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Streit: Hilfe bei Ursachenanalyse und Tipps gesucht

1. Juni 2016 um 9:47

Hallo zusammen

Mein Freund und ich (beide Mitte 20) sind schon seit über 8 Jahren zusammen und haben es eigentlich wirklich sehr gut und sind uns auch sehr nahe. Dennoch gibt es immer mal wieder Situationen wie gestern, in denen wir streiten. Ich wäre wirklich dankbar für eine objektive Beurteilung der Situation.

Ich fahr zu ihm, wir haben es gut, kochen was zusammen. Während dem Essen diskutieren wir über Politik (zum Beispiel) und reden uns beide etwas in Rage (wir sind nicht grundsätzlich anderer Meinung, aber waren beide irgendwie etwas streitlustig gestern)
Wir diskutieren dann ganz unterschiedliche Themen und widersprechen uns fast prinzipiell immer (das ist nicht immer so, nur an seltenen Tagen). Wir diskutieren weiter und weiter bis wir nach ca 3 Stunden ins Bett wollen. Im Bett diskutieren wir noch weiter. Irgendwann sind wir beide genervt voneinander. Ich möchte aber nicht so "streiten" einschlafen. Er sagt, er könne jetzt aber nicht auf mich zu kommen, weil er genervt ist. Er ging dann in ein anderes Zimmer schlafen, sagte, er brauche Zeit. Am Morgen als ich gehen musste, ging ich zu ihm und fragte, wie wir denn nun verbleiben. Er sagte, er will seine Ruhe haben, weil ich nicht einfach seine Nähe erpressen kann. Ich fragte ihn, ob er denn will, dass ich so gehe. Er bejahte und schlief weiter als ich ging.

Nun. Natürlich kann man schon früh ansetzen und sagen, wir hätten viel eher mit der Diskussion aufhören sollen. Ja, seh ich auch so.
Aber gegeben, dass wir beide schon genervt voneinander sind, tut es mir einfach weh, wenn wir so getrennt schlafen und dann auch nicht versöhnt auseinander gehen. Er fühlt sich dann aber jeweils von mir gezwungen im Sinne von "du musst jetzt aber lieb zu mir sein", was ich ja auch verstehen kann. Ich fühle mich zurückgewiesen und mir wäre es wichtig, sich zu versöhnen. Ich fühle mich dann schlecht, weil ich schon die ganze Nacht vergebens gehofft habe, dass er auf mich zu kommt. Und dann auch am Morgen nicht.

Er wird sich vermutlich heute telefonisch bei mir melden, sehen werden wir uns aber wohl bis zum Wochenende nicht mehr. Solche Dinge entstehen oft dann, wenn wir uns danach einige Tage nicht sehen, weil ich dann umso verletzter bin, wenn wir es nicht schaffen, uns zu versöhnen. Würden wir uns heute sowieso sehen, würde ich das wohl auch etwas entspannter sehen.

Wieso haben wir manchmal so Tage, an denen wir einfach nicht stoppen können, bevor wir genervt sind? Wäre es schlauer, ich würde dann, wenn wir schon genervt sind, direkt nach Hause fahren, damit ich gar nicht von ihm verlangen kann, dass wir uns versöhnen und er sich nicht so unter Druck gesetzt fühlt? Ich denke, ich werde nie erreichen können, dass er mich dann wirklich in den Arm nimmt, wie ich es mir wünschen würde. Ich möchte aber diese Streits verhindern.

Danke für jeden Tipp!!

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1. Juni 2016 um 9:59

Streits verhindern?
oder einfach mal "Streiten lernen". - Wie wäre es damit?

Ich denke nicht, dass man Streits immer verhindern kann - und sollte.
Für mich klingt das so, als hättet Ihr beide "einfach" zu wenig Übung, mit solchen Situationen umzugehen, eben weil das bei Euch so selten ist.

Stellt Regeln auf - bei mir und meinem Mann gibt es bespielsweise die hoch - heilige Regel, dass wir uns NIE zerstritten schlafen legen. Spätestens vor dem Einschlafen muss jeder Streit geklärt sein.

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1. Juni 2016 um 10:11
In Antwort auf avarrassterne1

Streits verhindern?
oder einfach mal "Streiten lernen". - Wie wäre es damit?

