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Persönlichkeitsstörung beim Partner ?

14. Juli 2014 um 14:03 Letzte Antwort: 14. Juli 2014 um 14:57



Hallo zusammen,

vor 8 Wochen bin ich in das Haus eines Bekannten eingezogen,der mir dort eine Wohnung vermietet.
Wir kennen uns schon etwas über ein Jahr.

Aus Sympathie wurde innerhalb von 14 Tagen mehr, wir verliebten uns ineinander und wie er mir erzählte,

habe er schon länger Interesse an mir gehabt, sich aber bewusst zurück gehalten,da ich zuvor noch in einer anderen Beziehung

steckte.

Ich wusste von einer Bekannten,die vorher 5 Jahre mit Lutz ( mein jetztiger Partner ) zusammen gewesen ist, dass es wohl Schwierigkeiten gab. Er sei manchmal aggressiv, unberechenbar und sagt oder tut Dinge, von denen er später nichts mehr weiss.

Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen und die letzten 6 Wochen mit ihm waren bis auf zwei Situationen wirklich wunderschön.

Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich und er selber hat mir immer wieder gesagt, wie wohl er sich mit mir fühlt und dass ich mir keine Sorgen machen soll, was die Zukunft angeht ect . ....

Ganz am Anfang sagte er mir etwas, dass ich zunächst für übertrieben hielt und nicht wirklich einzuordnen wusste, aber mittlerweile könnte ich mir vor stellen, was er damit meinte.

Er sagte zu mir "Ich bin ein totaler Eigenbrödler, ich hoffe nur, dass du daran nicht kaputt gehst. "

Und er sagte sowas ähnliches wie " Irgendwann wirst du mich hassen".

Ehrlich gesagt habe ich seine Aussagen zu dem Zeitpunkt noch belächelt.....

Vor zwei Wochen gab es eine erste Auseinandersetzung, für meine Begriffe völlig überflüssig und wieso weshalb warum weiss auch niemand.Weder er, noch ich.

Es war am Wochenende,seine beiden Kinder waren zu Besuch und schliefen schon.

Wir tranken noch einen Wein zusammen und hatten es uns auf dem Sofa gemütlich gemacht.Wir redeten über Gott und die Welt und ich weiss noch,dass ich ihm gesagt habe, dass ich sehr glücklich bin.

Kurz darauf veränderte sich sein Tonfall schlagartig und er brüllte mich an " Ich bin halt misstrauisch" .

Habe ihm erklärt,dass ich es verstehe ( wir sind beide schonmal von einem Ex Partner betrogen worden ) und es kein problem für mich sei,

da ja alles auch noch sehr frisch ist und erst wachsen muss.Sowas kommt halt nicht von heute auf morgen.Lutz bekam sich überhaupt nicht mehr ein, er brüllte mich immer wieder an "Weil dus nicht verstehst ...weil dus nicht verstehst"

Um dem ganzen aus dem Weg zu gehen,nahm ich mein Glas Wein und setzte mich in den Garten.Ich musste fürchterlich anfangen zu weinen.Irgendwann kam er dann auch raus, aber noch genauso aufgebracht wie zuvor auch.Ich habe mich dann irgendwann erstmal oben im Badezimmer verschanzt, wo er dann auch einmal hin kam.Er brüllte genau so aggressiv herum.Ich war nur froh,dass die Kinder davon nichts mitbekommen haben.

Am nächsten Tag,als die Kinder dann weg waren, wollte er mit mir reden.Ich willigte natürlich ein und erklärte ihm,dass ich diese Art von Auseinandersetzung in keinster Weise nachvollziehen konnte und auch für absolut überflüssig hielt.Dann ging es wieder los, er meinte, das Gespräch sei anscheinend überflüssig,da es ja eh nichts bringt.Er wolle kalt duschen und dann mit dem Hund raus,nachdenken.

Ein paar Stunden später kam er zurück und so ganz langsam entspannte sich die Lage wieder, er nahm mich auch wieder in den Arm und sagte mir,dass er mich lieb habe.

