Forum / Liebe & Beziehung

Scherzhafte Beleidigung

18. Oktober um 15:25 Letzte Antwort: 21. Oktober um 9:03

Hallo ihr Lieben, ich brauche mal Rat von Außenstehenden, weil sich meine Gedanken mittlerweile nur noch im Kreis drehen. 
Seit etwa einem halben Jahr bin ich jetzt mit meinem Freund zusammen, die "Honeymoon-Phase" ist so langsam vorbei und so allmählich hat man sich richtig kennengelernt. In den letzten Wochen ist mir immer öfter aufgefallen, dass mein Freund mich gerne beldeigt, natürlich immer nur im Spaß. Das ist zwar eigentlich schon immer so ein Ding zwischen uns gewesen, dass wir uns gegenseitig aufziehen, aber in letzter Zeit ist es immer häufiger und vor allem immer einseitiger. Immer wieder gibt es Tage, an denen er mich aus irgendeinem Grund ständig mit irgendwas aufzieht und stichelnde Kommentare abgibt, vor allem, wenn andere Leute dabei sind. Er stellt mich gerne als faul da, als inkompetent in bestimmten Situationen, lacht über mich, wenn ich mal ironische Kommentare nicht verstehe und macht mich allgemein ziemlich runter.
Danach kommt dann oft ein "Du weißt schon, wie lieb ich dich eigentlich habe" und so, aber verletzt bin ich trotzdem. Ich zeige das dann meistens nicht, weil ich nicht als humorlose Zicke darstehen will, aber gerade wenn es sich häuft, ist mein ohnehin schon schlechtes Selbstwertgefühl am Ende des Tages am Boden. In solchen Momenten fällt es mir auch schwer, zurück zu schießen, was das ganze noch unausgeglichener macht. Eigentlich bin ich auch recht schlagfertig, aber nicht vor meinem Freund. Da verschlägt es mir einfach die Sprache, jegliches Selbstbewusst sein, etwas zu sagen, ist weg. Durch diese Struktur hat sich ein wenig ein Autoritätsverhältnis in die Beziehung eingeschlichen.

Ihr müsst wissen, mein Freund ist jemand, der - anders als ich - äußerlich vor Selbstbewusstsein strotzt (klar hat er auch seine Unsicherheiten, aber die zeigt er natürlich fast nie). Er bleibt in jeder Situation souverän, ist super schlagfertig. Leider fällt es ihm schwer, Probleme anzusprechen (warum, das habe ich noch nicht ganz herausgefunden). Deshalb habe ich immer, wenn er mich ärgert, das Gefühl, dass es eben nicht nur scherzhaft ist, sondern versteckte Kritik dahinter steckt, die er nicht normal äußern kann. Um so mehr verletzen mich seine Kommentare. 
Ich dagegen habe nach zwei Jahren Therapie aufgrund von Depressionen den Wert von solchen Gesprächen erkannt und spreche öfter mal Dinge an. Dann lässt er auch mit sich reden und öffnet sich ein wenig. Trotzdem hat er noch nie von selbst etwas angesprochen.

Dieses Thema habe ich auch schon angesprochen und ihm erklärt, dass es mich verletzt, dass ich nicht das Gefühl habe, dass es ein Witz ist, sondern dass es ihm ernst ist. Und dass es mich noch mehr verletzt, wenn es offensichtlich ist, dass ich das nicht mehr lustig finde und er trotzdem weiter macht und das obwohl er meine Probleme mit meinem Selbstbewusstsein kennt. Allerdings war das in einer angespannten Situation, weil wir beide einen stresisgen Tag hatten und er auch von mir ein wenig genervt war (wegen anderen Dingen und das auch zu recht. Ich habe mich dann entschuldigt dafür). Er hat zugegeben, dass das "seine Art ist Dinge anzusprechen", ich hab ihm gesagt, dass das ne scheiß Art ist und gefragt, warum er nicht in der lage ist, dass normal anzusprechen. Keine Antwort. Er war nicht wirklich veständnislos, ich glaube schon, dass mein Anliegen zu ihm durchgedrungen ist. Aber etwas wie eine Entschuldigung oder so kam nicht. 

