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Sie kann sich nicht entschuldigen ...

1. Februar 2016 um 21:54

Wir sind jetzt seit 8 Jahren zusammen, seit einem halben Jahr verheiratet. Ich bin 48, sie 50, ich war vorher 20 Jahre verheiratet (seit der Schulzeit zusammen), seit ich 15 bin zwar praktisch immer in fester Beziehung, aber eben nur mit 2 Frauen. Meine erste Frau war ein eher rationaler, eher schweigsamer Typ, wir hatten uns in all den Jahren nie gestritten (sondern die Probleme totgeschweigt) - selbst die Scheidung ging ohne große Streitereien vonstatten.

Danach lernte ich meine jetzige Frau kennen, die völlig anders war und mich gleich voll "verzaubert" hat, spontan, schlagfertig, lebenslustig, emotional und kommunikativ. Ich bin eher ein "Kopfmensch", kann meine Gefühle ganz gut steuern, schlagfertig und kommunikativ bin ich auch.

Wir haben uns schnell ineinander verliebt, ich bin wenige Tage nach unserem Kennenlernen praktisch bei ihr eingezogen. Wir hatten die meiste Zeit eine glückliche Beziehung, anfangs dachten wir beide, bei uns ginge alles wie im Flug und haben gewitzelt, wir sind ja auch keine Teenager mehr und haben keine Zeit mehr zu verlieren Eigentlich hätten wir schon nach einem Jahr heiraten können, wenn da nicht immer wieder fieser Streit entstanden wäre, der mich sehr belastet hat.

Den Streit hat immer sie vom Zaun gebrochen, entstand oft aus absoluten Nebensächlichkeiten, manchmal berechtigt, manchmal auch unberechtigt. Das Problem daran war, dass der Streit innerhalb von Minuten eskaliert, sie steigert sich in kürzester Zeit derart hinein, schüttet dabei das Kind oft mit dem Bade aus und stellt die Beziehung in Frage ".... dann kannst du ausziehen", während wir beide oft schon vergessen haben, worum es überhaupt ging.

Ich habe ihr auch gesagt, dass mich das sehr verletzt und verunsichert, ich möchte mich in der Beziehung und in Ihrer Wohnung wohlfühlen, aber ich finde, wenn jemand immer wieder (3-4x jährlich) in einem Streit um Nichts damit droht, die Beziehung zu beenden dann wartet man vielleicht doch besser mal ab und spart sich vielleicht die anschließenden Scheidungskosten.

Ich halte mich selbst für einen harmoniebedürftigen Menschen, auch wenn viele Leute sagen, ein guter Streit gehört halt auch zu einer Beziehung - könne diese sogar emotional fördern (sagt auch ein Mediator, den wir 2x aufgesucht haben). Ich finde, Meinungsverschiedenheiten und auch Kritik am Partner muss man ansprechen, das kann man auch zumindest sachlich versuchen, dann ist das für mich auch kein Streit. Der fängt für mich dann an, wenn man die Sachebene verläßt, sich pauschale Vorwürfe macht und sich nur noch Bosheiten an den Kopf wirft, die Beziehung in Frage stellt, tagelang nicht mehr miteinander spricht. Ich brauche sowas nicht und ich bezweifle, dass solcher Streit einer Beziehung auf Dauer gut tut - um es mal vorsichtig zu formulieren. Sie hingegen macht da keinen Unterschied, wenn ich sage, ich möchte solchen Streit nicht setzt Sie das gleich mit: "Dich interessiert meine Meinung nicht".

Nach unserer Hochzeit ging es leider rapide bergab, wir haben uns öfter gestritten und waren danach über längere Phasen nicht mehr emotional "connected". Dabei hat sich inzwischen ein Muster herausgestellt:

Macht sie mir Vorwürfe und ich stelle fest, dass sie zumindest tendenziell recht hat, gebe ich es zu, auch wenn ich die Art und Weise für überzogen halte. Halte ich mich jedoch für beinahe oder vollkommen "unschuldig", versuche ich mich zu rechtfertigen. Sie läßt jedoch keinerlei Argumente gelten, so simpel und offensichtlich sie auch manchmal sein mögen, sie sagt ich würde nur meine rhetorische Überlegenheit ausnutzen und sie jedesmal schwindelig quatschen, sie könne und wolle dem nicht folgen. Weil sie mir häufig jegliche Stellungnahme verweigert kommt es (für sie praktischerweise) auch gar nicht mehr drauf an, ob ich irgendetwas getan habe und so beginnt sie immer öfter auch Streit ohne überhaupt noch einen glaubhaften Vorwand zu suchen.

Anschließende Einigungen sind auch deshalb sehr schwierig, weil die Versuche einer Aufarbeitung oft daran scheitern, dass sie auch in aussichtsloser Position versucht sich alles so zurecht zu drehen, sie verdreht dabei Tatsachen, setzt irre Wertmaßstäbe an, nimmt Dinge für sich in Abspruch, die sie mir umgekehrt nie zugestehen würde usw. Sprich - sie tut alles, um am Ende nicht als "Verlierer" dazustehen.

Es ist auch für mich nicht hilfreich, einfach mal "Fünfe gerade sein zu lassen", weil sie mir manchmal ziemliche Gemeinheiten unterstellt, die ich niemals tun würde und sie mir schon aus harmlosen Vorfällen versucht anzudichten, was ich manchmal für ein ... ich sei. Abgesehen davon, meine Frau und meine Schwiegermutter sind sich in einigen Punkten sehr ähnlich und mein Schwiegervater wird gewohnheitsmäßig unabhängig eines Verschuldens von seiner Frau regelmäßig - auch vor anderen Menschen - runtergeputzt oder lächerlich gemacht. Ich habe zigmal gesagt, dass das für mich kein Option ist (und meine Frau will eigentlich auch keinen Waschlappen).

Wenn Sie schon nicht darauf verzichten kann, hin und wieder zu streiten, dann erwarte ich eigentlich, dass sie sich erst einmal hinreichend bemüht sicherzustellen, dass ich auch tatsächlich etwas verbrochen hat. Also zum Beispiel, wenn Sie eine Handlungsweise von mir nicht versteht erst mal fragt, bevor sie mir unterstellt, ich würde in böser Absicht handeln. Sie sagt, sie sei halt emotional und das müsse raus, wenn sie sich so "rational" verhalten müsste, dann würde sie nicht mehr sie selbst sein und das könne ich nicht von ihr verlangen. Und ich will ja auch, dass sie sagt, was sie fühlt und wäre auch bereit, mich notfalls zur Wehr zu setzen.

