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Forum / Liebe & Beziehung

Schluss machen, Gewalt über 3 Jahre Beziehung . Andere geben einem viel mehr

Letzte Nachricht: 28. September 2021 um 21:29
U
user770287762
27.09.21 um 13:32

Hallo, ich finde mich aktuell in einem Gefühlschaos wieder und schäme mich auch irgendwie offen darüber zu sprechen. Es wird ein sehr langer Text, es interessiert also wahrscheinlich eher nur die die selbst in einer ähnlichen Situation stecken. Meine Situation ist folgende: Ich bin seit mittlerweile 3 1/2 Jahren mit meinem ersten richtigen Freund zusammen (Sind heute beide 20). Wir haben viel scheisse zusammen durchgemacht was uns auch sehr zusammengeschweißt hat. Ich würde sagen keiner kennt mich so wie er. Leider sind über die Zeit auch einige Dinge zwischen uns passiert: Wir streiten uns eigentlich jeden Tag über Kleinigkeiten, ich kann es ihm nie recht machen und er findet immer wieder Dinge die ich falsch mache. Ich hab schon immer ein großes Problem mit meinem Selbstbild gehabt - Am Anfang der Beziehung hat er dazu beigetragen das ich mich viel besser gefühlt hab heutzutage ist es so das ich mich manchmal noch mehr hasse als früher schon. Er hat nämlich ein Händchen dafür jemanden genau da zu treffen wo er am empfindlichsten ist und macht das z.B. im Streit dann auch regelmäßig. Ich fühle mich sehr eingeengt. Mein Freund vertraut keinen anderen Männern weswegen ich zu mir wichtigen Freunden nicht den Kontakt alleine halten kann. Ich soll mich nur mit ihnen treffen, wenn er dabei ist. Ich kann nichts ansprechen weil ich dann befürchten muss das es wieder einen Streit, schlechte Laune oder verletzende Worte gibt. Hinzu kommt: Ich habe seitdem ich zwölf bin psychische Probleme (Depressionen, Angstzwänge) was er auch immer wusste. In den letzten Jahren ging es mir so schlecht das ich zu wirklich niemanden außer meinem Freund mehr Kontakt hatte. Ich hab also keine Freunde gehabt. (Zu dem Zeitpunkt hab ich auch oft den Vorwurf bekommen ich würde ihn einsperren weil es mir nie gut ging wenn er mich alleine ließ, ich habe es ihm aber nie verboten oder so) . Was für mich ein ausschlaggebender Punkt ist: Leider ist es vor einiger Zeit auch so weit gekommen das er Gewalttätig mit gegenüber geworden ist. Er hatte eine sehr schwierige Kindheit hat selbst sehr viel Gewalt und Abweisung erfahren und hat dadurch nicht nur im Bezug auf mich Agressionsprobleme entwickelt. Er hat sich die ersten Male sehr dafür geschämt und wollte auch 'mir zu liebe' Schluss machen. Damals wollte ich das aber nicht, ich habe ihn so geliebt und er war für mich alles was ich hatte und das einzigste was ich wollte. Leider passierte es dann immer häufiger und willkürlicher und extremer. Es folgten viele Gespräche, sehr viel Hin und Her. Das er körperlich gewalttätig wird kommt eigentlich praktisch nicht mehr vor aber ich zucke bis heute jedes Mal zusammen wenn er seine Hand zu schnell hebt vorallem im Streit und weiß, es könnte jeder Zeit wieder passieren. Ich bin total verzweifelt auf der einen Seite empfinde ich Liebe, Verbundenheit und tiefste Wichtigkeit in diesem Mann auf der anderen Seite fühlt es sich einfach nicht richtig an. Ich bin erst 20 und das soll es gewesen sein? So sieht Liebe aus? Naja, über die ganze Zeit blieb mir nicht länger als eine Minute der Gedanke im Kopf Schluss zu machen. Es war einfach unvorstellbar für mich ein Leben ohne ihn zu führen. Wir haben die gleichen Ansichten und teilen eine Zukunftsvision. Das hat mir schon so viel Sicherheit gegeben. Außerdem kann ich nicht ändern das er mir wirklich wirklich wichtig geworden ist. Ich kenne den Menschen der er innerlich ist und ich kenne den Menschen den seine Erziehung aus ihm gemacht hat. Nur bin ich jetzt an dem Punkt wo ich nicht mehr weiß ob das reicht. Es kann doch nicht sein das es mir so oft so schlecht durch ihn geht. Mittlerweile viel öfter schlecht als gut, anders als damals. Heute habe ich es endlich geschafft wieder alte Freunde von mir in mein Leben zu lassen. Die in mir aber direkt das Gefühl erwecken das es viele Menschen gibt die mich besser behandeln würden als er es tut. Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Wenn ich daran denke ihn zu verlassen zieht sich in mir alles zusammen. Eigentlich will ich es nicht, aber ich weiß einfach nicht ob ich so jemals glücklich sein kann. Ich fühle Weich furchtbar wenn ich daran denke und würde am liebsten direkt zu ihm rennen und in die Arme schließen. Aber es lässt sich langsam nicht mehr verdrängen . Für eine offene Beziehung wäre er niemals bereit. War schonmal jemand in einer ähnlichen Situation? Danke an jeden der bis hierhin gelesen hat!!