Jetzt mache ich mir Gedanken: Sollte er nichts an seinem Verhalten ändern, wird die Beziehung mein Selbstwertgefühl schwächen, wird also nicht gerade gut sein für meine psychische Gesundheit. Eigentlich bin ich "austherapiert", habe meine Medikamente abgesetzt und war setzt sein knapp einem halben Jahr nicht mehr in Therapie. Innerhalb der letzten vier Monate hatte ich zwei Panikattacken, beide in seiner Anwesenheit, beide nach einem dieser Tage, an denen er mich gepiesakt hat. Ich habe diese Attacken im nachhinein als "Appell" an ihn wahr genommen, als eine Art Ausruf "Schau, mir gehts schlecht, bitte kümmere dich um mich." Klingt alles nicht besonders gesund, ich weiß.
Andererseits können diese Panikattacken auch andere Ursachen haben, weil gerade viel in meinem Leben passiert und umgewälzt wird und Corona mich ganz schön fertig gemacht hat. Und wir haben auch soo viele gute Momente. Und ich liebe ihn sehr.
Ich mache mir Sorgen, dass ich (obwohl ich mich für recht aufgeklärt und reflektiert halte, was das angeht) in einer "toxischen" Beziehung bin. Denn je mehr er mich aufzieht, desto geringer mein Selbstewusstsein und je geringer mein Selbstbewusstsein, desto mehr bin ich emotional abhängig von ihm und desto mehr lasse ich ihm durchgehen. Ich weiß halt nicht wie weit er noch geht. Ich glaube nicht, dass ihm bewusst ist, was er tut. Aber er kennt mich mittlerweile gut genug, dass er weiß, welche Knöpfe er bei mir drücken muss um mich zu verletzen, um mich bei ihm zu halten, mich gut oder schlecht fühlen zu lassen. Bisher ist mir keine bewusste Manipulation aufgefallen, aber ich will es lieber merken bevor es zu spät ist. Ich weiß einfach nicht, wo ich die Grenze ziehen sollte. Was denkt ihr über sein Verhalten? Ist das akzeptabel, wenn man mal darüber redet oder geht das gar nicht? Sollte ich meine Sorgen ansprechen? Vielleicht könnt ihr ja mal eine Einschätzung dazu abgeben.

Vielen Dank an alle, die sich bis hier her durch gekämpft haben! Und ich freue mich über Antworten. 
LG

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18. Oktober um 15:44

Sprich ganz offen mit ihm darüber, was sein Verhalten bei Dir auslöst und wie es Dir damit geht. Wenn ihr eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe führen wollt, dann musst Du solche wichtigen Dinge ansprechen können. Sollte das für ihn ein Problem sein, passt ihr nicht zusammen. Wenn Du ihm so wichtig bist wie er Dir, wird er auf Dich eingehen. Das Letzte was er dann will, ist Dir zu schaden. Vielleicht ist er noch ein wenig ungestüm und unreif und denkt sich in vielen Situationen gar nichts groß dabei. Sensibilisiere ihn dafür. Falls das nichts bringt, dann steckt es leider in seiner Persönlichkeit und dann wird es auf Dauer sehr unangenehm.

Alles Gute!

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18. Oktober um 16:11

ich glaube dein freund ist insgeheim ein komplexler....er macht dich bewusst-oder unbewußt runter und will dabei seine komplexe kaschieren....
necken in einer partnerschaft ist ok und kann auch unterhaltsam sein-aber wenn man zu zweit ist-und dann auch nur hie und da.....aber dauernd und in anwesenheit anderer-für mich ein no-go.....

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19. Oktober um 12:56

Eine ähnliche Geschichte hat meine Ex auch mal mit einem Ehemaligen Partner gehabt. Er hat sie auf ähnliche Art und Weise beleidigt, einfach nur um sein Ego oder was auch immer zu stärken. 
In jedem Fall darfst du dich durch so einen Quatsch nicht kaputt machen lassen.
Ich würde erst mal ruhig darüber sprechen, was aber vermutlich nur kurzen Erfolg hat. Und dann beim nächsten Mal darfs dann auch etwas energischer und deutlicher werden, und im schlimmsten Fall kannst Du immer noch Schluß machen... 