Ich denke nicht, dass man Streits immer verhindern kann - und sollte.
Für mich klingt das so, als hättet Ihr beide "einfach" zu wenig Übung, mit solchen Situationen umzugehen, eben weil das bei Euch so selten ist.

Stellt Regeln auf - bei mir und meinem Mann gibt es bespielsweise die hoch - heilige Regel, dass wir uns NIE zerstritten schlafen legen. Spätestens vor dem Einschlafen muss jeder Streit geklärt sein.

Das tönt gut,
ich weiss aber leider nicht, wie das zu erreichen ist.

Die Situationen sind selten, aber über die 8 Jahre hinweg hat sich das dennoch als Muster eingeschlichen , dass wir uns dann immer gleich verhalten.

Ich persönlich wäre sehr für deine Lösung, nicht streiten schlafen zu gehen. Ich würde mir wünschen, dass wir kuscheln einschlafen. Aber ich merke auch, dass ich selbst etwas zu genervt dann von ihm bin, um ihn wirklich lieb wahrnehmen zu können. Und er braucht dann leider auch oft seine Zeit, um sich zu beruhigen. Am Tag wären das eventuell nur 15 Minuten und dann wäre alles wieder gut. In der Nacht schläft er aber in diesen ca 10 Minuten, die er braucht, um sich zu beruhigen, bereits schon ein. Am Morgen schläft er länger als ich. Entweder "weck" ich ihn dann, dann ist er aber erst recht genervt, oder ich fahr ohne Aussprache von ihm weg.

Irgendetwas sagt mir, dass die einzige Lösung zumindest kurzfristig wohl wäre, dass ich einfach gehe. Er würde dann am nächsten Tag auch wieder auf mich zukommen. Aber irgendwie stell ich mir auch die Frage: wo sind denn meine Bedürfnisse? Ist es egal, dass ich dann einfach darauf verzichten muss, dass wir Kuschelnd einschlafen? Vermutlich würde es uns weiter bringen, aber irgendwie bin ich auch zu stolz, ihm da so fest entgegen kommen zu müssen, ohne dass er einen Kompromiss eingehen muss.

Streiten lernen. Hmm. Es war gestern zu keinem Punkt so, dass wir uns angeschrien haben. Wir waren beide etwas zickig, besserwisserisch, penetrant, mühsam.. bis wir dann beide genervt waren. Aber es gibt keinen Grund zu streiten. Wir konnten einfach nicht früher genug aufhören. Jetzt bin ich traurig, weil es ihm nichts wert ist, ohne Streit zu schlafen.

Ich wäre wirklich sehr froh, Tipps/Einschätzungen von dir zu hören, da ich schon viel von dir gelesen habe und ein heimlicher Fan von dir bin.

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1. Juni 2016 um 10:15

Ja,
Vermutlich triffst du ins Schwarze. Wir sind beide zu stolz und zu besserwisserisch. Und auch wenn ich weiss, dass nach Hause fahren vermutlich sinnvoll wäre, kommt es mir dann irgendwie wie eine Niederlage vor.

Kann gut sein, dass das für unser Alter normal ist. Aber was heisst das dann? Dass wir damit leben müssen? Dass wir uns trennen müssen? Oder können wir etwas dagegen tun?

Eine Option wäre z.B. dass ich bewusst über meinen Schatten springe und mich in Zukunft so verhalte, wie er es gerne hätte. Die Chance wären gar nicht so schlecht, dass er mir dann auch eher entgegen kommen würde... macht das Sinn?

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1. Juni 2016 um 10:39

Vielleicht sogar einfacher,
weil es dann ja nicht so "lange" Phasen gibt, in denen wir uns nicht sehen. Oder viel schlimmer. Je nachdem. Man weiss es nicht

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1. Juni 2016 um 10:41

So
würde ich das nicht sagen, nein.

Es ist nicht so, dass das jeden Tag passiert. Wir haben eine wirklich sehr liebevolle Beziehung, sind beste Freunde, bedeuten uns sehr viel und haben uns sehr bewusst für die Beziehung entschieden (auch nachdem er für einige Zeit ohne mich im Ausland war).