Aber genau das funktioniert nicht. Da Sie extrem schnell dabei ist, die Stimmung zu zerstören und unfreundliche Dinge zu sagen, kommt jede Gegenwehr meinerseits schon zu spät. Selbst wenn ihre Erkenntnis, mir Unrecht getan zu haben schnell kommt, sie findet einfach keinen Weg mehr zurück. Es gibt kein Zurückrudern, kein Aufhören, erst recht kein Entschuldigen - nur immer weiter Attacke, wie ein Hund, der sich festgebissen hat.

Sie hat da irgendein tieferliegendes Problem, das räumt sie sogar ein. Sie weigert sich, "Danke" und "Bitte" zu sagen (ausser es rutscht ihr mal raus), sie hat als Kind sogar ihre Konfirmation geschmissen, weil man sie (und alle anderen) aus ihrer Sicht "zwang", einen Text vorzulesen. Selbst wenn sie mir wirklich üble Worte an den Kopf geworfen hat und sie hinterher eingesehen hat, dass sie keinerlei Grund dafür hatte kommt ihr partout kein "Tut mir leid" über die Lippen.

Sie sagte einmal (nachdem wir uns vertragen haben) ihr wäre schon nach einer Minute klar gewesen, dass bei ihr die "Sicherungen durchgeknallt" sind, dennoch haben wir uns 2 Tage gezofft bzw. angeschwiegen. Sie sagt, sie wäre nie im Leben bereit, vor mir zu kriechen, nur damit mir "einer abginge". Dabei geht es mir keinesfalls darum, sie in irgendeiner Art zu erniedrigen (das fände ich widerlich).

Vermutlich sieht sie in jedem Zurückrudern, jeder Floskel wie "tut mir leid" usw. eine eigene Erniedrigung, möglicherweise ein Macht- oder Respektverlust in der Beziehung. Dabei hatten wir uns anfangs gesagt, dass wir auf solche "Spielchen" verzichten wollen und unsere Beziehung genießen wollen. Oder sie fühlt auf sich einen Zwang ausgeübt, etwas tun zu müssen, was ihr in ihrem Innersten widerstrebt. Dann beschädigt sie lieber unsere Beziehung, verdirbt uns das Wochenende oder schöne Urlaubstage, bekommt sogar Magenschmerzen. Natürlich ist das dann auch wieder alles meine Schuld, es wäre fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

Nachdem es gestern erneut zum schlimmsten und folgenreichsten Streit überhaupt kam habe ich ihr gesagt, dass es so nicht weiter geht und ich auf einer Lösung des Problems bestehe. Denn sonst hat unsere Beziehung in meinen Augen einfach keine Zukunft. Ich habe ihr angeboten, gemeinsam daran zu "arbeiten", das lehnt sie aber kategorisch ab. Ich weiss sonst auch keine andere Lösung als von ihr zu verlangen, sich fachliche Hilfe zu holen. Sie schließt das zwar nicht kategorisch aus, hat daran aber schwer zu knabbern und ich glaube nicht, dass sie es letztendlich macht. Denn auch da übe ich ja wieder einen Zwang auf sie aus, der ihr gerade Probleme macht, das ist mir natürlich bewußt. Freiwillig ist da aber auch nichts passiert. Deshalb weiß ich inzwischen keine Lösung mehr.

Ich finde, es ist das normalste (und einfachste) auf der Welt sich zu entschuldigen, wenn man seinem Partner böse Dinge gesagt hat. Zumal ich ihr versprochen habe, dass für mich die Sache damit sofort erledigt und verziehen wäre. Wir haben sogar mal ein Codewort vereinbart, wenn sie sich vergallopiert hat, mit dem sie sofort aus der SItuation herauskäme, wenn sie es wollte. Sie hat es nie gesagt. Ich persönlich sehe die Fähigkeit, seine eigenen Fehler selbstkritisch einzusehen auch nicht als Schwäche sondern als Stärke und sie würde damit bei mir definitiv Anerkennung gewinnen und nicht verlieren.

Wie seht ihr das, wenn man den Partner verletzt hat und das irgendwann einsieht - gibt es irgendeine Alternative zu einer Entschuldigung? Auch wenn man es nicht so nennt, kann man darauf komplett verzichten klar zu sagen, dass man das Gesagte zurücknehmen möchte? Habt ihr eine Idee, wie man ihr Brücken bauen könnte, die sie gesichtswahrend gehen könnte?

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2. Februar 2016 um 0:06

Es gibt ja fast immer Alternativen
Wie sieht das aus Deiner Sicht aus, gibt es hauptsächlich dieses Problem in der Art der Kommunikation ("wir kommunizieren die richtigen Dinge auf eine falsche Weise") und es wäre alles soweit im Lot, wenn die Kommunikation funktionierte? Oder redet ihr auch "falsche Dinge", also es gibt handfeste Probleme, die auch dann noch da wären?

Es kenne das auch, dass ich mich unwohl damit fühle, um Entschuldigung bitten zu müssen. Ich habe es gelernt, aber es fällt mir immer noch schwer. Ich verstehe das aber auch gut, dass es Dich sehr beunruhigt, wenn Deine Frau gelegentlich sogar ein Ende der Beziehung erwägt. Vielleicht hast Du einen der wichtigen Punkte schon erwähnt, nämlich, dass sie Dich als rhetorisch stärker ansieht, aber damit nicht fühlt, dass ihre Bedürfnisse ausreichend gewürdigt sind.

Das Du eine Diskussion in Beziehungsfragen "sachlich gewinnst", wäre in meiner Beziehung nur wenig zielführend. Es sind ja Emotionen im Spiel und die muß ich auch äußern. Es sind ja Wünsche und Bedürfnisse im Spiel und die müssen so zum Partner, dass ihr beide wisst, dass der andere das verstanden hat.

Ein Berater bei uns hat mal die Geschichte eines Firmenchefs erzählt: Der lief in die Sitzung mit seinem Führungspersonal, hielt eine emotionale Ansprache, schrie sie dann an, machte sie schön klein, zerschlug einen Stuhl und rannte wieder heraus. Zum Berater meinte er dann: "Ich weiß nicht, ich dringe einfach nicht mehr zu ihnen durch!"