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19. Oktober um 15:16

Mach Dir nix vor, in erster Linie sind es Beleidigungen, Erniedrigungen usw., dieses hintergegefügte ist ja nur Spass ist nur schlechte Fassade. Was es besonders macht, dass er Dich vor allem in Gesellschaft anderer angeht und Dich dadurch besonders erniedrigt.
So wie Du schreibst ist es ja besonders perfide, er kennt einige Deiner Schwachstellen und weiß genau wie er Dich verletzen kann.
Du solltest ihm in allerd Deutlichkeit die wahre Lage klarmachen. Es kann doch nicht sein, dass er aufgrund seiner Konfliktunfähigkeit und seines Sadismus Deinen Therapieerfolg zerstört und Du wieder im tiefen Tal landest.
Wenn ihm wirklich was an Dir liegt, sollte er nach dem Feedback das Ruder massiv herumreissen. Geht er auf Dein Feedback nicht ein oder versucht er sich herauszuwinden wäre das mit der toxischen Beziehung sehr wahrscheinlich und Du solltest handeln

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20. Oktober um 1:33
In Antwort auf sophos75

Mach Dir nix vor, in erster Linie sind es Beleidigungen, Erniedrigungen usw., dieses hintergegefügte ist ja nur Spass ist nur schlechte Fassade. Was es besonders macht, dass er Dich vor allem in Gesellschaft anderer angeht und Dich dadurch besonders erniedrigt.
So wie Du schreibst ist es ja besonders perfide, er kennt einige Deiner Schwachstellen und weiß genau wie er Dich verletzen kann.
Du solltest ihm in allerd Deutlichkeit die wahre Lage klarmachen. Es kann doch nicht sein, dass er aufgrund seiner Konfliktunfähigkeit und seines Sadismus Deinen Therapieerfolg zerstört und Du wieder im tiefen Tal landest.
Wenn ihm wirklich was an Dir liegt, sollte er nach dem Feedback das Ruder massiv herumreissen. Geht er auf Dein Feedback nicht ein oder versucht er sich herauszuwinden wäre das mit der toxischen Beziehung sehr wahrscheinlich und Du solltest handeln

Liebe/r Sophos,,

das trifft's ziemlich genau, ich möchte mich deiner guten Meinung anschließen!

Pi

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20. Oktober um 11:33
In Antwort auf user80615010

Hallo ihr Lieben, ich brauche mal Rat von Außenstehenden, weil sich meine Gedanken mittlerweile nur noch im Kreis drehen. 
Seit etwa einem halben Jahr bin ich jetzt mit meinem Freund zusammen, die "Honeymoon-Phase" ist so langsam vorbei und so allmählich hat man sich richtig kennengelernt. In den letzten Wochen ist mir immer öfter aufgefallen, dass mein Freund mich gerne beldeigt, natürlich immer nur im Spaß. Das ist zwar eigentlich schon immer so ein Ding zwischen uns gewesen, dass wir uns gegenseitig aufziehen, aber in letzter Zeit ist es immer häufiger und vor allem immer einseitiger. Immer wieder gibt es Tage, an denen er mich aus irgendeinem Grund ständig mit irgendwas aufzieht und stichelnde Kommentare abgibt, vor allem, wenn andere Leute dabei sind. Er stellt mich gerne als faul da, als inkompetent in bestimmten Situationen, lacht über mich, wenn ich mal ironische Kommentare nicht verstehe und macht mich allgemein ziemlich runter.
Danach kommt dann oft ein "Du weißt schon, wie lieb ich dich eigentlich habe" und so, aber verletzt bin ich trotzdem. Ich zeige das dann meistens nicht, weil ich nicht als humorlose Zicke darstehen will, aber gerade wenn es sich häuft, ist mein ohnehin schon schlechtes Selbstwertgefühl am Ende des Tages am Boden. In solchen Momenten fällt es mir auch schwer, zurück zu schießen, was das ganze noch unausgeglichener macht. Eigentlich bin ich auch recht schlagfertig, aber nicht vor meinem Freund. Da verschlägt es mir einfach die Sprache, jegliches Selbstbewusst sein, etwas zu sagen, ist weg. Durch diese Struktur hat sich ein wenig ein Autoritätsverhältnis in die Beziehung eingeschlichen.

