Forum / Liebe & Beziehung

Schluss machen bei Mentaler Krankheit(?)

1. Dezember 2020 um 5:56 Letzte Antwort: 1. Dezember 2020 um 21:43

Zuerst einmal kurz etwas zu mir, ich bin Männlich, 26 Jahre alt studiere und arbeite nebenbei als Barkeeper und DJ (durch Corona natürlich eher weniger aktuell). 
Ich bin seit 2.5 Jahren mit meiner Freundin zusammen, die ich durch unsere gemeinsame WG damal kennen gelernt habe. 
Meine Freundin leidet, seit sie etwa 15 ist an einer Zwangsstörung (Waschzwang), welcher ihr vorallem in den letzten Monat wieder extrem den Alltag beeinschränkt. Sie war zeitweise auch in einer Klinik, dort wurde sie aber entlassen, weil Ihr zwang so stark war, dass sie quasi behandlungsunfähig ist. 
Sie ist teilweise 5-8  Stunden im Bad, was Ihr quasi wie gesagt den gesamten Alltag raubt, sie kann nichts wirklich machen und ist total gebunden an ihren Zwang, welcher wie gesagt besonders in den letzen Monaten wieder sehr schlimm wurde.

Nun zur Beziehung - Wir sind seit 2.5 Jahren zusammen und ich würde sagen, dass die Beziehung gut läuft. Wir streiten quasi garnicht, was eventuell auch damit zusammenhängt, dass ich eher ein Dominanterer Typ bin und sie sehr devot, wodurch es eigentlich nie dazu kommt, dass wir uns bei Meinungsverschiedenheiten streiten oder ähnliches. 
Sie hängt extrem an mir und ich bin in Ihrem Leben vorallem aktuell eine sehr große Stütze. Ihre Freundinnen vom Studium sind bereits aus der Stadt gezogen, wodurch ich hier in der Stadt in der wir studieren quasi ihre einzige wirklich enge Bezugsperson bin. Ein paar andere Freundinnen hat sie zwar, aber die sind jetzt nicht wirklich so extrem dicke. 

Durch den Zwang ist sie jetzt bereits seit mehreren Monaten zuhause, wegen dem Klinik Aufenthalt, aber auch, weil ein Leben hier quasi wegen ihren Badzeiten garnicht möglich ist - aufgrund der Mitbewohner. 

Nun zu meinem Problem - ich empfinde schon seit langem sehr viel weniger für Sie, als Sie für mich empfindet. Ich habe eigentlich schon relativ früh gemerkt, dass ich in der Beziehung nicht zu 100% glücklich werde und mit ihr auch nicht ewig zusammen bleiben möchte. War aber leider immer zu feige dazu, einfach Schluss zu machen, da ich immer das Gefühl hatte, für Sie würde das Leben hier in der Stadt dann zusammen brechen. 
Ich sehne mich einfach schon seit langem wieder nach dem Single Leben und habe das Bedürfnis mich einfach noch mehr auszuprobieren, gerade durch den Cluballtag als DJ oder Barkeeper wurde mir da sehr oft immer wieder bewusst, dass eine feste Beziehung eigentlich nicht da ist, was ich möchte.

Mir ist das ganze in der letzten Zeit einfach immer bewusster geworden. Ich denke, wenn es Ihr aktuell nicht so extrem schlecht gehen würde und sie komplett stabil wäre, könnte ich auch über meinen Schatten springen und mit Ihr schluss machen, solange ich weiß, dass es Sie nicht total aus der Bahn werfen würde und ihr sonst irgendwie schadet. 

Jetzt kommt aber halt ihre Krankheit ins Spiel.
Sie ist seit Monaten extrem verzweifelt, leidet auch an Depressionen. Sie kann quasi keinen normalen Alltag führen und ich fühle mich sehr dazu verpflichtet, für zu da zu sein und Ihr halt zu geben. Auf der anderen Seite belüge ich sowohl Sie, als auch mich selbst damit, weiter in der Beziehung zu beleiben. 
Um einfach schluss zu machen bin ich einfach zu feige, schwach oder habe einfach zu viel Mitgefühl, ich weiß es nicht genau. 

Ich bin einfach aktuell in einer echt beschissenen Lage und weiß nicht, was ich machen soll. Auf der einen Seite will ich Ihr einfach beistehen und Sie in so einer, für sie extrem schweren Lage nicht einfach noch verlassen. Auf der anderen Seite, will ich aber auch auf mich achten und weiß, dass ich mich durch die Beziehung selbst auch hängen lasse und eigentlich nicht glücklich bin.
Ich wünschte wirklich, dass ich jegliche Empathie für ein paar Wochen ausschalten könnte und einfach Arschloch sein und schluss machen. Aber das packe ich leider nicht. 

