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Sorge um Partner - Burnout?

1. Oktober 2016 um 16:00

Hallo,

ich hoffe etwas Zuspruch zu finden, bzw. ein paar Erfahrungen zu sammeln von Menschen, die vielleicht auch betroffen sind/waren.

Es geht um meinen Lebensgefährten (34). Er arbeitet als Arzt in einer mittelgroßen Klinik, Intensivstation. Als wir uns kennen gelernt haben, war er arbeitslos, bzw. hat ein Sabbatjahr gemacht.
Er sagte damals, er bräuchte eine Pause von seinem Job, vom Stress, dem Schichtdienst und wolle die Zeit nutzen sein Leben zu überdenken. Natürlich war ich nicht ganz glücklich damit, meinen neuen Freund vorzustellen mit den Worten: "Eer ist Arzt." - "Wo arbeitet er denn?" - "Er ist gerade arbeitslos."
Später kam raus, dass er ein Burnout-Syndrom hatte.

September 2015 wurde ich schwanger - sofort stand fest, dass er wieder Geld verdienen musste und bereits eine Woche später konnte er einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben.

Anfangs war er sogar sehr begeistert. Tolle Arbeitsatmosphäre, guter Personalschlüssel, viele nette Kollegen, viele spannende neue Aufgaben.
Dann stand auch recht schnell fest, dass er seinen Facharzt anfangen möchte und er nur noch ausschließlich Notfallmediziner sein möchte.

Ich hab zunehmenden das Gefühl, dass zu der Begeisterung eine Menge Frust dazu gekommen ist. Der Personalschlüssel ist mittlerweile schlecht - wo letztes Jahr 3 Ärzte Schicht hatten, sind sie mittlerweile nur noch zu zweit oder ganz alleine.
Anfangs hieß es, er solle maximal 2 mal 12 Stunden-Dienste im Monat machen - mittlerweile sind es beinahe immer 12 Stunden, weil das Personal fehlt.
Er muss viel einspringen. Früher musste er 2-3 Nachtdienste am Stück machen, neulich waren es 8. Er sagt allerdings auch nie Nein, wenn man ihn fragt.

Er schimpft häufig darüber, dass seine Kollegen schlampig arbeiten, Entscheidungen, Papierkram und größere Eingriffe vor sich hergeschoben werden und dann letztendlich bei ihm liegen bleiben. Man kann schon sagen, dass er eins der Zugpferde ist.

Nun fällt mir seit dem Sommer zunehmend Sorgen um ihn. Privat unternehmen wir kaum noch was. Er will nicht mehr essen gehen, nicht ins Kino, Freunde treffen nur bedingt. Am liebsten nur auf der Couch liegen.
Er hat häufig Kopfschmerzen, ist gefühlt ständig müde, schläft aber gleichzeitig extrem schlecht. Plötzlich hatte er von einem Tag auf den nächsten einen großen Ausschlag an den Händen - Neurodermitis. Blutwerte hat er bereits checken lassen, alles okay.
Nun hatte er vorgestern wieder eine Schicht, die wohl extrem stressig war - ich weiß gar nicht so recht wie ich es beschreiben soll. Er kam in die Wohnung rein, setze sich an den Küchentisch und murmelte immer: "Ich bin so erschöpft, ich bin so erschöpft, ich hab Herzrasen und dachte den ganzen Heimweg, ich müsste mich gleich übergeben ..."

Nun hat er sich ein paar Tage krank gemeldet und einen Magen-Darm-Infekt vorgeschoben. Aber er meinte neulich schon, er würde gerade ständig über seine Belastungsgrenzen hinaus arbeiten. Und ich glaube, das rächt sich in dem er eben so massive Schlafstörungen hat, Kopfschmerzen, gereizt ist usw.
Er hat mal erzählt von Kollegen, die mit Tabletten versuchen ihr Arbeitspensum zu halten (also sprich ne Schlaftabeltte, wenn sie nicht schlafen können, was zum aufputschen, wenn sie erschöpft sind usw.). Das finde ich schon sehr erschreckend. Gott sei dank nimmt mein Freund nix außer ab und zu mal ne Magnesium Brause.
Dafür ist Alkohol leider ein Thema. Er trinkt nicht viel (1 Glas Wein oder ein kleines Bier), dafür aber sehr regelmäßig. Wenn ich ihn frage, ob das wirklich schon wieder sein muss, kommt: Ja, müsse sein. Er kommt sonst nicht runter und könne dann nicht schlafen.