Ihr müsst wissen, mein Freund ist jemand, der - anders als ich - äußerlich vor Selbstbewusstsein strotzt (klar hat er auch seine Unsicherheiten, aber die zeigt er natürlich fast nie). Er bleibt in jeder Situation souverän, ist super schlagfertig. Leider fällt es ihm schwer, Probleme anzusprechen (warum, das habe ich noch nicht ganz herausgefunden). Deshalb habe ich immer, wenn er mich ärgert, das Gefühl, dass es eben nicht nur scherzhaft ist, sondern versteckte Kritik dahinter steckt, die er nicht normal äußern kann. Um so mehr verletzen mich seine Kommentare. 
Ich dagegen habe nach zwei Jahren Therapie aufgrund von Depressionen den Wert von solchen Gesprächen erkannt und spreche öfter mal Dinge an. Dann lässt er auch mit sich reden und öffnet sich ein wenig. Trotzdem hat er noch nie von selbst etwas angesprochen.

Dieses Thema habe ich auch schon angesprochen und ihm erklärt, dass es mich verletzt, dass ich nicht das Gefühl habe, dass es ein Witz ist, sondern dass es ihm ernst ist. Und dass es mich noch mehr verletzt, wenn es offensichtlich ist, dass ich das nicht mehr lustig finde und er trotzdem weiter macht und das obwohl er meine Probleme mit meinem Selbstbewusstsein kennt. Allerdings war das in einer angespannten Situation, weil wir beide einen stresisgen Tag hatten und er auch von mir ein wenig genervt war (wegen anderen Dingen und das auch zu recht. Ich habe mich dann entschuldigt dafür). Er hat zugegeben, dass das "seine Art ist Dinge anzusprechen", ich hab ihm gesagt, dass das ne scheiß Art ist und gefragt, warum er nicht in der lage ist, dass normal anzusprechen. Keine Antwort. Er war nicht wirklich veständnislos, ich glaube schon, dass mein Anliegen zu ihm durchgedrungen ist. Aber etwas wie eine Entschuldigung oder so kam nicht. 

Jetzt mache ich mir Gedanken: Sollte er nichts an seinem Verhalten ändern, wird die Beziehung mein Selbstwertgefühl schwächen, wird also nicht gerade gut sein für meine psychische Gesundheit. Eigentlich bin ich "austherapiert", habe meine Medikamente abgesetzt und war setzt sein knapp einem halben Jahr nicht mehr in Therapie. Innerhalb der letzten vier Monate hatte ich zwei Panikattacken, beide in seiner Anwesenheit, beide nach einem dieser Tage, an denen er mich gepiesakt hat. Ich habe diese Attacken im nachhinein als "Appell" an ihn wahr genommen, als eine Art Ausruf "Schau, mir gehts schlecht, bitte kümmere dich um mich." Klingt alles nicht besonders gesund, ich weiß.
Andererseits können diese Panikattacken auch andere Ursachen haben, weil gerade viel in meinem Leben passiert und umgewälzt wird und Corona mich ganz schön fertig gemacht hat. Und wir haben auch soo viele gute Momente. Und ich liebe ihn sehr.
Ich mache mir Sorgen, dass ich (obwohl ich mich für recht aufgeklärt und reflektiert halte, was das angeht) in einer "toxischen" Beziehung bin. Denn je mehr er mich aufzieht, desto geringer mein Selbstewusstsein und je geringer mein Selbstbewusstsein, desto mehr bin ich emotional abhängig von ihm und desto mehr lasse ich ihm durchgehen. Ich weiß halt nicht wie weit er noch geht. Ich glaube nicht, dass ihm bewusst ist, was er tut. Aber er kennt mich mittlerweile gut genug, dass er weiß, welche Knöpfe er bei mir drücken muss um mich zu verletzen, um mich bei ihm zu halten, mich gut oder schlecht fühlen zu lassen. Bisher ist mir keine bewusste Manipulation aufgefallen, aber ich will es lieber merken bevor es zu spät ist. Ich weiß einfach nicht, wo ich die Grenze ziehen sollte. Was denkt ihr über sein Verhalten? Ist das akzeptabel, wenn man mal darüber redet oder geht das gar nicht? Sollte ich meine Sorgen ansprechen? Vielleicht könnt ihr ja mal eine Einschätzung dazu abgeben.

