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Sind wir doch zu verschieden?

21. Mai 2016 um 1:47

Hallo,

Ich bin mittlerweile so verzweifelt und ich weiß nicht weiter.
Er: noch 34, deutsch, berufstätig, lebt im Ausland
Ich: 26, asiatisch, mit Migrationshintergrund, frisch das Masterstudium beendet und auf der Jobsuche, arbeite als Trainee und lebe in Deutschland

Wir sind seit einem 3/4 Jahr zusammen. Mitte Juli 1 Jahr.
Eigentlich haben er und ich relativ viele Gemeisamkeiten. Wir achten auf die Gesundheit, gehen zusammen aus, unternehmen mal gerne getrennt mit Freunden, sind kaum eifersüchtig, wir vertrauen uns, sind ehrlich zueinander, tolerieren, was wir beruflich machen.

Das Problem ist jedoch der Charakter.
Er: sehr rational, immer sachlich, manchmal sehr radikal, weil er in Schubladen denkt, er würde vielleicht nicht unbedingt zugeben wollen, aber ein Besserwisser
Ich: kann sehr emotional sein, zu HSP neigend, detailverliebt

1. Es gibt Momente, da wünsche ich mir mehr Zweisamkeiten. Klar, ist es schwierig, weil wir eine eine extreme Form einer Fernbeziehung führen. Aber für mich persönlich ist die Entfernung kein großes Problem, auch wenn ich ihn vermisse.
Er zeigt jedoch kaum seine Gefühle und ich weiß nicht, woran ich bin. Leider ist er auch sowas von gar nicht romantisch. Obwohl ich mit ihm darüber gesprochen habe, ist es oftmals Funkstille, wenn nichts von mir zuerst kommt.

2. Er kritisiert mich ständig. Sogar wenn ich eigentlich nicht im Unrecht bin. Er kritisiert mich, warum ich nicht besser gehandelt hätte und zählt auf, wie er an seiner Stelle "besser" reagiert hätte. Dabei wollte ich mit ihm über Probleme sprechen. Eigentlich habe ich nichts gegen Kritiken, ich persönlich finde sie wichtig für die Selbstweiterentwicklung. Jedoch bin ich der Meinung, es gibt Momente, da sollte man erst einmal zuhören und nicht kritisieren. Wenn man merkt, dass die emotionale Phase beendet ist, dass man mit den Kritiken beginnen kann. Für ihn spielt das keine Rolle. Er muss ganz direkt, ohne auf die Gefühle anderer einzugehen, sofort kritisieren und los werden, was er denkt. Die Kritik weitet sich meist immer so aus, dass er doch 9 Jahre älter ist als ich und er mehr Berufs- und Lebenserfahrung hat als ich. Dass ich noch so vieles lernen müsste, wie das Sozialleben funktioniert. Er verbessert mich ständig und will mich belehren. Ich fühle mich dadurch wie ein Versager, ein Kleinkind, das nichts selbstständig bewältigen kann, und vor allem ihm nicht gleich gestellt. Manchmal bekomme ich sogar das Gefühl, er schaut mich von oben herab und denkt, er sei was Besseres als ich. Ich finde das einfach nur sehr respektlos. Ich beginne mich zu verteidigen und werde leider dann laut. Bevor ich jedoch laut werde, bitte ich ihn mit seinen negativen Kritiken aufzuhören, weil ich noch sehr emotional aufgeladen bin. Seine Antwort dazu heißt, ich muss härter werden. Auch wenn seine Kritiken manchmal eigentlich nicht so schlecht sind, kommt bei mir nichts an, sondern nur verletzt, weil ich das Gefühl bekomme, dass er mich nicht unterstützt.