Ich habe folgenden Link schon ein paar mal gepostet, mache das aber gerne wieder, weil es einer ganzen Menge Menschen hilft:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

Schön wäre es, wenn ihr beide das probieren könntet, denn es könnte etwas für Euch sein. Vielleicht sogar ein Pärchen-Seminar für Euch zwei. Das hat auch den Vorteil, dass es nicht "psychologische Hilfe für einen von uns" ist, sondern ein "Beziehung gemeinsam weiterentwickeln". In jedem Fall seid ihr ja beide gefordert, etwas zu ändern. Ansonsten kannst Du direkt selber damit beginnen, so etwas anzuwenden. Das solltest Du ihr aber vorab ankündigen. Aber bitte mit der passenden Erklärung, dass es ihr mehr Freiraum geben soll, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und dass es Dir helfen soll, Sie besser zu verstehen.

Unabhängig davon, wenn Sie etwas "nicht kann", dann wird es Dir zunächst nicht helfen, es zu fordern. Dein Text klingt für mich auch so, als wärt ihr alle beide sehr schnell in einer Abwehrhaltung ("er sagt x, ich muss meinen Standpunkt verteidigen"), das schreibst Du ja auch selbst. Aber eine Abwehr bringt wenig zwischen Partnern, außer in wenigen Ausnahmefällen, die aber meine Argumentation kaputt machen würden , sondern am besten hilft bei mir Zuhören und das zurückgeben, was ich verstanden habe (hier würden mir ein paar Beispiele von Streitigkeiten helfen, das was ich meine zu erläutern).

Die wenigsten Menschen brechen "einfach so" Streit vom Zaun. Meistens steckt etwas dahinter, ein Bedürfnis, das herauszufinden Deine Aufgabe wäre, wenn sie es Dir nicht direkt sagen kann. Ist das ein Stellvertreter-Streit? Ist es ihr wirklich wichtig? Hat sie etwas fehlinterpretiert - in dem Fall kannst Du ihr sagen, Du hast das noch nicht ganz kapiert, ob sie Dir nochmal genau sagen könnte, was aus ihrer Sicht passiert ist; dabei wird bestimmt etwas herauskommen, wenn das so gewesen wäre, dann könntest Du ihren Ärger sicher nachvollziehen. Das solltest Du ihr sagen: "Oh, das klingt schlecht, dann kann ich den Ärger verstehen." Danach - und erst dann - kannst Du Sachen richtig stellen. Das wird aber nur funktionieren, wenn es offensichtlich stimmt und nicht nach Ausrede klingt. Letzteres kannst Du auch thematisieren: "ich weiß, das klingt wie eine Ausrede.". Hmm, mit akuten Beispielen geht das Erläutern wirklich besser.

Vielleicht noch ein Buchtipp: "Liebevolle Partnerschaft: Gewaltfreie Kommunikation für Paare", das man zwischendrin auch mal liegen lassen kann.

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2. Februar 2016 um 8:19

Hast Du mal...
das Codewort benutzt?

Oder nutzt Ihr das nicht als generellen Stop-Code?

Dein Beitrag liest sich für mich irgendwie ein bißchen nach "die ich rief die Geister..." - ja Du hast jetzt eine emotionale und impulsive Frau gefunden - und stellst fest, dass das für einen "sehr harmoniebedürftigen Menschen" nicht durchgänig das Paradies ist. Kann ich mir vorstellen.
Ich für meinen Teil bin auch eine von denen, die Streit in einer Beziehung brauchen - und nicht nur da, hier auf Arbeit fliegen auch öfter mal gepflegt die Fetzen über den Gang, längst nicht nur bei mir. Zu viel Harmonie wäre mir nix

Ja, was willst Du jetzt von mir hören... Natürlich kann ich Dir jetzt schreiben, dass es sich so gehört, dass man sich für Fehler entschuldigt, die man macht und dass ich das auch tue und richtig finde - aber ich habe bei Deinem Beitrag noch nicht einmal das Gefühl, dass es darauf in erster Linie ankommt bei Euch.

Du entschuldigst Dich immer für Deine Fehler. Fein, ganz brav und vorbildlich (sorry für den sarkastischen Unterton, ich überziehe bewusst ein bißchen). - Ok, das ist gut für *Dein* reines Gewissen. Und welche Bedeutung hat es eigentlich für Deine Partnerin? Ist Ihr das genau so wichtig? Oder tust Du das eher für Dich und weil es sich so gehört, damit *Du* es eben richtig machst? Du schreibst, dass sie das Gefühl hat, mit rationalen Argumenten gegen Dich sowieso nicht anzukommen. Daran ändern Deine Entschuldigungen ganz offensichtlich auch nichts. Denn dann ist sie ja faktisch mit Argumenten sehr wohl gegen Dich angekommen - nur sie fühlt das nicht. Mit anderen Worten: Sie entschuldigt sich nicht (oder zumindest nicht für Dich erkennbar) bei Dir und Deine Entschuldigungen kommen bei Ihr nicht an. Gleichstand.
Du weisst, dass sie sich emotional vergaloppiert und dabei auch "das Kind mit dem Bade ausschüttet" - also Dinge sagt, die sie nicht meint, wenn sie nicht grad Faschining im Kleinhirn hat - aber Du nimmst sie sehr persönlich - wider besseres Wissen würde ich da fast schon sagen. Klar sollte sie lernen, das einzubremsen, aber Du solltest auch lernen, nicht persönlich zu nehmen, was nicht persönlich ist. Gleichstand.
usw. usf.

Beschäftigt Euch mal mit Kommunikationstheorie und lernt streiten, wenn Ihr die Beziehung ernsthaft weiter führen wollt. Wenn Du willst, dass sie lernt einzulenken, musst Du ihr auch DAS GEFÜHL (!!!) geben, dass sie mit Argumenten sehr wohl eine Chance in einem Streit hat. Da kommt es nicht darauf an, dass Du *weisst*, dass das rein rational ganz sicher so ist - es kommt darauf an, dass sie auch (bewusst und unterbewusst) das Gefühl hat, dass es so ist.
Dann könnt Ihr das mit dem Code-Wort ausbauen und vereinbaren, dass wenn einer von Euch beiden "Apfelkuchen" sagt, der Streit SOFORT abgebrochen wird und frühestens 2h später fortgeführt wird - oder mit einer Pflaume im Mund oder so etwas, was den Fokus etwas von der emotialen Ebene herunter nimmt, es tickt sich nun einmal deutlich schwerer herum damit, aber eine Diskussion fortführen geht sehr wohl. Das muss man natürlich für wirklich ernste Fälle aufsparen und darf es nicht zu inflationär verwenden - und beide müssen sich ohne wenn und aber an die für das Code-Wort vereinbarte Regel halten. Vor allem aber: das kann nur die Spitzen abfangen und nicht das Grundproblem lösen - und das Grundproblem bei Euch steht (nach meiner Laienmeinung und dem bißchen, was ich weiss) einen Absatz weiter oben.

