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Streit mit Freundin: wie mit unterschiedlichen Einstellungen umgehen?

20. Januar 2015 um 13:19

Hallo,

ich bin neu hier und würde mich über eure Meinungen freuen.

Folgendes: Ich (w) bin seit vielen Jahren mit einer Frau (T.) befreundet (freundschaftlich, nichts Lesbisches), die ich sehr mag. Vor einigen Tagen hatten wir uns heftig gestritten. Hintergrund ist folgender: Sie trifft sich seit einigen Monaten mit einem Mann und hat sich in ihn verliebt. Dieser Mann wohl auch in sie. Trotzdem bekommt er es nicht auf die Reihe, sich von seiner Partnerin zu trennen, mit der er wohl schon langjährig zusammen ist. In den letzten Monaten hieß es immer, dass es schwierig ist, eine günstige Wohnung zu finden, er war mit ihr aber auch noch mal im Urlaub. T. und er treffen sich ungefähr einmal in der Woche, auch im Bett läuft da was. Immer mal wieder beendet eineR der beiden das Ganze. Ein paar Tage später kommt es dann zur Aussprache, und danach geht es wieder so weiter. So bekomme ich immer wieder SMSen mit dem Inhalt "Ich bin traurig, es ist vorbei" oder "Alles ist wieder gut", hin und her. Zwischenzeitlich hat meine Freundin all ihren Freunden mitgeteilt, dass sie nicht mehr über dieses Thema reden wolle, obwohl ich ihr schrieb, dass sie dies natürlich könne. Sie erzählt und schreibt auch nach wie vor von ihm, hat aber vor einigen Wochen noch mal deutlich gesagt, dass das Thema nach wie vor tabu sei.

Bei der letzten Aussprache vergangene Woche hat er ihr gestanden, sich in sie verliebt zu haben und sich auch endgültig von seiner Partnerin trennen zu wollen. Es stellte sich wohl heraus, dass seine Partnerin bis dato noch gar nichts von einer geplanten Trennung wusste. Jetzt wolle er ihr das aber sagen, was er auch wohl getan hat. Daraufhin hat er T. geschrieben, dass seine "Ex" jetzt wohl Schwierigkeiten macht, sie hat mir dann geschrieben, dass es ihr jetzt wieder schlecht geht und sie Angst hat, dass er wieder zu seiner Ex zurückkehrt.

Mir geht es hier nicht um eine Beurteilung dieser Situation oder um moralische Fragen. In all diesem Hin und Her habe ich meiner Freundin aber schon mehrfach gesagt, dass ich sehr skeptisch in Bezug auf diesen Mann bin. Ich merke ja, dass es ihr nicht gut tut. Andererseits ist sie verliebt und wünscht sich eine Beziehung. Es ist sogar so, dass sie sagt, dass sie lieber diese Dreiecksbeziehung möchte als gar nichts von ihm zu haben, weil sie sich so einsam fühlt. Das kann ich nur schwer verstehen, weil ich selber der Meinung bin, dass man mit seinem Leben auch ohne Partner eine Menge Lebenswertes finden kann. Auch wenn ich verstehen kann, dass sie Sehnsucht nach Zweisamkeit hat.

Als sie jetzt von ihrer Angst schrieb, dass er sich doch wieder für die andere entscheidet, wollte sie gerne von mir hören, dass alles gut wird. Und hier komme ich in einen Konflikt: Einerseits wünsche ich T. sehr, dass sie glücklich wird. Andererseits kann ich auch nicht leugnen, dass ich skeptisch bin, ob das mit diesem Mann was wird. Sie hat mir dann vorgeworfen, dass sie sich mir gegenüber immer verteidigen müsse und dass ich all das ja sowieso nicht verstehen könne, weil, wenn ich bei ihrem letzten Gespräch dabei gewesen wäre, wüsste ich, dass alles gut wird.

Ich kann verstehen, dass sie sich Unterstützung von mir wünscht. Aber ich sehe das alles nun mal skeptisch und kann nicht einfach, gegen meine eigene Einstellung schreiben, dass alles gut wird und er zu ihr kommen wird. Jetzt habe ich meine Skepsis sehr deutlich geäußert und mich später auch dafür entschuldigt. Aber wie würdet ihr mit so einer Situation umgehen, wenn ihr eine andere Meinung habt als der Freund, der sich eure Unterstützung wünscht?