Vielen Dank an alle, die sich bis hier her durch gekämpft haben! Und ich freue mich über Antworten. 
LG

Sorgen auszusprechen wäre das Mindeste. Für ihn sind diese Kommentare und Beleidigungen zwar Spaß, aber er vergisst - Worte können töten.

Da deine geistige Gesundheit wirklich in Gefahr ist, ist es höchste Zeit, dass du entweder mit ihm redest oder du dich entgültig befreien musst und du dich von ihm trennst. Es tut mir leid, aber wenn er dich so behandelt musst du handeln und du darfst dir das nicht länger gefallen lassen - Eigenschutz geht vor.

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20. Oktober um 12:32

Das kenne ich änlich von meinem Ex-Mann.

Erwarte nicht, dass das aufhören wird. 
Auch wenn Du hunderte Male mit ihm darüber sprichst und er Dir was auch immer versichert (Besserung, Verständnis).

Solche Menschen wollen damit die eigenen Unzulänglichkeiten kompensieren.

Entweder lernst Du damit zu leben ihm vielleicht  "Feuer unterm Hintern" zu machen oder es zu schlucken. Aber für so etwas muss man schon sehr abgestumpft sein, wie ich jedenfalls finde.
Oder Du bist stark genug und beendest das ganze. 

Wenigstens zeigt er dies schon nach einer so kurzen Zeit, bzw. siehst Du dies selbst und nicht erst nach Jahren.

Entscheiden kannst aber nur Du, wie Dein Leben weiter verlaufen soll. 

Bedenken sollte man aber auch immer, nicht wir stecken in Eurer Beziehung mit drin, deshalb können wir nur unsere Sichtweisen darlegen. Es werden immer nur Fragmente einer Partnerschaft aufgezeigt und diese auch nur aus Sicht einer Person darin. 

Wünsche Dir jedenfalls, dass Du einiges aus den Beiträgen für Dich mitnehmen konntest und Dich dieses weiterbringt. 
Alles gute für Euch.... 🙃

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20. Oktober um 13:42
In Antwort auf user80615010

Hallo ihr Lieben, ich brauche mal Rat von Außenstehenden, weil sich meine Gedanken mittlerweile nur noch im Kreis drehen. 
Seit etwa einem halben Jahr bin ich jetzt mit meinem Freund zusammen, die "Honeymoon-Phase" ist so langsam vorbei und so allmählich hat man sich richtig kennengelernt. In den letzten Wochen ist mir immer öfter aufgefallen, dass mein Freund mich gerne beldeigt, natürlich immer nur im Spaß. Das ist zwar eigentlich schon immer so ein Ding zwischen uns gewesen, dass wir uns gegenseitig aufziehen, aber in letzter Zeit ist es immer häufiger und vor allem immer einseitiger. Immer wieder gibt es Tage, an denen er mich aus irgendeinem Grund ständig mit irgendwas aufzieht und stichelnde Kommentare abgibt, vor allem, wenn andere Leute dabei sind. Er stellt mich gerne als faul da, als inkompetent in bestimmten Situationen, lacht über mich, wenn ich mal ironische Kommentare nicht verstehe und macht mich allgemein ziemlich runter.
Danach kommt dann oft ein "Du weißt schon, wie lieb ich dich eigentlich habe" und so, aber verletzt bin ich trotzdem. Ich zeige das dann meistens nicht, weil ich nicht als humorlose Zicke darstehen will, aber gerade wenn es sich häuft, ist mein ohnehin schon schlechtes Selbstwertgefühl am Ende des Tages am Boden. In solchen Momenten fällt es mir auch schwer, zurück zu schießen, was das ganze noch unausgeglichener macht. Eigentlich bin ich auch recht schlagfertig, aber nicht vor meinem Freund. Da verschlägt es mir einfach die Sprache, jegliches Selbstbewusst sein, etwas zu sagen, ist weg. Durch diese Struktur hat sich ein wenig ein Autoritätsverhältnis in die Beziehung eingeschlichen.