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2. Februar 2016 um 18:05
In Antwort auf yonof

Es gibt ja fast immer Alternativen
Wie sieht das aus Deiner Sicht aus, gibt es hauptsächlich dieses Problem in der Art der Kommunikation ("wir kommunizieren die richtigen Dinge auf eine falsche Weise") und es wäre alles soweit im Lot, wenn die Kommunikation funktionierte? Oder redet ihr auch "falsche Dinge", also es gibt handfeste Probleme, die auch dann noch da wären?

Es kenne das auch, dass ich mich unwohl damit fühle, um Entschuldigung bitten zu müssen. Ich habe es gelernt, aber es fällt mir immer noch schwer. Ich verstehe das aber auch gut, dass es Dich sehr beunruhigt, wenn Deine Frau gelegentlich sogar ein Ende der Beziehung erwägt. Vielleicht hast Du einen der wichtigen Punkte schon erwähnt, nämlich, dass sie Dich als rhetorisch stärker ansieht, aber damit nicht fühlt, dass ihre Bedürfnisse ausreichend gewürdigt sind.

Das Du eine Diskussion in Beziehungsfragen "sachlich gewinnst", wäre in meiner Beziehung nur wenig zielführend. Es sind ja Emotionen im Spiel und die muß ich auch äußern. Es sind ja Wünsche und Bedürfnisse im Spiel und die müssen so zum Partner, dass ihr beide wisst, dass der andere das verstanden hat.

Ein Berater bei uns hat mal die Geschichte eines Firmenchefs erzählt: Der lief in die Sitzung mit seinem Führungspersonal, hielt eine emotionale Ansprache, schrie sie dann an, machte sie schön klein, zerschlug einen Stuhl und rannte wieder heraus. Zum Berater meinte er dann: "Ich weiß nicht, ich dringe einfach nicht mehr zu ihnen durch!"

Ich habe folgenden Link schon ein paar mal gepostet, mache das aber gerne wieder, weil es einer ganzen Menge Menschen hilft:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

Schön wäre es, wenn ihr beide das probieren könntet, denn es könnte etwas für Euch sein. Vielleicht sogar ein Pärchen-Seminar für Euch zwei. Das hat auch den Vorteil, dass es nicht "psychologische Hilfe für einen von uns" ist, sondern ein "Beziehung gemeinsam weiterentwickeln". In jedem Fall seid ihr ja beide gefordert, etwas zu ändern. Ansonsten kannst Du direkt selber damit beginnen, so etwas anzuwenden. Das solltest Du ihr aber vorab ankündigen. Aber bitte mit der passenden Erklärung, dass es ihr mehr Freiraum geben soll, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und dass es Dir helfen soll, Sie besser zu verstehen.

Unabhängig davon, wenn Sie etwas "nicht kann", dann wird es Dir zunächst nicht helfen, es zu fordern. Dein Text klingt für mich auch so, als wärt ihr alle beide sehr schnell in einer Abwehrhaltung ("er sagt x, ich muss meinen Standpunkt verteidigen"), das schreibst Du ja auch selbst. Aber eine Abwehr bringt wenig zwischen Partnern, außer in wenigen Ausnahmefällen, die aber meine Argumentation kaputt machen würden , sondern am besten hilft bei mir Zuhören und das zurückgeben, was ich verstanden habe (hier würden mir ein paar Beispiele von Streitigkeiten helfen, das was ich meine zu erläutern).

Die wenigsten Menschen brechen "einfach so" Streit vom Zaun. Meistens steckt etwas dahinter, ein Bedürfnis, das herauszufinden Deine Aufgabe wäre, wenn sie es Dir nicht direkt sagen kann. Ist das ein Stellvertreter-Streit? Ist es ihr wirklich wichtig? Hat sie etwas fehlinterpretiert - in dem Fall kannst Du ihr sagen, Du hast das noch nicht ganz kapiert, ob sie Dir nochmal genau sagen könnte, was aus ihrer Sicht passiert ist; dabei wird bestimmt etwas herauskommen, wenn das so gewesen wäre, dann könntest Du ihren Ärger sicher nachvollziehen. Das solltest Du ihr sagen: "Oh, das klingt schlecht, dann kann ich den Ärger verstehen." Danach - und erst dann - kannst Du Sachen richtig stellen. Das wird aber nur funktionieren, wenn es offensichtlich stimmt und nicht nach Ausrede klingt. Letzteres kannst Du auch thematisieren: "ich weiß, das klingt wie eine Ausrede.". Hmm, mit akuten Beispielen geht das Erläutern wirklich besser.

Vielleicht noch ein Buchtipp: "Liebevolle Partnerschaft: Gewaltfreie Kommunikation für Paare", das man zwischendrin auch mal liegen lassen kann.

Re: Es gibt ja fast immer Alternativen
Erst mal vielen lieben Dank für Deine ausführlichen Denkanstöße! Ich fang mal oben an.

Ich glaube es ist ausschließlich ein Kommunikationsproblem. Handfeste Probleme, haben wir aus meiner Sicht nicht, wie etwa Kindererziehung, Geld oder gar schlimmeres wie Alkohol, Gewalt, Fremdgehen oder was sonst hier auch immer mal wieder thematisiert wird. In letzter Zeit entsteht öfter Streit aus dem Nichts wegen einer ohnehin angespannten Stimmung weil zurückliegende Ärgernisse für einen von beiden nicht verarbeitet wurden, sprich: Die Unzufriedenheit über die SItuation entläd sich an einem klitzekleinen Detail, einem Mißverständnis, wo sonst kurz mal nachgefragt worden wäre.

Mir ist es auch unangenehm mich zu entschuldigen oder Fehler zuzugeben, das geht glaube ich jedem so. Fehler zugeben muß ich (leider) öfter, ich vergesse schon mal etwas beim Einkaufen oder häusliche Pflichten, wenn ich es mir nicht aufgeschrieben habe was ich alles machen sollte. Da mir Ehrlichkeit sehr wichtig ist und es davon ab auch nichts nützen würde etwas zu bestreiten, was beide besser wissen sage ich halt wie es ist.

