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Selbstfindungsphase, wann geht das endlich vorbei?

3. September 2011 um 17:44

Hallo,
ich bin ratlos und manchmal verzweifelt.
ich möchte mal hören, welche Erfahrungen ihr mit dem Thema Selbstfindungsphase der Frau gemacht habt.

Bei uns gestaltet sich das so: Ich bin jetzt 45, meine Frau 42.
Wir kennen uns 16 Jahre und sind 13 Jahre verheiratet.
Wir haben 2 Kinder, 6 und 12 Jahre.
Meine Frau hatte vor einem Jahr seelische Probleme, die sich durch Panikattacken und andere körperliche Symptome geäußert haben. Mich hat das damals total überfordert. Ich habe ihr zwar zur Seite gestanden, aber nur zögerlich und nicht in dem Maße, den ich hätte leisten können.
Es war speziell für meine Frau eine harte Zeit. Sie hat sich aber nicht unterkriegen lassen und hat nach einer erfolgreichen Psychotherapie sehr konsequent an sich gearbeitet. Sie ist über dem Berg. Aber sie hat sich verändert. Sie ist jetzt selbstbewußter, hat klarere Vorstellungen und Power.
Ihr Problem war (und ist es immer noch ein wenig), daß sie sehr ängstlich war,was sie daran gehindert hat sich anderen Menschen gegenüber durchzusetzen. Sie war noch nicht einmal stark genug ihre Meinung zu sagen. Wenn ja, wurde sie nicht ernst genommen. Dieses Muster hat sich dann auch in unserer Ehe gefestigt. So habe ich irgendwann nicht mehr aufgepaßt und sie meist"verbal übergebügelt".
Viele Päckchen aus ihrem gesamten Leben spielen bei ihrer Krankheit eine große Rolle.
Während dieser Psychotherapie und während ihrer Studien im Internet und mit zahllosen Büchern, entdeckte sie zwangsläufig ihre gewünschte Lebensweise für die Zukunft.
Nämlich partnerschaftlich, in gleicher Augenhöhe und achtsam. Im Grunde, so wie ich sie mir schon gewünscht habe. Für mich ist ihre Entwicklung also erstmal verständlich, nötig und begrüßenswert.
Wir haben jetzt nur ein Problem:
Damals haben wir zusammengepaßt, weil der eine etwas beim anderen gefunden hat: Sie bei mir die Hilfe bei der nötigen Loslösung vom Elternhaus, Beschützer und Entscheider. Und ich bei ihr Liebe, Geborgenheit und vor allem Bestätigung.
Wir beide wollten Familie und ein Haus.

Jetzt hat sie mir eröffnet, daß sie sich nicht mehr sicher ist, ob wir zusammen passen. Sie stellt unsere gesamte Partnerschaft und mein Verhalten auf den Prüfstand.
Ich war geschockt und wachgerüttelt. Natürlich hatte ich in den ganzen Jahren auch eine Disharmonie wahrgenommen, hatte aber Angst es zu überprüfen.
Seither habe ich mich meiner Frau geöffnet und versuche es ihr Recht zu machen. Wir führen sehr tiefsinnige Gespräche und sind vorsichtig, daß wir uns nicht verletzen.
Sie erwartet von mir, daß ich mit einer Therapie und mit Lektüre ebenfalls an mir arbeite. Ich bin bereit dazu und habe schon damit begonnen.
Leider leide ich sehr unter dem Gedanken meine gesamtes Lebenswerk zu verlieren. Meine Frau, unsere Ideen und unsere gemeinsamen Ziele. Die Kinder sind doch noch so klein. Ich bin sehr verzweifelt, wenn ich beginne darüber nachzudenken. Das steht mir gewaltig bei meinen Fortschritten im Wege. Sie tröstet mich zwar manchmal ist aber in dieser Hinsicht eher abweisend und zunehmend genervt. Sie "braucht mich jetzt nicht mehr so wie früher". Soweit bin ich aber noch nicht mit meiner Entwicklung. Sie meint, ich soll mich beruhigen, damit sich bei ihr während unseres Neuversuches ein besseres Bild von mir bekommen kann. Es fällt mir schwer, aber ich muß es schaffen.

Habt ihr sowas auch schon mal erlebt. Geht das vorbei?