3. Zwar bin ich in Deutschland aufgewachsen, aber bin nicht hier geboren. Somit bin ich intensiver mit zwei Kulturen und Sprachen aufgewachsen.
Obwohl mein Freund sehr oft und lange im Ausland, insbesondere in asiatischen Räumen gearbeitet hat, versucht er nicht einmal ein bisschen für meine Wurzel zu interessieren. Er pauschalisiert und sagt, dass er die asiatische Kultur kennt, dabei ist jedes Land so verschieden. Er kennt unsere Landsgerichte nicht einmal wirklich. Noch nie hat er mich wegen unserer Kultur nachgefragt, wie es ist, zB wie die Küche wäre oder das Verhaltensmuster. Sein Schubladen denken kommt zu Vorschein und denkt sich sein Teil, das war's auch. Keine Neugier, kein Interesse, kein Irgendwas, nichts. Ihm ist es egal, hauptsache ich verstehe was von der deutschen Kultur und beherrsche die Sprache, damit er privat mit seiner Freundin nicht wie auf der Arbeit ständig auf Englisch reden muss, sondern sich auf seine Muttersprache unterhalten kann.
Somit frage ich mich natürlich, ob ich ihn überhaupt meiner Familie vorstellen kann, wenn er so wenig Respekt vor unserer Kultur zeigen kann.

4. Er hat eine Einstellung, womit ich kaum was anfangen kann bzw. wo ich das größte Problem sehe. Seine Einstellung ist, ich bin so wie ich bin, daran wird sich nichts ändern und ich werde mich auch niemals für irgendwen ändern.
Als ich ihn kennen gelernt hatte, kannte ich seine Einstellung natürlich noch nicht. Es fing an, als ich meine Wünsche und Bedürfnisse ehrlich erzählt habe. Da seine Vorstellungen anders waren, gab's keine Lösung. Nicht einmal Kompromisse. Entweder es läuft so, wie er's will oder wir streiten uns. Von ihm kommt leider auch nie Lösungsvorschläge oder versucht das Problem zu analysieren und aufzuklären.
Ich fange an ihm Vorwürfe zu machen, wobei ich mich langsam auch nicht mehr leiden kann, wenn ich damit beginne. Aber es fällt mir verdammt schwer damit aufzuhören, weil er ja auch so stur ist.

Mittlerweile ist so vieles ausgeatet. Ich hatte mich irgendwann mal so sehr verletzt gefühlt, dass ich wie ein Spiegel reagiert habe. Damit wollte ich ihm zeigen, dass er mich so ständig verletzt.
Nun denkt er, er kann mir ja Vorwürfe machen, weil ich ihn öfter mal gemacht habe, als wäre das ein Rachezug.
Momentan haben wir nun eine Auszeit genommen. Bzw. ich war diejenige, die das unbedingt wollte. Ich wusste, dass es so nicht mehr weitergeht. Er fühlt sich meinetwegen gestresst und ich fühle mich seinetwegen verletzt. Lieblos gesagt, will ich nicht ständig rumbetteln, dass er mir dies oder das gibt, was ich mir wünsche. Ich möchte auch mal, dass er sich selbst die Mühe machst, mir zu gefallen. Aber ich will auch nicht, dass ich ihm deshalb ständig Vorwürfe mache, weil er nicht machen will, wegen seiner Einstellung. Vor allem will ich nicht, dass er irgendwann meinetwegen so erschöpft ist, dass er mich los werden will. Das klingt bescheuert, aber die Auszeit ist meine momentane Art und Weise mich zu bemühen, um ihn nicht zu verlieren, weil ich Angst habe, dass ich ihn verliere, wenn es so weiter läuft wie bisher.
Ich weiß nicht mehr weiter. Bin ich etwa zu überempfindlich?

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21. Mai 2016 um 2:41

Liebe susuqqq!
Du bist Asiatin? Großartig! Ich wollte schon immer eine Brieffreundin, die Asiatin ist. Lässt sich das einrichten? Sehr gut. Schreibe mir bitte unter PN. IST DAS IN ORDNUNG? Man muss ja immer fragen, sonst heißt`s gleich wieder: Der lib spinnt. Na ja, kann ja sein ....