Das "Gewinnen" von rhetorischen Auseinandersetzungen ist nichts womit ich besonders glücklich bin. Ich bin es aber schon vom Beruf her gewohnt, ständig zu analysieren und das zu kommunizieren. Sicher verschafft mir das Vorteile, die halt nun einmal da sind und ich kann sie schlecht "abschalten".

Das Thema GFK finde ich spannend, allerdings brauche ich noch etwas Zeit um das weitgehend zu verstehen, ich bin Techniker und kein Geisteswissenschaftler, mit Psychologie und Philosophie kenne ich mich nicht aus, aber ich werde mich damit mal beschäftigen, es klingt jedenfalls sehr interessant.

Sie ist schon "streitlustig", auf den Begriff haben wir uns geeinigt (mein Vorschlag wäre streitsüchtig gewesen). Sie macht sowas zwar nur selten, aber sie schreit schon mal wildfremde Leute beim Spazierengehen an und ruft ihnen minutenlang hinterher, wenn sie sich von denen intensiv angeschaut fühlt. Oder rempelt Männer an, die ihr in einer Menschenmenge entgegen kommen, wenn sie meint, diese seien provokativ auf sie zugekommen. Sie hat Polizisten, die Abfälle nicht vollständig in die Mülltonne bekommen haben derart runtergemacht, dass diese wortlos und kleinlaut wie Schulkinder alles aufgesammelt haben und sich dann mit vorsichtigen Blicken entfernt haben. In gewisser Weise finde ich das auch sexy, ich mag nun einmal starke und selbstbewußte Frauen.

Die Hemmschwelle zu einer gepflegten Auseinandersetzung liegt generell schon tief und bedarf nicht unbedingt einer Vorgeschichte. Aber du hast schon recht, es ist oft ein Stellvertreterstreit. Gerade wenn sie in Vorfreude ist, etwa vor einem Urlaub oder sonst wenn es ihr gut geht dann haut sie mir schon mal ein paar Dinger rein, einfach nur so, weil sie es kann. Sie mag auch Katzen, wenn ihr versteht, was ich meine. Es macht mir auch oft nichts aus, vor allem wenn ich weiss, dass sie es nicht wirklich böse meint. Wenn aber die Stimmung "angeschlagen" ist, legt sie gerne auch nochmal nach und das macht alles nur noch schlimmer. Wenn ich sie darauf anspreche, reagiert sie oft gereizt. Wenn ich mich zurückziehe, fühlt sie sich provoziert. Vielleicht können das andere Männer besser, wenn die Frau nach der Spätschicht nach Hause kommt - und ich freue mich darüber normalerweies - man glaubt man hat alles gemacht was besprochen war und sie entdeckt irgendwas und fängt gleich an zu maulen, als hätte man alles in Schutt in Asche gelegt, mir verdirbt mir das halt gleich etwas die Grundstimmung. Vielleicht sollte ich darüber hinwegsehen, ihr sagen, "Schatz, komm mal runter, ich hab dir Kaffee gemacht und deine Lieblingssendung aufgenommen, wir machen es uns gemütlich im Bett" - aber in dem Moment fühle ich mich einfach runtergezogen.

Ich werd nachher mal ein paar Beispiele raussuchen


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2. Februar 2016 um 19:08
In Antwort auf avarrassterne1

Hast Du mal...
das Codewort benutzt?

Oder nutzt Ihr das nicht als generellen Stop-Code?

Dein Beitrag liest sich für mich irgendwie ein bißchen nach "die ich rief die Geister..." - ja Du hast jetzt eine emotionale und impulsive Frau gefunden - und stellst fest, dass das für einen "sehr harmoniebedürftigen Menschen" nicht durchgänig das Paradies ist. Kann ich mir vorstellen.
Ich für meinen Teil bin auch eine von denen, die Streit in einer Beziehung brauchen - und nicht nur da, hier auf Arbeit fliegen auch öfter mal gepflegt die Fetzen über den Gang, längst nicht nur bei mir. Zu viel Harmonie wäre mir nix

Ja, was willst Du jetzt von mir hören... Natürlich kann ich Dir jetzt schreiben, dass es sich so gehört, dass man sich für Fehler entschuldigt, die man macht und dass ich das auch tue und richtig finde - aber ich habe bei Deinem Beitrag noch nicht einmal das Gefühl, dass es darauf in erster Linie ankommt bei Euch.

Du entschuldigst Dich immer für Deine Fehler. Fein, ganz brav und vorbildlich (sorry für den sarkastischen Unterton, ich überziehe bewusst ein bißchen). - Ok, das ist gut für *Dein* reines Gewissen. Und welche Bedeutung hat es eigentlich für Deine Partnerin? Ist Ihr das genau so wichtig? Oder tust Du das eher für Dich und weil es sich so gehört, damit *Du* es eben richtig machst? Du schreibst, dass sie das Gefühl hat, mit rationalen Argumenten gegen Dich sowieso nicht anzukommen. Daran ändern Deine Entschuldigungen ganz offensichtlich auch nichts. Denn dann ist sie ja faktisch mit Argumenten sehr wohl gegen Dich angekommen - nur sie fühlt das nicht. Mit anderen Worten: Sie entschuldigt sich nicht (oder zumindest nicht für Dich erkennbar) bei Dir und Deine Entschuldigungen kommen bei Ihr nicht an. Gleichstand.
Du weisst, dass sie sich emotional vergaloppiert und dabei auch "das Kind mit dem Bade ausschüttet" - also Dinge sagt, die sie nicht meint, wenn sie nicht grad Faschining im Kleinhirn hat - aber Du nimmst sie sehr persönlich - wider besseres Wissen würde ich da fast schon sagen. Klar sollte sie lernen, das einzubremsen, aber Du solltest auch lernen, nicht persönlich zu nehmen, was nicht persönlich ist. Gleichstand.
usw. usf.