Ihr müsst wissen, mein Freund ist jemand, der - anders als ich - äußerlich vor Selbstbewusstsein strotzt (klar hat er auch seine Unsicherheiten, aber die zeigt er natürlich fast nie). Er bleibt in jeder Situation souverän, ist super schlagfertig. Leider fällt es ihm schwer, Probleme anzusprechen (warum, das habe ich noch nicht ganz herausgefunden). Deshalb habe ich immer, wenn er mich ärgert, das Gefühl, dass es eben nicht nur scherzhaft ist, sondern versteckte Kritik dahinter steckt, die er nicht normal äußern kann. Um so mehr verletzen mich seine Kommentare. 
Ich dagegen habe nach zwei Jahren Therapie aufgrund von Depressionen den Wert von solchen Gesprächen erkannt und spreche öfter mal Dinge an. Dann lässt er auch mit sich reden und öffnet sich ein wenig. Trotzdem hat er noch nie von selbst etwas angesprochen.

Dieses Thema habe ich auch schon angesprochen und ihm erklärt, dass es mich verletzt, dass ich nicht das Gefühl habe, dass es ein Witz ist, sondern dass es ihm ernst ist. Und dass es mich noch mehr verletzt, wenn es offensichtlich ist, dass ich das nicht mehr lustig finde und er trotzdem weiter macht und das obwohl er meine Probleme mit meinem Selbstbewusstsein kennt. Allerdings war das in einer angespannten Situation, weil wir beide einen stresisgen Tag hatten und er auch von mir ein wenig genervt war (wegen anderen Dingen und das auch zu recht. Ich habe mich dann entschuldigt dafür). Er hat zugegeben, dass das "seine Art ist Dinge anzusprechen", ich hab ihm gesagt, dass das ne scheiß Art ist und gefragt, warum er nicht in der lage ist, dass normal anzusprechen. Keine Antwort. Er war nicht wirklich veständnislos, ich glaube schon, dass mein Anliegen zu ihm durchgedrungen ist. Aber etwas wie eine Entschuldigung oder so kam nicht. 

Jetzt mache ich mir Gedanken: Sollte er nichts an seinem Verhalten ändern, wird die Beziehung mein Selbstwertgefühl schwächen, wird also nicht gerade gut sein für meine psychische Gesundheit. Eigentlich bin ich "austherapiert", habe meine Medikamente abgesetzt und war setzt sein knapp einem halben Jahr nicht mehr in Therapie. Innerhalb der letzten vier Monate hatte ich zwei Panikattacken, beide in seiner Anwesenheit, beide nach einem dieser Tage, an denen er mich gepiesakt hat. Ich habe diese Attacken im nachhinein als "Appell" an ihn wahr genommen, als eine Art Ausruf "Schau, mir gehts schlecht, bitte kümmere dich um mich." Klingt alles nicht besonders gesund, ich weiß.
Andererseits können diese Panikattacken auch andere Ursachen haben, weil gerade viel in meinem Leben passiert und umgewälzt wird und Corona mich ganz schön fertig gemacht hat. Und wir haben auch soo viele gute Momente. Und ich liebe ihn sehr.
Ich mache mir Sorgen, dass ich (obwohl ich mich für recht aufgeklärt und reflektiert halte, was das angeht) in einer "toxischen" Beziehung bin. Denn je mehr er mich aufzieht, desto geringer mein Selbstewusstsein und je geringer mein Selbstbewusstsein, desto mehr bin ich emotional abhängig von ihm und desto mehr lasse ich ihm durchgehen. Ich weiß halt nicht wie weit er noch geht. Ich glaube nicht, dass ihm bewusst ist, was er tut. Aber er kennt mich mittlerweile gut genug, dass er weiß, welche Knöpfe er bei mir drücken muss um mich zu verletzen, um mich bei ihm zu halten, mich gut oder schlecht fühlen zu lassen. Bisher ist mir keine bewusste Manipulation aufgefallen, aber ich will es lieber merken bevor es zu spät ist. Ich weiß einfach nicht, wo ich die Grenze ziehen sollte. Was denkt ihr über sein Verhalten? Ist das akzeptabel, wenn man mal darüber redet oder geht das gar nicht? Sollte ich meine Sorgen ansprechen? Vielleicht könnt ihr ja mal eine Einschätzung dazu abgeben.