Das ist quasi unser einziger "Streitpunkt", unser einziges Problem. Ich fände es schon fast absurd, deswegen unsere sonst sehr gut funktionierende Beziehung über den Haufen zu werfen. Ich würde nur sehr gerne dieses eine Problem lösen.

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1. Juni 2016 um 10:54

Naja,
zum Beispiel gerade gestern haben wir uns keine Vorwürfe gemacht, uns nicht beleidigt, nicht gedroht, es ist nicht ausgeartet und wir haben auch nicht geschrien. Wir waren nur nicht imstande, nicht "streitend" einzuschlafen. Es ist also nicht so, dass es so richtig schlimm eskaliert, nur so, dass wir einander einfach nicht mehr nahe sind.

Kompromissbereitschaft? Haben wir grundsätzlich beide, aber wenn es hart auf hart kommt irgendwie dann doch nicht mehr. Inzwischen hat er mich angerufen und wir haben kurz telefoniert, er hat mich gefragt, was mir denn gestern wichtig gewesen wäre und wir haben uns darauf geeinigt, uns beide etwas zu beruhigen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu besprechen, wie wir in Zukunft mit einer solchen Situation umgehen möchten. Wir sind also beide bereit, auf den anderen zuzugehen, wir wissen nur nicht genau wie, und wie wir das, wenn es hart auf hart kommt, dann auch umsetzen können.

Wir haben sehr grosses Vertrauen ineinander, wir sind beste Freunde und sprechen über alles und sind grundsätzlich auch sehr tolerant dem Anderen gegenüber. Ich weiss gar nicht, wie es zu solchen Tagen kommt, an denen wir beide so streitlustig sind. Aber irgendwie zeichnet es sich dann schon ab, wenn wir über Stunden immer weiter über ein total unwichtiges Thema diskutieren. Man müsste dann dort halt früher bremsen.

Heimfahren wäre eine Niederlage für unsere Beziehung? Vielleicht. Was wäre denn keine Niederlage für unsere Beziehung? Ideal wäre, wenn wir kuschelnd einschlafen würden. Aber das schaffen wir ja irgendwie nicht. Ich kann nicht so richtig auf ihn zugehen und er erst recht nicht. Gegeben, dass es "eskaliert" (insofern als dass wir nicht mehr einfach so aufeinander zu gehen können) ist, was können wir dann tun, was keine "Niederlage" sondern das Beste in der Situation ist?

Ich habe vorher am Telefon erfahren, dass mein Freund die Diskussion schon länger hätte beenden wollen und sich eigentlich gewünscht hätte, dass wir z.B. einfach kuscheln. Er hat das aber nicht kommuniziert, sondern auch weiter diskutiert und insgeheim gehofft, dass ich "aufhöre". Wenn er das in Zukunft besser kommuniziert und ich selbst schon früher bemerke, dass er nicht mehr diskutieren will, dann könnten wir solche Situationen wohl eher vermeiden. Aber ganz vermeiden lassen sich solche Dinge wohl dann doch nie.

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1. Juni 2016 um 11:24
In Antwort auf luc_12134483

Das tönt gut,
ich weiss aber leider nicht, wie das zu erreichen ist.

Die Situationen sind selten, aber über die 8 Jahre hinweg hat sich das dennoch als Muster eingeschlichen , dass wir uns dann immer gleich verhalten.

Ich persönlich wäre sehr für deine Lösung, nicht streiten schlafen zu gehen. Ich würde mir wünschen, dass wir kuscheln einschlafen. Aber ich merke auch, dass ich selbst etwas zu genervt dann von ihm bin, um ihn wirklich lieb wahrnehmen zu können. Und er braucht dann leider auch oft seine Zeit, um sich zu beruhigen. Am Tag wären das eventuell nur 15 Minuten und dann wäre alles wieder gut. In der Nacht schläft er aber in diesen ca 10 Minuten, die er braucht, um sich zu beruhigen, bereits schon ein. Am Morgen schläft er länger als ich. Entweder "weck" ich ihn dann, dann ist er aber erst recht genervt, oder ich fahr ohne Aussprache von ihm weg.