Beschäftigt Euch mal mit Kommunikationstheorie und lernt streiten, wenn Ihr die Beziehung ernsthaft weiter führen wollt. Wenn Du willst, dass sie lernt einzulenken, musst Du ihr auch DAS GEFÜHL (!!!) geben, dass sie mit Argumenten sehr wohl eine Chance in einem Streit hat. Da kommt es nicht darauf an, dass Du *weisst*, dass das rein rational ganz sicher so ist - es kommt darauf an, dass sie auch (bewusst und unterbewusst) das Gefühl hat, dass es so ist.
Dann könnt Ihr das mit dem Code-Wort ausbauen und vereinbaren, dass wenn einer von Euch beiden "Apfelkuchen" sagt, der Streit SOFORT abgebrochen wird und frühestens 2h später fortgeführt wird - oder mit einer Pflaume im Mund oder so etwas, was den Fokus etwas von der emotialen Ebene herunter nimmt, es tickt sich nun einmal deutlich schwerer herum damit, aber eine Diskussion fortführen geht sehr wohl. Das muss man natürlich für wirklich ernste Fälle aufsparen und darf es nicht zu inflationär verwenden - und beide müssen sich ohne wenn und aber an die für das Code-Wort vereinbarte Regel halten. Vor allem aber: das kann nur die Spitzen abfangen und nicht das Grundproblem lösen - und das Grundproblem bei Euch steht (nach meiner Laienmeinung und dem bißchen, was ich weiss) einen Absatz weiter oben.

Re: Hast du mal ...
auch bei dir möchte ich mich für die einfühlsamen Zeilen bedanken.

Das Codewort sollte dazu dienen zu signalisieren, dass man sich "verrannt" hat und den angefangenen Streit beenden möchte, die Vorwürfe und gesagten Gemeinheiten zurücknehmen möchte. Das ist sicher Teil des Problems, dass das Codewort für Sie ist, aber ich glaube, ich bin überhaupt nicht in der Lage meinen Partner aus einer harmonischen Ausgangslage wegen einem vermeintlichen Fehlverhaltens fies anzugehen, ich bin schon mit Kritik sehr vorsichtig, nicht nur weil man Hunde, die hin und wieder mal knurren nur vorsichtig anfassen sollte sondern auch, weil es mir sehr sehr wichtig ist, dass eine Kritik eben nicht zu emotionalen Rückschlägen führt.

Mit den Geistern hast du Recht, mehr noch, sie hat italienische Wurzeln und entsprechendes Temperatment, das Zusammenprallen mit einem harmoniebedürftigen, rationalen (Deutschen) Typen wie mir hat tatsächlich eine gewisse Sprengkraft, im positiven wie im negativen Sinne.

Wenn ich was falsch gemacht habe versuche ich die Dinge klein zu halten und nicht aufzubauschen. Ich gebe das dann schon aus Bequemlichkeit zu, ich habe auch auf der Arbeit kein Problem damit, Fehler zuzugeben, ich kann wohl sagen, dass ich mir redlich Mühe gebe, möglichst wenige zu machen und kann mit meiner Quote leben. Ich mache daraus halt kein großes Ding, in dem ich lüge, vertusche und verharmlose und so alles nur noch schlimmer mache. Deshalb bin ich halt nie in der Situation, mich bis auf die Knochen lächerlich zu machen, sie aber schon. Das führt zu einer gefühlten Ungleichheit, da sie immer halt meint, es könne ja schon vom Prinzip her nicht sein, dass sie immer mit hohen Einsätzen verliert, aber um mal in dem Bild zu bleiben, wenn man beim Pokern seine Karten nicht anschaut oder ständig blöfft, dann ist das halt ganz absehbar. Dabei mag ich solche "Spielchen" in einer Beziehung nicht - und schon gar nicht pokern - ich finde da sollte Ehrlichkeit und Fairness dominieren.

Ich gebe ihr sehr wohl eine Chance für Argumente - die sind eigentlich das Einzige, was ich hören möchte. Leider verläuft der Streit ihrerseits immer nur auf der emotionalen Ebene.

Wenn ich immer wüßte, wann sie Fasching im Hirn hat - ich möchte fast sagen, wenn Männer das immer von ihren Frauen wüßten - dann wäre vieles leichter. Klar merke ich irgendwann, dass sie "ausflippt", ungerecht wird und dass das Gesagte unmöglich vollkommen ernstgemeint sein kann. Aber Ich fände es aber absolut unanständig und unangebracht, ihre Streitanfälle mit einer virtuellen Pappnase zu quittieren. Sie fühlt das was sie sagt in dem Moment auch genauso und wenn ich ihr das absprechen würde, dann würde ich sie und ihre Gefühle nicht ernstnehmen, das würde ich nicht hinkriegen, ohne arrogant und überheblich zu reagieren.

Meine erste Frau hat mir in 20 Jahren einmal eine runtergehauen (es blieb beim 1:0), als sie - ansonsten ebenfalls recht beherrscht - einmal ausgerastet ist und ich trocken in Sheldon Cooper-Manier geantwortet habe, sie sei offenbar emotional gerade indisponiert und wir sollten das Gespräch besser zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen.

Ich werde deinen Ratschlag annehmen und mich mal mit Kommunikationstheroeien weiter beschäftigen. Das Einzige Buch dazu, was ich gelesen habe war der erste Band von Schulz-von-Thun (Vier Seiten Modell), ich muss aber sagen, dass es mir das Leben nicht unbedingt leichter macht, da sie jetzt im Streit gewissermaßen in Vierkanal-Stereo höre
Das mag Teil meines Problems sein, dass es mir schwer fällt, eine Grenze zu ziehen, ich fände es einfach arrogant und überheblich zu entscheiden, wann jemand etwas ernst meint und wann ich es einfach ignorieren sollte. Umgekehrt möchte ich auch, dass meine Worte ernstgenommen werden und man mich nicht ignoriert, wenn es einem gerade in den Kram passt.










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2. Februar 2016 um 20:02
In Antwort auf sextus_12165390

Re: Hast du mal ...
auch bei dir möchte ich mich für die einfühlsamen Zeilen bedanken.

Das Codewort sollte dazu dienen zu signalisieren, dass man sich "verrannt" hat und den angefangenen Streit beenden möchte, die Vorwürfe und gesagten Gemeinheiten zurücknehmen möchte. Das ist sicher Teil des Problems, dass das Codewort für Sie ist, aber ich glaube, ich bin überhaupt nicht in der Lage meinen Partner aus einer harmonischen Ausgangslage wegen einem vermeintlichen Fehlverhaltens fies anzugehen, ich bin schon mit Kritik sehr vorsichtig, nicht nur weil man Hunde, die hin und wieder mal knurren nur vorsichtig anfassen sollte sondern auch, weil es mir sehr sehr wichtig ist, dass eine Kritik eben nicht zu emotionalen Rückschlägen führt.