Wie geht man damit um, dass der Partner zeitweise so angeschlagen ist? Was kann man tun und ändern? Ich versuche ihn nicht zu drängen und treffe mich notfalls auch alleine mit Freunden.
Ich kenne ihn ja anders. Er war vorher eigentlich immer ausgeglichen, hat gerne was unternommen, Freunde getroffen usw. Seit dem Sommer ist ihm alles zu viel und er möchte nur noch Ruhe.

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1. Oktober 2016 um 16:00

Hallo,

ich hoffe etwas Zuspruch zu finden, bzw. ein paar Erfahrungen zu sammeln von Menschen, die vielleicht auch betroffen sind/waren.

Es geht um meinen Lebensgefährten (34). Er arbeitet als Arzt in einer mittelgroßen Klinik, Intensivstation. Als wir uns kennen gelernt haben, war er arbeitslos, bzw. hat ein Sabbatjahr gemacht.
Er sagte damals, er bräuchte eine Pause von seinem Job, vom Stress, dem Schichtdienst und wolle die Zeit nutzen sein Leben zu überdenken. Natürlich war ich nicht ganz glücklich damit, meinen neuen Freund vorzustellen mit den Worten: "Eer ist Arzt." - "Wo arbeitet er denn?" - "Er ist gerade arbeitslos."
Später kam raus, dass er ein Burnout-Syndrom hatte.

September 2015 wurde ich schwanger - sofort stand fest, dass er wieder Geld verdienen musste und bereits eine Woche später konnte er einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben.

Anfangs war er sogar sehr begeistert. Tolle Arbeitsatmosphäre, guter Personalschlüssel, viele nette Kollegen, viele spannende neue Aufgaben.
Dann stand auch recht schnell fest, dass er seinen Facharzt anfangen möchte und er nur noch ausschließlich Notfallmediziner sein möchte.

Ich hab zunehmenden das Gefühl, dass zu der Begeisterung eine Menge Frust dazu gekommen ist. Der Personalschlüssel ist mittlerweile schlecht - wo letztes Jahr 3 Ärzte Schicht hatten, sind sie mittlerweile nur noch zu zweit oder ganz alleine.
Anfangs hieß es, er solle maximal 2 mal 12 Stunden-Dienste im Monat machen - mittlerweile sind es beinahe immer 12 Stunden, weil das Personal fehlt.
Er muss viel einspringen. Früher musste er 2-3 Nachtdienste am Stück machen, neulich waren es 8. Er sagt allerdings auch nie Nein, wenn man ihn fragt.

Er schimpft häufig darüber, dass seine Kollegen schlampig arbeiten, Entscheidungen, Papierkram und größere Eingriffe vor sich hergeschoben werden und dann letztendlich bei ihm liegen bleiben. Man kann schon sagen, dass er eins der Zugpferde ist.

Nun fällt mir seit dem Sommer zunehmend Sorgen um ihn. Privat unternehmen wir kaum noch was. Er will nicht mehr essen gehen, nicht ins Kino, Freunde treffen nur bedingt. Am liebsten nur auf der Couch liegen.
Er hat häufig Kopfschmerzen, ist gefühlt ständig müde, schläft aber gleichzeitig extrem schlecht. Plötzlich hatte er von einem Tag auf den nächsten einen großen Ausschlag an den Händen - Neurodermitis. Blutwerte hat er bereits checken lassen, alles okay.
Nun hatte er vorgestern wieder eine Schicht, die wohl extrem stressig war - ich weiß gar nicht so recht wie ich es beschreiben soll. Er kam in die Wohnung rein, setze sich an den Küchentisch und murmelte immer: "Ich bin so erschöpft, ich bin so erschöpft, ich hab Herzrasen und dachte den ganzen Heimweg, ich müsste mich gleich übergeben ..."