Irgendetwas sagt mir, dass die einzige Lösung zumindest kurzfristig wohl wäre, dass ich einfach gehe. Er würde dann am nächsten Tag auch wieder auf mich zukommen. Aber irgendwie stell ich mir auch die Frage: wo sind denn meine Bedürfnisse? Ist es egal, dass ich dann einfach darauf verzichten muss, dass wir Kuschelnd einschlafen? Vermutlich würde es uns weiter bringen, aber irgendwie bin ich auch zu stolz, ihm da so fest entgegen kommen zu müssen, ohne dass er einen Kompromiss eingehen muss.

Streiten lernen. Hmm. Es war gestern zu keinem Punkt so, dass wir uns angeschrien haben. Wir waren beide etwas zickig, besserwisserisch, penetrant, mühsam.. bis wir dann beide genervt waren. Aber es gibt keinen Grund zu streiten. Wir konnten einfach nicht früher genug aufhören. Jetzt bin ich traurig, weil es ihm nichts wert ist, ohne Streit zu schlafen.

Ich wäre wirklich sehr froh, Tipps/Einschätzungen von dir zu hören, da ich schon viel von dir gelesen habe und ein heimlicher Fan von dir bin.

Oh
ein heimlicher Fan? *gebauchpinselt fühlt*

Ok, im Ernst: Es war zu keinem Zeitpunkt so, dass Ihr Euch angeschrien habt, sagst Du - nun, ich finde, das ist gar nicht unbedingt das wichtige Kriterium (ausser einer kann damit gar nicht umgehen natürlich).
Fang mal einen Punkt (oder ein paar Punkte) weiter unten an:
Es wurde nicht geschrien.
Es ging um kein "kriegsentscheidendes" Thema.
Es war "einfach nur" eine Meinungsverschiedenheit und kollektive Zickigkeit. - Auf den ersten Blick nichts drastisches dabei.
Also was ist es denn dann, was Ihr so persönlich nehmt, was den Stolz und die Emotionen so hochkochen lässt (musst Du nicht mir beantworten, Dir / Euch reicht, mich geht es eigentlich nichts an )? Es wäre m.E. wichtig, dass Ihr das a) vom anderen wisst, damit Ihr vielleicht lernt, auf diesen Punkten etwas zurückhaltender herumzutrampeln und b) Eure eigenen Reaktionen in so einem Streit besser einschätzen und ggf. auch etwas zügeln könnt.

Mein Mann und ich, wir streiten uns oft. Sehr oft. Mit lauten / sehr lauten Stimmen und fliegenden Fetzen. Klingt sicher SEHR theatralisch von aussen.
Ist auch nicht so, dass wir keinen Stolz hätten und in einem Streit, der heftig geführt wird, ist es naturgemäss so, dass sich jeder der Beteiligten gerade auch fürchterlich sicher ist, im Recht zu sein, während der andere im Unrecht ist. Liegt in der Natur der Sache.
Wir neigen zwar generell nicht sehr dazu, so etwas persönlich zu nehmen, auch nicht, wenn die Wortwahl etwas... ähm... schwungvoller wird, aber nein, das kann natürlich nicht immer verhindern, dass beide sich auch mal gründlich angepi*** fühlen und das kleine Teufelchen auf der Schulter einem ins Ohr quieckt, dass man jetzt die beleidigte Leberwurst spielen sollte, bis der / die andere sich gefälligst entschuldigt. Demütigst. Auf Knien!

Ihr solltet Euch auf jeden Fall im klaren darüber sein, dass das völlig normal ist. So macht uns Menschen unser Konstruktionsplan.
Wenn man also Regeln aufstellt, muss man das berücksichtigen.
Wenn Ihr 15 oder auch 30 min zum Herunterfahren braucht, dann muss derjenige, der Schlafen gehen möchte, eben 30 / 45 min vorher "STOPP!" sagen - und BEIDE müssen dieses STOPP akzeptieren. Ohne "finisher" ohne "ich WILL aber jetzt meinen LOLLY!!!" oder whatever. - Dann tut 15 / 30 min lang jeder für sich, was auch immer Euch wieder von der Palme herunter purzeln lässt und dann könnt Ihr auch *gemeinsam* ins Bett gehen - und Euch, wenn's denn für Euch wichtig ist, auch beide entschuldigen.
Das spart den Kampf darum, wer denn jetzt der "Dumme" ist, der die Fehler gemacht hat und wer das "Engelchen", was Recht hatte. Ist eh selten, dass es da diese beiden Rollen wirklich gibt und in der eigenen Wahrnehmung ist man IMMER selbst das Engelchen und IMMER der andere das Teufelchen (und für den anderen ist es anders herum), sonst hätte es ja keinen engagierteren Streit gegeben sondern nur eine Diskussion / einen Meinungsaustausch.
-> so in der Art beispielsweise (!). Das muss man aber gemeinsam vorher besprechen und gemeinsam durchziehen, als Solo - Nummer funktioniert das nicht.

