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Ständige Vorwürfe

15. Juni 2014 um 14:35

Hallo,
ich habe mich gerade hier angemeldet, weil ich mich sehr verzweifelt fühle und gerne die objektive Meinung von Außenstehenden hätte.

Mein Freund (28) macht mir (24) ständig Vorwürfe. Dabei geht es zumeist um Charakterzüge oder Verhaltensweisen von mir. Ich merke, wie es mich sehr traurig macht, dass ständig an mir herumgemeckert wird. Die Palette an Vorwürfen ist nicht gerade klein.
War der Hauptvorwurf am Anfang unserer Beziehung noch, dass ich zu flirty und bitchy sei, geht es mittlerweile hauptsächlich um meine Geltungssucht, mein ständiges "in den Mittelpunkt stellen", meine Sturheit, meine kindliche Art, meine Uneinsichtigkeit, meine Kompromisslosigkeit, usw.

Es vergehen selten ein paar Tage, ohne dass es sich wieder darum dreht, dass ich etwas falsch gemacht habe. Und jeder Versuch, mit ihm darüber zu sprechen, endet schlichtweg damit, dass der Fehler bei mir liegt.

Beispiel: Vor ner halben Stunde habe ich dieses Thema gegoogelt. Er hat sich neben mich aufs Bett gesetzt und interessiert mitgeguckt. Als ich dann in einem Onlineratgeber Sätze wie "Vorwürfe sind destruktiv, nutzen sie stattdessen lieber Ich-Botschaften" fand, meinte er, dass er die Dinge auch genau so formuliert. Er findet, er würde das so machen.

Als wir dann darüber sprachen, ist es wieder eskaliert. Ich habe inständig versucht, zu vermitteln, dass man in einer Beziehung durchaus verschiedene Standpunkte und auch verschiedene Charakterzüge haben kann und sowas einfach akzeptieren muss.
Er hat doch dann knallhart gesagt: "Ja, aber meine Ansichten sind doch meistens die richtigen."
Als ich daraufhin protestierte kam ein anderer - gern von ihm gewählter - Satz: "Willst du dich denn nicht weiterentwickeln?" / "Dann entwickel dich eben nicht weiter."
Das sagt er meist dann, wenn ich seinen Standpunkt nicht übernehme, meine Sichtweise beibehalte und mich "uneinsichtig" zeige. Mir steht es wirklich bis hier.

Ich würde mir wünschen, dass er das Mal einsieht. Eine Beziehung heißt doch nicht, dass ich alles vom Partner übernehmen muss, oder ansonsten von ihm "gestraft" werde? Aber wie gesagt, seine Antwort darauf war ja, dass seine Ansichten ja meistens die richtigen seien. (Im Umkehrschluss wohl, dass meine falsch seien)
Wie kann ein Mensch sowas glauben? Es liegt doch klar auf der Hand, dass es zu einem Thema mehr als eine richtige Meinung gibt, dass es eben so viele Meinungen wie Menschen gibt.

Mir fehlt die Kraft dazu, mich immer wieder durch solche Diskussionen zu kämpfen. Wenn ich dann aus Trotz den Mund halte und dann auf Nachfrage sage "Ja, wir machen es so wie du willst, du hast Recht" .. ist es auch wieder nicht richtig. Denn man(n) möchte ja eine erwachsene, harmonische und ausbalancierte Beziehung.

Ich verstehs nicht. Ich kaufe mir doch auch keinen Apfel, wenn ich weder Schale, Fruchtfleisch, noch Kerngehäuse leiden kann und bin dem Apfel dann Böse, dass er keine Erdbeere ist. Aber genau so komm ich mir in dieser Beziehung manchmal vor. Ich sage dann auch schon mal Dinge wie "Dann trenne dich, wenn ich so scheiße bin." Aber andererseits betont er, mich zu lieben und dass er diese Dinge ständig ansprechen muss, weil er keine Lust hat, sich solch ein Verhalten bieten zu lassen.

Aber Mädels, das sind teilweise wirklich Mückenschisse. Neulich hatte ich beispielsweise keine Lust, direkt nach dem Essen abzuspülen und wollte erst einen Spaziergang machen. Das kommt bei mir in der Regel nicht vor. Ich spüle wirklich pflichtbewusst und meist zügig nach dem Essen ab. An diesem Abend aber halt mal nicht. Daraufhin gab es eine Diskussion, er wollte unbedingt, dass ich sofort abspüle, damit seine Aufgabe (er hat für uns gekocht) abgeschlossen ist. Er hat dabei auch betont, wie wichtig es ihm ist, Aufgaben abzuschließen. Ich respektiere das und wie gesagt: Es wäre mir neu, dass ich eine Abspülverweigerin bin und das bereits öfters vorkam.
Dennoch wurde ich dafür insofern gestraft, als dass er mich den ganzen Abend nicht mehr sehen wollte und wir die Nacht getrennt schlafend verbracht haben.