Vielen Dank an alle, die sich bis hier her durch gekämpft haben! Und ich freue mich über Antworten. 
LG

So scherzhaft ist das nicht. 

Ich bin leider nicht sehr optimisch, dass sich etwas bessern könnte. 

Aber diese Erfahrung wirst du vermutlich selbst machen (müssen). Nicht böse gemeint. Habe es nur in abgeschwächter Form erlebt. Auf einmal sind ganz unerwartet eigene, vom Partner erwähnte Unzulänglichkeiten das Thema beim Familienessen. Und alle geben Tipps, als ob man darum gefragt hätte - ganz skurril. 

Ich bin ein sportlich schlanker Typ, mein damaliger Freund meinte ständig bei Essen in Gesellschaft, ich würde so viel essen (es stimmt, bin eine gute Esserin), bis ihm irgendwann einmal Leute gesagt haben, was das denn soll und dass wenn sich das jemand leisten könne, dann sei das ich. Mein Freund war nämlich der Couchpotatoe, was man ihm auch ansah. Aber selbst wenn ich übergewichtig oder mollig gewesen wäre, wäre es keine Art gewesen. 

Oder er störte mich immer genau dann, wenn ich darum bat, meine Ruhe zu haben. Irgendwann gab er das auch zu. Weil er es einfach blöd fand, dass ich meine Ruhe (zum Yogamachen) wollte. 

Es war immer alles nicht so gemeint und er liebe mich doch so. Reden half genau gar nichts. Ich könnte dir noch Hunderte solcher Beispiele aufzählen. Und weißt du was? Ich glaube, dass mein damaliger Freund mich trotzdem bzw. wirklich auf seine Art geliebt hat. Nur war es mir irgendwann zu blöd. Weil man sich von so einer Art Zuneigung nichts kaufen kann. 

Ich wünsche dir, dass es bei dir besser abläuft oder dass du eher gehst. 

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20. Oktober um 14:54

Hallo meine Liebe,
deine Geschichte klingt fasst wie meine.

Ich ging selbstbewusst in die Beziehung und nach 8 Jahren inkl. Ehe hat er mir endlich die Möglichkeit gegeben, den Absprung hin zu bekommen.
Das beste was mir passieren konnte.

Jedoch mit folgendem Ergebnis:
Selbstwert im Keller, durchsetzt mit Komplexen und im Kopf immer der Gedanke, ich bekomm es allein nicht hin, ich bin nichts wert und dumm.

Im Nachgang betrachtet bin ich an einen Narzissten geraten, der seinen Selbstwert aus der Erniedrigung des Partners zieht.
Er wirkte sehr Selbstbewusst, war es jedoch nicht. Und seine Komplexe hat er halt mit seinen Beleidigungen, auch vor anderen, überdeckt.

Ich war für ihn Putzfrau, Dienstmädchen und jemand, der da war, wenn er "Bock" hatte. 
Was ich wollte oder fühlte war egal.

Jetzt 4 Jahre später arbeite ich immer noch an den Folgen.

Bitte mach dir Gedanken, ob du stark genug bist, das auf Dauer auszuhalten.
Du machst mit dem, was du schreibst einen reflektierten Eindruck, daher denke ich dass du eine Lösung finden wirst.

Ich persönlich kann nur raten:  trenn dich, denn du wirst wieder rückfällig werden, wenn er dich weiter so behandelt.

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20. Oktober um 20:03

Hallo, vielen Dank für eure Antworten!
Es fällt mir einfach schwer selbst die Grenze zu setzen, immer mit der Angst im Hinterkopf, als hysterische Zicke darzustehen. So stellt er mich auch gerne dar. Jetzt gerade, wo ich mir all eure Antworten durchlese, werde ich vor allem wütend auf ihn. Weil ich Muster erkenne, wie dieses "Du wirst so emotional", wenn wir uns streiten, mit denen er meine Glaubwürdigkeit systematisch verringert, bis ich mir selbst nicht mehr glaube. Nur fällt es mir eben so schwer, zu glauben, dass er das mit Absicht tut und nichts daran ändert, wenn ich es anspreche. 

Nach meiner letzten Panikattacke haben wir ein Gespräch geführt, das in die Richtung ging, bei dem ich aber noch nicht genügend Erkenntnis hatte, um das Problem beim Namen zu nennen. Vielleicht wusste ich es in mir drin auch schon und hatte einfach nicht die Eier, es zu sagen. 
Ich habe ihm damals gesagt, dass ich fürchte, dass mir die Beziehung langfristig nicht gut tut und dass meine psychische Gesundheit irgendwann darunter leiden wird, ich aber nicht die Kraft haben werde, es zu beenden. An diesem Gespräch wäre unsere Beziehng fast zerbrochen, weil er es als Aufforderung verstanden hat, "für mich Schluss zu machen". Das Gespräch hat ihn sehr fertig gemacht und ich denke, dass er sich viele Vorwürfe gemacht hat. Damals waren vor allem meine Verlustängste das Thema und dass ich mir mehr emotionale Bestätigung von ihm wünsche. Und obwohl es ihm schwerfällt, wie ich weiß, Emotionen auszudrücken, hat sich seit dem merklich etwas geändert. Er scheint also tatsächlich darauf einzugehen, was ich ihm vorwerfe, auch wenn er das nie ausspricht.

Letzte Woche habe ich ihm gesagt, dass seine "Beleidigungen" mich verletzen - seit dem bilde ich mir ein, dass er sich zurück hält und sich viele Kommentare verkneift. Oder ist das nur mein verliebtes Hirn, das mir einen Streich spielt und mir das zeigt, was ich sehen will?
Und in wie weit wäre es sinnvoll ihm bei diesem Gespräch Vorwürfe zu machen? Ihm sagen "Bitte lass deine Komplexe nicht an mir aus"? Oder soll ich einfach sachlich ansprechen, was mich stört ohne ihn konkret als Täter anzukreiden? Ich kann mir vorstellen, dass er bei ersterem automatisch in den Verteidigungsmodus geht und das Gespräch im Eimer ist. Aber mein Anliegen kann ich damit viel wahrheitsgemäßer ansprechen... 

Noch mals vielen Dank für eure Antworten und liebe Grüße!

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20. Oktober um 20:53

Da er ja offenbar doch auf deine Vorstellungen eingeht, ist bei ihm vielleicht nicht Hopfen und Malz verloren 
Von daher würde ich eine Mischung der von dir vorgeschlagenen Möglichkeiten versuchen. Einerseits sachlich darlegen was dich stört und warum, andererseits klar sagen, dass ER die Ursache dafür ist dass es dir schlecht geht. Vorwürfe à la "lass deine Komplexe nicht an mir aus" solltest du bleiben lassen.
Ich finde deinen Eingangspost ziemlich sachlich und gut strukturiert. Vielleicht könntest du den ja als Brief an ihn formulieren?

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21. Oktober um 9:03

Es ist natürlich nicht einfach für ihn, seine "Gewohnheiten" über Nacht umzustellen, ABER er muss hart an sichn arbeiten wenn er Dich nicht in den Abgrund stürzen will.
Du hast es eine Weile laufen lassen und Dich zu wenig gewehrt, jetzt ziehst Du zum Glück die Notbremse und es kommt dadurch einiges zusammen. Aber besser so als dass Du zusammenbrichst.
Lass Dir nichts einreden, er ist der Täter und für Dich ist halt nur zu sehen, dass Du Dich nicht früher gewehrt hast. Dir aber einzureden, Du seiest hysterisch, überemotional usw. ist wieder sehr perfide. Er muss sehr Dir sehr genau zuhören und sich dann Gedanken über Dein Feedback machen. Denn es ist es Mobbing was er da tut.

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