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1. Juni 2016 um 11:38

Finden wir überhaupt nicht.
Uns ist es wichtig, dass wir nicht nur ein Paar sind, sondern auch beste Freunde. Das schliesst einander meiner Meinung nach nicht aus, im Gegenteil: es ist die beste Basis für eine Beziehung.

Aber schlussendlich haben wir ja vielleicht einfach andere Begriffe für das Gleiche. Ich wollte damit nur sagen, dass zwischen uns sehr vieles stimmt und gut läuft.

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1. Juni 2016 um 11:41

Naja,
das Schlimme ist ja, dass es uns gar nicht um das Thema geht, wir also eigentlich schon akzeptieren können, dass wir nicht die gleiche Meinung haben. Wir haben sogar über verschiedene Themen geredet. Wenn wir uns bei dem einen "geeinigt" haben oder uns "geeinigt haben, dass wir uns nicht einigen", dann haben wir das nächste Thema gewählt. Wir wollten irgendwie einfach streiten. Komisch.

Ich denke, wichtig wäre es, vorher oder währenddem zu erkennen, dass wir beide gerade mal wieder so streitlustig sind. Und dann zu stoppen. Weil es ja nichts zu diskutieren gibt.

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1. Juni 2016 um 11:43

Eigentlich klappt
das bei uns auch ganz gut mit dem Versöhnen. Wir können gar nicht länger als einen Tag wütend aufeinander sein. Nur manchmal gibt es eben genau die Situation, die du oben beschrieben hast: Wenn der eine dann nicht mehr beleidigt ist, ist es dann der andere. Aber irgendwie ist es ja wirklich absurd, wenn man ja genau weiss, dass man sich wieder vertragen will. Wir wissen es ja beide, dass wir uns nicht lange böse sein können.

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1. Juni 2016 um 12:04
In Antwort auf avarrassterne1

Oh
ein heimlicher Fan? *gebauchpinselt fühlt*

Ok, im Ernst: Es war zu keinem Zeitpunkt so, dass Ihr Euch angeschrien habt, sagst Du - nun, ich finde, das ist gar nicht unbedingt das wichtige Kriterium (ausser einer kann damit gar nicht umgehen natürlich).
Fang mal einen Punkt (oder ein paar Punkte) weiter unten an:
Es wurde nicht geschrien.
Es ging um kein "kriegsentscheidendes" Thema.
Es war "einfach nur" eine Meinungsverschiedenheit und kollektive Zickigkeit. - Auf den ersten Blick nichts drastisches dabei.
Also was ist es denn dann, was Ihr so persönlich nehmt, was den Stolz und die Emotionen so hochkochen lässt (musst Du nicht mir beantworten, Dir / Euch reicht, mich geht es eigentlich nichts an )? Es wäre m.E. wichtig, dass Ihr das a) vom anderen wisst, damit Ihr vielleicht lernt, auf diesen Punkten etwas zurückhaltender herumzutrampeln und b) Eure eigenen Reaktionen in so einem Streit besser einschätzen und ggf. auch etwas zügeln könnt.

Mein Mann und ich, wir streiten uns oft. Sehr oft. Mit lauten / sehr lauten Stimmen und fliegenden Fetzen. Klingt sicher SEHR theatralisch von aussen.
Ist auch nicht so, dass wir keinen Stolz hätten und in einem Streit, der heftig geführt wird, ist es naturgemäss so, dass sich jeder der Beteiligten gerade auch fürchterlich sicher ist, im Recht zu sein, während der andere im Unrecht ist. Liegt in der Natur der Sache.
Wir neigen zwar generell nicht sehr dazu, so etwas persönlich zu nehmen, auch nicht, wenn die Wortwahl etwas... ähm... schwungvoller wird, aber nein, das kann natürlich nicht immer verhindern, dass beide sich auch mal gründlich angepi*** fühlen und das kleine Teufelchen auf der Schulter einem ins Ohr quieckt, dass man jetzt die beleidigte Leberwurst spielen sollte, bis der / die andere sich gefälligst entschuldigt. Demütigst. Auf Knien!