Mit den Geistern hast du Recht, mehr noch, sie hat italienische Wurzeln und entsprechendes Temperatment, das Zusammenprallen mit einem harmoniebedürftigen, rationalen (Deutschen) Typen wie mir hat tatsächlich eine gewisse Sprengkraft, im positiven wie im negativen Sinne.

Wenn ich was falsch gemacht habe versuche ich die Dinge klein zu halten und nicht aufzubauschen. Ich gebe das dann schon aus Bequemlichkeit zu, ich habe auch auf der Arbeit kein Problem damit, Fehler zuzugeben, ich kann wohl sagen, dass ich mir redlich Mühe gebe, möglichst wenige zu machen und kann mit meiner Quote leben. Ich mache daraus halt kein großes Ding, in dem ich lüge, vertusche und verharmlose und so alles nur noch schlimmer mache. Deshalb bin ich halt nie in der Situation, mich bis auf die Knochen lächerlich zu machen, sie aber schon. Das führt zu einer gefühlten Ungleichheit, da sie immer halt meint, es könne ja schon vom Prinzip her nicht sein, dass sie immer mit hohen Einsätzen verliert, aber um mal in dem Bild zu bleiben, wenn man beim Pokern seine Karten nicht anschaut oder ständig blöfft, dann ist das halt ganz absehbar. Dabei mag ich solche "Spielchen" in einer Beziehung nicht - und schon gar nicht pokern - ich finde da sollte Ehrlichkeit und Fairness dominieren.

Ich gebe ihr sehr wohl eine Chance für Argumente - die sind eigentlich das Einzige, was ich hören möchte. Leider verläuft der Streit ihrerseits immer nur auf der emotionalen Ebene.

Wenn ich immer wüßte, wann sie Fasching im Hirn hat - ich möchte fast sagen, wenn Männer das immer von ihren Frauen wüßten - dann wäre vieles leichter. Klar merke ich irgendwann, dass sie "ausflippt", ungerecht wird und dass das Gesagte unmöglich vollkommen ernstgemeint sein kann. Aber Ich fände es aber absolut unanständig und unangebracht, ihre Streitanfälle mit einer virtuellen Pappnase zu quittieren. Sie fühlt das was sie sagt in dem Moment auch genauso und wenn ich ihr das absprechen würde, dann würde ich sie und ihre Gefühle nicht ernstnehmen, das würde ich nicht hinkriegen, ohne arrogant und überheblich zu reagieren.

Meine erste Frau hat mir in 20 Jahren einmal eine runtergehauen (es blieb beim 1:0), als sie - ansonsten ebenfalls recht beherrscht - einmal ausgerastet ist und ich trocken in Sheldon Cooper-Manier geantwortet habe, sie sei offenbar emotional gerade indisponiert und wir sollten das Gespräch besser zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen.

Ich werde deinen Ratschlag annehmen und mich mal mit Kommunikationstheroeien weiter beschäftigen. Das Einzige Buch dazu, was ich gelesen habe war der erste Band von Schulz-von-Thun (Vier Seiten Modell), ich muss aber sagen, dass es mir das Leben nicht unbedingt leichter macht, da sie jetzt im Streit gewissermaßen in Vierkanal-Stereo höre
Das mag Teil meines Problems sein, dass es mir schwer fällt, eine Grenze zu ziehen, ich fände es einfach arrogant und überheblich zu entscheiden, wann jemand etwas ernst meint und wann ich es einfach ignorieren sollte. Umgekehrt möchte ich auch, dass meine Worte ernstgenommen werden und man mich nicht ignoriert, wenn es einem gerade in den Kram passt.










Ähm...
vor allem: es besteht ein RIESEN Unterschied zwischen "ignorieren" und "nicht persönlich nehmen" - verwechselst Du das?

Zum zweiten: ich habe nie bezweifelt, dass Du ihr die Chance für rationale Argumente lässt. Deer Punkt ist nur, dass sie es nicht glaubt - und ob sie die nun real hat odeer nicht - so lange sie nicht auch das Gefühl hat, dass es so isst, wird sie wenig ändern können. Sie muss es Dir glauben, nicht ich Was ich Dir glaube und was nicht, ist unteerm Strich völlig irrelevant (mal abgesehen davon, dass ich es sehr wohl glaube...)

Zum dritten: in Sachen Emotionalität in den Reaktionenn habe ich (aus ganz anderen Gründen) so meinen eigenen Esel zu kämmen - und von daher kann ich Dir sagen: andere merken es immer noch eher als man selbst Daher auch die Frage, inwieweit Du mit dem Codewort einen harten Breakpoint setzt.

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2. Februar 2016 um 20:50
In Antwort auf avarrassterne1

Ähm...
vor allem: es besteht ein RIESEN Unterschied zwischen "ignorieren" und "nicht persönlich nehmen" - verwechselst Du das?

Zum zweiten: ich habe nie bezweifelt, dass Du ihr die Chance für rationale Argumente lässt. Deer Punkt ist nur, dass sie es nicht glaubt - und ob sie die nun real hat odeer nicht - so lange sie nicht auch das Gefühl hat, dass es so isst, wird sie wenig ändern können. Sie muss es Dir glauben, nicht ich Was ich Dir glaube und was nicht, ist unteerm Strich völlig irrelevant (mal abgesehen davon, dass ich es sehr wohl glaube...)

Zum dritten: in Sachen Emotionalität in den Reaktionenn habe ich (aus ganz anderen Gründen) so meinen eigenen Esel zu kämmen - und von daher kann ich Dir sagen: andere merken es immer noch eher als man selbst Daher auch die Frage, inwieweit Du mit dem Codewort einen harten Breakpoint setzt.

Du hast wohl recht
das Problem ist, dass die Anschuldigungen mangels Sachargumenten fast ausschließlich in persönlichen Beleidigungen, ja Anfeindungen ausarten. Wie soll man das nicht persönlich nehmen?