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4. September 2011 um 22:34

Konzepte
Ein guter Freund von mir sagt immer, man soll sich kein Konzept machen davon, wie etwas zu laufen hat. Ein Konzept ist ja eine Vorstellung. Denn Konzepte oder vorgefertigte Gedanken funktionieren meistens nicht bzw. behindern Dich. Du hast Dir ein Konzept gemacht von Euch und Eurem Leben und jetzt kommt das Leben auf Dich zu und wirft Dir Dein Konzept um. Dann stell Dich dem. Stell Dich dem Leben. Leben ist Veränderung. Und halte nicht starr fest an einer einmal getroffenen Entscheidung. Es ist gut eine Entscheidung zu treffen. Aber es ist auch gut zu wissen, dass man nicht für immer an dieser Entscheidung festhalten muss sondern sich neu entscheiden kann.

Und dann noch was: Es ist ganz klar, dass wenn sie eine Veränderung durch gemacht hat, sich Eure Beziehung dadurch ändert. Und: einmal ist der eine dran, einmal der andere. Das ist eigentlich eine ganz große Chance für Euch.

Viel Glück

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5. September 2011 um 19:33

Sie braucht dich jetzt immer noch
genauso wie du sie auch immer noch brauchst (ja, du hast sie gebraucht, auch wenn du das gar nicht bemerkt hast), nur auf eine andere Art und Weise. Ich finde das, was ihr da habt, bemerkenswert und eine tolle neue Chance. Klar muss aber auch sein, dass mit Veränderungen meist Angst einhergeht, und deine Partnerin sollte dies auch akzeptieren und dich nicht unter Druck setzen. Du bist auf ihre Bitte, eine Therapie zu machen und dich mit Lektüre weiterzuentwickeln, eingegangen. Aber deiner Frau muss auch klar sein, dass das nicht von heute auf morgen geht. Wie viele Monate oder Jahre war denn deine Frau in Therapie? Und du sollst das jetzt alles in einem Viertel der Zeit erreichen? Sorry, geht nicht. Sicherlich brauchst du nicht so lange, wie sie, denn sie war ja psychisch wirklich *krank*, aber auch du brauchst Zeit.

Vor allem brauchst du Zeit, um die Angst zu überwinden. Ich habe das Gefühl, du fühlst dich nicht mehr gebraucht, wertlos und irgendwie überfordert. So ist es aber nicht. Deine Frau braucht dich noch immer als Beschützer, Entscheider usw, nur eben auf einer anderen Stufe. Bisher konntest du die geforderten Eigenschaften eben schnell darbringen, weil deiner Frau das Selbstwertgefühl gefehlt hat. Jetzt hast du eine Powerfrau neben dir, die nicht mehr so pillepalle Anforderungen hat, sondern dich mal richtig fordert.

Wenn dir das bei der Arbeit von deinem Vorgesetzten abverlangt wird, weinst du bestimmt auch nicht still und heimlich auf den Klo. Und deine Frau liebt dich ja sogar, sie ist ja nicht irgendwer, der jetzt Forderungen an dich stellt. Ihr habt jetzt eine tolle Chance, euch weiterzuentwickeln. Greif sie auf, versuche mitzuhalten, nimm und fordere die Zeit, die du brauchst und sie die Chance, die du selbst zur persönlichen Entwicklung hast. Ich denke, ihr könnt das beide sehr gut schaffen, du hast im Augenbilck nur Angst vor der Veränderung und Angst, den neuen *Aufgaben* nicht gerecht zu werden. Das ist aber ganz normal. Mach kleine Schritte. Und lernfähig bist du doch, oder?

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5. September 2011 um 21:01

Nee,nee,
ich verfolge die Beiträge sehr interessiert. Aber ich bin im Moment wie erschlagen von Euren Meinungen.Das muß ich erstmal verarbeiten.Einige Beiträge haben mich echt berührt, weil ich mich darin wiedergefunden habe.