Danke fürs Duchlesen.

P.S.: Ich selber habe lange Zeit allein gelebt und war lange Single. Kenne also auch die Sehnsucht (aber eben auch meinen Umgang damit, mich auf anderes zu konzentrieren und auch ein bißchen meine Freiheit auszuleben). Inzwischen bin ich seit einigen Jahren glücklich verheiratet.

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20. Januar 2015 um 13:29

Notfalls...
... kann ich einem Freund auch sagen, dass ich ihm zu einem bestimmten Thema nicht raten kann, weil ich mich in seine Perspektive so überhaupt nicht hinein versetzen kann. Selten, kommt aber vor Ein Rat, was für *mich* richtig wäre, wird für *ihn* nur bedingt helfen, wenn er (in welcher Art auch immer) eine andere Einstellung / Perspektive hat. Was die richtige Entscheidung für mich wäre, kann für ihn die falsche sein. Allgemein, in jeder Situation. Kann ich das nicht richtig differenzieren bzw. nicht in seine Perspektive wechseln, versuche ich mich da ganz herauszuhalten - nachdem ich meine Meinung zumindest mal geäussert habe.

Auf jeden Fall aber versuche ich zu verhindern, dass ich in solche "Schleifen" gezogen werde. Egal ob Freund(in) oder Bekannter oder Sachthemen, die gleiche Antwort auf die gleiche Frage zu geben, bringt ab der 3. Wiederholung ganz und gar nichts mehr. Dann geht man entweder das Ganze von einem anderen Ansatzpunkt aus an oder man blockt es ganz ab, denn für alle Beteiligten hat es (meiner Meinung nach) keinen Wert mehr, Schleifen zig mal zu durchlaufen.

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20. Januar 2015 um 13:45

Wenn ihr
gute Freunde seid, dann muss sie auch mit Kritik von dir klar kommen. Und das kannst du ihr auch so sagen. In einer Freundschaft schmiert man sich nicht nur Honig ums Maul, sondern redet auch mal Klartext.

Und dass sie ein ziemlich ungesundes Verhalten an den Tag legt und sich selbst rund um die Uhr widerspricht kannst du ihr auch so ins Gesicht sagen, du meinst es ja nicht böse.

Und wenn sie schon sagt, dass sie nicht mehr darüber reden will, dann soll sie sich entweder daran halten oder Kritik vertragen können, anders macht sie sich nur ihre Freundschaften kaputt.

Tut mir leid, aber man liest hier immer wieder von Frauen die in ähnlichen Situationen sind und irgendwann anfangen sich abzukapseln und wenn sie merken, dass sie ganz schön in der sch*** stecken und Unterstützung gebrauchen könnten ist es schon zu spät. Und dass solltest du ihr vielleicht auch sagen.

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20. Januar 2015 um 14:24

Danke für eure Antworten!
Es beruhigt mich ein wenig in meinem Standpunkt.

@cefeu, ja, gestern habe ich es ein wenig übertrieben mit meiner Skepsis. Es war fast auf die Minute genau eine Woche her seit der letzten Hiobsbotschaft, ich habe auf der Fahrt von der Arbeit fast an derselben Stelle auf der Autobahn gestanden wie eine Woche vorher. Grundsätzlich habe ich ihr aber schon deutlich gemacht, dass sie sich zum einen auf meine Freundschaft verlassen kann, zum anderen dass ich möchte, dass es ihr gut geht. Auch gestern wollte ich gar nicht, dass sie sich verteidigt oder begründet, warum sie handelt, wie sie handelt. Aber ich wollte eben auch darstellen, dass ich das alles anders sehe als sie. Sie sagt mir dann, dass ich sie verstehen könnte, wenn ich wüsste, was in ihrem Gespräch mit ihm gelaufen wäre. Und da lauert der nächste Fettnapf namens "Redeverbot".

Ich kann mit euren Antworten eine Menge anfangen und werde jetzt mal überlegen, wie ich "verletzungsfrei" mit ihr umgehen kann.

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21. Januar 2015 um 0:48

Ganz einfach:
komplett raushalten!

Meine Freundinnen und selbst meine Eltern lagen stets falsch bei der Einschätzung, welcher Mann zu mir passt. Die, die sie favorisierten, entpuppten sich als die größten A* und meinen jetzigen Ehemann hat niemand für den Richtigen gehalten.