Also, was mich betrifft, mich interessiert die Kultur sehr. Mishiko, wo bist Du?

Weißt Du, liebe susuqqq, das ist natürlich eine sehr schwierige Situation, in der Du Dich befindest. Du hast Angst Ihn zu verlieren? Ja wenn er sich eh für nichts interessiert, nicht einmal für Dich, dann ist das kein großer Verlust.

Für mich ist Dein Freund ein absoluter Egoist! Meine Güte, dann ist er auch noch ein "Schubladendenker!" Für mich heißt das, dass er nur seine Meinung gelten lässt und keine andere akzeptiert. Das ist etwa so, als würde man versuchen, Öl mit Wasser zu vermischen. Du weißt es so gut wie ich: Diese Beziehung hat keinen Bestand, dazu sind die Charaktere zu verschieden. Sie wird, früher oder später, in die Brüche gehen.

Trotz allem: Wünsche Dir viel Kraft!

Liebe Grüße,

lib

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21. Mai 2016 um 8:58

HA
HA! Lustig ist das ....


lib

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21. Mai 2016 um 10:11

Geht's noch?
Sorry, aber diese Behauptung ist mir doch viel zu krass, dafür, dass du ihn gar nicht kennst. Wenn du so eine Sichtweise hast, ist es sehr rassistisch, aber ihn als solchen darzustellen, ist mir wohl echt zu heftig. Also sei lieber vorsichtig mit dem, was du von dir gibst.

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21. Mai 2016 um 10:12

Wir haben uns in Deutschland kennen gelernt.
Es war damals als ich gerade eben ganz frisch mein Studium beendet hatte, er abgewartet hatte, bis er mit seinem neuen, dem jetzigen Job beginnen kann. Er wollte mit mir zusammen sein, ich war eher skeptisch, hatte mir aber nichts großartig was gedacht, weil ich auch meinen Freiraum genieße. Mittlerweile frage ich mich, ob ich ihm eigentlich überflüssig bin, weil er mich nie braucht. Nicht dass er abhängig von mir sein sollte. Aber er entscheidet alles alleine, er sagt mir meist nachträglich bescheid, über seine Probleme (nicht beziehungstechnisch) will er auch nie reden. Bin ich etwa als Gesprächpartnerin nicht gut genug? Mir fehlt die Zweisamkeit. Ich finde, wir funktionieren nicht als Team. Manchmal lässt er die Chef-Rolle total raushängen, sehr bestimmend. Ich muss ihm erklären, dass ich nicht seine Mitarbeiterin bin.

Zwischen uns liegen 5h Unterschied in der Sommerzeit und mehrere tausende km, vielleicht ca. 9.000km. Bisher war ich 2x bei ihm und 3x er bei mir. Wobei von der Dauer her ich länger bei ihm war, weil ich damals noch nichts Festes hatte. Wir sehen uns alle 2-3 Monate. Momentan kommt er hierher, weil ich eine Berufsanfängerin bin und nicht gleich so viel Urlaub nehmen kann. Er besucht mich kurz mal, wenn es ihm irgendwie passt, zB wenn er sowieso wegen eines Seminars/Workshops also aus beruflichen Gründen hierhin kommt. Das nächste Mal, wenn er in Deutschland ist, ist zwar im Juli. Aber nicht aufgrund unseres Jubiläums, sondern weil zwei Freunde von ihm heiraten werden. Ich wurde auch miteingeladen, aber er hat "für mich" bestimmt, dass ich zeitlich nur zu einer schaffen werde. Er wird sogar an unserem Jahrestag wegfliegen, nicht wegen des Jobs, sondern weil er seinem teuren Hobby nachgehen will.

Wir chatten sehr oft. Naja, für ihn wahrscheinlich sehr oft, aber nicht "gewöhnlich" wie die meisten Paare, die ständig im Kontakt sind. Manchmal meldet er sich auch mal gar nicht, ihm stört's nicht, mich schon. Telefonieren tun wir mindestens 1x in der Woche, wenn's hochkommt. Wir haben einen festen Termin in der Woche.