Wie wäre das: Ich merke, wenn die Situation eskaliert und von dem was sie sagt, zumindest ein Teil kaum zu 100% ernstgemeint sein kann (zumindest wäre das zu hoffen). Ich könnte dann den Part übernehmen, das Codewort zu nennen, das darf ihr erst einmal keine Schuld zuweisen ("du hast wieder Streit angefangen, bist ausgeflippt") sondern müßte besser auf eine persönliche Schwäche von mir beziehen ("ich fühle mich gerade persönlich angegriffen und komme damit nicht mehr klar"). Also als Bitte an Sie, *mir* die Auszeit zu geben. Danach könnte ich feststellen - also ebenfalls von mir ausgehend - dass ich mich für alles, was ich bis zum Codewort möglicherweise gesagt habe um Entschuldigung bitte und umgekehrt alles was sie gesagt hat vergessen und - falls nötig - verziehen habe. Sie könnte dann das Angebot annehmen und falls sie es für nötig hält, all die Dinge, die sie wirklich so gemeint hat und die ihr wichtig sind, wiederholen.

Ich möchte Dir und allen anderen schon mal für die vielen Denkanstöße danken, das ist einfach überwältigend, wie viele einfühlsame und tiefgründige Gedanken einem doch eigentlich wildfremden Menschen entgegen gebracht werden!

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2. Februar 2016 um 21:01

Es wird wohl so sein
ich habe schon relativ früh versucht zu verstehen, warum sie so reagiert und gemerkt, dass ich da einen wunden Punkt treffe. Sie hat mir früh gesagt, dass ich nicht alles von Anfang an über sie wissen muss, ich habe das immer akzeptiert und sie nicht unter Druck gesetzt, mir etwas zu erzählen, was Sie nicht möchte. Ein paar Puzzlesteinchen sind zwar mal gefallen, aber insgesamt fehlt scheinbar noch immer das Vertrauen, sich mal fallen zu lassen, dem Partner zu vertrauen und einfach mal alles rauszulassen, was einem das Leben so schwer macht. Was mich persönlich zwar traurig macht, aber ich kann es nicht ändern.

Das mit dem Weglaufen war einer der ersten Versuche. Zum einen wurde mir früh klar gemacht, dass es eine Todsünde ist, wenn man eine unzufriedene Frau (ich hab nicht meckernd gesagt) einfach stehen läßt. Außerdem sind unsere Türen nicht so dick, dass ich das Geschreie dann nicht hören würde. Sie hört dann erst recht nicht auf und alles wird noch viel schlimmer, also bleibe ich lieber da und höre mir an, was alles kommt.

Und zu guter Letzt zum Alkohol - wenn sie etwas getrunken hat wird sie (wie Carrie bei King of Queens) richtig ausgeglichen, als wäre beiden Gehirnhälften endlich im Einklang. Sie ist glücklich, zufrieden und entspannt und ich bin es dann auch Sie merkt es aber, wenn ich ihr zu oft ein Gläschen Wein anbiete

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3. Februar 2016 um 7:42
In Antwort auf sextus_12165390

Du hast wohl recht
das Problem ist, dass die Anschuldigungen mangels Sachargumenten fast ausschließlich in persönlichen Beleidigungen, ja Anfeindungen ausarten. Wie soll man das nicht persönlich nehmen?

Wie wäre das: Ich merke, wenn die Situation eskaliert und von dem was sie sagt, zumindest ein Teil kaum zu 100% ernstgemeint sein kann (zumindest wäre das zu hoffen). Ich könnte dann den Part übernehmen, das Codewort zu nennen, das darf ihr erst einmal keine Schuld zuweisen ("du hast wieder Streit angefangen, bist ausgeflippt") sondern müßte besser auf eine persönliche Schwäche von mir beziehen ("ich fühle mich gerade persönlich angegriffen und komme damit nicht mehr klar"). Also als Bitte an Sie, *mir* die Auszeit zu geben. Danach könnte ich feststellen - also ebenfalls von mir ausgehend - dass ich mich für alles, was ich bis zum Codewort möglicherweise gesagt habe um Entschuldigung bitte und umgekehrt alles was sie gesagt hat vergessen und - falls nötig - verziehen habe. Sie könnte dann das Angebot annehmen und falls sie es für nötig hält, all die Dinge, die sie wirklich so gemeint hat und die ihr wichtig sind, wiederholen.

Ich möchte Dir und allen anderen schon mal für die vielen Denkanstöße danken, das ist einfach überwältigend, wie viele einfühlsame und tiefgründige Gedanken einem doch eigentlich wildfremden Menschen entgegen gebracht werden!

Der Sinn eines Code-Wortes...
liegt in dieser Hinsicht vor allem darin, dann eben nicht aus dem Abbruch der Diskussion auch noch eine Diskussion zu machen.
Egal, ob Du ihr die Schuld zuweist oder Dich auf Dich beziehst... das würde genau darauf hinauslaufen.

So wie ich weiter oben geschrieben habe: wenn jemand "Apfelkuchen" oder was auch immer sagt, halten *beide* und *umgehend* (Pardon) ohne weiteren Kommentar das Schnäuzchen für 1-2h. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung, keine "Famous last words". Keinen Ton. Ruhe. Wenn sich dann alles abgekühlt hat, kann es weiter gehen. Hat es -warum auch immer- nicht so lange Zeit, diskutieren beide mit einer Pflaume im Mund weiter.
Aber wie gesagt: das kann keine Probleme lösen, nur "Lastspitzen" abfangen.

In Punkto Bücher zu Kommunikationstheorie kann ich Dir Deborah Tannen empfehlen. Ich habe angefangen, ihre Bücher zu lesen, als ich anno dazumal im Studium ein Referat für Sozialpsychologie geschrieben habe - ist ungefähr ewig her... Um einiges später habe ich dann ihre Bücher wieder neu entdeckt und bin bis heute begeistert. Die kosten inzwischen kurz vor nichts und da erinnere ich mich an eines names "das habe ich nicht gesagt" (oder so ähnlich) - das würde ich Dir empfehlen. Die Autorin ist psychologische Linguistin, schreibt aber auch für Laien absolut verständlich und da ist so mancher Augenöffner in ihren Büchern...
Alternativ das gute alte NLP - Thema. Der Ruf von NLP hat in den letzten 10 Jahren leider arg gelitten, das ganze Konzept wurde auf die "dem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen" - Nummer herunter geritten Eigentlich aber geht es bei NLP darum, die Fähigkeit zu erlangen, sich jedem beliebigen Menschen gegenüber so ausdrücken zu können, dass der einen versteht. Also richtig versteht. Heisst sowohl die Fähigkeit, einem Arzt oder Architekten einen Sachverhalt genauso erklären zu können wie einem Bauarbeiter oder einer Frisöse - als auch die Fähigkeit, eben mit sehr rationalen oder sehr emotionalen Menschen gut umgehen zu können.

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