Ist das eine "normale" Reaktion auf den Vorfall? Bin ich hier zu uneinsichtig? Würdet ihr auch so reagieren, wenn euer Partner eurem Bedürfnis des sofortigen Abspülens mal nicht nachkommt? Ich muss sagen, bis vor ein paar Monaten, hat er den Abwasch gerne stundenlang vor sich hergeschoben. Egal wie sehr ich drum gebeten oder darauf beharrt habe, dass wir das "schnell" erledigen. Da wurde mir dann immer vorgeworfen, ich würde ihn unter Druck setzen, indem ich verlange, dass er es in absehbarer Zeit nach dem Essen tut. Und zumeist war er dann auch sauer auf mich, oder hat mich einfach nur ausgelacht.
Dann hat sich seine Einstellung zum Abwaschen eben vor ein paar Monaten geändert und nun sind ihm solche Dinge wichtig. Ich finde das sehr angenehm, kann aber angesichts dieser Vorgeschichte seine Härte mir gegenüber in dem Fall nicht verstehen.

Wie seht ihr das denn? Und kennt ihr solche Verhaltensweisen? Wie geht ihr damit um?
Bin ich zu empfindlich, oder schießt er mit seinen dauernden Vorwürfen und Konsequenzen übers Ziel hinaus?

Freue mich über Antworten.

Liebe Grüße,
Solnetsok

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15. Juni 2014 um 14:52

Aus unnötiger Diskussion aussteigen
Hi Solnetsok,

ich finde mich in deinen worten wieder; so ein exemplar habe ich auch.
Nun weiß ich aber, woher es bei ihm kommt (nicht, dass wir expliziet darüber gesprochen hätten): Er ist in seiner Familie als kleinster nie richtig ernst genommen worden und hat ne profilmeise.
Ist also SEIN problem.
wie bei deinem, verfallen Diskussionen bei ihm in doktrinäre Schwafelei. Schulmeisterliche Monologe.
Ich habe gelernt, nach 3 Jahren erst, damit klarzukommen:
knackiges KONTRA heisst das zauberwort. Und es fällt mir nicht immer leicht.
Knallhartsein. Keine große Reden schwingen. "Ich mach das so, wie es mir gefällt Haltung"- und gerne mal "WIE redest du eigentlich mit mir" und Tür zu.
Eigentlich bin ich auch von der Sorte, die Dinge auszudiskutieren und zu einem Konsens und einer Klärung zu kommen. Harmoniesüchtig. Aber ich zog da immer den kürzeren und blieb mit diesen Gefühlen zurück, die ich bei dir herauslese. Seit ich diese Diskussionen verweigere läuft es besser, ist da mehr respekt.
Es gibt Menschen, die messen ihren Wert daran, ob sie am Ende der Diskussion "siegen", und zwar um jeden Preis.
Und da machst du von jetzt an einfach nicht mehr mit...

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15. Juni 2014 um 15:11
In Antwort auf trestina

Aus unnötiger Diskussion aussteigen
Hi Solnetsok,

ich finde mich in deinen worten wieder; so ein exemplar habe ich auch.
Nun weiß ich aber, woher es bei ihm kommt (nicht, dass wir expliziet darüber gesprochen hätten): Er ist in seiner Familie als kleinster nie richtig ernst genommen worden und hat ne profilmeise.
Ist also SEIN problem.
wie bei deinem, verfallen Diskussionen bei ihm in doktrinäre Schwafelei. Schulmeisterliche Monologe.
Ich habe gelernt, nach 3 Jahren erst, damit klarzukommen:
knackiges KONTRA heisst das zauberwort. Und es fällt mir nicht immer leicht.
Knallhartsein. Keine große Reden schwingen. "Ich mach das so, wie es mir gefällt Haltung"- und gerne mal "WIE redest du eigentlich mit mir" und Tür zu.
Eigentlich bin ich auch von der Sorte, die Dinge auszudiskutieren und zu einem Konsens und einer Klärung zu kommen. Harmoniesüchtig. Aber ich zog da immer den kürzeren und blieb mit diesen Gefühlen zurück, die ich bei dir herauslese. Seit ich diese Diskussionen verweigere läuft es besser, ist da mehr respekt.
Es gibt Menschen, die messen ihren Wert daran, ob sie am Ende der Diskussion "siegen", und zwar um jeden Preis.
Und da machst du von jetzt an einfach nicht mehr mit...