Sein Vertrag geht bis Sommer 2017, aber wegen seiner Projekte muss er wahrscheinlich bis Ende 2017 dort bleiben. Danach hat er vor nach Deutschland zu kommen, zumjndest meinte er das. Darüber haben wir nur so mal scherzend geredet, dass er danach zu mir ziehen kann, aber das war wirklich nur so hergesagt.

Er wünscht sich eine hart arbeitende, sehr selbstbewusste Karriere; keine Frau, um der er sich Sorgen machen muss. Mir persönlich ist er jedoch fast schon herablassend als selbstbewusst, der als Stärkere die Schwachen ausnutzen könnte, wenn er es wollen würde, um seine Vorteile daraus zu verschaffen. Er ist der Meinung, dass man so hart in Benehmen sein muss, um sich nicht unterbuttern zu lassen.

Eigentlich bin ich der Meinung, dass ich schon sehr selbstbewusst sei. Aber es ist für mich nicht so einfach zur Zeit. Ich war mal sehr verzweifelt, weil der Branche, wo ich mich befinde, nicht sehr gut geht und ich deshalb keinen Job finden konnte. Da waren einfach keine Stellen offen. Ohne dass ich eingebildet klingen will, ich bin als Anfängerin sehr gut in dem, was ich tue. Andauernd sagt er mir, ich soll arbeiten gehen, dann wüsste ich mehr vom Leben. Ich hätte auch mal Trost oder Unterstützung gebraucht, stattdessen was ich nur kriegen kann, sind scharfe Kritiken. Er will nicht, dass ich ihm Energie raube. Am Ende heißt, er weiß alles besser.

Wenn wir mal zusammen sind, ist meistens in Ordnung. Wir unternehmen viel gemeinsam, haben Spaß, aber er ist dennoch eher bestimmend. Ich glaube, ich kann mit ihm und der Lage besser umgehen, wenn er direkt vor Ort ist. Aber eigentlich verhält er sich auch leicht anders, weicher, anpassungsfähiger.

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21. Mai 2016 um 10:16
In Antwort auf lightinblack

Liebe susuqqq!
Du bist Asiatin? Großartig! Ich wollte schon immer eine Brieffreundin, die Asiatin ist. Lässt sich das einrichten? Sehr gut. Schreibe mir bitte unter PN. IST DAS IN ORDNUNG? Man muss ja immer fragen, sonst heißt`s gleich wieder: Der lib spinnt. Na ja, kann ja sein ....

Also, was mich betrifft, mich interessiert die Kultur sehr. Mishiko, wo bist Du?

Weißt Du, liebe susuqqq, das ist natürlich eine sehr schwierige Situation, in der Du Dich befindest. Du hast Angst Ihn zu verlieren? Ja wenn er sich eh für nichts interessiert, nicht einmal für Dich, dann ist das kein großer Verlust.

Für mich ist Dein Freund ein absoluter Egoist! Meine Güte, dann ist er auch noch ein "Schubladendenker!" Für mich heißt das, dass er nur seine Meinung gelten lässt und keine andere akzeptiert. Das ist etwa so, als würde man versuchen, Öl mit Wasser zu vermischen. Du weißt es so gut wie ich: Diese Beziehung hat keinen Bestand, dazu sind die Charaktere zu verschieden. Sie wird, früher oder später, in die Brüche gehen.

Trotz allem: Wünsche Dir viel Kraft!

Liebe Grüße,

lib

Für mich kommt die Trennung erst einmal nicht in Frage...
Kannst mir gerne schreiben.

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21. Mai 2016 um 17:22

Liebe Mandellaugen!
Es scheint, als wärst Du heute sehr gut drauf. Du gefällst mir!

Liebe Grüße,

lib

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