schwaches Selbstwertgefühl gibt. Wie bist du aufgewachsen? War es bei allen oder den meisten deiner Freunde immer das selbe Problem? Informiere dich evtl. über Liebessucht und die Anzeichen. Erkennst du dich darin wieder? Es gibt z. B. viele Bücher zu diesem Thema, die wirklich gut sind und Tipps enthalten, wie man damit besser klar kommt. Falls es dich zu sehr belastet und du es gerne "aufarbeiten" möchtest, würde ich dir empfehlen, einen Termin bei einem Psychologen zu vereinbaren. Das kannst nur du selbst beurteilen, ob und wie sehr es dich belastet. Da kann dir niemand etwas einreden.

Die Sache mit der Eifersucht auf die Ex-Freundin... Ja, auch das kenne ich. Sieh es aus einer anderen Perpektive. Er ist mit dir zusammen, weil er DICH möchte. Genau so wie du bist. Du bist kein Ersatz für sie und du konkurrierst nicht mit ihr. Du kennst sie nicht. Deine Zweifel hängen vermutlich auch mit dem Selbstwertgefühl zusammen. Stell sie dir als eine völlig fremde Person vor. Wenn es dich belastet, dass er dir von ihr erzählt, kannst du ihn z. B. bitten, es dir nicht zu erzählen. Das würde ich jetzt im Nachhinein z. B. tun. Letztlich hat es mir im Nachhinein weh getan, umso mehr ich von ihr erfahren habe und ich habe mich irgendwie automatisch mit ihr gemessen, mich verglichen, auch wenn ich es nicht wollte.

Vielleicht wäre es am besten, du sprichst das Thema Ex-Freundin offen an und sagst deinem Freund, was dich belastet. Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen: Wenn du es in dich hinein frisst, wird es mit der Zeit noch unerträglicher. Es wird wirklich schlimmer, als es jetzt im Moment für dich ist. Und da wäre offen darüber sprechen ein guter Ansatz. Es wird dir gut tun. Friss es dir zu Liebe nicht zu lange in dich hinein. Er wird dich verstehen, wenn du ihm wichtig ist.

Vielen Dank
Liebe tigerlilly,

zuallererst Danke für deine ausführliche Antwort!

Das mit dem liebessüchtig sein muss ich noch recherchieren, wäre mir so in den Sinn gekommen. Eine gewisse Tendenz zu emotionaler Abhängigkeit hin besteht aber gewiss. Von einem meiner Exfreunde war ich wirklich abhängig, er war sich dessen auch bewusst und hat es sich zu Nutze gemacht. Auch hatte ich sehr viele Freunde hintereinander, da es mir damals schwer/unmöglich fiel allein zu sein. Das hat sich seit meiner letzten Beziehung (1 Jahr her) deutlich gebessert, da ich mich bewusst nur auf mich konzentriert habe und das nach einiger Zeit auch genießen konnte. Aber die Angst wieder in so eine Abhängigkeit zu verfallen ist immer noch da.

Ich bin leider mit ein paar Tiefschlägen in der Kindheit aufgewachsen, die mich anscheinend heute noch belasten. War mit ca. 19 für ein paar Monate in einer psychologischen Beratung und habe mir schon überlegt, diese wieder aufzunehmen. Das Problem hatte ich bei den meisten Freunden (Die, die mir sehr am Herzen lagen und sich nur bedingt auf mich einlassen konnten. Jene, die ihrerseits sehr stark klammerten und einschränkten, habe ich bald verlassen, da ich dieses Verhalten selber gar nicht mag).
Darf ich noch fragen, ob du bestimmte Bücher im Sinn hast und mir vielleicht die Titel nennen könntest?

Du hast recht, hineinfressen geht auf die Dauer nie gut und verschlimmert alles nur. Vielleicht suche ich wirklich mal das offene Gespräch mit ihm.
Danke, du hast mir schon sehr geholfen!


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9. Februar 2016 um 19:42
In Antwort auf evalina93

Vielen Dank
Liebe tigerlilly,

zuallererst Danke für deine ausführliche Antwort!