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7. September 2011 um 0:55

Gut getroffen
meine Gefühle. Das ist sehr einfühlsam von dir.Hast du ähnliches schon erlebt? Bist du männl. o. weibl.?
Um meine Situation noch besser zu beschreiben:
Früher war sie in ziemlich vielen Bereichen sehr unsicher.
Heißt nicht, daß sie dumm ist. Eher das Gegenteil. Sie war nur eben nicht so selbstbewußt. Richtig los mit der Unsicherheit und Ängstlichkeit ging es nach der Geburt unserer ältesten Tochter los. Also vor 12 Jahren. Das Baby hat uns beide extrem gestreßt. Sie ist so unsicher mit dem Kind umgegangen, daß sie z.B sogar Angst hatte das Kind alleine zu baden. Sie hat mich dann auf der Arbeit angerufen und gefragt wann ich nach Hause komme um ihr zu helfen.
Anrufe fast täglich was sie kochen soll und einiges mehr.
Sie konnte bis nach der Therapie ihre Rolle als Mutter und Ehefrau nicht aktzeptieren. Ich bin genau das Gegenteil: wo steht das Klavier? Wenn andere das hinkriegen, dann kriege ich das auch hin. Hatte im Gegensatz z ihr schon jahrelang einen eigenen Haushalt erfolgreich ohne Hilfe geführt. War also schon erwachsen. Sie eben nicht. Das ist sie jetzt erst geworden. Sie nennt es späte Pubertät. Habe also damals ihre Defizite ausgeglichen. Entscheidungen getroffen, Unternehmungslust versprüht etc..Kurz und gut:ich habe eben versucht eine Famile zu führen. Habe sie aber nie übergegangen.Ihre Meinung war mir wichtig. Nur habe ich sie nicht immer akzeptiert. Sie ja meine aber auch nicht immer. Alos normal.
Als das Kind 3 j. alt war haben wir uns gemeinsam dazu entschieden die Rollen zu tauschen, weil ihr Job sicherer ist.
Ich kam prima mit der Rolle klar. Es lief wirklich alles bei mir: Ich konnte kochen, putzen Wäsche waschen und nebenbei auch noch am Haus und im Garten arbeiten. Es war sehr anstrengend aber es hat mich sehr ausgefüllt.
Ihr fiel der Tausch verständlicherweise schwerer, als Mutter. Sie hat sich im Job aber dann einen Posten hart erarbeitet der ihr Spaß gemacht hat und der ihr viel Annnerkennung bei ihren Vorgestzten und Kollgen gebracht hat. Da war ich sehr stolz auf sie.
wir haben uns dann für ein zweites Kind entschieden und bewußt geplant, daß ich mit dem Baby zuhause bleibe. Das hat von Anfang an genauso prima geklappt.
Will damit sagen: ich habe das Gefühl alles, wirklich alles für die Familie getan zu haben. Habe mich dabei fast aufgegeben. Nun kommt sie mir mit evtl Trennung, weil sie auf einmal ihren eigenen Weg gefunden hat. Bin ich denn ihr Kaspar? Sie denkt jetzt in der Hauptsache erstmal an sich. Ist erstmal in Anbetracht ihrer Krankheit verständlich.
Nur wenn man sich das Jawort gegeben hat, zwei kleine Kinder und ein Haus hat, kann man doch erstmal versuchen die Beziehung zu retten anstatt gleich aufzugeben und an eigenes leben zu denken. Wozu haben wir denn die anderen Krisen überstanden? Um hier Schluß zu machen? Ohne Versuch?
Inzwischen habe ich begriffen, daß man das Leben nicht planen kann. Mann war ich naiv. das bereitet mir also keine Schwierigkeiten mehr.
Sie hat sich mittlerweile auch zu einem Versuch entschlossen. Nur bin ich so verunsichert und ängstlich, daß ich mich nur ganz schwer entspannen und fröhlich sein kann. Ich kann an nichts anderes mehr denken. und nachts schlecht schlafen. Sie ist verständnisvoll und tröstet mich wo sie kann, aber langsam komme ich mir ziemlich doof vor in meiner jämmerlichen art. ich sollte stattdessen Optimismus versprühen und sie zum Lachen bringen, damit sie mich positiv sehen kann. Ich weiss nicht wie soll ich das schaffen? stattdessen nachts Weinkrämpfe und Selbstmordgedanken. Gott sei Dank habe ich am Freitag meinen erstes Therapeutengespräch
.
Unser Verhältnis kann zur Zeit entspannt sein, wenn ich entspannt bin. Sie ruht in sich und geht jetzt souverän mit den Kindern um. Sie packt Dinge an, an die sie sich früher nicht rangetraut hätte. Sie will jetzt auf einmal alles selber machen. Muß ich auch erstmal mit umgehen lernen.

Habe jetzt so viel geschrieben und hoffe die Situation verständlich rübergebracht zu haben.
Muss jetzt schlafen. wenn ich kann. PS: wenn ich selten antworte liegt es daran, daß ich a: nicht täglich schauen kann und b: ich muß aufpassen, daß mich eure Beiträge nicht runterreißen. Mir gehts z.Zt. eben sehr wechselhaft. Auf jeden fall danke ich euch für eure Meinungen.

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