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S
spectru
28.09.21 um 21:29

Hey hallo, Du brauchst Dich nicht dafür zu schämen. Schön, dass Du hier offen schreiben kannst. Langer Text hin oder her, es interessiert mich was Du schreibst, auch wenn ich nicht in einer ähnlichen Situation stecke. Lass Dich virtuell mal drücken.

Selbst wenn meine Situation heute ganz anders ist, so habe ich doch einen Bezug zu Deiner Erzählung. Ich hatte nicht Depressionen oder Schüchternheit, jedoch am Selbstbild musste ich durchwegs arbeiten. In dieser Sache sind lediglich die Auswirkungen ganz anders. Als Frau findest Du Dich typischerweise in einer lieblosen Beziehung wieder. Als Mann hingegen, hast Du schon gar keine Beziehung und bleibst allein. Typischerweise werden diese Männer von Frauen wie Dir schon gar nicht beachtet. Dies kann beschämend sein, so glaube ich Dich gut zu verstehen.

"Mein Freund vertraut keinen anderen Männern". Das wäre okay. Das Problem dürfte sein, dass er Dir nicht vertraut. In einer gut funktionierenden Beziehung ist das anders. Ich vertraue z.B. meiner Frau sehr.

Bestimmt wurde es Dir schon gesagt, aber Gewalt von Deinem Freund gegen Dich geht gar nicht. Ich denke Du weisst das auch. Es ist nur eine Frage davon, wie lange Du brauchst, um von ihm loszukommen. Denkst Du nicht auch so?

Ja genau, schwierige Kindheit usw. es ist nahezu immer so, wenn der Mann gewaltsam ist. Normal im Sinne von häufig ist das nicht. Eine grosse Mehrheit der Männer hatte eine einigermassen gute bis sehr schöne Kindheit und ist nicht gewalttätig. Sicherlich nicht gegenüber der eigenen Partnerin.

Mit 20 bist Du doch noch so jung. Dir liegt so wie die ganze Welt zu Füssen. Dein Leben hat Dir noch viel zu bieten. Einfach ist es nicht, aber sehr machbar für Dich.

Nun magst Du "praktisch" keine Gewalt mehr erfahren, was auch immer das heisst. Jedoch musst Du Dich entwickeln. Zusammen zu zucken, wenn er seine Hand zu schnell hebt, das ist nicht Dein Leben. Wobei es kümmert mich nicht, wie Du heute lebst und wer Du bist. Die Frau, welche Du sein willst, auf sie kommt es an, um sie bin ich bekümmert.

Nein für mich ist das nun mal nicht Liebe. Er mag Dir wichtig sein, jedoch das allein reicht nicht aus. Du hast nur eine Minute über eine Trennung nachgedacht? Dann denke nächstes Mal zwei Minuten darüber nach. Das reicht schon aus, wenn Du immer so weiter machst.

Nun was Dein Freund innerlich ist, lässt sich nicht trennen von dem was seine Erziehung aus ihm gemacht hat. Mal sicher nicht für Dich. Du könntest ihn zur Therapie motivieren. Nur will ich schon gar nicht davon schreiben, denn das wird nicht funktionieren. Er müsste das selbst wollen und sein Wille müsste sehr stark sein. Eine Drohung von Dir, würde nie dafür ausreichen, so glaube ich.
Ich denke Du täuscht Dich in seiner Stärke. Nach aussen mag er stark sein, nach innen ist er es nicht.

Du brauchst ihn nicht morgen schon zu verlassen, das ist okay. So etwas kannst Du nur in kleinen Schritten machen. Zwei Schritte bist Du bereits gegangen, indem Du Deine Freunde reaktiviert hast und hier geschrieben hast. Jeder hat mal zu leiden auf verschiedene Weise, Du bist nicht allein. Deine Fähigkeit jedoch Dein Weg zu gehen, so klein Deine Schritte auch sein mögen, sie bringen Dich ganz sicher irgendwann ans Ziel. Freue Dich darauf, denn das wird sein, was Du erreicht hast.

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