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Schwiegereltern und Nachbarn denken, dass wir in einem Hollywoodfilm leben

19. August um 13:41 Letzte Antwort: 19. August um 13:55

Hallo, ich würde gerne mal eure Meinung hören und mir eventuell den einen oder anderen Rat abholen, wie man reagieren könnte oder was man tun sollte.

Meine Frau und ich haben vor ca. 3 Jahren geheiratet. Da fingen die Probleme auch schon an.

Ihre und meine Eltern haben uns vorgeschrieben, dass es eine Hochzeit geben muss und wie diese ablaufen soll. Um den vermeintlichen Familienfrieden zu bewahren haben wir uns darauf eingelassen, obwohl das direkt mit großen finanziellen Einbußen einherging.
Später konnten wir uns durchsetzen, dass wir nicht im Heimatort ihrer Eltern leben (meine Leben im Ausland), sondern zusammen in eine andere Stadt ziehen, um unabhängig(er) zu sein. Es ereigneten sich viele kleine Vorfälle. Meine Frau wünschte sich ein Haustier. Ich hatte ihr offen gesagt, dass ich dagegen bin und mich deshalb nicht um das Tier kümmern würde, sie sich aber eins holen soll, wenn sie das ernsthaft will. Dann kam der Schock -> Ihre Eltern wollten es ihr verbieten. Dass meine Frau sich dieses Haustier trotzdem gekauft hat und ich mich dann auch darum kümmerte ging Ihren Eltern richtig auf den Keks.
Solche Mini-Vorfälle (und Anzeichen für eine spätere Eskalation) gab es dann die ganze Zeit über. Wir haben ihre Eltern regelmäßig besucht. Es gab ständig Sticheleien in meine Richtung, insbesondere wenn meine Frau mal nicht anwesend war und ich mit ihrem Vater alleine war. Er hat Kleinigkeiten gesucht, um mich zu kritisieren oder mir Vorwürfe zu machen. Insbesondere schien es ihm schwer zu fallen sich für uns zu freuen, dass sowohl ich, als auch meine Frau, sehr gute Berufe in guten Firmen gefunden haben, gut verdient haben und in einem sehr großen Haus lebten. Größer als seins. Im Nachhinein vermuten wir, dass er gehofft hatte, dass es uns sehr schlecht gehen wird und wir deshalb auf seine „Hilfe“ angewiesen sein werden, aber das Gegenteil war der Fall.

Dann wurde meine Ehefrau schwanger. Eine schwierige Schwangerschaft. Viel Übelkeit und gelegentliche Krankenhausaufenthalte. Unsere Nachbarn unterstützten uns, dachten wir zumindest. Ich gab den Söhnen der Nachbarn Nachhilfe, half dem Nachbarn bei etwaigen Problemen und seine Tochter und Ehefrau unternahmen Sachen mit meiner Frau, insbesondere wenn ich arbeiten war. Meine Mutter war zu besuch bei uns, eigentlich nur für zwei Wochen, aber wg. corona musste sie mehrere Monate bleiben. Belastend! Ich selbst halte es mit ihr kaum mehr als drei oder vier Tage am Stück aus, aber musste leider durchgehend arbeiten. Weil sie ständig daheim waren und es auch sonst nix zu tun gab, war die Stimmung zwischen den beiden nicht besonders gut. Insbesondere, weil meine wirklich ein sehr anstrengender Mensch sein kann. Naja, meine Mutter wollte eh nie länger als wenige Wochen bei uns bleiben, aber es ging halt nicht und wir mussten abwarten. 

Dann kam der Tag X, der alles verändert hat. Bei mir hatte sich ein Nerv im Rücken eingeklemmt, eine Kleinigkeit, die sich laut Arzt innerhalb von wenigen Tagen selbst erledigt, aber dennoch sehr schmerzhaft. Und meine Frau, die zu dem Zeitpunkt bereits im 8.Monat schwanger war, bekam wieder sehr starke Übelkeit und wollte ins Krankenhaus fahren, um eine Infusion zu bekommen. Meine Mutter war bei meinem Bruder. Da ich mir nicht zutraute mit diesen Schmerzen Auto zu fahren, baten wir die Nachbarstochter meine Ehefrau ins Krankenhaus zu bringen und diese kam auch sofort zu uns rüber.

