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Scheidung mit Kleinkind als muslima

29. August 2010 um 23:30

Hallo und salam aleykum,
leider muss ich den ersten Beitrag in diesem Forum wegen eines sehr schmerzhaften Themas verfassen.
Ich bin 25 Jahre alt und eine in Deutschland geborene Muslima Tunesierin). Mein kleiner Stern ist 2 Jahre alt und wichtiger als ALLES andere auf dieser Welt.

Ich bin seit 4 Jahren verheiratet mit einem in Tunesien geborenen Tunesier den ich jedoch in Deutschland kenngelernt habe (Hatte hier schon seit Jahren einen guten akademischen Beruf). Wir haben aus purer Liebe geheiratet.
Aber in den letzten 4 Jahren hat er mich immer mehr geändert und zwar seinen Vorstellungen entsprechend.
Ich bin sehr viel auf ihn eingegangen und habe unheimlich viel für ihn getan, ja eigentlich sogar alles. Nicht weil er mich gezwungen hat, sondern vielmehr weil ich ihn einfach glücklich machen wollte. Viele Dinge, habe ich entgegen meiner Überzeugung gemacht, einfach nur um Problemen aus dem Weg zu gehen, aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass er alles was einen Mann stören könnte, mit seiner Art beseitigt hat.
Er beschimpft mich mittlerweile aufs Tiefste, er legt mir Worte in den Mund und behauptet ich würde lügen, wenn ich abstreite dies gesagt zu haben. Er hat mich auch schon einige male geschlagen. Und das obwohl ich ihn niemals beleidigt habe, ich bin nicht einmal laut geworden oder sonstiges...
Im alltäglichen Leben war er kein schlechter Mann, solange ich mich an seine Regeln gehalten habe, konnten wir sogar sehr glücklich wirken. Natürlich habe ich dann immer unter Druck versucht diese schöne heile Welt zu wahren...
Ich hab immer zu Gott gebetet um Geduld (saber) gebeten, in der Hoffnung es werde die Zeit kommen, in der er merkt, dass ich eine gute Ehefrau bin. Und mich auch dementsprechen behandelt.
Aber leider vergeblich!!!
Vor einer Woche hat wir dann eine Diskussion, wobei ich nicht ins Detail gehen werde, weil die nicht wichtig erscheint. Nach dem Essen (iftar, shakkan el fatir), also dem Ende des Fastentages hat er wieder angefangen mich zu beleidigen, wegen Kleinigkeiten, ich habe ihn darum gebeten sich nicht so aufzuregen, ich habe ihm gesagt, das wir Ramadan haben und dass es mir leid tut, was immer ich auch gemacht haben soll. Hauptaache wir vertragen uns wieder und konzentrieren uns auf die wichtigen Dinge (va während des Fastenmonats muss man sich als Moslem sehr diszipliniert zeigen).
Ende der Diskussion war dann, dass er mich zusammengeschlagen hat.
VOR DEN AUGEN SEINES 2 JÄHRIGEN SOHNES!!!!!!
Für mich ist es beendet.
Ich habe ihm gesagt, dass ich mich scheiden lassen werde (aber er nimmt mich nicht ernst)
Am nächsten Morgen ist er zur Arbeit und ich habe ihm seine Sachen in unsere 2. Wohnung gebracht (wir wohnen in einem großen Einfamilienhaus mit 2 Etagen, wobei wir die 2. komplett eingerichtete Wohnung nur für Gäste nutzen).
Jedenfalls will er die Scheidung nicht.
Ich weiss, dass er es bereut und er weiss, dass ich eine sehr gute Ehefrau war, aber er wollte eine perfekte Frau, eine die nicht fragt, wofür eine erhebliche Summe an Geld ausgegeben wurde, eine solche, die niemals sauer oder eingeschnappt ist, eine die niemals nervt, weil sie gerne mit ihrem Mann etwas unternehmen will etc. (Das sind die Dinge, die er nennt, wenn er mir vorwirft, dass ich eine schlechte Frau bin).
Leider muss ich zugeben, dass ich alles getan habe, um meine Ehe zu retten und ich jetzt an einem Punkt bin, wo ich sage, dass mit ihm nicht mehr leben kann. Es ist einfach zu viel vorgefallen, zu viele böse Dinge, die er mir vorgehalten hat und die Erkenntnis, dass er niemals damit aufhören wird mich zu verändern.

Ich habe schon bei dem zuständigen Gericht einen Antrag auf Beratungshilfe gestellt und warte nun auf den Bescheid, damit ich endlich zum Anwalt gehen kann.
Bis dahin lassen mir die vielen Gedanke leider keine Ruhe und deshalb bin ich hier.

Das wichtigste ist mir mein Sohn. Ich will, dass er so wenig wie möglich darunter leidet. Jetzt haben wir uns vor 1,5 Jahren ein Haus gekauft Natürlich mit Kredit) woran er festhält. Wenns nach mir ginge würde wir einfach mit der Bank eine Vereinbarung über Verkauf etc treffen, aber er will nicht verkaufen.
zudem plagt mich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen, wenn ich sehe, dass er während Ramadan alleine ist (seine Familie lebt komplett in Tunesien) sein essen allein zubereiten muss und so.
Er hat zur Zeit ein Nettogehalt von ca 4000 .
Wie hoch wird mein Trennungsunterhalt sein, wie hoch mein Ehegattenunteralt?
Ich muss dazu sagen, dass ich mein Stuidum unterbrochen habe, um ihm den Wunsch eines Kindes zu erfüllen und deshalb mein Studium noch nicht beendet ist. Natürlich würde ich schnellstmöglich mein Studium beenden, sodass ich nicht mehr auf sein Geld angewiesen bin, aber bis dahin muss ich wissen, was mir und meinem Sohn zur Verfügung steht (bin auch schon auf Wohnungssuche).

Was ist der nächste Schritt?
Muss ich mich getrennt lebend melden?
(auch bei Gewalt ?)
Sollen wir ausziehen?

Mein Engel ist erst 2 und versteht wohl noch nicht so ganz, warum der Papa jetzt oben schläft, aber irgendwann wird er älter und sich fragen, warum der Papa nicht bei uns wohnt.
Ich möchte gerne, dass er guten Kontakt zu seinem Vater hat, aber wie kann ich das erreichen?

Bin ich aus muslimischer Sicht eine schlechte Frau?

ich weiss zwar ich habe alles gegeben, aber habe dennoch ein schlechtes Gewissen...

Vielen dank an alle, die bis hierhin durchgehalten habe.
Der Beitrag ist doch länger geworden als geplant, das tut mir leid.

Vielen dank an alle die antworten und mir Ratschläge geben.

Essalamu aleykum.

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1. September 2010 um 20:49

Ich denke
es gibt bestimmte Dinge, die gehen unter die Gürtellinie, und die braucht man sich nicht gefallen zu lassen. Dass Dein Mann dich geschlagen hat war schon heftig, aber auch noch vor dem Kind...das geht eindeutig zu weit. Ich bin keine Muslime, habe zwar einige Freunde aus dem Iran, aber ich denke hier geht es um Deine Menschenwürde. Sowas macht man einfach nicht.
Du hast nichts falsch gemacht, ich weiss es gibt sehr eigenartige Bezeihungen und es ist schwer manchaml loszulassen. Lass Dich beraten bei Pro Familia, auch über die finanziellen Sachen. In Extremsituationen und ich denke es ist soweit bei Euch helfen Sie bei der Wohnungssuche. Gewalt in der Ehe ist wirklich sehr heikel, wenn Du meinst, dass Du in Gefahr bist weil er ausrastet kannst du in ein Frauenhaus gehen vorläufig. Du musst auch an das Kind denken und in unserer Gesellschaft braucht er so ein Vorbild nicht, das ist meine Meinung. Du als gebildete Frau solltest ihm die wahren Werte vorleben, nicht Gewalt und Agression, Liebe und Nächstenliebe, das ist es, was unsere Kinder brauchen. Egal welcher Religion wir angehören. Es geht um die Menschenwürde, um die Achtung Deiner selbst. Wenn Du sie nicht wahrst, darf Dein Sohn Dich auch in ein paar Jahren schlagen? Was zu weit geht geht zu weit. Bald darf er in den Kindergarten dann kannst Du wieder lernen und Dir oder Euch ein menschenwürdigeres Leben aufbauen.
Meine Mutter hat sich auch jahrelang demütigen lassen auch vor uns Kindern. Es waren andere Zeiten, die Abhängigkeit war grösser, aber für mich war das kein gutes Vorbild, von keiner Seite.

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1. September 2010 um 21:10

Zuert: Ich wünsche
Dir von Herzen alles Gute!
Was soll ich sagen?
Mir ist im Urlaub in Tunesien aufgefallen, das man da außer den Putzfrauen nie eine Frau in der Öffentlichkeit sieht.
Die Männer dagegen sitzen schon am Tag im Kaffeehaus und palavern.
Ich hatte einen tunesischen Chef.
Als Frau mit eigener Meinung hatte ich keinen leichten Stand bei ihm. Frauen, die selbstständig denken, evtl. auch noch durchsetzen, was sie für richtig halten, sind diesen Männern zu kompliziert.
Nun bist Du in D aufgewachsen, Deine Familie hat sich gut integriert, Du hast Freunde hier, dein Leben lang eine völlig andere Sichtweise auf Dinge, sicher auch von 2 Seiten, erlebt und Dir eine höchst eigene Meinung gebildet.
Und jetzt sollst Du einen Spaghat machen.
Du sollst Dich verbiegen dein eigenes Ich, die Sichtweise auf die Dinge, deine Lebensweise, verleugnen und Dich zurück ins Mittelalter katapultieren.
Das geht nicht, das hältst Du nicht ein Leben lang durch, ohne Dich selbst aufzugeben.

Was mir zu denken gibt, ist Deine Sicherheit.
Kannst Du mit dem Süßen zu deinen Eltern ziehen?
Kannst Du mit ihnen reden?
Hast Du Dich, für alle Fälle, nach einem Frauenhaus erkundigt?
Nochmal, alles, alles Gute für Dich!



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