Apfel-erdbeere
um es zu vervollständigen:
Wer nachgibt, das tust du ja letztlich weil du fair argumentierst, brücken baust, schätze ich, und er nur auf "sieg" aus ist, ist in so einer konstellation also der verlierer.
Und wer will denn einen verlierer an der seite haben...? Tja, fies.
Daher also: stark sein.

Aber eigentlich besser: Paartherapie machen!
Denn, ehrlich, auch wenn ich erfolg mit der methode habe:
Mein stil ist es eben ursprünglich auch nicht.
Trotzdem hat sich das verhältnis schon verbessert; auch streiten wir weniger über nonsens, weil er weiß, es gibt unangenehmen gegenwind. Das gegenüber lässt sich nicht so formen, dass er die kurzfristig befriedigung seines egos bekommt. Und die langfristige abtörnung hinterher...

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15. Juni 2014 um 15:37

Bitte sachlich und freundlich bleiben
Hallo, danke für die bisherigen Antworten.
Besonders deine Antworten, Trestina, helfen mir weiter.
Ich suche Rat, wie MIT solchem Verhalten am besten umzugehen ist, auch gerne Kontra gegenüber mir, denn ich tue keineswegs das, was Pacjam hier vermutet hat: mich kleinmachen.
Daher geraten wir ja so oft aneinander. Weil ich eben nicht klein bei gebe, sondern meinen Standpunkt bis aufs Äußerste verteidige. Daher frage ich mich, ob nich vielleicht ich des Öfteren einen Gang zurückschalten sollte.

Ich bin kein Fan davon, den eigenen Partner in Onlinforen dem Veriss hinzugeben und ihm die alleinige Schuld an Beziehungsproblemen zu geben. Das ist doch gerade das, was mich an ihm stört. Dass ich gerne sein Sündenböckchen bin.

Ich sollte vielleicht auch nochmal deutlicher hervorheben, dass ich offen für Lösungswege und Strategien bin (nochmal danke an Tresina ) und weniger scharf auf Kommentare, die zum Schlussmachen raten. Denn so viel ist sicher: Hätte die Beziehung keine schönen Seiten und empfände ich keine Liebe für diesen Menschen, müssten wir hier gar nicht diskutieren.

Sicher hat diese, seine Art, auch ihre Hintergründe. Ich schieße ihn sicher nicht mir nichts, dir nichts in den Wind, ohne versucht zu haben, diese Probleme in den Griff zu kriegen. Das entspricht nicht meiner Definition einer ernsthaften Beziehung.

Die Idee mit der Paartherapie gefällt mir. Darüber haben wir auch schon mal gesprochen. Der Kostenfaktor schreckt halt während des Studiums noch etwas ab.

Ich möchte ihm den Thread evtl. auch heute abend zeigen, damit er sehen kann, dass es normal ist, dass solche ständigen Vorwürfe zu Protest und Unzufriedenheit führen.

Da sind "Vollpfosten-"Kommentare doch eher weniger hilfreich, da das lediglich das Vorurteil bestätigt, Frauen würden einander immer Recht geben und sich gegen Männer verbünden.

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15. Juni 2014 um 15:38

Willst Du nicht eine entspannte Beziehung?
Ich kann es ja verstehen, dass man nicht alles immer super findet an seinem Partner, aber dass die Freundin komplett immer und ständig kritisiert wird, ist doch etwas anstrengend. Mag er Dich denn so gar nicht? oder ist er so ein Verklemmter, dass er sich immer über Dich stellen muss und Dich klein machen muss?

Also mir wäre es zu anstrengend, meinem Partner immer gehorchen zu müssen - ob es ums abspülen geht oder um meine Persönlichkeit. Entweder er mag und liebt Dich oder nicht. Ich möchte einen Partner der mein Leben bereichert und nicht zu einer ständigen Anpassungspflicht macht.

Ehrlich gesagt, mir scheint, als ob Du total unmündig und abhängig von ihm bist, denn sowas lässt man doch nicht mit sich machen .. such dir doh einfach jemanden, der gut zu Dir ist .

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15. Juni 2014 um 16:07

Schwierig..
Ach wirklich, war er? Das finde ich wiederum gut. Entschuldigung für die weibliche Zuordnung.

Naja, aber ich frage mich, wo die Objektivität bleibt, wenn man nun von Anfang an davon ausgeht, dass er "der Böse" ist und eine Therapie chacenlos, da er die Schuld stets bei mir suchen wird?