Danach kam das schlimmste Erlebnis in unserem Leben mit verheerenden Folgen.
Ich lag im Bett, dachte meine Frau sei im Krankenhaus. Es vergingen einige Stunden, bis mich der Nachbar anrief und mich bat zu ihnen rüber zu kommen. Er sagte mir, dass das Krankenhaus sie nicht aufgenommen habe und sie deshalb bei denen zu Hause im Obergeschoss im Bett der Tochter liegt. Das Krankenhaus habe sie insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie abgelehnt und weil man dort vermute, dass meine Frau eher psychische Probleme habe. Als ich zu meiner Frau wollte meinte der Nachbar zu mir, dass das im Moment nicht so gut sei, weil meine Frau gebeten habe ihre Ruhe zu haben. Dann informierte er mich, dass die die Eltern meiner Frau auf dem Weg zu uns seien, weil meine Frau darum gebeten habe. Das war schon alles ein ziemlicher Schock für mich, aber er beruhigte mich ständig und meinte ich solle einfach mal rüber gehen und er werde sich dann melden, wenn die Eltern von ihr da seien und bestimmt gehe es dann meiner Frau auch besser. An dieser Stelle will ich anmerken, dass ihre Eltern eine Autofahrt von 2,5 bis 3 Stunden zu uns haben.  Ganz wohl war mir dabei nicht, da das ganze eigentlich ziemlich krass gegen die Corona-Regeln verstieß, aber einerseits war es eh schon zu spät und andererseits hatte ich wirklich sehr starke Schmerzen.

Circa eine halbe Stunde später rief er mich an und sagte, dass ihre Eltern gekommen seien, sie direkt in ihr Auto gepackt hätten und mit zu sich genommen hätten. Alle Versuche meine Frau zu erreichen scheiterten, der Nachbar meinte meine Ehefrau sei sehr unglücklich mit allem und insbesondere mit der Ehe und vieles mehr. Im Nachhinein wurde mir klar, dass ich zu dem Zeitpunkt meinen ersten Nervenzusammenbruch hatte.

Was hatte ich ihr getan? War ich nicht immer gut zu ihr? Was sollte das Ganze? Direse und viele andere Fragen schwirrten mir durch den Schädel...

Zwei Tage später bekam ich von meiner Frau eine Nachricht. Sie sagte mir, dass sie im Ort ihrer Eltern im Krankenhaus sei, dass die Ärzte nach dem Baby geschaut haben und es dem Baby gut geht und dass sie mit mir klären will, wie wir das machen sollen. Bringe ich ihre Sachen, soll sie sie abholen kommen und so weiter. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich bereits wieder gefasst und war lediglich sehr enttäuscht und teilweise wütend. Ich habe ihr gesagt, dass sie mich mal kreuzweise kann und sie direkt den sch** Hausschlüssel und damit auch das Haus selbst mit allem was drinnen ist haben kann und auch das ganze Geld was wir haben. Und besonders betont, dass sie sich nicht einbilden soll, dass ich mein Kind aufgeben werde und viele weitere solche dummen Aussagen.

Alles sehr belastend. Meine Mutter hat sich eingeschalten und auf mich eingeredet, dass ich um die Ehe und meine Frau kämpfen soll und so weiter. Hab ich abgeschmettert. Irgendwann habe ich mich dann eben doch überreden lassen, aber habe meiner Frau lediglich geschrieben, dass sie mich anrufen soll, damit wir die restlichen Sachen klären und mal in Ruhe über das Ganze reden und wie es jetzt weiter gehen soll. 

An diesem Abend, sehr sehr spät, rief mich meine Frau an. Es war wohl kurz vor oder kurz nach Mitternacht. Es war ein sehr kühles und emotionsloses Gespräch, bis ich irgendwann nicht mehr konnte und erneut einen Nervenzusammenbruch bekam. Das war auch gut so.., denn ich habe in diesem Zustand lediglich gefragt, was ich ihr angetan habe oder wo ich einen Fehler gemacht habe? Das war sowas wie der Schlüsselmoment, denn sie war sehr verwirrt und sagte, dass ich überhaupt nichts falsch gemacht habe und sie mich liebt, aber ich sie ja nicht mehr will und sie nicht versteht was sie falsch gemacht hat, dass ich sie nciht mehr liebe. Sie hat sich eingeredet, dass ich eventuell eine andere will oder keine Familie oder sonstwas. 