Heute will natürlich keiner mehr was von seinem gefasel wissen.

Seit dieser Erfahrung (dass der Richtige derjenige war, den alle für den Falschen hielten), halte ich mich bewusst aus den Beziehungen anderer heraus.
Früher habe ich gerne kummerkastentante gespielt. Natürlich habe ich mich geschmeichelt gefühlt, ein Stück weit war ich neugierig.

Letztendlich ist es aber am stressfreisten, die anderen einfach machen zu lassen!
Ich maße mir genauso wenig an, für meine Freundinnen Mr Right erkennen zu können, und selbst wenn ich einen Typen für total schlimm halte, dann machen sie ja trotzdem, was sie wollen. ... Und fliegen auch mit meinem Rat auf die Nase!

Ich kann allen hier dringend dazu raten, sich aus den Beziehungskisten anderer rauszuhalten.

Wenn man nämlich jemanden falsch einschätzt, dann kann das eine Freundschaft auch belasten!
Ich fühle mich meinen Freundinnen nicht mehr so verbunden, die mir alle von meinem Ehemann abgeraten haben...

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21. Januar 2015 um 7:55

Zitat:
Sag ihr: "Ich weiß, dass du dir wünschst, dass ich dir jetzt sage, dass alles gut wird. Tut mir leid, das kann ich nicht. Ich kann dir nichts Positives dazu sagen, du weißt ja, wie ich darüber denke. Aber ich wünsche dir von Herzen, dass sich dein Wunsch erfüllt." (Zitatende)

Genau das habe ich ihr bereits gesagt, sogar noch ausführlicher, dass sie sich immer auf unsere Freundschaft verlassen kann, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben. Das hat sie aber komplett ignoriert und will eben nur hören, dass alles gut wird... das machts schwierig.

@ heartsease, danke auch für deine Einschätzung. Das mit dem Raushalten hat ja nun nicht funktioniert. Trotz "Redeverbot" bin ich ja immer über den aktuellen Stand informiert worden. Raushalten wäre mir am liebsten gewesen...

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21. Januar 2015 um 8:11
In Antwort auf kocolores

Zitat:
Sag ihr: "Ich weiß, dass du dir wünschst, dass ich dir jetzt sage, dass alles gut wird. Tut mir leid, das kann ich nicht. Ich kann dir nichts Positives dazu sagen, du weißt ja, wie ich darüber denke. Aber ich wünsche dir von Herzen, dass sich dein Wunsch erfüllt." (Zitatende)

Genau das habe ich ihr bereits gesagt, sogar noch ausführlicher, dass sie sich immer auf unsere Freundschaft verlassen kann, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben. Das hat sie aber komplett ignoriert und will eben nur hören, dass alles gut wird... das machts schwierig.

@ heartsease, danke auch für deine Einschätzung. Das mit dem Raushalten hat ja nun nicht funktioniert. Trotz "Redeverbot" bin ich ja immer über den aktuellen Stand informiert worden. Raushalten wäre mir am liebsten gewesen...

Das kannst Du nur aktiv abblocken
"sie wird Dir nicht mehr berichten" wird niemals funktionieren. Nicht bei Deiner Freundin und auch bei den meisten anderen Personen / meisten anderen ähnlichen Situationen nicht.

So weit kannst Du Dich doch in ihre Perspektive noch hinein versetzen, dass Du auch weisst, dass das so nie kommen wird - also nicht, ohne dass die ganze Situation noch um min. 3 Etagen tiefer abstürzt - oder?

Du kannst das Thema nur aktiv abblocken, so lange sie immer wieder in dieser Schleife ist, denke ich (und andere hier ja auch)
Das, was rundp weiter unten schrieb, finde ich auch wichtig:
"Tut mir leid, aber man liest hier immer wieder von Frauen die in ähnlichen Situationen sind und irgendwann anfangen sich abzukapseln und wenn sie merken, dass sie ganz schön in der sch*** stecken und Unterstützung gebrauchen könnten ist es schon zu spät. Und dass solltest du ihr vielleicht auch sagen."
=> lass es bei Dir und ihr nicht so weit kommen - und das geht eigentlich nur, indem Du jetzt abblockst.

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