Also ehrlich, ich ärgere mich ja wirklich über sein Verhalten, aber ich denke nicht, dass in einer Beziehung nur eine Person für Probleme verantwortlich ist. Und ich finds auch nicht zielführend, alles auf ihn abzuwälzen.
Sein Verhalten ist nicht in Ordnung, aber wer sagt denn, dass es meines ist?
Wo seht ihr da die Lösung? Sich zu trennen und fertig?

@ cefeu:
Nein, so meinte ich das nicht. Ich denke nur, dass ich mich auch leicht provozieren lasse, was wiederum mein Problem ist. Es könnte mir ja auch egal sein, wenn er mal wieder der Ansicht ist, ich hätte dies und jenes nicht richtig gemacht und ihn sich einfach ausspinnen lassen. Und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber "seinen Konsequenzen" zu entwickeln.
Zumal da immer noch die Frage ist: Ist es wirklich ein Bestrafungsspielchen, wenn er mich einen Abend lang nach "falscher Handlung" nich sehen will, oder nicht einfach ein nachvollziehbares Bedürfnis, wenn er sich von meinem Verhalten tatsächlich gekränkt fühlt?
Ich fasse es in meiner Verletzung als Bestrafung auf, aber das könnte man mir auch wieder als ich-bezogene Sichtweise auslegen.

Ich finde, da sind so viele Einzelheiten, die mal wirklich erörtert und geklärt werden müssten, um da den Durchblick zu gewinnen - und da das bekanntermaßen bei Pärchen gerne in Streit und Schuldzuweisungen endet, könnte ein Fachmann da sicher hilfreich sein.

Soweit ich das beurteilen kann, leidet er ebenso unter den ständigen Diskussionen. Aber er sieht die Dinge anders als ich. Er denkt eben wirklich oftmals, ich sei für etwas verantwortlich, wohingegen ich da bei mir keine Schuld feststellen kann. Aber was heißt das schon?
Zwei Menschen, zwei Sichtweisen. Ist nicht der Wille entscheidend, dass beide Menschen gerne eine entspanntere Beziehung miteinander hätten?

Oder hältst du es für ausgeschlossen, dass bei ihm ein Wille vorhanden ist?

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15. Juni 2014 um 16:10

Danke
Ihr habt mir aber dennoch alle sehr weitergeholfen. Denn ich hatte so langsam Zweifel daran, ob ich einfach nur überreagiere und es gar nicht so schlimm ist, wenn ein Partner sich so verhält. Nun weiß ich, dass es viele Menschen daneben finden und das tut gut. Dankesehr.

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15. Juni 2014 um 16:20


Huch, hab erst jetzt entdeckt, das man direkt auf einzelne Posts antworten kann. Sorry ..

Zu deiner Frage, ob er auch mal lichte Momente hat, in denen er anerkennt, dass er Fehler gemacht hat.. ja, das kommt durchaus vor. Es ist ganz tagesformabhängig. Wenn wir in ruhigen Momenten sprechen und ich mir Zeit nehme, die Dinge ausführlich zu erklären, dann sieht er oft ein, dass sein Verhalten nicht angebracht war. Er schreibt sich dann auch hin und wieder Notizen auf Zettelchen, die er sich auf den Schreibtisch legt, um im Hinterkopf zu behalten, worauf wir uns geeinigt haben.

Aber in Stress - und Streitsituationen ist das dann halt auch gerne mal wieder vergessen. Ich sehe bei ihm aber definitiv die Bereitschaft, sich auch mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen und sich Gedanken zu machen.

Umgekehrt hat er mir allerdings schon vorgeworfen, dass ich grundsätzlich nicht annehme, wenn er mir Kritik äußert und da fühle ich mich in einer Zwickmühle gefangen.
Denn es gibt Aussagen, die er über meine Person trifft, der ich so einfach nicht zustimme. Das ist dann ein gerfundes Fressen für "Du nimmst nichts an was ich dir sage. So wirst du dich nie weiterentwickeln."

Ich kann das aber irgendwo nachvollziehen. Ich z.B. werfe ihm mittlerweile an den Kopf, dass er tyrannische Züge aufweist, was er nicht so sieht. Eben so verhält es sich eben mit der mir vorgeworfenen Geltungssucht. Meiner Meinung nach habe ich die nicht.

Aber das sind eben subjektive Wahrnehmungen. Mein Ziel ist es, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen, an dem wir die Dinge einfach so stehen lassen können.

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15. Juni 2014 um 16:20


Empfindest du das als utopisch?

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Ex Back Markt
Von: blackmamba176
neu
15. Juni 2014 um 10:44

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