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Sprachbarriere - Bilinguale Beziehungen - Hat jemand Erfahrung?

6. November 2017 um 14:46

Hallo ihr Lieben,

ich mache mir natürlich mal wieder viel zu viele Gedanken für einen Montag Mittag, aber vielleicht hat ja jemand von euch Erfahrung mit meiner "Problemstellung".

Über ein Online-Dating-Portal (bitte keine Verurteilung des Mediums, ich arbeite viel und finde kaum Zeit auszugehen) habe ich einen Briten kennengelernt. Ich fand ihn zwar auf Anhieb sehr attraktiv, aber reagierte auf seine Nachrichten eher mit der Idee mein Englisch mal wieder aufzufrischen, da ich seit bestimmt 7 Jahren nicht mehr auf englisch kommuniziert hatte. Es stellte sich allerdings ziemlich schnell heraus, dass wir uns gegenseitig sehr attraktiv finden und etliche Gemeinsamkeiten haben. Wir denken ähnlich, haben die gleichen Ideen, kochen beide gerne, interessieren uns beide für Psychologie, spielen beide mehrere Musikinstrumente usw.

Irgendwie läuft es auch anders als mit den anderen Männern, die ich in letzter Zeit so kennengelernt habe. Er meldet sich regelmäßig und fragt auch nach, wie es bei mir läuft (kann natürlich auch britische Höflichkeit sein). Er wirkt interessiert und ist interessant. Er macht schon Pläne - kann natürlich auch Masche sein - für die Zukunft; beispielsweise, dass ich ihm Deutsch beibringe, dass ich ihn in die vegetarische Küche einführe, dass er mir Gitarre spielen beibringt, usw. Natürlich ist das etwas komisch, weil wir uns ja noch gar nicht getroffen haben "in echt". Er lebt seit 7 Jahren in Deutschland aber kann laut eigenen Angaben kein Deutsch sprechen. Das lass ich jetzt mal kommentarlos so stehen... Er sagt, dass seine "schlechte Entschuldigung" dafür ist, dass bei ihm auf Arbeit alles auf Englisch läuft. Mein Englisch hingegen ist auch recht dürftig. Ich habe zwar grundsätzlich ein Gefühl für die Sprache und hatte Englisch als Leistungskurs zu Abiturzeiten, aber Abi liegt über 12 Jahre zurück und mein beschränkter Wortschatz macht mir sehr zu schaffen.

Bis gestern abend hatten wir ausschließlich schriftlichen Kontakt. Doch dann habe ich mich überwunden und ihm auf seine Sprachnachrichten auch mit Sprachnachricht geantwortet. Der Unterschied zu einem Telefonat oder Treffen ist jedoch, dass ich vor Aufzeichnung die Zeit habe mir meine Worte und Sätze in Ruhe zurecht zu legen.

Für den kommenden Freitag sind wir verabredet und ich bin so nervös, dass ich absagen möchte...

Mich beschäftigt allerdings eine viel grundlegendere Frage.
Die Frage, in was man sich bei einem anderen Menschen eigentlich verliebt.
Ich möchte, dass mich ein Mann für mein vielleicht etwas verrücktes Wesen, meine Ideen und Gedanken, meinen Charakter, ja für mein Herz liebt. Nicht für mein Gesicht oder meinen Po oder wer weiss was. Wenn ich aber aufgrund der Sprachbarriere gar nicht imstande bin wirklich zu offenbaren, wer ich bin, dann kann das doch niemals der Fall sein. Andersherum natürlich genauso... Ich befürchte, dass das sehr hart werden würde. Wenn zwei intelligente und intellektuelle Menschen aufeinander treffen, die sich so viel zu sagen hätten, aber nicht richtig verständigen können. Ich frage mich wie das andere Paare geschafft haben, die mit unterschiedlichen Muttersprachen und begrenzten fremdsprachlichen Fähigkeiten aufeinander trafen. Hat man sich dann hier der Optik halber verguckt und sich mit der Zeit aneinander gewöhnt? Hat hier jemand irgendwelche Erfahrungen?

Vielleicht auch zum ersten Date? Ich habe einfach Angst, dass er sich danach zurückzieht, wenn er merkt wie schwer die Kommunikation zwischen uns ist. Andererseits könnte man natürlich erwarten, dass er nach 7 Jahren Leben in Deutschland sich einigermaßen verständigen kann. Aber selbst, wenn ich erwarten würde, dass er sich auf Deutsch mit mir unterhält, würde das nichts am Ergebnis ändern. Ich habe Angst, dass wir voreinander sitzen und nicht miteinander reden können. Und das leider nicht deswegen, weil wir uns nichts zu sagen haben, sondern uns nicht verstehen können, obwohl wir es vielleicht sehr gerne wollen.

Ich bin dankbar für jeden Input und wünsche euch einen schönen Tag

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6. November 2017 um 15:56

Ich hab einen britischen Freund (und wohne auch in England) und es läuft bestens. So eine Beziehung entwickelt ihre eigene Dynamik und du kannst durchaus auch anders zeigen, wer und wie du bist. Und man verbessert seine Sprache sehr schnell. Dass der besagte Mann kein Deutsch kann, kann ich mir durchaus vorstellen. Mir wurde schon mehrfach von Engländern erzählt, dass sie gar nicht zum Sprechen einer anderen Sprache kommen, da das Gegenüber oft schnell die Initiative ergreift und auf Englisch wechselt, wenn es etwas stockt. Lass erstmal alles auf dich zukommen und guck, wie es läuft.

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