Das mit dem liebessüchtig sein muss ich noch recherchieren, wäre mir so in den Sinn gekommen. Eine gewisse Tendenz zu emotionaler Abhängigkeit hin besteht aber gewiss. Von einem meiner Exfreunde war ich wirklich abhängig, er war sich dessen auch bewusst und hat es sich zu Nutze gemacht. Auch hatte ich sehr viele Freunde hintereinander, da es mir damals schwer/unmöglich fiel allein zu sein. Das hat sich seit meiner letzten Beziehung (1 Jahr her) deutlich gebessert, da ich mich bewusst nur auf mich konzentriert habe und das nach einiger Zeit auch genießen konnte. Aber die Angst wieder in so eine Abhängigkeit zu verfallen ist immer noch da.

Ich bin leider mit ein paar Tiefschlägen in der Kindheit aufgewachsen, die mich anscheinend heute noch belasten. War mit ca. 19 für ein paar Monate in einer psychologischen Beratung und habe mir schon überlegt, diese wieder aufzunehmen. Das Problem hatte ich bei den meisten Freunden (Die, die mir sehr am Herzen lagen und sich nur bedingt auf mich einlassen konnten. Jene, die ihrerseits sehr stark klammerten und einschränkten, habe ich bald verlassen, da ich dieses Verhalten selber gar nicht mag).
Darf ich noch fragen, ob du bestimmte Bücher im Sinn hast und mir vielleicht die Titel nennen könntest?

Du hast recht, hineinfressen geht auf die Dauer nie gut und verschlimmert alles nur. Vielleicht suche ich wirklich mal das offene Gespräch mit ihm.
Danke, du hast mir schon sehr geholfen!


Emotionale Abhängigkeit
Ich freu mich, wenn ich dir helfen kann

In meinen letzten beiden Beziehungen war ich auch emotional sehr abhängig. Die Beziehungen hatte ich kurz nacheinander. Bei meinem letzten Freund war es am schlimmsten. Er war sich bewusst, dass ich emotional von ihm abhängig war und hat es richtig schön ausgenutzt. Er hat z. B. vor seinen Freunden geprahlt, dass er nur mit dem Finger schnippen müsse und ich würde alles für ihn tun. Mir gegenüber war er immer bemüht, es sich nie anmerken zu lassen, dass er mit mir "spielt". Er hat ein Theaterstück vom Feinsten abgezogen. Als ich seine Worte von einem gemeinsamen Freund gehört habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Es hat im ersten Moment unglaublich weh getan. Ich war sehr lange blind, hab in der Zeit auch meine Familie und Freunde irgendwie vernachlässigt. Meine Familie und Freunde haben es bemerkt, dass etwas mit mir ganz und gar nicht stimmt und haben mich ständig vor ihm gewarnt. Als ich die Beziehung dann aus einem Impuls heraus im Streit beendet hab, weil ich mich wie seine Marionette gefühlt habe, ging es mir erstmal eine Zeit lang richtig schlecht. Es hat so vieles an mir gezehrt. Alleine das Wissen, dass du damit nicht alleine bist, hilft schon ungemein finde ich.

Ich hatte damals bereits einen Termin bei einer Therapeutin vereinbart, der jedoch weit in der Zukunft lag. Also hab ich mich selbst damit auseinander gesetzt, vieles selbst recherchiert und mir das Buch "Liebe und Abhängigkeit - wie wir große Abhängigkeit in einer Beziehung beenden können" von Dr. Howard M. Halpern gekauft. Das Buch besteht zum Teil aus Kurzgeschichten von emotional abhängigen Personen. Der Autor beschreibt, wie es zu bestimmten Situationen gekommen ist, deckt die Gründe auf und erklärt, wie man da wieder raus kommt. Es war für mich wirklich sehr hilfreich. Was für mich auch sehr hilfreich war, war die Recherche nach "gefühllosen" Menschen. Ich hab dadurch erkannt, dass mein Ex ein Narzisst ist. Das hat mir auch geholfen, das Geschehene aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und meine Schuldgefühle los zu werden, die er hinterlassen hat.

Geh einfach in dich, tausch dich mit anderen Leuten aus, denen es ähnlich geht, lies ein hilfreiches Buch. Dann kommst du aus diesem "Tief" vielleicht bald von alleine heraus. Wenn alles nichts nützt, besteht noch die Möglichkeit, die Therapie wieder auf zu greifen.

Ansonsten kannst du mal mit deinem Freund offen sprechen. Ein Mensch, dem du wichtig bist, der hört es sich an und ist weiterhin für dich da.

Ich drück dir ganz fest die Daumen. Wenn du dich austauschen möchtest, bin ich gerne für dich da

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