Ihr solltet Euch auf jeden Fall im klaren darüber sein, dass das völlig normal ist. So macht uns Menschen unser Konstruktionsplan.
Wenn man also Regeln aufstellt, muss man das berücksichtigen.
Wenn Ihr 15 oder auch 30 min zum Herunterfahren braucht, dann muss derjenige, der Schlafen gehen möchte, eben 30 / 45 min vorher "STOPP!" sagen - und BEIDE müssen dieses STOPP akzeptieren. Ohne "finisher" ohne "ich WILL aber jetzt meinen LOLLY!!!" oder whatever. - Dann tut 15 / 30 min lang jeder für sich, was auch immer Euch wieder von der Palme herunter purzeln lässt und dann könnt Ihr auch *gemeinsam* ins Bett gehen - und Euch, wenn's denn für Euch wichtig ist, auch beide entschuldigen.
Das spart den Kampf darum, wer denn jetzt der "Dumme" ist, der die Fehler gemacht hat und wer das "Engelchen", was Recht hatte. Ist eh selten, dass es da diese beiden Rollen wirklich gibt und in der eigenen Wahrnehmung ist man IMMER selbst das Engelchen und IMMER der andere das Teufelchen (und für den anderen ist es anders herum), sonst hätte es ja keinen engagierteren Streit gegeben sondern nur eine Diskussion / einen Meinungsaustausch.
-> so in der Art beispielsweise (!). Das muss man aber gemeinsam vorher besprechen und gemeinsam durchziehen, als Solo - Nummer funktioniert das nicht.

Danke
für deine ausführliche Antwort. Damit verstärkt sich meine Meinung von dir, dass du sehr reflektiert Sachverhalte analysieren kannst! Das ist wirklich sehr hilfreich, gerade wenn man selbst nicht mehr klar denken kann, weil man so befangen ist.

Es gibt übrigens auch Phasen, in denen wir uns ziemlich anschreien, wir sind wohl beide etwas "temperamentvolle" Leute Daher ist es auch sehr schön, eine Meinung von jemandem zu hören, der auch ein etwas schlimmerer Streit nicht direkt als Trennungsgrund ansieht.

Ich glaube, das Problem ist, dass wir beide sehr besserwisserisch sind und manchmal einfach nicht gerne einsehen können, dass der andere nicht genau so denkt wie wir. Es gibt da nicht gross irgendwelche versteckte Emotionen, denke ich. Aber vielleicht erkenn ich das auch zu wenig. Wir nehmen das im Grunde eigentlich auch nicht persönlich, wir sind weder verletzt noch traurig, sondern eher einfach genervt, dass der andere einem nicht einfach Recht gibt. Und so zieht sich dann die Diskussion in die Länge.

Ein wichtiger Punkt, den ich bereits im heutigen Gespräch mit meinem Freund erkannt habe und den du auch oben angedeutet hast: Mein Freund denkt sich dann manchmal schon länger, dass er endlich aufhören möchte mit der Diskussion, sagt es aber nicht. Er sagt es erst dann, wenn er dann wirklich total genervt ist und das Zimmer verlassen will. Wenn er das früher sagen würde, dann wäre es sicherlich auch mit der 30-Minuten-Regel kein Problem. Ich denke, dass man da gut ansetzen kann, dass er schon früher die Notbremse zieht.

Aber natürlich könnte ich auch früher erkennen, dass es eskaliert, weil auch ich dann ab einem gewissen Zeitpunkt ja auch genervt bin, wenn auch nicht so fest wie er.

Vielleicht ist es manchmal einfach schwer, zu erkennen, wann man diesen Punkt erreicht hat. Uns ist gestern im Verlaufe des Abends schon öfters aufgefallen, dass wir sehr streitlustig unterwegs sind, uns ist aber irgendwie nicht bewusst gewesen, dass das so schnell "umschalten" kann, dass wir dann total genervt sind.