Die nächsten Tage waren wieder sehr schön und ausgeglichen....bis zum vergangenen Donnerstag morgen - seit dem bin ich völlig verzweifelt Es war gegen acht etwa,als der Paketmann kam, der Hund kläfft dann immer sehr, was Lutz aus dem Schlaf gerissen hatte und ihn sauer machte.Er stand auf, ging ins Bad und legte sich wieder hin.Ich stand auch auf und fragte,ob er einen Kaffee wolle...oder einen Tee, er sgate mir, "Nein, ich möchte einfach nur schlafen", ich entgegnete ihm "Ist ok" und ging erstmal in die Küche.Zehn Minuten später kam er um die Ecke und fauchte mich an "Hab ich gesagt,dass du in der Küche sitzen sollst ? Irgendwas ist komisch ".Dann drehte er sich wieder um und ging.Seit dem geht alles drunter und drüber, ich habe grade an dem Donnerstag mehrfach versucht, mit ihm zu reden, aber er macht völlig zu.Es mache keinen Sinn mit mir zu reden, ich sei eine blöde Kuh , ich verstehe sowieso nichts und es bringt alles nichts.Immer wenn ich ihn darum bitte, es mir zu erklären, sagt er mir,dass ich es nicht verstehe und man mit mir nicht reden kann.Ich sei ein absoluter Dickkopf und total stur ( was meiner Natur absolut nicht entspricht ) Am Freitag war die Lage nicht besser, abends ging er auf die Meile und kam hackenstramm morgens um 4 nach Hause ( Ein Bekannter hat mir erzählt, dass Lutz in der Kneipe hochgradig aggressiv gewesen sei und mit jedem Streit anfangen wollte ) Dann sagte er mir, er habe nachgedacht und er will die Beziehung beenden.Ich wollt ihm das nicht glauben und verlangte wenigstens eine Begründung, zumal er mir Mittwoch Abend noch gesagt hat, er würde mich nicht mehr her geben....Das einzigste,was ich zu hören bekam,war "Wir passen nicht zusammen". ....Gestern das selbe Spiel, ich habe mich nun erstmal oben im Haus einquartiert und ihn heute noch nicht gesehen.Ganz am Anfang schob ich das ja irgendwie noch auf den Alkohol, aber das kann es nicht sein, bis auf die Kneipentour war er die letzten drei Tage komplett nüchtern und ich befürchte eine extreme Persönlichkeitsstörung.Das habe ich ihm in meiner Wut dann auch vor den Kopf geworfen.Ich weiss einfach nicht mehr weiter, ich kann gar nicht glauben,dass er die Beziehung aus diesem "Ausbruch" heraus einfach mal so beendet hat...Lutz ist wie ein völlig anderer Mensch, ich denke,dass er ganz dringend Hilfe braucht,befürchte nur,dass er da nicht mit sich reden lässt,weil er da uneinsichtig sein wird.Viel schlimmer ist,dass ich keine Ahnung habe,wie lange diese Phase jetzt noch anhalten kann, ich würde so gerne wieder normal und vernünftig mit ihm reden.Ich möchte auch eigentlich nicht schon wieder ausziehen, ich möchte einfach wieder so glücklich mit ihm sein,wie es schon mal der Fall war.

Ich bin völlig verzweifelt, habe aber beruflich und im näheren Umfeld Erfahrung mit Menschen,die an Borderline und ähnlichem leiden.Und wenn ich mich nicht ganz täusche vermute ich bei ihm auch so etwas in der Art oder wie seht ihr das als Aussenstehende ??

Herzliche Grüße

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14. Juli 2014 um 14:57

-.-
schön, ich bin Borderlinerin.
Was heisst das jetzt? Ich habe teilweise extreme Stimmungsschwankungen, meist durch Trigger ausgelöst, die andere noch nicht einmal wahrnehmen können und dann sind meine Emotionen so stark, dass sie mich kontrollieren, wenn ich das nicht abfangen kann.
Wenn ich nicht gerade einen Krankheitsschub habe (der zugegeben auch durch Trigger ausgelöst werden kann, aber das muss etwas *wirklich* übles sein, wenn es einen Schub auslöst), ist das bestenfalls für ein paar Stunden so, nicht für Tage. Ausser ich komme in eine emotionale Überladung, was ich leider ganz und gar nicht immer verhindern kann, dann bin ich für ein paar Tage (1-4) völlig leer. Emotionslos. Nicht aggressiv oder sonst irgend etwas, sondern emotionslos. Mich friert noch nicht einmal, wenn es zu kalt ist. An Wut oder etwas ähnliches nicht zu denken. Ist natürlich für meinen Partner alles andere als schön, denn Liebe empfinde ich da auch nicht. Mein Mann weiss zum Glück, dass das mit ihm nichts zu tun hat.