Nun hat er sich ein paar Tage krank gemeldet und einen Magen-Darm-Infekt vorgeschoben. Aber er meinte neulich schon, er würde gerade ständig über seine Belastungsgrenzen hinaus arbeiten. Und ich glaube, das rächt sich in dem er eben so massive Schlafstörungen hat, Kopfschmerzen, gereizt ist usw.
Er hat mal erzählt von Kollegen, die mit Tabletten versuchen ihr Arbeitspensum zu halten (also sprich ne Schlaftabeltte, wenn sie nicht schlafen können, was zum aufputschen, wenn sie erschöpft sind usw.). Das finde ich schon sehr erschreckend. Gott sei dank nimmt mein Freund nix außer ab und zu mal ne Magnesium Brause.
Dafür ist Alkohol leider ein Thema. Er trinkt nicht viel (1 Glas Wein oder ein kleines Bier), dafür aber sehr regelmäßig. Wenn ich ihn frage, ob das wirklich schon wieder sein muss, kommt: Ja, müsse sein. Er kommt sonst nicht runter und könne dann nicht schlafen.

Wie geht man damit um, dass der Partner zeitweise so angeschlagen ist? Was kann man tun und ändern? Ich versuche ihn nicht zu drängen und treffe mich notfalls auch alleine mit Freunden.
Ich kenne ihn ja anders. Er war vorher eigentlich immer ausgeglichen, hat gerne was unternommen, Freunde getroffen usw. Seit dem Sommer ist ihm alles zu viel und er möchte nur noch Ruhe.

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1. Oktober 2016 um 17:08

Wie reagiert
Er denn, wenn du mal vorsichtig nachfragst ob er über eine berufliche veränderung nachdenken will?! Der job im Krankenhaus ist halt gerade durch den schichtdienst extrem hart. Kenne ein paar die sagen, dass sie das nicht auf dauer machen wollen. Aber auch für ärzte gibt es ja berufsmöglichkeiten, wo das arbeitspensum nicht so enorm ist.

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1. Oktober 2016 um 17:31

...
Ein 3/4 Jahr ging es ihm ja gut mit dem Arbeitspensum. Wie schon erwähnt, erst seit ca. 2-3 Monaten ist er so überdurchschnittlich abgeschlagen. Psychisch ist er eigentlich vorher nie besonders angeschlagen gewesen.

Ich denke manchmal einfach, so harte Belastung über einen längeren Zeitraum kratzen eben bei jedem.

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1. Oktober 2016 um 17:32

Ich gehe
Vollzeit arbeiten ...

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1. Oktober 2016 um 17:47

Die Situation ist eine andere
Ich geh auch arbeiten, Vollzeit.

Ich hatte eine Fehlgeburt in der 18. Woche. Dementsprechend haben wir kein Kind.
Ich bin auch oft müde von der Arbeit und schlafe abends auf dem Sofa ein. Aber nach dem WE bin ich wieder fit und eben nicht so dauererschöpft, wie er es im Moment ist.

Ich denke schon, dass er generell ein belastbarer Mensch ist. Alleine Nächte durchzuarbeiten empfinde ich als große Leistung. Ich bin sehr froh, nachts schlafen zu dürfen und mich nicht krampfhaft wachhalten zu müssen. Aber dann von 2 mal 3 Nachtdienste pro Monat das Pensum zu steigern auf 12 pro Monat ... ich weiß nicht, ob das auf Dauer gesund sein kann.

Unzufrieden ist er generell nicht. Wie gesagt, der Bereich macht ihm großen Spaß, versteht sich mit seinen Arbeitskollegen gut und ist freiwillig in Arbeitsgruppen involviert (müsste er nicht).
Zu einem neuen Arbeitsbereich/Job würde ich ihn eh nicht motiviert bekommen.

Ich sehe das Problem darin, dass in den letzten Monaten der Personalschlüssel zusammen geschrumpft ist, die Arbeitsbelastung aber eben gleichgeblieben ist.
Was wir jetzt besprochen haben, ist, dass er seine Stelle reduziert, vielleicht um 15-25%. Finanziell wäre das kein Problem.

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