Das mit den "auf Knien entschuldigen": Irgendwie weiss ich gar nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Weil es wirklich nach jedem Streit bei mir im Kopf so aussieht "Jetzt soll er aber wirklich angekrochen kommen bei mir und sich gefälligst in aller Form bei mir entschuldigen." Mit der Zeit legt sich das wieder ein wenig und ich versuch auch selbst, ihm entgegen zu kommen. Aber ich zieh dann die Streits trotzdem manchmal noch unnötig in die Länge mit dem Gedanken "er hat mich verletzt, das soll er gefälligst merken und er soll jetzt auch leiden". Das ist so kindisch, aber irgendwie kann ich das einfach nicht ganz abschalten. Vielleicht sollte ich dann zwischendurch mal zum Sport gehen, das hilft manchmal

Ich werde mir auf jeden Fall noch Gedanken machen zu deinen Vorschlägen, mir überlegen, was genau dahinter stecken könnte (z.B. auch weshalb wir so streitlustige Tage haben) und mich dann in Ruhe nochmals mit meinem Freund über eine Strategie/einen Notfallplan unterhalten.

Auf jeden Fall hat mir dieser Thread hier schon mal geholfen, einzusehen, dass es solche Situationen halt einfach auch mal geben kann. Und man dann sinnvoll damit umgehen lernen muss, und nicht zwingend diese Situationen immer verhindern kann.

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1. Juni 2016 um 12:37
In Antwort auf luc_12134483

Danke
für deine ausführliche Antwort. Damit verstärkt sich meine Meinung von dir, dass du sehr reflektiert Sachverhalte analysieren kannst! Das ist wirklich sehr hilfreich, gerade wenn man selbst nicht mehr klar denken kann, weil man so befangen ist.

Es gibt übrigens auch Phasen, in denen wir uns ziemlich anschreien, wir sind wohl beide etwas "temperamentvolle" Leute Daher ist es auch sehr schön, eine Meinung von jemandem zu hören, der auch ein etwas schlimmerer Streit nicht direkt als Trennungsgrund ansieht.

Ich glaube, das Problem ist, dass wir beide sehr besserwisserisch sind und manchmal einfach nicht gerne einsehen können, dass der andere nicht genau so denkt wie wir. Es gibt da nicht gross irgendwelche versteckte Emotionen, denke ich. Aber vielleicht erkenn ich das auch zu wenig. Wir nehmen das im Grunde eigentlich auch nicht persönlich, wir sind weder verletzt noch traurig, sondern eher einfach genervt, dass der andere einem nicht einfach Recht gibt. Und so zieht sich dann die Diskussion in die Länge.

Ein wichtiger Punkt, den ich bereits im heutigen Gespräch mit meinem Freund erkannt habe und den du auch oben angedeutet hast: Mein Freund denkt sich dann manchmal schon länger, dass er endlich aufhören möchte mit der Diskussion, sagt es aber nicht. Er sagt es erst dann, wenn er dann wirklich total genervt ist und das Zimmer verlassen will. Wenn er das früher sagen würde, dann wäre es sicherlich auch mit der 30-Minuten-Regel kein Problem. Ich denke, dass man da gut ansetzen kann, dass er schon früher die Notbremse zieht.

Aber natürlich könnte ich auch früher erkennen, dass es eskaliert, weil auch ich dann ab einem gewissen Zeitpunkt ja auch genervt bin, wenn auch nicht so fest wie er.

Vielleicht ist es manchmal einfach schwer, zu erkennen, wann man diesen Punkt erreicht hat. Uns ist gestern im Verlaufe des Abends schon öfters aufgefallen, dass wir sehr streitlustig unterwegs sind, uns ist aber irgendwie nicht bewusst gewesen, dass das so schnell "umschalten" kann, dass wir dann total genervt sind.

Das mit den "auf Knien entschuldigen": Irgendwie weiss ich gar nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Weil es wirklich nach jedem Streit bei mir im Kopf so aussieht "Jetzt soll er aber wirklich angekrochen kommen bei mir und sich gefälligst in aller Form bei mir entschuldigen." Mit der Zeit legt sich das wieder ein wenig und ich versuch auch selbst, ihm entgegen zu kommen. Aber ich zieh dann die Streits trotzdem manchmal noch unnötig in die Länge mit dem Gedanken "er hat mich verletzt, das soll er gefälligst merken und er soll jetzt auch leiden". Das ist so kindisch, aber irgendwie kann ich das einfach nicht ganz abschalten. Vielleicht sollte ich dann zwischendurch mal zum Sport gehen, das hilft manchmal

Ich werde mir auf jeden Fall noch Gedanken machen zu deinen Vorschlägen, mir überlegen, was genau dahinter stecken könnte (z.B. auch weshalb wir so streitlustige Tage haben) und mich dann in Ruhe nochmals mit meinem Freund über eine Strategie/einen Notfallplan unterhalten.