Und ansonsten? Ich bin mit meinem Mann seit deutlich über 15 Jahren (glücklich!) zusammen und ich habe in der Zeit ZWEI mal versucht, die Beziehung zu beenden. Ich bin nicht zu stark, sondern leider überhaupt gar nicht eifersüchtig.

Oh doch, eine Gemeinsamkeit gibt es noch: ich weiss auch, dass nicht jeder mit mir klar kommt, der mir nahe kommt und dass ich Gefahr laufe, andere zu verbrennen, wenn ich sie zu nahe an mich heranlasse.
Das Gefühl, mich mit so etwas wie einer Beziehung einfach nur völlig übernommen zu haben, kenne ich auch, viel zu gut. Dass ich zu diesem Zeitpunkt ganz, ganz genau weiss, dass es völlig irrational ist, macht es leider auch nicht weniger stark. Ich ziehe mich dann zurück, um irgendwie wieder gerade aus zu kommen. Nur wenn ich die Möglichkeit eines Rückzuges nicht habe und sich das deswegen weiter steigert, als ich gegen steuern kann, fange ich an, um mich zu schlagen. Ja, ich gestehe, öffentlich und freiwillig, das passiert mir. Ist aber auch binnen Stunden wieder vorbei, das sind keine Tage. Die Stimmungswechsel sind schnell und für andere, die die Trigger nicht sehen können unberechenbar - aber sie sind schnell in beide Richtungen.
Ende der Gemeinsamken, weil rate, wieso ich weiss, dass ich andere Menschen zu leicht verbrennen könnte. ... Und welche Konsequenz habe ich daraus gezogen? Ich blocke Menschen, bei denen ich den Verdacht habe, dass das geschehen könnte von vorherein völlig und kompromisslos ab. Lieber einen zu viel als einen zu wenig, statt ewige Texte zu labern, dass das bestimmt nicht gut geht. Gebranntes Kind scheut das Feuer und für Borderliner brennen diese Feuer viel heisser als "normal".

Nun, daraus ist sicher ganz klar zu schliessen, dass wir beide die gleiche Persönlichkeitsstörung haben und jeder andere, der sich wunderlich verhält, auch. ^^

Mit anderen Worten: Ok, ihr kommt nicht miteinander klar, etwas ist geschehen, was bei ihm einen verdammt wunden Punkt getroffen, vielleicht zu starke Ängste berührt hat. So weit so klar.
Du hast beruflich mit Borderlinern zu tun? Schon mal einen Diagnose-"Bogen" für Borderline oder andere Persönlichkeitsstörungen gesehen? Das sind weniger "Bogen" und eher Bücher, oder? Warum? Bestimmt nicht, weil jeder, der sich wunderlich verhält, Borderliner ist oder eine andere Persönlichkeitsstörung hat. ^^

Ob er Hilfe braucht - kann er nur selbst entscheiden.

Du kannst und musst entscheiden, inwieweit Du damit bei Deinem Partner klar kommst und klar kommen willst.
Wenn es etwas tiefer sitzendes ist - ob nun eine Persönlichkeitsstörung (was ich für ein absolut vorschnelles Urteil halte) musst Du Dich erst einmal genauer informieren, dann entscheiden, ob Du das kannst und willst - und zwar ehrlich und rationalistisch nicht "ach ich liebe ihn und ich kann ihn nicht im Stich lassen, weil er krank ist" - und dann braucht Ihr Wege, gemeinsam damit umzugehen - wie bei jeder anderen Krankheit, die zu signifikanten Einschränkungen führt, auch.

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