Da hat es bei uns beiden Klick gemacht und wir haben in Ruhe und sehr offen über alles geredet. Die Nachbarn haben an dem Tag meine Frau überhaupt nicht ins Krankenhaus gebracht, sondern sie direkt nach oben gebracht und ihre Eltern informiert. Dazu kam, dass ihr das Handy „weggenommen“ wurde, damit sie auf keinen Fall den Kontakt zu mir sucht. Obwohl sie mehrfach darum gebeten hat, dass ich zu ihr kommen soll, wurde ihr gesagt, dass ich nicht will und so ein Unsinn. Meiner Frau ging es wirklich sehr schlecht, wegen der Schwangerschaftsübelkeit und den damit einhergehenden Erscheinungen. Als sie in ihrem ehemaligen Heimatort ankam, wollten ihre Eltern sie auf keinen Fall ins Krankenhaus bringen. Ihre Mutter hat ihr deutlich gemacht, dass sie ab jetzt für immer dort bleiben würde und auf die Nachfrage meiner Frau, was mit mir sei, meinte ihre Mutter, dass ich schlecht sei, aber trotzdem kommen dürfe, damit wir dort nach denen ihren Regeln leben. Ihr Handy wurde auch hier entzogen. Echt krank! Aber es dauerte nur wenige Stunden, bis sich der Gesundheitszustand meiner Frau so weit verschlechtert hatte, dass ihren Eltern keine andere Wahl blieb, als meine Frau ins Krankenhaus dort zu bringen. Ihr Vater und ihre Mutter waren abwechselnd ständig bei ihr und bearbeiteten und bewachten sie, während ich von den Nachbarn bearbeitet wurde. Aufgrund der Tatsache, dass sich das Ganze mitten in der Hauptphase der Corona-Zeit abspielte, wurde den Eltern gesagt, dass sie sie nicht mehr ständig besuchen können und inzwischen schon viel zu viele viel zu lang anhaltende Ausnahmebesuche gemacht wurden. Tja, und dann kam unser Telefonat, das die ganze Sache aufklärte.

Die Nachbarn und ihre Eltern waren schon sehr lange im Kontakt und irgendwie hatten sie ausgemacht das „alles für unser Bestes“ zu tun. Die Nachbarn hatten aber nicht damit gerechnet, dass ihre Eltern sie dann mitnehmen würden, also waren die Absprachen zwischen denen auch nicht sehr offen. Den Nachbarn ging offenbar auf den Keks, dass wir im Gegensatz zu denen nicht tiefreligiös sind, kaum bis überhaupt nicht konservativ und wir sehr „harmonisch“ leben, während es drüben  krach gab und irgendeine echt kranke Rollenverteilung, die man eher im tiefen Mittelalter vermuten würde.

Naja, meine Frau bat mich inständig sie sofort abzuholen und wieder nach Hause zu bringen – ohne das Wissen ihrer Eltern. Kurz nachdem wir daheim angekommen waren, wurde sie von ihren Eltern mit Nachrichten auf dem Handy bombardiert und als Verräterin und sonst was abgestempelt. Sie reagierte nicht.

Am nächsten Morgen kam sogar die Polizei zu uns. Die Polizei, ein Six-Pack mit 4 Beamten, Hände am Waffenhalfter und Handschellen bereit, erblickte zunächst nur meine Ehefrau, die gerade im Garten auf einer Decke ein kleines Picknick machte und Musik hörte. Ich arbeitete im Wohnzimmer am Laptop, Homeoffice und kam heraus, nachdem mich meine Frau gerufen hatte. Die Polizei informierte mich darüber, dass der Vater meiner Frau sie verständigt habe, weil er seine Tochter nicht erreichen kann und er sich Sorgen um ihren Zustand macht, weil sie einen sehr bösen Ehemann hat und es ihr zurzeit sehr schlecht geht. Die Polizei sagte aber gleich, dass sie die Lage nach Besichtigung und einem Gespräch mit meiner Frau total anders einschätzen. Daraufhin bekam meine Frau von ihrer Mutter eine ganz böse Nachricht, dass sie eine Verräterin sei, weil sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt und es ihr super geht, während ihre eigenen eltenr total leiden.

Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr Details einbauen und vorgefallene Geschichte, aber ihr habt wahrscheinlich selbst gemerkt, dass die Geschichte auch im jetzigen Zustand schon sehr lang ist, aber ich will euch noch sagen, was ich und meine Frau danach besprochen haben und zu welchen „Entschlüssen“ wir gekommen sind.

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass es auch in unserer Ehe zu kleinen Streitigkeiten, Meinungsverschiedenheiten und so weiter gekommen ist, aber wenn wir alle bisherigen davon betrachten, hatten sie alle eins gemeinsam: immer nur wegen anderen Menschen, seien es meine oder ihre Eltern, die Nachbarn oder unsere Geschwister. Wir selbst waren immer sehr harmonisch miteinander und haben beschlossen, dass wir die Konsequenz ziehen, dass wir in Zukunft jede Entscheidung ohne Einmischung von außen treffen werden. Darüber hinaus habe ich darauf bestanden, dass ihre Eltern unser Kind nur sehen dürfen, wenn ich auch dabei bin, zumindest die ersten Jahre. Einerseits, so krank es sich anhört, wollten sowohl ihre Eltern, als auch unsere Nachbarn wirklich nur das Beste für uns, zumindest in deren kranken Welt und Gehirnen. Andererseits ist es wirklich schwer so etwas Hinterhältiges zu verzeihen, wenn man bedenkt, dass sogar unsere Ehe in die Brüche hätte gehen können. Außerdem fällt mir die Vorstellung schwer, dass ich nicht bei der Geburt hätte dabei sein können, die ersten Momente mit unserem Kind nicht erlebt hätte und vieles mehr, nur weil irgendwelche alten Menschen sich wie Kinder benommen haben.

Naja, inzwischen ist es so, dass ich null Kontakt zu ihren Eltern habe, der Kontakt meiner Frau zu ihren Eltern sehr viel weniger ist als früher, obwohl ihre Eltern zumindest ihr gegenüber so tun als sei nichts passiert, und es wirklich schräg ist, wenn sie mal bei uns sind. Sie sind halt wirklich noch sehr altmodisch und so weiter und ich bin eigentlich nciht nachtragend, aber habe angst. Wieso? Weil sie bis heute nicht mal im Ansatz einsehen, dass sie auch nur den geringsten Fehler gemacht haben könnten, im Gegenteil- Sie finden es nur schade, dass es nicht funktioniert hat, wie sie es sich vorgestellt haben. Zu den Nachbarn haben wir den Kontakt übrigens komplett abgebrochen. 

Irgendwie ist alles großer Mist, aber in meinem Kopf hat sich die Idee eingepflanzt, dass es zumindest drei oder vier Jahre so wie jetzt bleiben sollte. Denn einerseits wäre dann das Kind schon etwas älter und andererseits wären wir dann schon so lange verheiratet, dass sie es wohl oder übel akzeptieren müssen. Dann würde ich auf ihre Eltern zugehen, als ob nichts passiert sei. Meine Frau fand das okay. Hört sich zwar seltsam an, warscheinlich weil es seltsam ist, aber mir fällt auch nix anderes ein. 

Und ganz ganz großer Mist ist, dass ich irgendwie total verrückt werde, wenn ihr Handy mal klingelt, sie eine Nachricht bekommt oder sowas. Irgendwie denke ich, dass ihre Eltern ständig bei ihr über mich lästern usw. Andererseits finde ich, dass unser Kind ein Recht auf seine Großeltern hat und sie auf ihre Eltern, weil mir Familie sehr wichtig ist und meine eigene Familie echt nicht die Leichteste ist. 

-_- Bye Leute, danke fürs Lesen! 
Über die eine oder andere Meinung würde ich mich freuen und insbesondere über Ratschläge wie es denn jetzt weiter gehen soll... 

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19. August um 13:55

Puh, was für eine Geschichte. Ihr meistert das gut und müsst eigentlich nur weiterhin so offenkundig voller Vertrauen zu Euch sein. Es ist Eure kleine Fdmilie und ihr müsst Euch genau überlegen, dass es an Euch liegt, wie Euer Kind aufwächst. 

bleibt weiterhin so stark und miteinander verbunden. Pflegt Eure Liebe und Beziehung und seid vorsichtig im Hinblick auf due weitere Verwandtschaft. 

Alles Gute! 

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