Auf jeden Fall hat mir dieser Thread hier schon mal geholfen, einzusehen, dass es solche Situationen halt einfach auch mal geben kann. Und man dann sinnvoll damit umgehen lernen muss, und nicht zwingend diese Situationen immer verhindern kann.

Mit solchen Dingen...
kann man das eigene Ego ein wenig austricksen.
Wenn man so genervt ist, kann man sich das vor dem "geistigen Auge" vorstellen. Vorzugsweise in allen schillernden farben und restlos "überzeichnet". Also stell Dir mal so genau wie möglich vor, vor er vor Dir kniet. Mit einem Blick und Augenaufschlag, der den besten Dackel vor Neid grün werden lässt. Und einer Rose zwischen den Zähnen. Und... was auch immer Dir noch schillerndes einfällt. Du wirst sehen, dass das Dein eigenes Gefühl des "genervt sein"s recht schnell ein gutes Stück wieder herunter kühlt, so dass Du wesentlich neutraler mit ihm weiter kommunizieren kannst. - Du kannst damit quasi das "später wird mir auch klar..." vorziehen, ohne dass er damit im Zugzwang ist, von sich aus nachzugeben und "den Deppen zu geben" - bzw. umgekehrt.

Dieses "der klügere gibt nach" ist etwas, was ich generell für nicht sinnvoll halte. Das führt nach meiner Erfahrung eigentlich immer dazu, dass immer nur der selbe nachgibt und derjenige wird über kurz oder lang ein gewaltiges Ungleichgewicht spüren und sich immer als "Verlierer" sehen. - Deswegen diese Vorschläge. Mal ganz abgesehen davon, dass ich Streit grundsätzlich nicht als etwas negatives empfinde, ich glaube in einer Beziehung, wo es keinen / sehr wenig davon gibt, käme ich nicht klar

Besser wäre beide runterkühlen und dann JEDER einen Schritt nach vorn. 3-2-1- HOPP! Als Grundregel.
Natürlich gibt es sehr wohl Situationen, wo tatsächlich *einer* Mist gemacht hat und sich entschuldigen muss, die meinte ich damit nicht - das gilt für die Streits, die Du beschrieben hast.

Ja, das war das, was ich mit "streiten lernen" meinte. Einiges daran ist, so blöd das klingt, eine reine "Übungssache". Menschen, wo so oft wie bei uns die Fetzen fliegen, sind einfach unendlich viel geübter darin, auch in so einer Situation noch zu erkennen, wann der "so, jetzt ist es aber auch genug" - Punkt gekommen ist.
Macht Euch Signale aus. Sagt nicht "Stopp" sondern zum Beispiel "Apfelkuchen!" - passt ziemlich sicher wahrscheinlich so sehr *nicht* in den Kontext, dass die Zunge von beiden schon automatisch erst einmal stolpert, weil es das Muster durchbricht.

Viel Glück, viel Erfolg - und viel Spass beim Üben

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1. Juni 2016 um 15:08

Hm...
So wie sich das liest, geht es um keine wesentlichen, inhaltlichen Differenzen zwischen euch, sondern um innere Spannungszustände, die ihr mittels - eigentlich sinnnloser - Streitgefechte stundenlang zu "bekämpfen" versucht.

Irgendwie zwanghaft das Ganze: sinnlose Streitereien nicht aufhören können und anschließend das sich immer wiederholende Drama von seinem Mauern und deinem Klammern. Ihr kreiert immer wieder dieselbe Situation und die finde ich nicht gesund.

Vielleicht hilft die Frage: wen oder was bekämpft da jeder für sich eigentlich wirklich ?

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Verliebt in die Affaire
Von: hajnal_12767228
neu
1. Juni 2016 um 13:27
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