Habt ihr irgendwie einen Rat, was ich machen soll? Ich bin mit dieser Beziehung nicht glücklich und das beste wäre wahrscheinlich, wenn ich Schluss machen würde. Aber ich bin auch ein Mensch, dem Loyalität extrem wichtig ist und will Sie in Ihrer Lage jetzt nicht einfach alleine lassen und sie wahrscheinlich noch mehr runter ziehen.

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1. Dezember 2020 um 8:36

Erstmal finde ich es toll, dass du dir darum Gedanken machst, wie es ihr geht. Aber kannst auch loyal und eine Stütze sein, wenn ihr keine Beziehung mehr habt. Wenn sie dann deine Untersützung nicht will, dann ist es allein ihre Entscheidung. 

 

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1. Dezember 2020 um 12:14

Dass man sie aus der Klinik entlässt, weil sie "behandlungsunfähig" ist finde ich am schlimmsten. An wen soll sie sich denn sonst wenden, sie braucht unbedingt Hilfe

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1. Dezember 2020 um 17:58
In Antwort auf

Dass man sie aus der Klinik entlässt, weil sie "behandlungsunfähig" ist finde ich am schlimmsten. An wen soll sie sich denn sonst wenden, sie braucht unbedingt Hilfe

Ja, genau das selbe habe ich mir auch gedacht.
Aber die Klinik hat halt irgendwie eher Behandlungsmethoden, wo sie quasi einfach übt Sachen weg zu lassen und wenn sie dann dort 8 Stunden im Bad ist etc. konnten sie quasi keine Behandlung machen.
Es gibt wohl andere Kliniken dann, die erstmal irgendwie stabilisieren, aber im Endeffekt auch nur mit Medikamenten. Also wirkliche gute Behandlungen habe ich das Gefühl, gibt es einfach in dem Bereich nichtmal..

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1. Dezember 2020 um 18:00
In Antwort auf

Erstmal finde ich es toll, dass du dir darum Gedanken machst, wie es ihr geht. Aber kannst auch loyal und eine Stütze sein, wenn ihr keine Beziehung mehr habt. Wenn sie dann deine Untersützung nicht will, dann ist es allein ihre Entscheidung. 

 

Das stimmt natürlich. 
Wir haben vorhin erst wieder telefoniert, weil ich mit Gestern Abend nicht gemeldet habe, Sie sagte mir dann wieder, dass sie sich Sorgen macht, dass ich sie verlassen würde.
Ein großes Problem ist, was sie mir auch gestern wieder sagt, dass ein großer Grund ihres Zwang ist, dass sie irgendwie eine tiefe Angst hat verlassen zu werden. 
Wenn sie glaubt, sie wäre dreckig, hat Sie halt Angst, dass andere sie deswegen verlassen und sie dann alleine gelassen wird.
Jemanden zu verlieren, der Ihr nahesteht wäre für sie (ihre Aussage) das schlimmste, was überhaupt passieren kann.

Echt nicht so einfach das ganze..

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1. Dezember 2020 um 21:43

Doch, ich finde es wird deutlich einfacher, wenn man das etwas aufdröselt.

Du als Freund bist NICHT ihr Therapeut und somit auch nicht dafür verantwortlich, ob und wie sich ihr Zwang verbessern kann.

Du bist NICHT ihre Medikation, soll heißen, wenn Du bei ihr bleibst, wird es nicht schlimmer sondern bleibt stabil.

Du bist NICHT verantwortlich für z.B. emotionale Stabilität bei ihr.


Aber: Du trägst für DICH Verantwortung. Und wenn Du diese Beziehung nicht mehr willst, darfst Du das ändern. Den Einwand, dass Du trotz gescheiterter Liebesbeziehung für sie da sein kannst (wenn sie es will), finde ich berechtigt und gut. Dass ein Partner mit einer derart schweren Erkrankung eine Belastung ist, kann sich wohl jeder vorstellen. Dass es nicht wie eine "normale" Trennung ablaufen kann, wird auch klar sein. Die richtigen Worte muss Du alleine finden, denn Du kennst sie. Aber ihre Erkrankung liegt in ihrer Verantwortung und ist nicht eine Maßgabe, dass Du Dich niemals trennen darfst.

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