Home / Forum / Liebe & Beziehung / Sind wir dabei uns zu verlieren?

Sind wir dabei uns zu verlieren?

7. November 2011 um 0:34

Hallo,

ich hoffe, der lange Text, der jetzt wahrscheinlich gleich folgen wird, schreckt nicht jeden ab und es findet sich vielleicht die ein oder andere Person, die mir helfen kann...
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Bin mitlerweile seid über 2.5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Er ist Türke und gläubiger Moslem, ich bin Deutsche und ebenfalls vor einiger Zeit zum Islam konvertiert (allerdings nicht seinetwegen, ich hatte eine sehr turbulente Zeit hinter mir und habe damals in der Religion meinen Halt und den Sinn gefunden, den ich zuvor vermisst hatte).
Doch obwohl wir beide den gleichen Glauben teilen, mussten wir die Beziehung von Anfang an geheim halten, da er Teil einer sehr streng religiösen Gemeinschaft ist und uns voreheliche Beziehungen ja eigentlich nicht erlaubt sind. Auch seine Familie weiß offiziell nichts von mir. Natürlich wissen sie, dass es da ein deutsches Mädchen gibt, für dass er sich interessiert, aber niemand weiß, dass wir eigentlich schon seit 2 Jahren zusammen wohnen.
Ich bin eigentlich immer ganz gut mit dieser Heimlichtuerei zurrecht gekommen, aber jetzt fällt es mir immer schwerer. Ich fühle mich einfach nur noch schlecht. Während er bei meiner Familie voll integriert und von allen akzeptiert und gemocht wird, muss ich bei jedem Besuch seiner Eltern (die schon seit längerer Zeit wieder in der Türkei leben) meine ganzen Sachen in der Wohnung zusammen suchen und zurück zu meinen Eltern ziehen. Wenn sie dann nach einigen Wochen wieder weg sind, kann ich zurück in unsere Wohnung. Seine Eltern wollen absolut keine deutsche Schwiegertochter haben. Er hat einen älteren Bruder, der auch mit einer deutschen Frau verheiratet ist und sie ist eben ein sehr schwieriger Mensch. Sie hat wohl die Hosen an und muss immer ihren Willen durchsetzen, was natürlich für die türkischen Gepflogenheiten absolut nicht angebracht ist. Und obwohl ich absolut nicht so bin, geben sie mir im Prinzip gar keine Chance. Sie kennen mich ja noch gar nicht und versuchen trotzdem immer wieder, ihm eine mögliche Heirat mit mir auszureden. Er verteidigt mich natürlich und auch eine seiner Schwestern - die einzige Person aus seiner Familie, die ich persönlich kenne - verteidigt mich vor den Eltern und versucht, die Eltern davon zu überzeugen, dass ich ganz anders bin als die Frau des Bruders. Es verletzt mich einfach so sehr, dass ich verurteilt werde, ohne etwas falsch gemacht zu haben.
Auch gemeinsame Freunde bzw. Bekannte dürfen nicht erfahren, dass wir zusammen sind, da sonst Gefahr bestehen könnte, dass jemand aus seiner Gemeinschaft etwas davon mit bekommt. Das heißt natürlich, dass ich manchmal auch Notlügen erfinden muss - was mich ebenfalls total belastet.

Jedenfalls fällt es mir in letzter Zeit immer schwerer, diese ganze Situation so zu akzeptieren. Ich verstehe natürlich, dass er die Zustimmung seiner Eltern haben möchte, bevor wir heiraten können und bevor wir alles offiziell machen, aber ich weiß gar nicht mehr, ob ich das überhaupt noch will. Ich fühle mich wie ein Ping Pong Ball, der immer da sein darf, wenn die Luft rein ist, aber wenn Besuch kommt, dann wird er weg geworfen. Ist ja egal, er kommt ja sowieso wieder zurück. Wir streiten uns im Moment auch recht häufig. Eigentlich bin ich ein Mensch, der eher ruhig ist und der sehr viel hinunter schlucken kann, aber im Moment werde ich bei allem sofort wütend. Ich weine auch sehr häufig, weil ich manchmal einfach nicht mehr weiß, wo ich mit meinen ganzen Gefühlen hin soll.
Er liebt mich, das weiß ich, aber wieso schaut er dann trotzdem zu, wie mich diese ganze Situation immer weiter auffrisst und fertig macht?
Ich habe einfach das Gefühl, dass wir uns durch die ganzen Probleme immer weiter voneinander entfernen. Früher konnte ich es kaum aushalten, einen Tag ohne ihn zu verbringen und mittlerweile? Bin ich auch einfach mal froh, ihn nicht zu sehen. Natürlich ist das vielleicht nach über zwei Jahren auch normal, dass man nicht ununterbrochen aufeinander hängen muss, aber ich habe einfach Angst, dass das alles Anzeichen dafür sind, dass wir es nicht schaffen. Ich habe wirklich immer alles mit gemacht und für alles Verständnis gehabt, aber ich kann einfach nicht mehr. Aber ich habe auch nicht den Mut zu gehen, dafür liebe ich ihn zu sehr.
Was soll ich nur machen?
Ich hoffe irgendjemand hat sich die Mühe gemacht, diesen Roman zu lesen und kann mir einen Rat geben.

LG

Mehr lesen

7. November 2011 um 16:11

Stell dich vor!
Hallo Clueless,

ich kann dir nur empfehlen: Stelle dich seiner Familie vor. Was ist so falsch daran, einmal zum Kaffee zu kommen, wenn die Familie zu Besuch ist? Erst mal unter Aufrechterhaltung der "Tarnung"?

Ich wette, du bist ein sehr lieber Mensch. So wie du schreibst, kann ich herauslesen, dass ihr eigentlich lange eine harmonische Beziehung geführt habt. Dass sie unter diesen Umständen belastet ist, kann ich nachvollziehen, schließlich spielt ihr seit 2 Jahren Katz und Maus.

Seine Schwester hat dich ja schon kennen gelernt, und ist doch wohl sehr angetan von dir. Was sollte dich davon abhalten, auch seine Eltern zu überzeugen? Das Unbekannte kann man leicht verurteilen. Wenn sie dich erst mal kennen und wissen, was für ein Mensch du bist und dass du ihre Werte akzeptierst und lebst, denken sie vielleicht ganz anders.

Viel Erfolg!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook