Home / Forum / Liebe & Beziehung / Rat gesucht: Fernbeziehung - Mann hat Angst vor Verpflichtung und Entscheidungen

Rat gesucht: Fernbeziehung - Mann hat Angst vor Verpflichtung und Entscheidungen

1. August 2010 um 13:50

Hallo zusammen,

die Kombination (s. Betreff) ist perfekt!
Und um ehrlich zu sein, weiß ich gerade nicht was ich tun soll...

Aber ich hole zunächst mal kurz aus: Habe vor 7 Monaten einen Mann (29) im Internet kennengelernt. Wir haben zuerst gemailt und gesimst, relativ schnell intensiv und lange telefoniert und uns schließlich nach ca. 4 Wochen zum ersten Mal getroffen. Insgesamt verstanden wir uns von Anfang an blendend, da wir uns teils sehr ähnlich sind.

Man muss dazu wissen: Er hat eine sehr stressige Ex-Beziehung mit Kontrollwahn-Anwandlungen hinter sich (ist schon eine Weile her und macht darüber hinaus keine "Probleme"), ist ein sehr nachdenklicher, sicherheitsbedürftiger Mensch und schöpft insgesamt relativ langsam Vertrauen (sofern es in die Tiefe gehen soll).

Uns trennen 200 km, was den Kontakt nicht gerade einfach gestaltet. Zudem hat ER eine super-stressige Phase hinter sich (2. Staatsexamen Lehramt), was dazu führte, dass wir uns im Durchschnitt nur alle 3 Wochenende für 1 Tag gesehen haben. Ich habe in all den Wochen und Monaten immer Verständnis gezeigt und Rücksicht genommen, um ihn nicht zusätzlich zu stressen oder unter Druck zu setzen. Er hat teils nur "funktioniert". Seine eigentlichen Interessen kamen viel zu kurz.

Er zweifelt seitdem ich ihn kenne an der richtigen Berufswahl und durchleidet daher immer wieder kleine depressive Phasen. Zugegebenermaßen hat man's als Lehrer heutzutage ja auch nicht mehr leicht. Ich kann ihn gut verstehen. Andererseits ist er aber nicht in der Lage eine klare Entscheidung pro/contra Lehramt zu fällen. Er will nicht alles umsonst gemacht haben, ist sich jedoch auch nicht sicher, ob er den Job jahrelang aushält. Die Entscheidung muss natürlich er selbst treffen - ich habe bis dato immer versucht, verschiedene Blickwinkel zu durchleuchten und ihm vor Augen zu führen.

Seit letzter Woche steht nun fest, an welche Schule er ab September kommen wird. Gleichzeitig muss er einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Die stressige Phase ist aktuell also vorbei, doch die Zeit der Entscheidung ist nun in unaufschiebbare Nähe gerückt. Seit wenigen Tagen scheint er in ein regelrechtes Loch gefallen zu sein, weiß nicht mehr, was er im Leben will, findet keine Struktur (obwohl ja gerade die Ferien begonnen haben). Jeder und alles überfordert ihn, auch seine Eltern halten ihn für unerträglich, er will nur noch seine Ruhe...

Folglich stellt er - zumindest befürchte ich es - auch unsere "Beziehung" in Frage. Auch da kann er nicht sagen, wie es weitergeht. Ich will ihm einerseits einfach helfen (wohl wissend, dass er seinen Weg weitestgehend alleine gehen muss) und habe andererseits gleichzeitig Angst, dass er mich aus seinem Leben ausschließt. Seit eben diesen Tagen meldet er sich nämlich nur noch sporadisch, während er früher äußerst zuverlässig gesimst oder angerufen hat. Ich verliere zunehmend den Zugang zu ihm...

Ansonsten könnte ich nicht sagen, dass er in den vergangenen - insbesondere ersten Monaten - unaufmerksam war. Wenn er zu Besuch kam, war z.B. immer eine kleine Aufmerksamkeit in Form eines Geschenks in seiner Tasche für mich dabei. Er ist - wenn wir uns persönlich sehen - ein echter Gentleman (trägt meine Sporttasche, hält die Restauranttür auf, zieht mich von der Straße weg, wenn "Gefahr" droht etc.) und das nach wie vor. Dinge wie, "vielleicht hat er noch eine andere" schließe ich kategorisch aus (Vater Pfarrer, Theologiestudium, gewisse Werte daher per se vorhanden). Doch großer Kritikpunkt: die mangelde Entscheidungsfähigkeit. Er kann beispielsweise auch nicht sagen, "wie er zu mir steht". Er kann es einfach nicht in Worte fassen. Das könne man doch nicht so theoretisch erörtern - das müsse man mit der Zeit herausfinden (Hallo?! Wir kennen uns 7 Monate und ich wüßte nicht, mit wem ich in diesem Jahr häufiger telefoniert habe?!)

Ich bin bisher nicht hinter den eigentlichen Grund gekommen: Generelle Angst vor Verantwortung und Fehlern vielleicht?

Denkt ihr sein Rückzugsverhalten hat vorrangig mit seinem generellen Herumirren zu tun oder liest es sich als hätte er auch mit mir abgehakt? Habt ihr irgendwelche Ratschläge, Interpretationsversuche oder ähnliche Erfahrungenn parat?

Bin für jedes Wort dankbar! Dreh mich gedanklich ständig im Kreis...

Herzlichen Dank und vorab einen schönen Sonntag für euch!



Mehr lesen

1. August 2010 um 13:59

Mir fällt auf...
... beim Lesen, dass Du Deine Ängste - ob er die Beziehung mit Dir wirklich will - als von ihm aus kommend beschreibst. Will sagen: Du projizierst. Und dementsprechend verunsicherst Du eigentlich Dich selbst.

Er hat im Augenblick Zukunftsängste, was aber nichts mit Deiner Person zu tun hat. Du bekommst lediglich die Auswirkungen - seine depressive Art - zu spüren. Du bist aber meines Erachtens nicht der Auslöser für seine Zukunftsängste bzw. seine Bedenken bezüglich seiner beruflichen Laufbahn.

Man darf nicht den Fehler machen, gleich alles auf sich zu beziehen, sondern muss differenzieren können. Und das ist eben das Kunststück. Unterscheidest Du nicht dazwischen, sondern vermischt alles, wird es früher oder später Frust geben.

Freu Dich, dass ihr zusammen seid, lebe aber auch Dein Leben. Versuche, Vertrauen zu haben und auch zu vermitteln. Mach ihm keine Vorwürfe, weil er im Augenblick depressiv ist und Deine Erwartungen an hundertprozentige Aufmerksamkeit nicht erfüllen kann. Das wird sich sicherlich ändern, wenn er weiß, wohin ihn sein Weg führt. Was das betrifft, sollte er sich im Klaren darüber werden, dass er ja nicht bis an sein Lebensende Lehrer bleiben muss. Er kann in die Lehrerfortbildung gehen, an der Uni unterrichten, promovieren, einen Aufbaustudiengang machen, die Fachrichtung ganz wechseln... Es stehen ihm alle Türen offen, das darf er nicht vergessen. Wenn er jetzt einen Arbeitsvertrag unterschreibt, dann ist das bloß ein erster Schritt. Auf diesen werden noch jede Menge weiterer folgen. Jeder Schritt stellt eine Bereicherung dar, zumindest aber eine Sache, aus der man klüger wird.

LG

Gefällt mir

Frühere Diskussionen
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook

Das könnte dir auch gefallen